„Wir sind alle Weltmeister!“

March 16, 2018 | Author: Anonymous | Category: N/A
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D 8512 NACHRICHTEN MINISTERIUM

Sommerreise

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen überzeugt sich bei ihrer Sommerreise von den Leistungen der Bundeswehr. Seite 3 POLITIK

Flugzeugabsturz

Weltweites Entsetzen über den Absturz eines Passagierflugzeuges der Malysia Airlines über der Ukraine. Seite 4 MILITÄRGESCHICHTE

Die Gruppe dahinter

Eine neue Ausstellung zeigt die Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg beim Attentat des 20. Juli. Seite 9 VERMISCHTES

Der King lebt

Vor 60 Jahren veröffentlichte ein Lkw-Fahrer in den USA ein Musikalbum und wurde binnen Kurzem zum Superstar. Seite 11

DIE BUNDESWEHR IM INTERNET

Nr. 28

Montag, 21. Juli 2014

„Wir sind alle Weltmeister!“ Deutsche Soldaten feiern den WM-Titel der Fußball-Nationalmannschaft. von Jörg Fleischer Berlin. Deutschland hat der ­Fußball-Nationalmannschaft nach dem Gewinn des Weltmeistertitels in Brasilien einen großen Empfang bereitet. Mehr als 400 000 Menschen feierten am vergangenen Dienstag in Berlin die Ankunft der Weltmeister-Elf, die am Sonntag zuvor in einem packenden Finale in Rio Argentinien mit 1:0 durch ein Tor von Mario Götze geschlagen hatte. Im gesamten Land war der Jubel groß, so auch bei den deutschen Soldaten, die sich an den Heimatstandorten aber auch an den Stationierungsorten der Einsatzkontingente im Ausland über den großen Erfolg der FußballNationalelf freuten. So beispielsweise in Berlin, wo Soldaten und zivile Angestellte der Redaktion der Bundeswehr bei der Vorbeifahrt der WM-Elf im offenen Bus frenetisch applaudierten. Die Soldaten der Bundeswehr am Hindukusch waren bereits

Foto: Hannemann/RedBw

50. Jahrgang

WM-Jubel: Auch Soldaten und zivile Mitarbeiter der Redaktion der Bundeswehr in Berlin begrüßen am vergangenen Dienstag die deutsche Fußball-Weltmeistermannschaft auf ihrem Weg zur Fanmeile.

während des WM-Finales ARDKommentator Tom Bartels eine Erwähnung wert. „Dieses Spiel ist spannend für alle – ob zu Hause oder im fernen Afghanistan.“ Bei herrlichem Wetter bedankten sich in Berlin die Fußballlieb-

linge der Nation auf dem 30 Meter langen „Helden-Steg“ auf der Fanmeile am Brandenburger Tor für den beeindruckenden Empfang mit einem Plakat: „Obrigado Fans. Der 4. Stern ist unser!“ Bundestrainer Joachim Löw rief unter

dem großen Jubel den Fans zu: „Ohne Euch wären wir nicht hier. Wir sind alle Weltmeister!“ Lesen Sie zum WM-Public-­ Viewing der deutschen Soldaten aus den Einsätzen die Seiten Bundeswehr (6/7).

Ein neues Kapitel www.bmvg.de

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Neues Unterstützungskommando schafft in Afghanistan die Grundlage für die Folgemission. Mazar-e Sharif. Mit einem feierlichen Appell ist Anfang Juli im afghanischen Mazar-e Sharif der Grundstein für das neue Ausbildungs-, Beratungsund Unterstützungskommando (Train Advise Assist Command North (TAAC-N)) gelegt worden. Es wird aus dem bisherigen Regionalkommando Nord hervorgehen. „Der Wandel unserer Struktur und Fähigkeiten sowie die Reduzierung unserer Kräfte sind die Konsequenz der nächsten Stufe zur Selbstständigkeit afghanischer ­ Sicherheitskräfte“, sagte Generalmajor Bernd Schütt, Kommandeur des Regionalkommandos Nord, während des Appells. Dabei betonte er, dass sowohl das afghanische Volk als auch die afghanischen Sicherheitskräfte mit Stolz auf die bisherigen Fortschritte blicken könnten. Ziel sei es nun, die geschaffene

Foto: Schneider/Bundeswehr

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Ende der Mission: Der Unterstützungshubschrauber „Tiger“ ist aus Afghanistan rückverlegt worden.

Basis gemeinsam zu nutzen und die bisherigen Erfolge nachhaltig zu sichern. Die ersten Veränderungen im Camp Marmal waren bereits im Juni spürbar. Mit den Worten „End of Mission Tiger“ meldete Oberst Pfeifer, Kommodore des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif, die Besatzungen der Unterstützungshubschrauber „Tiger“ samt des fliegenden Waffensystems beim Kommandeur

des RC North ab. Zuvor hatte er die Leistungen der Soldaten gewürdigt, „die den Maschinen Leben einhauchen“ und hob ihre Erfolge während des Einsatzes in Afghanistan hervor.„Die Ära des Tiger endet nach circa 260 Missionen und 1860 Flugstunden“, sagte Oberst Pfeifer. Mit der Umgliederung des Regionalkommandos Nord geht auch eine weitere wichtige Änderung einher: Die Aufstellung

des Unterstützungsverbandes Mazar-e Sharif (UstgVbd MES). Der neue Verband vereint alle Fähigkeiten, die zur Erfüllung einer künftigen Ausbildungs-, Beratungs- und Unterstützungsmission erforderlich werden könnten. Der Unterstützungsverband fasst von nun an die Quick Reaction Force, die Force Protection Kompanie, die Sanitätseinsatzkompanie, die Feldjägereinsatzkompanie, die Logistikkompanie und die Unterstützungskompanie zusammen. Mit der effizienten Bündelung der vorhandenen Fähigkeiten setzen die Nationen, die im TAAC-N sind, ein richtungsweisendes Zeichen für die Zukunft Afghanistans. So werden die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin von ihren internationalen Partnern beraten und unterstützt, um künftig eigenverantwortlich die Sicherheit in ihrem Land gewährleisten zu können. (wit)

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aktuell

IMPRESSUM Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt: Bundesministerium der Verteidigung Presse- und Informationsstab Stauffenbergstraße 18, 10785 Berlin Redaktionsanschrift: Redaktion der Bundeswehr Bundeswehr aktuell Reinhardtstraße 52, 10117 Berlin Telefon: (0 30) 886 228 - App Fax: (0 30) 886 228 - 20 65, BwFw 88 41 E-Mail: [email protected] Leitender Redakteur: Major Torsten Sandfuchs-Hartwig (tsh, App: 24 20) Vertreter: Oberstleutnant Rolf Borges (rob) Redakteur Politik: Jörg Fleischer (jf, App: 24 21) Redakteur Streitkräfte: Hauptmann Patricia Franke (pfr, App: 24 22) Redakteur Sport/Vermischtes: Alexander Linden (afl, App: 24 22) Mediendesign: Eva Pfaender (epf, App: 24 23) aktuell als E-Paper und im pdf-Format: Auf www.bundeswehr.de abrufbar Satz: Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, DL I 4 Zentraldruckerei Köln/Bonn Intranet: http://zentraldruckerei.iud Druck: Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH Kurhessenstr. 4 - 6, 64546 Mörfelden-Walldorf Erscheinungsweise: Wöchentlich montags Auflage: 45 000 Exemplare Verteilung innerhalb der Bundeswehr: Streitkräfteamt, Abt. I – Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr – Info-Service Alte Heerstraße 90, 53757 Sankt Augustin Telefon: (0 22 41) 15-1 (Vermittlung) E-Mail: [email protected] ISSN: 1618-9086 Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Filme, Fotos und Zeichnungen wird keine Gewähr übernommen. Namensbeiträge geben die Meinung des Verfassers wieder. Sie entsprechen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion oder des BMVg. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Leserbriefe per E-Mail werden nur mit wirklichem Namen und Adresse berücksichtigt, außerdem behält sich die Redaktion das Recht auf Kürzung vor.

INTERN

21. Juli 2014

ZITAT

EDITORIAL

„Dieses Spiel ist spannend für alle – ob zu Hause oder im fernen Afghanistan.“

Sieben Wochen Fieber sind für die Gesundheit definitiv nicht gut. Bei Fußballfieber ist das anders. Auch wenn die Spiele der Weltmeisterschaft dieses Jahr für uns Mitteleuropäer zeitlich ungünstig lagen, so hat es sich doch gelohnt. Am Ende haben unsere Jungs den Weltpokal nach Berlin gebracht. Auch die Redaktion der Bundeswehr hat zum Empfang der Fußballhelden ihren Teil beigetragen (S. 1). aktuell zeigt diese Woche einen Rückblick der besonderen Art auf das Turnier: Public Viewing im Einsatz (S. 6/7). Einer der Einsätze wird sich sehr wahrscheinlich in absehbarer Zeit massiv verändern. Die ISAF-Mission läuft zum Jahresende aus. Sollten die nötigen ­Rahmenbedingungen geschaffen werden können, folgt mit veränderten Parametern „Resolute Support“. Dazu gehört die Umgliederung des „Regional Command North“ hin zum „Train, Advice and Assist Command North“ (S. 1). Für einen gelungenen Wechsel der Missionen ist auch die Stabilität des politischen Systems in Afghanistan entscheidend. Nachdem der bisherige Präsident Hamid Karsai nicht wieder antreten durfte, löste die Präsidentschaftswahl einen Konflikt

ARD-Kommentator Tom Bartels während des Finales der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Argentinien.

