Urbane Identität von StadtOrten - Kompetenzzentrum Social Design

March 11, 2018 | Author: Anonymous | Category: N/A
Share Embed


Short Description

Download Urbane Identität von StadtOrten - Kompetenzzentrum Social Design...

Description

Urbane Identität von StadtOrten

ein Forschungsbericht von Dipl. Des. Nicolas Beucker FB 4 - Gestaltung/Kunsterziehung IED Institut für Ergonomie und Designforschung Dipl.-Ing. Arch. Natascha Schlömer FB 10 - Bauwesen Institut für Stadtplanung + Städtebau Universität Duisburg-Essen März 2003 1

Universität Duisburg-Essen D-45117 Essen Institut für Stadtplanung + Städtebau Fachbereich 10 Natascha Schlömer Dipl.-Ing. Architektin Telefon (+49) 0201.183-2800 Telefax (+49) 0201.183-4218 E-mail [email protected]

IED Institut für Ergonomie und Designforschung Fachbereich 4 Nicolas Beucker Dipl. Des. Telefon (+49) 0201.183-3328 Telefax (+49) 0201.183-4328 E-mail [email protected] 2

Inhalt Kurzinfo

4

Forschungsziel

5

Einführung ins Thema Interdisziplinäres Forschen für urbane Identitäten Neue Impulse aus der Universität Duisburg-Essen Begriffsklärungen Image Stadtgestalt Identität Sozialgestalt Identifikation und Aneignung

7 8 8 8 10 11 12 13

Methodischer Ansatz Ortsauswahl und Fotodokumentation Auswahl repräsentativer Motive für die beiden StadtOrte Führen von standardisierten Interviews Auswerten der Interviews und Planungshinweise Rückblick

15 16 17 18 18

Auswertung Identifikationsmerkmale von Altendorf Image von Altendorf Identifikation mit Altendorf Semantisches Differential Altendorf Identitätskarte von Altendorf

19 20 24 27 28

Identifikationsmerkmale von Rüttenscheid Image von Rüttenscheid Identifikation mit Rüttenscheid Semantisches Differential Rüttenscheid Identitätskarte von Rüttenscheid

30 30 34 35 36

StadtOrte im Vergleich

38

Schlussfolgerungen

42

Literatur

45

Dank

47

Anhang Interviewvorlagen Auswahlbilder Rüttenscheid Auswahlbilder Altendorf

49 52 55

3

Kurzinfo Bei der Forschungsarbeit handelt es sich um ein interdisziplinäres Projekt der Fachbereiche 4 (Gestaltung/Kunsterziehung) und 10 (Bauwesen) der Universität Duisburg-Essen. Die verwandten Forschungsinteressen der Fachbereiche sollten in dem Projekt synergetisch verknüpft werden. „Urbane Identität von StadtOrten“ ist eine Analyse der Gestaltqualität von Stadträumen und die Entwicklung von Darstellungsmodellen städtischer Identität. Forschungsinhalt des Projektes ist die Identität urbaner Räume. Durch die Untersuchung sollten Faktoren indiziert werden, die zur Erzeugung von identitätsstiftenden Merkmalen notwendig sind. Bewährte Methoden zur Stadtbildanalyse (Lynch, Becker) wurden dabei auf kleinere Maßstäbe angepasst und für Aspekte des Designs in der Stadt ergänzt. Zur Bewertung der Lesbarkeit der Stadt wurden Kriterien entwickelt, die auch die Planung von Stadtidentität beeinflussen können. Die Untersuchung erfolgte in den Essener Stadtteilen Altendorf und Rüttenscheid. Die Forschungsarbeit wurde unterstützt vom Forschungspool der Universität Essen im Jahr 2002.

StadtOrt von Rüttenscheid (Übersicht)