KALENDERBLATT

Vor 5 Jahren: Am 22. Juli 2009 ereignet sich über Indien, China und dem Pazifischen Ozean die bisher längste totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts. Vor 10 Jahren: Am 22. Juli 2004 wird die 1993 von kroatischen Nationalisten zerstörte Brücke von Mostar mit einem Festakt wiedereröffnet. Sie ist 2005 zum Weltkulturerbe ernannt worden. Vor 45 Jahren: Am 21. Juli 1969, um 3.56 Uhr MEZ, betritt der US-amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Vor 60 Jahren: Am 21. Juli 1954 wird auf der Genfer IndochinaKonferenz ein Waffenstillstand geschlossen und Kambodscha, Laos und Vietnam Souveränität, Unabhängigkeit und Einheit zugesichert. Vor 105 Jahren: Am 25. Juli 1909 überquert der Franzose Louis Blériot mit seinem Eindecker Blériot XI als erster Mensch in einem Flugzeug den Ärmelkanal. Vor 135 Jahren: Am 21. Juli 1879 wird im Schweizer Kanton Bern die Giessbachbahn als erste Standseilbahn in Europa in Betrieb genommen. Sie transportiert Gäste vom Brienzersee zum höher ­gelegenen Grandhotel. Vor 915 Jahren: Am 22. Juli 1099 wird Gottfried von Bouillon der erste Herrscher des Königreichs Jerusalem, das nach der Eroberung der Stadt im Ersten Kreuzzug errichtet wurde. (eb)

zwischen den beiden führenden Bewerbern aus. Der unterlegene Kandidat Abdullah Abdullah warf dem von der Wahlkommission festgestellten Sieger Ghani Manipulation vor. Nun haben sich beide Seiten nach Vermittlung von US-Außenminister Kerry auf eine komplette Neuauszählung der Stimmen geeinigt (S. 4). Ferner könnten Beide in einer neuen afghanischen Regierung entscheidende Posten übernehmen. Dies wäre als ein positives Zeichen für die Zukunft Afghanistans zu werten. Wie sich die Strukturreform der Bundeswehr vor Ort gestaltet, darüber informiert sich die Ministerin auf ihrer Sommerreise. aktuell bringt ein kurzes Update zu den Stationen der Woche (S. 3). Noch eine persönliche Anmerkung: Meine Zeit als Reservedienstleistender bei aktuell ist seit Anfang Juni zu Ende. Als freier Mitarbeiter bleibe ich der Redaktion jedoch vorerst erhalten. Alexander Linden Redakteur Sport

Foto: Bunks/Bundeswehr

BILD DER WOCHE

Sofort kampfbereit: Soldaten des finnischen Boardingteams befinden sich an Bord einer deutschen Fregatte im Mittelmeer.

21. Juli 2014

MINISTERIUM / HINTERGRUND

aktuell

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Große Vielfalt der Truppe Ministerin überzeugt sich bei ihrer Sommerreise von der Leistungsfähigkeit der Bundeswehr.

Kanzlerin feiert 60. Geburtstag

Foto: Wilke/Bundeswehr

Berlin. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat ihre Sommerreise in dieser Woche fortgesetzt, die im Zeichen der Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ steht. Am vergangenen Montag besuchte sie in Calw das Kom­ mando Spezialkräfte (KSK) und in Laupheim das Hubschrauber­ geschwader 64. Beim Kommando Spezial­ kräfte informierte sich die Minis­ terin über die Fähigkeiten und Ausrüstungen des Kommandos. Der Verband ist der Division Schnelle Kräfte unterstellt und verfügt als Kern des Spezial­ kräfteverbunds der Bundeswehr über einzigartige Fähigkeiten. Die Ministerin besichtigte mit dem Schießausbildungszentrum ­ eine für die KSK­Soldaten besonders wichtige Einrichtung. Mit den Soldaten sprach von der Leyen nicht nur über deren lange, intensive und fordernde Ausbildung, sondern insbeson­ dere auch über die Rahmenbe­ dingungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in diesem besonderen Aufgabenspektrum der Bundeswehr. In Laupheim verfolgte die Ministerin ein Übungsszenario, bei dem es um die Rettung eines Botschafters und seiner Familie sowie der Besatzung einer C­160 Transall nach dem fiktiven Absturz in einem Krisenland ging. Von der Leyen zeigte sich beein­ druckt vom Zusammenspiel des fliegerischen Könnens und der

Foto:dpa/pa

von Bernd Schwendel, Christian Schneider, Dietmar Buse, Martin Nehring, Cornelia Riedel, Florian Manthey, Patrick Mundstock und Rene Hinz

Sommerreise: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an Bord des Uboots U31.

medizinischen Leistungsfähig­ keit der Soldaten. In Berlin besuchte von der Leyen am vergangenen Diens­ tag das Bundeswehr­Dienstleis­ tungszentrum (BwDLZ). Die Visite war zugleich ihr Antritts­ besuch im Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen. In der benachbarten Julius­ Leber­Kaserne informiert sich die Ministerin über eine Modell­ stube wie sie in der Truppenwirk­ lichkeit ab etwa 2018 üblich sein wird. Aufgebaut und visualisiert haben das die Mitarbeiter des BwDLZ. Am selben Tag war die Minis­ terin auch noch in Dresden an der Offizierschule des Heeres (OSH) zu Gast. Von der Leyen nahm an dem Seminar „Anforderungen Offizier 21“ teil. Dabei ging es

um die Herausforderungen, vor denen Bundeswehr­Offiziere im 21. Jahrhundert stehen. Ein Schwerpunkt des Seminars ist das Thema „Werte, Tugenden und gesellschaftlicher Wandel“. Am selben Tag stand eben­ falls in Dresden für die Ministerin auch noch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) auf dem Plan. Oberst Matthias Rogg, Direktor des Museums, referierte über die Geschichte des Hauses und erklärte der Ministe­ rin, wie der außergewöhnliche Bau nach einem Entwurf des Architek­ ten Daniel Libeskind entstand. Seit Oktober 2011 zeigt das MHM im neuen unverwechselbaren Profil die Kulturgeschichte der Gewalt. Am vergangenen Mittwoch besuchte die Ministerin den Marinestützpunkt in Eckernförde.

Von der Leyen machte Station beim 1. U­Bootgeschwader, dem Kommando Spezialkräfte Marine und dem Seebataillon. Auf U 31 verschaffte sich die Ministein einen Eindruck vom Leben an Bord. Das Kommando Spezial­ kräfte Marine (KSM) zeigte der Verteidigungsministerin die punktgenaue Landung per Fall­ schirm im Wasser der Eckern­ förder Bucht. Den Abschluss der Sommer­ reise dieser Woche bildete am vergangenen Donnerstag der Besuch der Ministerin bei der Panzerbrigade 21 in Augustdorf. Die Ministerin nutzte die Mög­ lichkeit zum Gespräch mit den Rekruten, die von ihrer Motiva­ tion für die Bundeswehr berich­ teten: Die Soldaten wollen Neues kennenlernen und neue Heraus­ forderungen annehmen.

Widerstand multimedial aufbereitet Berlin. Modern, multimedial und museumspädagogisch auf dem Stand des 21. Jahrhunderts – so präsentiert sich die neu gestaltete Dauerausstellung in der Gedenk­ stätte Deutscher Widerstand in Berlin den Besuchern. Das stellt der Leiter der Einrichtung, Johan­ nes Tuchel, im Gespräch heraus. Ein Jahr hat die Frischzellenkur gedauert, rechtzeitig zum 70. Jah­ restag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944, ist die neue Dauerausstellung geöffnet. Nicht nur optisch, auch inhalt­ lich und strukturell gibt es viel Neues für den Besucher zu ent­ decken: Neben der Berücksich­ tigung aktueller wissenschaft­

licher Forschungsergebnisse zum Thema „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ tragen die Ausstellungsmacher auch moder­ nen Erwartungen an eine Aus­ stellung Rechnung, bekräftigt Tuchel. „Sehgewohnheiten haben sich insofern verändert, als man heute mehr auf Visualisierung Wert legt“, erklärt er. „Multime­ diale Elemente sind dabei sehr wichtig“, so der 56­Jährige. Das Projekt sei aber sehr behutsam und sensibel umge­ setzt worden, so der Professor am Fachbereich Politik­ und Sozialwissenschaften der FU Berlin. Über Touchscreens und Medientafeln etwa erhalten die

Foto: Vennemann/RedBw

Dauerausstellung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin neu gestaltet.

Erinnerung: Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Besucher detailliertere Infor­ mationen. Die erste Tafel ist technisch genauso aufgebaut wie die letzte – das erleichtert die Bedienung. Die Architek­ ten haben Räume geschaffen, in denen man sich sehr gut bewe­

gen kann. „Der Besucher ent­ scheidet selbst, wie viel Zeit er in welchem Raum verbringt“, erklärt Tuchel. „Angebotsorien­ tiert“ lautet hier das Zauberwort. Die Ausstellungsmacher möchten dem Besucher eine Identifikati­ onsmöglichkeit schaffen – denn die inhaltliche Breite in der Aus­ stellung ist immens – sie umfasst die gesamte weltanschauliche Vielfalt des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und umfasst 18 Themenbereiche. Die Gedenkstätte ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, don­ nerstags bis 20 Uhr, sowie an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (pau)

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am vergangenen Don­ nerstag ihren 60. Geburtstag gefeiert. Mit einem Blumenstrauß und Champagner gratulierten als erste die europäischen Staats­ und Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel. Am Abend gratulierten das Kabi­ nett und Parteien der Kanzle­ rin bei ihrer Geburtstagsfeier im Konrad­Adenauer­Haus in Berlin. (eb)

Weitere Einweisung in die Agenda Köln. Am vergangenen Donners­ tag hat in Köln die zweite Einwei­ sung von Spitzenführungskräf­ ten in die Attraktivitätsoffensive stattgefunden. Verteidigungsmi­ nisterin Ursula von der Leyen erläuterte den rund 100 Teilneh­ mern die Kernbotschaften des Programms „Bundeswehr in Füh­ rung – Aktiv. Attraktiv. Anders“. Ziel der Agenda sei es, dass die Armee „jedem Vergleich mit der Wirtschaft“ standhalte und so zu „einem der attraktivsten Arbeit­ geber Deutschlands“ werde, so die Ministerin. (uje)

Universitätsmedaille für General Born Berlin. Generalleutnant Wolf­ gang Born, Leiter der Abteilung Personal im Verteidigungsmi­ nisterium, ist am vorvergan­ genen Freitag in Hamburg mit der Universitätsmedaille der ­Helmut­Schmidt­Universität (HSU) ausgezeichnet worden. Der Präsident der HSU würdigte auf diese Weise die langjährige Verbundenheit des Generals mit der renommierten Bildungsinsti­ tution, die dieser bereits während seiner Zeit als Chef des Perso­ nalamtes (2005 bis 2006), danach als stellvertretender Leiter der Per­ sonal­, Sozial­ und Zentralabtei­ lung (PSZ) und zuletzt als Abtei­ lungsleiter Personal gezeigt hatte. „Sie haben nicht nur für die Uni­ versität, sondern auch für deren Rahmen viel geleistet“, so Uni­ versitätspräsident Seidel. (eb)

Afghanistan-Wahl wird neu ausgezählt Kabul. Im Streit um den Ausgang der Präsidentschaftswahl in Afghanistan haben sich die Kontrahenten nach intensiven Vermittlungen durch US-Außenminister John Kerry auf eine vollständige Neuauszählung geeinigt. Jede einzelne Stimme werde überprüft, sagte Kerry am vorvergangenen Samstag in Kabul. In der afghanischen Hauptstadt hatte der US-Außenminister zwischen dem ehemaligen Finanzminister Aschraf Ghani und dessen Rivalen, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, vermittelt. Nach dem vorläufigen Ergebnis bei der Stichwahl von Mitte Juni war Ghani auf 56,4 Prozent der Stimmen gekommen, Abdullah nur auf 43,5 Prozent. Der frühere Außenminister hatte seinem Rivalen und der Wahlkommission daraufhin Manipulationen vorgeworfen. (cfm)

Zähes Ringen bei Atomgesprächen Wien. Eine Woche vor Auslaufen des Übergangsabkommens mit dem Iran gibt es bei den Wiener Verhandlungen über Teherans Atomprogramm weiterhin große Meinungsunterschiede. Eine Übereinkunft soll dem Iran die friedliche Nutzung der Atomtechnologie ermöglichen, zugleich aber dauerhaft verhindern, dass der Staat Atomwaffen entwickelt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am vorvergangenen Sonntag: „Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob wir zu einem Ergebnis kommen.“ Der Ball liege „auf der Seite des Irans“. US-Außenminister John Kerry hatte zuvor erklärt, es gebe noch „große Diskrepanzen“ zwischen beiden Seiten. Sichergestellt werden müsse, dass Teheran „keine Atomwaffen entwickelt.“ (ogo)

Juncker als neuer Präsident bestätigt Strasburg. Das EU-Parlament hat der Ernennung von JeanClaude Juncker zum neuen Kommissionspräsidenten zugestimmt. Für den früheren luxemburgischen Regierungschef stimmten am Dienstag in Straßburg 422 Abgeordnete, 250 votierten gegen ihn, wie Parlamentspräsident Schulz mitteilte. Notwendig war eine Mehrheit der Mandate – also 376 Ja-Stimmen. Zum ersten Mal in der Geschichte der EU wurde mit der Wahl des Luxemburgers das Ergebnis der Europawahl berücksichtigt, bei der Juncker Spitzenkandidat war. (jes)

POLITIK/HINTERGRUND

21. Juli 2014

Entsetzen über Absturz In der Ostukraine ist ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines offenbar abgeschossen worden. Berlin. Die Europäische Union geht davon aus, dass das in der Ostukraine abgestürzte Passagierflugzeug vom Typ Boeing 777 der Malaysia Airlines abgeschossen worden ist. „Die ersten Einschätzungen auf Grundlage der Verbreitung der Trümmer über mehrere dutzend Kilometer scheinen die Annahme zu bestätigen, dass dieses Flugzeug abgeschossen wurde“, sagte ein ranghoher EU-Vertreter am vergangenen Freitag in Brüssel. Wer jedoch dahinter stecke, müsse durch eine Untersuchung geklärt werden. Die Maschine der Malaysian Airlines mit 298 Menschen an Bord war auch nach erster Einschätzung der US-Geheimdienste am vergangenen Donnerstag von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Die Boeing war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Unter den Opfern sind nach Angaben der Luftfahrtgesellschaft auch vier Deutsche. Die ukrainische Armee und die Rebellen werfen sich gegensei-

Foto: dpa/pa

aktuell

Totales Chaos: In der Ostukraine stehen Sicherheitskräfte und Bergungstrupps fassungslos vor den Trümmern der offenbar abgeschossenen Boeing 777 der Malaysian Airlines.

tig vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Unterdessen forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Konfliktparteien auf, nach dem Flugzeugabsturz die Waffen schweigen zu lassen. Die Umstände des Absturzes müssten „schnellstmöglich“ durch

eine unabhängige Untersuchung geklärt werden, sagte Merkel am vergangenen Freitag in Berlin. Eine Sprecherin der Lufthansa erklärte, die Airline habe sich entschieden, „von sofort an den ukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen“.

Laut Russlands Regierung war der Flugzeugabsturz auch Thema eines Gesprächs zwischen Staatschef Wladimir Putin und USPräsident Barack Obama. Beide hatten am vergangenen Donnerstag wegen der Krise in der Ukraine miteinander telefoniert. (pw)

Israel setzt auf massive Abschreckung Die deutsche Vermittlungsinitiative im Gaza-Konflikt stößt auf unversöhnliche Kontrahenten. Jerusalem. Frank-Walter Steinmeier ist seit Beginn der neuen Gaza-Konfrontation der erste Außenminister, der vor Ort einem Waffenstillstand den Weg zu ebnen sucht. Die Mission des deutschen Chefdiplomaten, der am vergangenen Dienstag in Jerusalem und Ramallah war, gestaltete sich schwierig. Die israelische Regierung steht unter großem Druck: Am vergangenen Donnerstag rollte die Bodenoffensive der israelischen Armee in Gaza an. Zuvor entließ Ministerpräsident Benjamin Netanjahu inmitten des eskalierten Konflikts seinen stellvertretenden Verteidigungsminister Danny Danon. Anlass war laut einem Bericht der Jerusalem Post die Kritik des Politikers der rechten Regierungspartei Likud an einer einseitigen Feuerpause Israels. Danon hatte dies einen „Schlag ins Gesicht“ für alle israelischen Bürger genannt. Steinmeier drängte bei einem Treffen mit Netanjahu darauf, die von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause für den Gazastreifen einzuhalten. „Die Tore für eine Waffenruhe sind jetzt jedenfalls weit geöffnet“, sagte Steinmeier in Tel Aviv. Er forderte, „die Gelegenheit zu ergreifen“, jetzt grundsätzlich über die Zukunft

Foto: dpa/pa

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Israelischer Luftschlag: Nach einem Angriff auf ein Haus in ­Gaza-Stadt versuchen palästinensische Feuerwehrleute einen Brand zu löschen.

des Gazastreifens zu verhandeln“. Gaza dürfe auf Dauer nicht das Waffenlager der Hamas sein. Unterdessen schlug Frankreichs Außenminister Laurent Fabiuse am vergangenen Mittwoch eine europäische Mission an der Grenze des Gazastreifens vor. EUBAM (European Union Border Assistance M ission) könne Kräfte stellen, die die Übergänge zwischen Gaza und Israel kontrolliert. Israel hat die Mindestziele seiner vor einer Woche gestarteten Militäroffensive noch nicht erreicht. Und Hamas strebt weiter nach einem zumindest symbolischen Erfolg, bevor sie sich auf schmerzhafte Zugeständnisse einlassen will. „Zum jetzigen Zeitpunkt geht unsere Regierung

auf Bemühungen um eine Feuerpause nicht ein, weil wir erst sicher sein wollen, dass der Wille der Hamas gebrochen wurde, in einem Jahr oder in einem halben neu anzufangen“, sagte der liberale Finanzminister Jair Lapid. Bisher bombardieren die israelischen Streitkräfte Ziele in Gaza meist aus der Luft, auch Kriegsschiffe feuern Raketen in das Palästinensergebiet. Am Wochenende ging erstmals ein Sonderkommando der Marine an Land und griff eine Abschussrampe an. Bodentruppen stehen an der Grenze des Gazastreifens zum Einmarsch bereit. „Die Streitkräfte haben in Gaza zwar hart zugeschlagen, aber der militärische Flügel der Hamas wurde noch nicht genug geschwächt“,

analysierte Amos Jadlin, bis 2010 Chef des Militärgeheimdienstes. Der Luftwaffengeneral a.D. kündigt an: „Jetzt beginnt eine neue Phase, in der die Hamas-Brigaden einen so hohen Preis bezahlen, dass uns dies eine bessere Position in Waffenstillstandsgesprächen verschafft und Hamas hindert, gestärkt aus dieser Konfrontation herauszukommen.“ Trotz ihrer starken Verluste zeigt zudem auch die Hamas bisher wenig Interesse an einer Feuereinstellung. Ihr Sprecher Muschar al-Masri bekräftigte am vergangenen Montag in Gaza: „Mindestbedingungen für einen Waffenstillstand sind die Beendigung jeglicher Aggression gegen unser Volk, ein Ende der Blockade und die Öffnung des Grenzübergangs Rafah“ nach Ägypten. Jadlin ist sicher: „Wenn das Ziel nur ‚Ruhe für Ruhe‘ lautet, und die Abschreckung verstärkt werden sollte, können wir jetzt aufhören. Das ist erreicht.“ Aber wenn es darum gehe, den bewaffneten Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigade ­ sehr nachhaltig zu schwächen und seine Aussichten auf ein Wiedererstarken zu vereiteln – „dann gibt es keinen Zweifel, dass die Armee ihre Offensive fortsetzen muss“. (ncw)

21. Juli 2014

EINSATZ

„Ich liebe meinen Beruf“

Foto (2): Krakow/Bundeswehr

Kapstadt. Mit einem schwarzen Talar, einer weißen Tischdecke, einem Kreuz und Kerzen ausgestattet bringt Militärpfarrer Bernhard Jacobi die richtige Stimmung auf die Fregatte „Brandenburg“. Die Soldaten sind froh, dass er da ist. Wöchentlich findet an Bord der Fregatte ein Gottesdienst statt. „Es ist eine gute Gelegenheit für eine gewisse Zeit aus der Bordroutine zu kommen“, sagt Jacobi. Es herrscht Ruhe auf dem Achterdeck. Im Hangar der Fregatte „Brandenburg“ wurde die laute Lüftung ausgeschaltet, um Ruhe für die feierliche Stunde zu haben. Ein improvisierter Altar steht in dem grauen Raum. Eine Stunde der Bordroutine entkommen. Mit einem Läuten der Schiffsglocke und einer Durchsage über die Schiffslaut-

sprecheranlage beginnt der einstündige Gottesdienst. Die Soldaten haben ihre Gesangbücher aufgeschlagen, um zum Einstieg ein Lied zu singen. Die Begleitung am Keyboard übernimmt der 49-jährige Militärpfarrer selbst. „Ich versuche die Gottesdienste möglichst abwechslungsreich zu gestalten“, erläutert Jacobi. „Ich orientiere mich an aktuellen Feiertagen, aber auch an Themen, die sich aus dem Bordalltag ergeben“, beschreibt er weiter. Für den evangelischen Militärpfarrer ist es bereits der zweite Einsatz auf einer Fregatte. Für drei Monate, manchmal auch länger, begleiten Militärpfarrer die Soldaten und geben ihnen Kraft und Halt, haben immer ein offenes Ohr für die Anliegen ihrer Kameraden und bringen ein bisschen Heimatgefühl in den Einsatzalltag. Als Seelsorger steht Jacobi den Soldaten jederzeit als Gesprächs-

Ungewöhnlich: Gottesdienst an Bord der Brandenburg.