StadtOrt von Altendorf (Ubersicht) 4

Forschungsziel Wir versuchen ständig, unsere Umwelt zu ordnen, ihr Struktur und Identität zu verleihen. Verschiedene (Stadt-)Landschaften eignen sich dazu besser, andere weniger. Bei der Umgestaltung der Städte sollte es möglich sein, ihnen eine Form zu geben, die diese Ordnungsbestrebungen erleichtert, anstatt sie zu erschweren. (Lynch 1989: 109) Ziel des Forschungsprojektes war die Analyse identitätsprägender Merkmale im urbanen Raum. Es sollten abstrakte Kriterien gefunden werden, die es erlauben, eine qualitative Bewertung der Identität eines StadtOrtes zu geben. Grundlage für die gesuchte Bewertung sollten fachspezifische Erkenntnisse von Experten, aber auch Beobachtungen und Empfindungen von Bürgern sein. Gestaltqualität und Lesbarkeit des Stadtraumes sowie dessen alltägliche Erfahrung und Nutzung wurden zum wesentlichen Untersuchungsgegenstand der Studie. Daneben streiften wir außerdem soziale und kulturelle Faktoren, die wir aber im einzelnen nicht weiter behandeln konnten. Wir hofften herauszufinden, wie das Image eines Ortes und die Identifikation mit diesem voneinander abhängen, welche Neigungen oder Abneigungen Bürger zu bestimmten StadtOrten entwickeln und wie sich dadurch mentale Stadtbilder formen. Schließlich sollten unsere Erkenntnisse dazu führen, die vorhandenen Qualitäten eines StadtOrtes in einer Karte visualisierbar zu machen, sodass ersichtlich wird ob und wo Handlungsbedarf zur Verbesserung der Identitätsfindung besteht. Folgende Punkte sollten im einzelnen geklärt werden: -

Durch welche Elemente der Gestaltung des öffentlichen Raumes wird das Image einer Stadt geprägt?

-

Was trägt dazu bei, das Menschen sich Stadtraum aneignen und sich mit ihm identifizieren?

-

Welche Unterschiede bestehen zwischen Elementen, die das Image eines Ortes prägen und solchen, die zur Identifizierung mit einem Ort beitragen?

-

Lassen sich die Identitätsmerkmale einer Stadt zusammenfassen und visualisieren? Und können daraus Gestaltungshinweise abgeleitet werden?

Ziel des Vorhabens war es, eine Planungshilfe für die Erneuerung und Verbesserung existierender Stadträume zu entwickeln. Durch die erstmalige praxisorientierte Zusammenarbeit der Disziplinen soll eine engere Verknüpfung der beiden Planungsund Forschungsgebiete, Stadtplanung und Design, erreicht werden. Mit der Fokussierung der gemeinsamen Forschungsinteressen wird eine Spezialisierung an der Universität Duisburg-Essen angestrebt. 5

6

Einführung ins Thema Jede Bautätigkeit verändert nachhaltig die Grundlagen des Lebens der Menschen und der Gesellschaft. Aufgabe und Ziel aller Baumaßnahmen ist es daher, Bedingungen für das menschliche und das gesellschaftliche Leben zu schaffen, zu gestalten oder durch Veränderung zu verbessern.

Interdisziplinäres Forschen für urbane Identitäten Im Statusbericht Baukultur in Deutschland wird dazu aufgerufen, die Veränderung des öffentlichen Raumes intensiv zu beobachten (BMVBW 2001). International ist man sich darüber einig, dass der öffentliche Raum the living room of the young, the old, and the poor, and an advertisement of a city‘s image ist. (Zukin 1998: 37) Trotzdem existieren in unseren modernen Städten zunehmend Nicht-Orte, die keinerlei Qualitäten eines gewünschten Wohnraums mehr aufweisen können. Nach Marc Augé korrespondiert die Existenz und Häufung von Nicht-Orten mit dem individuellen Bewusstsein und der Erfahrung von Einsamkeit. Der Raum des Nicht-Ortes schafft keine besondere Identität und keine besondere Relation, sondern Einsamkeit und Ähnlichkeit. (Augé 1994: 121) Diese Aussage fordert dazu auf, die Beziehungen zu gebautem Raum neu zu denken und Erkenntnisse zu gewinnen, die das Entstehen von Nicht-Orten zu vermeiden helfen. Gerade in den Ruhrgebietsstädten wird aber die Entwicklung der Schwellenräume, den sogenannten Übergangsbereichen zwischen den verschiedenen Raumformen, noch sehr unzureichend berücksichtigt. Dabei gilt es, insbesondere für die im Wandel begriffenen Stadträume vorhandene Identitätsmerkmale zu erkennen und auf diesen aufbauend neue Planungsszenarien zu erstellen. Die Analyse von geplanten und gebauten StadtOrten ist also dringend notwendig, um Kriterien für urbane Identität definieren zu können. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) fordert daher interdisziplinäre Konzepte für eine Baukultur in Deutschland: Baukultur ist eine Frage des Bewusstseins und der Qualitätsmaßstäbe aller an Planung und Bau Beteiligten. Gleichzeitig ist sie davon abhängig, wie groß der Stellenwert der gestalteten Umwelt in der Gesellschaft ist. Baukultur braucht ein breit getragenes Verständnis für den Wert einer guten baulichen Umwelt. (Oswald 2001) In der aktuellen Diskussion über die qualitätsbildenden Gestaltungskonzepte für Stadträume beschränkte sich interdisziplinäres Planen bislang auf das Zusammenwirken von Kunst und Lichtplanung mit Architektur, Bauingenieurwesen, Stadt- und Landschaftsplanung. In der Vergangenheit haben aber besonders auch solche Beispiele urbaner Identität für Aufsehen gesorgt, die sich durch einen zusammenfassenden Designansatz auszeichnen, der den individuellen Charakter einer Stadt unterstreicht.