Afghanistan. Der für vergangenen Freitag geplante Flug eines Airbus von Köln nach Termes/ Usbekistan wurde verschoben. Nach dem Absturz einer malaysischen Verkehrsmaschine in der Ukraine wird bis auf Weiteres kein Flugzeug der Bundeswehr das Land überfliegen, alternative Routen werden geprüft. Bei Redaktionsschluss war offen, ob es zu einer Verzögerung beim Personalwechsel des deutschen Einsatzkontingentes ISAF kommt. (eb)

„Rhön“ kehrt von „Atalanta“ zurück Zufrieden: Bernhard Jacobi ist mit Leib und Seele Militärpfarrer.

partner zur Verfügung. „Natürlich unterliege ich der Schweigepflicht“, betont er und ergänzt: „Das ist mir ganz wichtig“. Dabei ist es egal, ob es um Beziehungsprobleme, Sorgen zu Hause oder aber dienstliche Belange geht. „Mir sind alle Sorgen wichtig, allein der Mensch zählt, nicht der Dienstgrad, auch nicht die Konfession, oder die Geisteshaltung“, bestätigt er nickend. Jacobi führt auch Unterrichte an Bord durch, um mit den Soldaten kritisch über ethische Fragen zu diskutieren. Wenn sich Jacobi nicht an Bord eines Schiffes befindet, kümmert er sich um die Soldaten seines Heimatstützpunktes. In Wilhelmshaven organisiert er neben den Gottesdiensten auch Rüstzeiten und führt lebens-

kundlichen Unterricht durch. „In Zivilgemeinden erzähle ich von meiner Arbeit und von dem, was die Soldaten leisten“, ergänzt er. „Ich bin schon mehr als 20 Jahren Pfarrer, die vergangenen zwölf Jahren war ich in Linnich bei Aachen. Ich liebe meinen Beruf. Der Wechsel zur Militärseelsorge bedeutete eine neue Herausforderung. Es ist die Kirche mitten in der Arbeitswelt. Und an Bord habe ich die Chance, mit vielen jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Viele Schicksale gehen mir nahe, aber es gibt mir Kraft, wenn ich Menschen im Gespräch neue Perspektiven eröffnen kann“, sagt er. „Mir macht die Arbeit Spaß und ich bin glücklich mit der Aufgabe“, sagt er abschließend mit einem Lächeln.

Begeisterung für Fußball verbindet

Foto: Privat

Freudestrahlend: Die Kinder erhielten handsignierte Fußbälle vom SC Preußen Münster.

Diese Erfahrung teilte der 26Jährige am Telefon mit seinem Bruder Thomas, der genau wie Stefan V. ein großer Fußballfan ist. Am Ende des Gesprächs stand der Entschluss der Brüder fest. Thomas V. rief deren Lieb-

lingsverein, den SC Preußen 06 Münster, an und bat um Fußballspenden für afghanische Kinder. Wenige Tage später erhielt der in Augustdorf stationierte Oberfeldwebel ein Paket in Afghanistan. Darin befanden sich fünf

Wilhelmshaven. Der Betriebsstofftransporter „Rhön“ kehrt nach Wilhelmshaven zurück. Das zivilbesetzte Schiff war unter dem Kommando von Kapitän Egon Rhauderwiek (51) am 20. März 2014 aus Wilhelmshaven ausgelaufen, um sich an der EU-geführten Operation „Atalanta“ zu beteiligen.Während des Einsatzes vor der Küste Somalias hat die „Rhön“ bei mehreren Versorgungsmanövern elf verschiedene Schiffe mit rund 4,5  Millionen Liter Dieselkraftstoff und 186.000 Liter Flugkraftstoff versorgt. „Schiff und Besatzung wurden in den zurückliegenden vier Monaten viel abverlangt, gerade im Hinblick auf die klimatischen Verhältnisse und die Gegebenheiten im Einsatzgebiet am Horn von Afrika. Jedoch haben wir uns bestens vorbereitet“, sagte ­Rhauderwiek.  (eb)

„Spiel des Jahres“ im Kosovo

Oberfeldwebel Stefan V. organisiert Spende für Kinder in Afghanistan. Mazar-e Sharif. Seit der Fußballweltmeisterschaft greift auch in Mazar-e Sharif das Fußballfieber um sich. Die Begeisterung für das runde Leder teilten deutsche Soldaten mit der Bevölkerung, indem sie Fußbälle an afghanische Kinder ausgaben. Eine freundschaftliche Geste, die zudem zur Sicherheit der Soldaten im Einsatzgebiet beiträgt. Fußball ist ein Spiel, das weltweit fast jedes Kind kennt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Ball aus Leder oder Gummi, gelb, blau oder grün ist. Wichtig ist, der Ball ist rund. Für die Kinder Afghanistans ist es noch wichtiger, überhaupt einen Ball zu haben. Es ist kein seltenes Bild, dass sie beim Anblick deutscher Soldaten mit ihren Händen einen Kreis formen. „Das soll heißen, dass sie gern einen Ball hätten“, erklärt Oberfeldwebel Stefan V.

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Keine Bundeswehrflüge über Ukraine

Bernhard Jacobi ist Militärpfarrer auf der Fregatte Brandenburg. von Christin Krakow

aktuell

handsignierte Fußbälle, die er an afghanische Kinder verteilte. Mit dieser kleinen Geste hat er ihnen nicht nur ein Lächeln geschenkt, sondern vielmehr gezeigt, dass sie alle etwas gemeinsam haben – die Freude am Fußball. (wit)

Pristina/Prizren. Seit 1979 wird der Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ vergeben. Er soll zeigen, dass es nicht nur Spiele wie Halma oder Schach gibt. Jedes Jahr kommen neue herausragende Spiele auf den Markt. Der Verein „Spiel des Jahres“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Verständnis vom Spielen weltweit zu verbreiten, in diesem Fall bei den Kameraden des 38. Deutschen Einssatzkoningents KFOR. Von aktuellen Bestsellern wie dem Spiel des Jahres 2014 „Camel Up“, bis hin zu Klassikern wie den „Siedlern von Catan“ durften Soldaten, die nicht zu Diensten eingeteilt waren, an vier Abenden die Spiele ausprobieren. Insgesamt wurden drei Spielpakete mit über zweihundert Spielen im Wert von 1200 Euro vom Verein zur Verfügung gestellt. Diese dürfen in den Betreuungseinrichtungen auch in Zukunft von den Soldaten genutzt werden. (orl)

aktuell EINSATZ

aktuell 

Begeisterung von Brasilien bis nach Afghanistan

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Auch die Soldaten im Einsatz verfolgten den Weg der deutschen Fußballnationalmannschaft zum vierten Stern.

3) Foto (1

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Finale gegen Argentinien (ISAF): Das entscheidende Tor wird auch von den norwegische n Kameraden bejubelt.

Der vierte Stern („Atalanta“): Die Fregatte „Brandenburg“ freut sich auf ihre Art über den Titelgewinn und sendet einen Gruß ans deutsche Team.

Viertelfinale gegen Frankreich (AFTUR): Benzema schießt kurz vor Schluss am deutschen Tor vorbei und Deutschland rutscht ins Halbfinale.

Finale g Anspa egen Arge nt nnung löst s inien (MINU ich in große SMA): Die Emot ionen .

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Foto: imago

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Viertelfinale gegen Fran kreich (MEM ist die Stim OPCW): Au mung vor d f der Frega em Spiel g tte „Schlesw enauso gu t wie das W ig-­Holstein “ etter.

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Vorrunde gegen USA (MEM OPCW): Wer nic ht schauen kann, hört halt Radio, wie au f der Fregatte „Augsb urg“.

Achtelfinale gege Algerien (EUTM Mali): Das Spiel umkämpft und ko ist hart stet Nerven.

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aktuell

BUNDESWEHR

21. Juli 2014

Spezialisten im Feldtanklager Foto: Ritter/­Bundeswehr

„Hot Blade“ beginnt zu rotieren

Ovar. Bei Tag und Nacht und in kombinierten Teams stellt sich die Übungstruppe bei der multinationalen Hubschrauberübung „Hot Bade 2014“ unterschiedlichen Aufgaben. Dazu fliegen von der Air Base im portugiesischen Ovar südlich von Porto, die Hubschrauber in enger Abstimmung mit den Bodentruppen der teilnehmenden Nationen ihre Aufträge, zum Beispiel Aufklärung, Transport und Rettung von Piloten. Insgesamt erwarten die Portugiesen 25 Hubschrauber, zehn Jets, sowie 3000 Übungsteilnehmer. Unter anderem stellt die Luftlandebrigade 26 aus Saarlouis Personal. Erstmalig beteiligen sich Fallschirmjäger der 3. und 4. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 263 aus Zweibrücken an der Übung. „Hot Blade“ wird von den Regimentern 30 Niederstetten und 10 aus Faßberg mit Besatzungen und Hubschraubern ausgestattet. Ebenfalls dabei sind die Niederländer mit der 11. Air Manoeuvre Brigade, genauer, dem 11. Bataillon, einer Infanterieeinheit. Die deutsch-holländische ­ Zusammenarbeit in der Division Schnelle Kräfte (DSK) ist seit der Unterstellung der 11 Luchtmobielen Brigade im Aufbau. (stä)

Unterwasserfahrzeug für Seebataillon

Ungarische Soldaten erwerben NATO-Zertifikat für den Betrieb von Feldtanklagern. von Ralf Wilke Putlos. Die binationale Übung „Safety Fuel 2014“ gibt ein lebendiges Beispiel dafür, dass auch kleinere NATO-Nationen an wichtigen Stellen von Operationen integrierbar werden können. Eine Partnerschaft die zum einen die Beteiligung des kleineren Partners an Einsätzen ermöglicht und zum anderen die Rahmennation in bestimmten Bereichen entlasten kann. Diesen Ansatz verfolgen die NATO-Staaten mit den so genannten Anlehnungspartnerschaften. Bereits seit 2012 arbeiten beispielsweise Ungarn und Deutschland eng auf dem Gebiet der Betriebsstoffversorgung zusammen. Künftig werden die magyarischen Streitkräfte die Feldtanklager in NATOEinsätzen betreiben können. Eine wichtige logistische Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die internationale Einsatztruppe in Afghanistan zuletzt jeden Tag bis

zu sieben Millionen Liter Kraftstoff benötigte. In den vergangenen zwei Jahren trainierten die Ungarn an der Seite deutscher Spezialpioniere für ihren neuen Auftrag. Zunächst galt es, die Systeme, Vorschriften und Betriebsabläufe anzugleichen. Zugrunde liegen internationale Standards sowie gemeinsame Richtlinien für den Transport und die Lagerung von Betriebsstoffen. Die ausgewählten Soldaten durchliefen mehrere Lehr- und Ausbildungsmaßnahmen. Geübt wurde in Ungarn und im schleswig-holsteinischen Putlos, wo das Ausbildungszentrum für Spezialpioniere eine weitreichende Infrastruktur bietet. Dort erhielten die Spezialisten aus Ungarn zum Ende der „Safety Fuel 2014“ ihre Zertifizierung. Die ungarischen Partner wiesen während des Übungszeitraums nach, dass sie ein Feldtanklager eigenständig betreiben und auch Havarien bewälti-

Hand in Hand: Deutsche und ungarische Spezialpioniere.

Foto (3): Bier/Bundeswehr

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Auszeichnung: Brigadegeneral Thomas übergibt die Urkunden.

gen können. Das Spektrum reicht von der Planung, dem Aufbau bis zum Betrieb eines Feldtanklagers. Stolz nahmen die künftigen Betriebsführer und Abschnittsleiter ihre Urkunden entgegen. Brigadegeneral Volker Thomas überreichte in Vertretung des Kommandeurs des Logistikkommandos der Bundeswehr

den Verbündeten die verdiente Bestätigung ihrer Fähigkeiten. „Nicht allein in den Stäben, sondern vor allem im Einsatz erfüllen wir Kooperationen und Partnerschaften mit Leben“, sagte er zur kameradschaftlichen Atmosphäre. Die Zertifizierung der Ungarn erfüllt die strengsten Auflagen. Ein Beispiel, das Schule machen wird.

Komplex: Die Entladestation ist Teil eines Feldtanklagers.

Eckernförde. Am vergangenen Montag wurde durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) REMUS 100 an das Seebataillon der Marine in Eckernförde übergeben. Es unterstützt die personell zeitaufwendige Suche von Seeminen und Unterwasserhindernissen in großen Seegebieten. Nach Auswertung der gewonnenen Daten werden auffällige Objekte identifiziert, angetaucht und können gegebenenfalls zerstört werden. Hierdurch wird eine Minen- und Kampfmittelabwehr im küstennahen Bereich und in Hafenzufahrten wesentlich schneller. (eb)

Die Infanterie präsentiert auf dem 18. Tag der Infanterie ihre umfangreichen Fähigkeiten. Hammelburg. Hufgeklapper ertönt im Bereich der Klettertürme an der Infanterieschule, als Stabsgefreiter Katharina Lauber mit ihrem Haflinger Vincent den Schotterweg passiert, um die errichteten Feldstallungen zu erreichen. Lauber, seit 2011 eingesetzt in der Gebirgstragtierkompanie, bildet sowohl Reiter als auch Tragtiere aus, damit diese später das Aufgabenspektrum für das Einsatz – und Ausbildungszentrum für das Tragtierwesen in der Bundeswehr (EAZ) wahrnehmen können. Hierzu zählt im Schwerpunkt die Unterstützung eigener oder auch fremder Truppenteile im schwer zugänglichen Gelände beim Transport von Waffen, Gerät und Versorgungsgütern sowie beim Transport von Soldaten, bei Aufklärung und Erkundung,

um deren Kampfkraft im Gebirge zu erhalten. Die drei Züge der Kompanie verfügen jeweils über 24 Tragtiere zu acht Haflingern und 16 Maultieren, auch Mulis genannt. „Mulis sind eine Kreuzung aus Pferdestute und Eselhengst“, erklärt Lauber. Auf die Frage was ihre Tätigkeit für sie so besonders mache, erläutert die Gebirgsjägerin: „In Bad Reichenhall hab ich die Möglichkeit mein Hobby mit dem Soldatenberuf zu verbinden und eine interessante sowie einmalige Aufgabe in der Bundeswehr zu übernehmen.“ Während des Tags der Infanterie in der vergangenen Woche ermöglichte das EAZ den anwesenden Gästen einen Einblick in das umfangreiche Aufgabenspektrum. Wie bereits in den Jahren zuvor Jahren trafen sich aktive und ehemalige Angehö-

Foto: Böhmer/Bundeswehr

Foto: Bundeswehr

Mit dem Haflinger nach Hammelburg

Traumjob: Stabsgefreiter Katharina Lauber mit ihrem Haflinger.

rige der Infanterie in Hammelburg, um sich über die Entwicklungen in ihrer Truppengattung zu informieren und um Gästen einen Einblick zu gewähren. Der Einladung des Kommandeur der Infanterieschule und General der Infanterie, Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann, sowie der Präsident des Bundes der

Deutschen Infanterie, Generalleutnant a. D. Rainer folgten rund 900 Gäste darunter auch Vertreter aus befreundeten Nationen. Höhepunkt war neben militärischen Vorführungen wie dem Freifallspringen und dem Nahkampf, der jährliche Schießwettbewerb mit internationaler ­Beteiligung. (ths)

21. Juli 2014

INNERE FÜHRUNG / MILITÄRGESCHICHTE

Vielschichtige Akteure Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr beleuchtet 14 Verschwörer des 20. Juli.

Dresden. „Der Berufssoldat sollte der überzeugteste Pazifist sein, denn er kennt den Krieg und daher auch die Verantwortung.“ Mit diesem Zitat von General­ major Hans Paul Oster, Leiter der Zentralabteilung des Amtes Ausland/Abwehr im Oberkom­ mando der Wehrmacht, ist eine der Tafeln der neuen Sonder­ ausstellung des Militärhistori­ schen Museums der Bundeswehr in Dresden (MHM) überschrie­ ben. Oster, in der Ausstellung als „Der Koordinator“ beschrie­ ben, war einer der Mitverschwö­ rer im Widerstand gegen Hitler. Er trug bereits 1938 Informati­ onen zusammen, knüpfte Kon­ takte und koordinierte konkrete Aktionen. Anlässlich des 70. Jahrestages des gescheiterten Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 stellt die Schau „Attentat auf Hitler. Stauf­ fenberg und mehr“ einen Teil der Protagonisten vor, die mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg an der Verschwörung beteiligt waren. Am 3. Juli 2014 wurde die Wanderausstellung eröffnet. Die Historikerin Linda von Keyser­ lingk hat für die Sonderschau unzählige Dokumente, Briefe und Tagebucheinträge gesichtet und bei Nachfahren der Wider­ ständler recherchiert. Neben den Attentätern in teilweise hohen Positionen in der Wehrmacht gab es viele, die hinter den Kulissen den Widerstand unterstützten.

Foto: Ulke/Bundeswehr

von Cornelia Riedel

Militär bis zuletzt: Die Uniform des Grafen Kielmansegg.

„Der Denker“, „Der „Entschlos­ sene“, „Die Unterstützerin“ – mit griffigen Attributen sind die Ein­ zelporträts überschrieben, die Hauptelement der Ausstellung im Museum in der sächsischen Landeshauptstadt sind. Zu den Widerständlern, die vorgestellt werden, gehören neben dem ehe­ maligen Oberbürgermeister Leip­ zigs, Carl Friedrich Goerdeler, unter anderem Generaloberst a. D. Ludwig Beck und General­ feldmarschall Erwin von Witz­ leben. Auch der ehemalige Gewerkschaftsführer Wilhelm Leuschner sowie Helmuth James Graf von Moltke, Kopf der zivi­ len Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, werden vorgestellt. Zu den Porträtierten gehört auch Margarethe von Oven. „Ent­ weder musste man den Mord auf sich nehmen oder man musste das Unrecht auf sich nehmen, also

einen Mittelweg gab es nicht“, sagte sie später einmal. Als Chef­ sekretärin in verschiedenen zent­ ralen militärischen Dienststellen fungierte „Övchen“ als Vertraute und Botin und unterstützte den Widerstand beim Verfassen der Umsturzpläne. Sie tippte zur Vorbereitung des Umsturzes die „Walküre“­Befehle und den ersten Aufruf, der nach erfolg­ tem Attentat an die Bevölkerung gerichtet werden sollte. Darunter etwa Hauptmann Axel Freiherr von dem Bussche­Streithorst, der sich als Frontoffizier zum Attentat bereit erklärte. Ein Vermittler hinter den Kulissen war Fritz­Dietlof Graf von der Schulenburg, Oberleutnant der Reserve und Jurist. Er gewann in zahllosen Gesprächen weitere Mitverschwörer, vermittelte zwi­ schen den verschiedenen Wider­ standsgruppen und war als Innen­

minister oder Staatssekretär für die Zeit nach dem Staatsstreich vorgesehen. Zu den Ausstellungsstücken gehört auch die Uniform von Oberst i. G. Johann Adolf Graf von Kielmansegg, die er vermutlich während der Verhaf­ tung trug. „Kielmansegg ist von ganz besonderer Bedeutung, da er einerseits Teil des Widerstan­ des gegen Hitler war und spä­ ter zu einem der Gründungsväter der Bundeswehr avancierte“, erklärt Oberst Matthias Rogg, der Direktor des MHM. Gezeigt werden außerdem die Pistole, die für das Attentat von Philipp Frei­ herr von Boeselager vorgesehen war sowie ein blutdurchtränk­ ter Abschiedsbrief des Mitver­ schwörers Wessel Baron Frey­ tag von Loringhoven. Rogg sprach in der Laudatio über den Umgang mit dem Widerstand innerhalb der Bundeswehr und stellte heraus, dass es „von Anfang an den politischen Willen, den Wider­ stand innerhalb der Wehrmacht prominent zu behandeln“ gege­ ben habe. „Der Widerstand ist heute eine zentrale Säule des Traditionsverständnisses ­ der Bundeswehr. Die Geschehnisse um 1944 erinnern uns daran, dass die Verpflichtung gegenüber dem eigenen Gewissen wichtiger als jede Vorschrift oder Befehl ist.“ Alle Informationen zur Son­ derausstellung sind unter www.mhmbw.de zu finden.