7

Neue Impulse aus der Universität Duisburg-Essen Die vorliegende Forschungsarbeit kann als Initiator für einen belebten Austausch der Fachbereiche Bauwesen und Gestaltung/ Kunsterziehung angesehen werden. Auch gehen von der Interessenverbindung des Instituts für Städtebau und dem Institut für Ergonomie und Designforschung (IED) neue Impulse für die Baukultur von der Universität Duisburg-Essen aus. Die Erkenntnisse des Forschungsprojektes wurden im Februar 2003 bereits auf der Messe public design in Düsseldorf in einem Vortrag verwertet. Insbesondere im Studiengang Industrial Design hat das gemeinsame Projekt schon jetzt den Zugang zu stadträumlichen Fragestellungen neu erschließen können. Weitere Projekte in diesem Forschungsfeld werden in den kommenden Semestern am IED durchgeführt werden. Zukünftige Gestaltungsherausforderungen, die zwischen Planern und Bürgern vermitteln und die Belange der Menschen in den Quartieren noch umfangreicher berücksichtigen, sollen in Varianten von Gestaltungskonzepten urbaner Räume einfließen und diskutiert werden. Die vorliegende Studie will u. a. auf eine interdisziplinäre Architektur-, Stadtplanungs- und Freiraumplanungsberatung vorbereiten, wie sie Gert Kähler als Qualitätssicherung für die Baukultur in Deutschland fordert. (Kähler 2001: 57-59) Sicherlich ist das gemeinsame Vorgehen der beteiligten Disziplinen als Experiment anzusehen und es ist noch unklar, wie sich die Verbindung von Design und Stadtplanung in einer langfristigen Auseinandersetzung bewähren kann. Erhofft wird aber, dass sich durch den Austausch der beteiligten Akteure und deren unterschiedlichen Planungsansätze ein neuer Blick auf die Entwicklung urbaner Identität etabliert.

Begriffsklärungen Für eine zusammenhängende Darstellung verschiedener Merkmale, die es ermöglichen, an einem Ort dessen Image und dessen Identität festzumachen, ist es notwendig, einige Begriffe vorab zu definieren. Im wesentlichen wird dabei zu unterscheiden sein zwischen solchen Gestaltqualitäten, die das visuelle Bild der Stadt prägen und damit deren Image beschreiben und den Qualitäten, die zur Konstruktion eines individuellen mentalen Bildes beitragen, durch das im wesentlichen die Identität eines StadtOrtes beschrieben werden kann.

Image Das Konzept des Image stammt aus der angloamerikanischen Sozialforschung und bezeichnet ein gefühlsbetontes, über den Bereich des Visuellen hinausgehendes Vorstellungsbild zu bestimmten Meinungsgegenständen (wie zum Beispiel Personen, 8