aktuell

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Mehr als nur ein einzelner Mann Buch. 16 Akteure des Widerstandes gegen Hitler stehen im Mit­ telpunkt des Ausstellungs­ kataloges zur Sonderschau, den das Militär­ historische Museum der Bundes­ wehr in Dresden dieser Tage her­ ausgegeben hat. Die Akteure, die am 20. Juli 1944 versucht hat­ ten, den Diktator Adolf Hitler zu beseitigen und anschließend das nationalsozialistische Regime zu stürzen, hatten ganz unterschied­ liche Biografien. Porträtiert werden beispielsweise Wehr­ machtsangehörige, ­Diplomaten, Kirchenvertreter, Politiker, Unternehmer oder die Chefsekre­ tärin Margarethe von Oven, die als Botin agierte und Umsturz­ pläne abschrieb. Das Buch zur Ausstellung „Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr“ stellt die Widerständler, die unterschied­ liche Aufgaben und Funktionen innerhalb der Verschwörung ausübten, vor. Es dokumentiert zudem die Geschichte des Wider­ standes gegen Hitler und zeigt alle Exponate der Sonderaus­ stellung. (cri) Linda von Keyserlingk, Gorch Pieken, Matthias Rogg (Hrsg.): „Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr. (= „Forum MHM; Schriftenreihe des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr; Bd. 8“); Dresden 2014; 192 Seiten; 160 teils farbige Abbildungen; 18,00 Euro; ISBN 978-3-95498-121-2.

Gehorsam – eine Frage der Moral Für Linda von Keyserlingk liegen die Besonderheiten des Widerstands in der persönlichen Entscheidung der Akteure.

Foto: Ulke/Bundeswehr

Dresden. Linda von Keyser­ lingk hat die Stauffenberg­-­ Ausstellung im Militärhistori­ schen Museum der Bundeswehr in Dresden (MHM) konzipiert. Seit 2006 arbeitet die Histori­ kerin am MHM und leitet seit 2011 das Sachgebiet Schriftgut. Sie hat in Berlin und Greifswald Geschichte studiert. Im aktuellInterview erklärt die 33­Jährige, warum der Widerstand gegen den Diktator mehr als die Person Stauffenberg umfasst.

Vorbildfunktion: Keyserlingk vor einem heroisierten Stauffenberg.

Frau von Keyserlingk, was macht für Sie die besondere Faszination am Thema Widerstand gegen Hitler innerhalb der Militärgeschichte aus? Militärgeschichte ist ja immer eingebettet in die Sozial­ und Kulturgeschichte der jeweiligen Zeit. Dem Widerstand, also auch der Frage, wann sich Soldaten

gegen ihren Eid entscheiden, kommt gerade innerhalb der Geschichte des Zweiten Welt­ kriegs eine besondere Rolle zu. Es ist ein inhaltlich komplexes Thema, das eng an die Biogra­ phien und Schicksale der Men­ schen gebunden ist. Und gerade beim Widerstand spielt immer

wieder die Frage eine Rolle, wie sich der einzelne unter beson­ deren Bedingungen und unter Druck entscheidet. In Ihrer Ausstellung haben Sie 14 Personen des Widerstandes eine Tafel gewidmet. Die meisten Menschen verbinden das

gescheiterte Attentat 1944 jedoch mit nur einer Person: Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Ist Stauffenberg für Sie nicht der zentrale Mann des Widerstands? Stauffenberg hat innerhalb des Widerstandes sicher eine sehr zentrale Rolle gespielt, er ist auf einem der Plakate als „Der Entschlossene“ porträ­ tiert. Doch ein Attentat und den darauf folgenden Umsturzver­ such kann nie nur ein Einzel­ ner planen. Mich hat deshalb besonders das breite Spektrum von Personen interessiert, die sich noch vor dem Krieg um 1938/39 und dann in der Zeit um 1943/44 im Widerstand organisiert haben. Es waren vielschichtige Persönlichkeiten, ­ die an ganz unterschiedlichen Orten im Deutschen Reich gewirkt haben.

Das Attentat auf Hitler und die Erinnerung an den Widerstand werden als einer der Eckpfeiler des Traditionsverständnisses der Bundeswehr betrachtet. Warum ist das so? Weil der Widerstand auch die Frage aufwirft, unter wel­ chen Umständen ein Soldat an den Eid gebunden ist und diesen eben auch mal hinterfragt. Hitler hat seinen Eid, dem Wohl des deutschen Volkes zu dienen, ja selbst mehrfach gebrochen. Die Frage nach dieser persönlichen Verantwortung und den Hand­ lungsspielräumen, die jeder ein­ zelne in einer solchen Situation hat, ist also eines der wesent­ lichen Elemente der Auseinan­ dersetzung mit dem Widerstand gegen Hitler. Die Fragen stellte Cornelia Riedel.

SPORT

21. Juli 2014

Für die ganz Harten

Mit dem richtigen Wind zu Gold Segeln. Stabsunteroffizier (FA) Erik Heil und Thomas Plößel sind vor Helsinki überraschend Europameister in der olympischen 49er-Klasse geworden. Das Duo machte am Sonntag vorletzter Woche den größten Erfolg seiner gemeinsamen Karriere vor den Briten Dylan Fletcher und Alain Sign und den dänischen Olympiasiegern Jonas Warrer und Anders Thomsen perfekt. Für das Duo war es der erste kontinentale Titel. „Der Schlüssel zum Erfolg waren eine konzentrierte Leistung und eine sehr gute Bootsgeschwindigkeit“, sagte Steuermann Heil. Bei den Frauen erkämpften sich Gefreiter Leonie Meyer und Elena Stoffers in der 49er-FX-Klasse die Bronzemedaille hinter den neuen Europameisterinnen Ida Marie Baad Nielsen und Marie ThusgaardOlsen sowie Jena Mai Hansen und Katja Salkov-Iversen aus Dänemark. (sid/eb)

Viel Schimmern ohne echten Glanz Kanu. Die erhoffte Edelmetallflut blieb bei der Heim-EM der Kanuten in Brandenburg aus. Feldwebel Ronald Rauhe und Obergefreiter Tom Liebscher konnten im Zweier-Kajak über 200 Meter einen der drei eingeplanten Siege am vorvergangenen Wochenende realisieren. Der 20-jährige Liebscher gewann zudem im Einer-Kajak über die nicht-olympischen 500 Meter. Obergefreiter Steffi Kriegerstein steuerte im Zweier-Kajak eine Bronzemedaille bei. Insgesamt gab es elf deutsche Medaillen (6 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze), mindestens drei weniger, als realistisch gewesen wäre. (sid/eb)

Mit fünf Disziplinen Medaillen geholt Fünfkampf. Im ungarischen Székesfehérvár hat Stabsunteroffizier (FA) Annika Schleu sowohl Gold, als auch Silber gewonnen. Ersteres holte sie beim Weltcup vergangene Woche im Teamwettbewerb, letzteres mit der Staffel. (eb)

Silberne Medaille für schwarzen Gurt Judo. Obergefreiter Dino Pfeiffer hat beim Judo European Cup 2014 in Sindelfingen Ende vorvergangener Woche den 2. Platz in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm gewonnen. Erst im Finale musste er sich dem Österreicher Christoph Kronberger geschlagen geben. (eb)

Die Triathleten der Bundeswehr zeigen sich beim „Ironman“ in Frankfurt in guter Form. von Thomas Tolksdorf Frankfurt. Hart, härter, „Ironman“. Für viele Athleten dürfte beim Frankfurter Sportevent am ersten Juliwochenende das Motto deshalb gelautet haben: Der Weg ist das Ziel. Doch dieser Weg hatte es in sich. Über 2800 Teilnehmer aus 55 Nationen stellten sich in diesem Jahr dieser Herausforderung. Die rund 226 Kilometer lange Strecke verlangte den Athleten körperlich und mental alles ab. Schon beim Start im Morgengrauen mussten die Sportler hellwach sein. Kurz vor sieben Uhr war allen Teilnehmern am Langener Waldsee die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Dann starteten die Profis und 350 weitere Athleten, unter ihnen die Teilnehmer der Bundeswehrauswahlmannschaft IRONMAN, in die erste Disziplin. Los ging es mit dem Schwimmen. In diesem Jahr empfanden die Teilnehmer das Schwimmen als recht angenehm. Es habe trotz der großen Zahl an Schwimmern nämlich kaum Tritte und Schläge wie in den Jahren zuvor oder bei anderen Wettkämpfen gegeben. Der Zwei-Runden-Kurs war 3,8 Kilometer lang und beinhaltete zwischen den beiden Teilabschnitten eine kurze Laufstrecke. Bei der herrschenden Wassertemperatur durften die Athleten im Neoprenanzug starten. Den frühen Morgenstunden zum Trotz waren Tausende Zuschauer an den See gereist, um das Spektakel live zu verfolgen.

Foto: Tolksdorf/Bundeswehr

aktuell

Erlösung: Der Marathon fordert auch Kunath noch mal alles ab.

Nach 53 Minuten stieg Hauptmann Frank Haller rund acht Minuten hinter den Profis aus dem Wasser und wechselte als erster der Bundeswehrmannschaft auf das Rad. Nun ging es für die Athleten im Sattel über 180 Kilometer. „Die Stimmung an der Radstrecke erinnerte mich doch sehr an die Etappen der Tour de France“, sagte Oberstabsarzt Sven Kunath über die Unterstützung der Frankfurter. Auf der hügeligen Strecke im Frankfurter Umland mussten sie sich ihre Reserven genauestens einteilen und auf eine ausreichende Energie- und Flüssigkeitszufuhr achten. Die Verpflegung beinhaltete auf dem Rad knapp 100 Gramm Zucker in Gelform

und etwa einen Liter Wasser pro Stunde. Der „Ironman“ ist immer ein schmaler Grat zwischen Energiemangel und Magenproblemen. Nach circa sechs Stunden Wettkampfzeit galt es nun bei 31 Grad Celsius in der Frankfurter Mittagsglut den Marathon zu absolvieren. Dabei setzte Kunath auf Eiskühlung, kombiniert mit Iso- und Colagetränken. Irgendwann setzt bei jedem der Kampf im Kopf zwischen Durchhalten und Erschöpfung ein. Wenn der Magen noch mitspielt, der Körper nicht überhitzt ist und die Beine nicht krampfen, wird das Erreichen des Ziels zur psychischen Herausforderung. Mit einer Marathonzeit von unter drei Stunden lief Kunath

nach rund 8:50 Stunden als erster der Auswahlmannschaft Triathlon durchs Ziel. Diese Zeit bedeutete für ihn den Gewinn der Vize-Europameisterschaft in der Altersklasse 35 und den 17. Platz in der Gesamtwertung. Dieses tolle Ergebnis sollte aber nicht der einzige Höhepunkt der Auswahlmannschaft IRONMAN an diesem Tage bleiben. Hauptfeldwebel Oliver Spurzem belegte mit einer Zeit von unter 9:20 Stunden den 16. Platz in seiner Altersklasse und erreichte den 82. Platz im Gesamtklassement. Stabsunteroffizier Jonas Kiefer zeigte mit 9:50 Stunden die drittbeste Leistung im Team vor Hauptfeldwebel Torsten Neufeld und Stabsfeldwebel Robert Lenzen. Hauptmann Frank Haller erlebte in diesem Jahr eine Enttäuschung. Er musste das Rennen nach 23 Kilometern beim Marathon in aussichtsreicher Position liegend vorzeitig beenden. „Ich bin sehr enttäuscht, dass es für mich heute nicht funktioniert hat“, erklärte er völlig niedergeschlagen nach seinem unfreiwilligen Ausstieg. Er hatte sich, obwohl noch leicht verletzt, für einen Start bei diesem Rennen in Frankfurt entschieden. Durch ihre sehr guten Platzierungen haben sich Oberstabsarzt Kunath und Hauptfeldwebel Spurzem dafür qualifiziert, die Auswahlmannschaft IRONMAN der Bundeswehr als Team bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii Anfang Oktober zu vertreten.

Gold bei den Eidgenossen geholt Die deutschen Ruderer dominieren beim Weltcup in Luzern – es gibt aber noch Baustellen. Luzern. Der Deutschland-Achter hat seine WM-Generalprobe mit Bravour bestanden. Das in dieser Saison noch ungeschlagene Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) untermauerte seine internationale Vormachtstellung durch einen Sieg beim Weltcup-Finale in Luzern am vorletzten Wochenende. Das Europameister-Boot gewann auf dem Rotsee vor Russland und Weltmeister Großbritannien und geht damit als großer Goldfavorit in die in sechs Wochen anstehenden Weltmeisterschaften in Amsterdam. Erschöpft, aber überglücklich hockten die Athleten des Deutschland-Achters nach einem packenden Rennen auf ihren Rollsitzen. Nach einem guten Start des Vize-Weltmeisters lag auf einmal das russische Groß-

Foto: dpa/pa

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Geschafft: Der Frauen-Doppelvierer ist erschöpft, aber glücklich.

boot 500 Meter vor dem Ziel knapp in Führung. Doch ein furioser Schlussspurt sicherte der Crew um Schlagmann Felix Wimberger, der auch die beiden Stabsunteroffiziere (FA) Felix Drahotta und Richard Schmidt angehörten, mit einem Vorsprung von knapp einer halben Bootslänge Platz eins. „Die Russen

haben uns gefordert, aber wir haben unseren Plan durchgezogen“, sagte Wimberger. Im Zweier mit Steuermann setzten sich Obergefreiter Peter Kluge und Maat (BA) Alexander Egler mit dem Steuermann Jonas Wiesen gegen das britische Team durch. Die Niederlande wurden abgeschlagen Dritter. „Das war

eine ordentliche Leistung. Sie haben ihre Aufgabe, in so kurzer Zeit zusammenzufinden, sehr gut gelöst“, lobte Trainer Viedt. Der Frauen-Doppelvierer sorgte für den zweiten Erfolg der deutschen Flotte in der Schweiz. Dadurch geht das Boot als Titelkandidat in die WM-Läufe. Unteroffizier (FA) Julia Lier und ihre Mitstreiterinnen siegten mit knapp vier Sekunden Vorsprung sicher vor Kanada. Schlagfrau Lisa Schmidla kündigte mit Blick auf die WM an: „Wir wollen uns nicht darauf ausruhen, sondern weiter Gas geben.“ In einigen Bootsklassen wartet bis zur WM aber noch Arbeit. Lediglich in sieben der 14 olympischen Klassen war der DRV im Finale vertreten. „Es gibt noch Baustellen“, sagte Cheftrainer Marcus Schwarzrock. (om/jl)

21. Juli 2014

VERMISCHTES

Legende begründet Legende Vor 60 Jahren veröffentlicht Elvis Presley seine erste Single und begründet damit eine Ära.

Memphis/Tennessee. Legenden entstehen und wachsen über einen Zeitraum. Manchmal basieren sie auf Hörensagen, manchmal werden sie auch bewusst gestreut und inszeniert. So ist es auch mit der Geschichte um die erste Single, die Elvis Presley 1954 in den Studios des „Memphis Recording Service“ aufnahm und die unter dem Label „Sun Records“ auf den Markt kam. Es war im Juni 1953, als der damals 18-jährige Presley erstmals in das Aufnahmestudio in Memphis kam und für knapp vier Dollar eine Platte mit zwei Liedern einspielte. Angeblich sollte das ein Geschenk zum Geburtstag seiner Mutter sein, so erzählte er selbst. Unwahrscheinlich, war dieser doch bereits zwei Monate früher. Soviel zur ersten Legende. Die zweite Legende besteht darin, dass der Chef des Studios, Samuel Cornelius Phillips, von dem jungen Sänger von vornherein beeindruckt gewesen sein soll. Verbrieft ist, dass Phillips‘ Mitarbeiterin, Marion Keisker, bei Elvis‘ erstem Besuch „Guter Balladensänger“ in den Akten notierte. Mehr Euphorie kam aber nicht auf. Presley kam im Januar 1954 aus eigenem Antrieb wieder zu „Sun Records“, um eine weitere Platte aufzunehmen. Wieder legte er die vier Dollar auf den Tisch. Wieder spielte er

Foto: dpa/pa

von Alexander Linden

Wertvoll: Eine Sammlung der ersten Elvis-Platten bei Sun-Records.

zwei Lieder ein. Wieder gab es keine Euphorie seitens des Produzenten, der dieses Mal selbst am Mischpult saß. Auch der Anruf, den Elvis im Juni 1954 erhielt, um kurzfristig einen Song einzuspielen, ist möglicherweise auf sein Drängen und Keiskers Sympathie für den jungen Wilden zurückzuführen. Die Aufnahme war jedoch wieder so schlecht, dass sie verschollen ist. Die Legende will es nun in einer Version, dass Sam Phillips Elvis direkt zu einer Aufnahme mit den zwei Berufsmusikern Scotty Moore und Bill Black einlud. Eine zweite Version gesteht immerhin ein, dass er zunächst nur Elvis Nummer weitergab. Auch das ist wahrscheinlich auf Drängen

des ehrgeizigen Jungmusikers geschehen. Jedenfalls trafen sich die drei am 4. Juli 1954 bei Moore und probierten. Der Funke will aber nicht so recht überspringen. Moores nüchternes Fazit damals: „Er hat mich nicht umgehauen, aber der Junge hat eine gute Stimme.“ Gut genug, um es am Folgetag im Studio zu versuchen. Auf dem Plan standen zwei Balladen, die später nie erschienen und mit dem Masterband der Session verloren gingen. Dieser Versuch mit dem neuen Sänger verlief wieder schleppend. Die Ergebnisse schienen den Aufwand nicht zu rechtfertigen. Phillips unterbrach und ging in den Schnittraum, um anderes zu erledigen, die Musiker

machten Pause. Mehr als Lockerungsübung, statt als Blödelei oder Eigenwerbung spielte und sang Elvis den Rhythm & Blues Song „That‘s all right“ in einer schwungvollen Neuinterpretation. Das erregte die Aufmerksamkeit des Produzenten und der Musikerkollegen. Letztere stiegen begleitend ein, ersterer steuerte die Aufnahme. Die nächsten zwei Tage probierte Sam mit Elvis weitere Songs aus. Keiner reichte jedoch an diese eine Aufnahme heran. Immerhin kam noch eine B-Seite zustande. Also ging Sam Phillips mit der Platte zu einem Lokalsender in Memphis, dessen populärer DJ Dewey Phillips den Song auch abspielte. Dabei erzeugte er durch leicht zeitversetztes Abspielen zweier Aufnahmen den sogenannten „Slapback“ – ein Effekt, der einem Echo gleicht. Elvis Stimme klang dadurch geradezu vibrierend und verstärkte seine Phrasierung und Dynamik des in seiner Form schlicht gehaltenen Liedes. Die Reaktionen waren überwältigend. Telefonanrufe überschwemmten den Sender. 5000 Vorbestellungen gingen für die Platte ein. Am 19.  Juli  1954 kam sie endlich auf den Markt. 20 000 Exemplare gingen über die Ladentische. Das reichte immerhin für die lokalen Charts und den Startschuss einer außergewöhnlichen Karriere.

67 Minuten für den guten Zweck New York. Es gibt den Welttag des Glücks (UN Resolution A/RES/66/281), einen Welttoilettentag (UN Resolution A/ RES/67/291) und auch das Radio hat einen international anerkannten Ehrentag (UNESCO, 36C/ RES.63). Dazu kommen noch diverse inoffizielle Gedenktage, die von Verbänden und Vereinen ausgerufen wurden. Doch die Adelung durch die Vereinten Nationen (VN) erhalten die wenigsten. Umso seltener ist die Anerkennung eines Gedenktages, der den Namen einer Person trägt, zumal wenn diese noch lebt. Nelson Mandela ist sicherlich eine der bekanntesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und seine Stiftung genießt großes Ansehen. Auf ihr Betreiben hin wurde der 18. Juli als „Internationaler Nelson Mandela Tag“ im November 2009 von den VN anerkannt. Das Datum ist Mandelas Geburts-

Foto: imago

Die Vereinten Nationen rufen jährlich zu sozialem Engagement im Geiste Nelson Mandelas auf.

Übervater: Neun-Meter-Statue in der südafrikanischen Hauptstadt.

tag. Dieses Jahr wurde der Tag zum fünften Mal und erstmals nach dem Tod des Namensgebers im Dezember vergangenen Jahres begangen. Die Begründung der VN für die Anerkennung bezieht sich auf die durch Mandela vertretenen Werte sowie sein Wirken im Dienste der Menschlichkeit in den Bereichen von Konfliktlösung, Schutz von Menschenrechten, Versöh-

nung und Gleichbehandlung von Volksgruppen und der Förderung von Demokratie und Frieden in der Welt. Auf Grundlage dessen rufen die VN jedes Jahr am 18. Juli dazu auf, den „Nelson Mandela Tag“ zu beachten und 67 Minuten für selbstlose Aktionen zu investieren. Vorschläge gibt es auf der Website der Nelson-MandelaFoundation. Der Generalsektre-

tär der VN, Ban Ki-Moon, zum Beispiel hat mit VN-Mitarbeitern dieses Jahr Bäume in New York gepflanzt. Nun kann sich jeder fragen, ob es für persönliches, soziales Engagement einen eigenen Tag geben muss und ob das nicht viel mehr ein Tropfen auf den heißen Stein bildet. Das sieht auch die Nelson-Mandela-Foundation ebenso. Der Gedenktag soll, wie jeder andere Aktions- und Gedenktag der VN, Aufmerksamkeit erregen und daran erinnern, dass die Welt auch durch den Einzelnen und im kleinen zum Besseren verändert werden kann. Wer den Nelson-Mandela-Tag dieses Jahr verpasst hat, bekommt am 30. Juli eine neue Chance für seinen Beitrag zu Versöhnung und Frieden im Kleinen und Großen. Dann ist der Internationale Tag der Freundschaft (UN Resolution A/RES/65/275). (afl)

aktuell

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Der Beginn einer Karriere BluRay. Der Wirtschaftsstudent Jack Ryan (Chris Pine) verlässt nach dem 11. September 2001 die Universität und verpflichtet sich bei den US-Marines. In Afghanistan wird er schwer verwundet. Danach ist für Ryan ein Fronteinsatz nicht mehr möglich. Unter einem Vorwand lädt ihn CIAAgent William Harper (Kevin Costner) zu einem Gespräch. Der Geheimdienstler bittet Ryan um Hilfe bei der Vereitelung eines Anschlags, der das komplette Finanzwesen zusammenbrechen ­ lassen könnte. Entgegen anfänglicher Widerstände lässt sich Ryan darauf ein, verfängt sich aber schnell in einem Netz aus Intrigen. Regisseur Kenneth Branaghs Spionage-Thriller ist der erste Jack-Ryan-Film, der nicht auf einer konkreten Vorlage des 2013 verstorbenen Autors Tom Clancy basiert. Stattdessen haben die Produzenten ein Skript auf den schon etablierten Agenten ummünzen lassen und erzählen hier von dessen Anfängen. Der Film aus dem Jahr 2013 liegt ab sofort auf BluRay vor. (eb)

Bunte Jagd quer durch England BluRay. Auf Wunsch ihres Managers machen sich die vier „Pilzköpfe“ John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr von Liverpool aus auf den Weg nach London, wo sie für eine Fernsehaufzeichnung ein Konzert spielen sollen. Aber schon der Trip in die Metropole verläuft nicht wie geplant. Und als die „Beatles“ auch noch Ringo verlieren, erleben sie eine wilde Nacht, an deren Ende trotzdem der Auftritt in London steht. Niemand hatte 1964 erwartet, dass „A Hard Day’s Night“ viel mehr werden würde als die filmische Ausbeutung eines vergänglichen musikalischen Hypes. Doch der erste Film der „Beatles“ verzückte die ganze Welt. Er entfesselt einen wundervollen Zirkus, der in ständiger Bewegung bleibt. Der Film gönnt sich und den Zuschauern kaum Zeit zum Luftholen. Der vielleicht einflussreichste Musikfilm aller Zeiten ist pünktlich zu seinem 50. Geburtstag zum ersten Mal mit neu gemixtem Soundtrack auf BluRay verfügbar. (eb)

aktuell

Ausgewählte ­ Medienbeiträge 22. Juli, 22:05 Uhr, MDR: Unter Honeckers Flagge; Die MS Halberstadt im Vietnamkrieg

Am 16. April 1972 traf eine US-Rakete das DDR-Handelsschiff „MS Halberstadt“ im Hafen von Haiphong. Der Angriff war ein Versehen und brachte die USA in Erklärungsnot. Das Schiff wurde immerhin auf ihre Kosten repariert. Kurze Zeit später begann die US-Navy, die Hafeneinfahrt von Haiphong zu verminen. Doch der Kapitän der ostdeutschen „MS Frieden“, die vor Haiphong lag, bekam Order, den Minengürtel zu durchfahren, was ihm zum Ärger der US-Regierung gelang. Der Film erzählt mit Zeitzeugen die Geschichte der zwei Schiffe und ihrer Besatzungen. Youtube-Video der Woche: Neun Nationen baggerten, pritschten und kämpften bei der ersten Militärweltmeisterschaft im Beachvolleyball. In der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf stand eine Woche lang alles im Zeichen der Beacher. Eine gute Organisation der Veranstalter machte dieses Event zu einem herausragenden internationalen Turnier. (eb) Der Beitrag „Militärweltmeisterschaft im Beachvolleyball“ unter www.youtube.com/bundeswehr.

VERMISCHTES

21. Juli 2014

Familientreffen im Einsatz Stabsunteroffizier Chris Zilles stößt in Afghanistan auf jemanden, mit dem er nicht gerechnet hat. Augustdorf. Acht lange Jahre hat es seit ihrem letzten Treffen gedauert. Nach der damaligen Begegnung in Berlin haben sich Stabsunteroffizier Chris Zilles und Airman Jonathan H. aus den USA nun im Camp Marmal in Nordafghanistan wiedergefunden. ­ Die beiden verbindet mehr als ein gemeinsamer Auftrag. Der Vater von Zilles und der USamerikanische Luftwaffensoldat aus South Carolina sind Cousins. Jetzt waren beide in Mazar-e Sharif im Einsatz und haben seit ihrem Wiedersehen beinahe jede freie Minute miteinander verbracht. „Ich bin in fast allem besser“, lacht Chris Zilles. Zumindest dann, wenn er Jonathan „wie immer“ in der amerikanischen Betreuungseinrichtung an der Spielkonsole besiegt hat. „Ich sehe in Jonathan zuerst den Verwandten und erst zweitrangig den Kameraden“, sagt Zilles über die besondere Situation. Für den Stabsunteroffizier, dessen dienstliche Heimat Augustdorf ist, endete der Einsatz in Afghanistan vor Kurzem. Jonathan bleibt noch ein paar Monate, bevor es für ihn zurück in die Heimat geht. Dass sie sich in Nordafghanistan getroffen haben, ist purer Zufall. Ihre Mütter hatten miteinander telefoniert und

Was ist Ihre größte Errungenschaft? Mein Auto. Wie können Sie am besten entspannen? Beim Joggen und Sport ganz allgemein. Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Alle Informationen, die man in seinem Leben bekommt, sofort wiedergeben zu können. Mit wem würden Sie gerne einen Monat lang tauschen? Mit meinem Chef. Foto: Bundeswehr

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alle mit der Nachricht vom parallelen Einsatz der beiden jungen Männer im Regionalkommando Nord überrascht. „Wegen dienstlicher Pflichten haben wir uns die letzten acht Jahre davor einfach nicht sehen können“, erläutert Zilles. Ein zweiter gemeinsamer Einsatz ist nicht in Sicht, aber auch nicht unmöglich. Jetzt plant Jonathan erst einmal, Chris im Herbst erneut in Berlin zu besuchen. Gemeinsam wollen die beiden dann die Heimatstadt von Zilles erkunden. Ein neues Kapitel in ihrer Familiengeschichte, das ohne den gemeinsamen Einsatz so nicht hätte beginnen können. (iwi/eb)

Welche lebende Person bewundern Sie am meisten? Meine Mutter. Was können Sie besonders gut kochen? Auflauf und Nudeln. Was wäre Ihre berufliche Alternative? Im Kfz-Bereich weiter zu arbeiten. Welche Eigenschaft schätzen Sie an einem anderen Menschen am meisten? Das Verständnis für meinen Beruf. Welches Lied singen oder hören Sie gerne? Azad – „Eines Tages“. Wo möchten Sie am liebsten leben? Auf einer Insel mit den Menschen, die ich liebe. Wer sind Ihre Helden in der Wirklichkeit? Die Leute, die für andere mehr tun, als für sich selbst. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Bleib Dir treu. Du bist derjenige, der Dein Leben in der Hand hat.

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