Firmen, Marken). Dieses Image entwickelt und verfestigt sich nach und nach aufgrund von eigenen oder auch von fremden Erfahrungen, zum Teil bewusst, aber vor allem auch unbewusst und lenkt dann die Wahrnehmung und auch Interpretation der Umwelt. (Dittmar 2002) Im städtebaulichen Verständnis wird bisher das Bild der Stadt vor allem aber durch visuelle Wiedererkennbarkeit begründet. Kevin Lynch beschreibt in seiner einflussreichen Studie “Das Bild der Stadt”, welche die bildprägenden Elemente für die Wahrnehmung einer Stadt sind (Lynch 1989: erstmalig erschienen1960). Bedeutend für diese, noch heute oft geteilte, Auffassung eines gut lesbaren Stadtbildes ist die Prägnanz und Wiedererkennbarkeit von folgenden Merkmalen: Wege, Grenzlinien, Brennpunkte, Bereiche und Merkzeichen. Wege sind die Kanäle, die es dem Städter ermöglichen von einem Ort zum anderen zu gelangen. Alle anderen Elemente werden meist in Bezug auf Wege lokalisiert. Grenzlinien sind lineare Elemente, die Gebiete voneinander getrennt halten oder unterschiedliche Gebiete aneinanderfügen. Starke Begrenzungen sind vor allem topografische Grenzen, wie Flüsse oder Bergketten. Bereiche und Brennpunkte sind flächige Elemente, die ein Gebiet innerhalb der Stadt markieren. Während Bereiche etwas unscharf zu bestimmen sind, weil sie größere und auch weniger prägnante Flächen umfassen, bestimmen Brennpunkte besonders verdichtete Zonen, in denen sich Wege kreuzen und städtische Strukturen ineinander übergehen. Das Element Merkzeichen unterscheidet sich von den vorangegangenen vor allem darin, dass der Beobachter in dieses nicht „eintreten“ kann. Merkzeichen sind äußere Markierungen, sie werden als Objekte wahrgenommen und sind aus städtebaulicher Sicht punktförmig. Diese Elemente sind das Rohmaterial, aus denen sich das Bild einer Stadt zusammensetzt, sie formen ein Ganzes, indem sie die besonderen Eigenarten vertiefen und verzahnen. Es entsteht ein Vorstellungsbild, in dem jede Störung eines Elementes einen bestimmten Einfluss auf alle anderen hat. Unabhängig von der Größe des städtischen Kontextes ist die Eindeutigkeit und Klarheit der gestalterischen Merkmale entscheidend für die Prägnanz des Stadtbildes. Was Lynch für den Gesamtkontext „Stadt“ herausgefunden hat, gilt auch im kleineren Maßstab für den Kontext einzelner Quartiere oder deren am stärksten bildlich ausgeprägten Bereiche, die wir im folgenden „StadtOrte“ nennen wollen. Bezogen auf die einzelnen Kriterien, ist festzustellen, dass Wege im kleineren räumlichen Kontext eines StadtOrtes als eigenständige Bereiche wahrgenommen werden, sobald sie verbindende Gestaltqualitäten aufweisen können. Diese können z.B. ein durchgängiger Bodenbelag, einheitliche Fassadengestaltung, Gebäudenutzungen (Läden) oder auch ausgeprägte Stadtmöblierung sein. Merkzeichen haben im kleineren Maßstab eines StadtOrtes die Aufgabe, Anhaltspunkte zu bieten, die die Orientierung erleichtern oder durch Irritation auf den Stadtraum und dessen Qualitäten 9

aufmerksam machen. Die Bedeutung der Kontraste zwischen Figur und Grund wird in gestaltpsychologischen Analysen anschaulich hervorgehoben. (Metzger 1986; Fitzek 1996) Als Merkzeichen eines StadtOrtes können auch kleinere prägnante Elemente, wie z.B. Mikroarchitekturen, Bushaltestellen oder Kioske bezeichnet werden. Die Brennpunkte einer Stadt sind in der Regel auch die Brennpunkte eines Stadtortes und können als Ausgangspunkte für das gedankliche Erfassen unserer Städte gelten. In ihnen verdichten sich die prägnantesten Gestaltungsmerkmale zu einem komplexen Ganzen. Wegen ihrer starken Frequentierung sind Brennpunkte a priori sehr prägend für das kollektive Gedächtnis und damit für das Image einer Stadt. Die Intensität der Aneignung, die sich an Brennpunkten feststellen lässt, kann sie außerdem zu Orten mit hohem Identifikationspotential werden lassen. Lynch betont, das eine Stadt, deren verschiedene Elemente in einem gestalteten Ganzen zusammenspielen, auch zu mehr Teilnahme – also neben Wiedererkennbarkeit auch zu Identifikation mit der Stadt führen: Eine in diesem Sinne bild- oder vorstellungsprägekräftige (sichtbare, ablesbare, greifbare) Stadt müsste wohlgeformt, ausgeprägt, bemerkenswert sein; sie müsste Auge und Ohr zu größerer Aufmerksamkeit und Teilnahme anregen. … Eine solche Stadt könnte - über die Zeit hinaus - als ein Gefüge von großer Kontinuität mit ausgeprägten und deutlich untereinander verbundenen Teilen verstanden werden. (Lynch 1989)

Stadtgestalt Heidede Becker meint, Stadtgestalt sei die objektiv vorhandene Umwelt, die Ist-Umwelt, wie sie für alle Betrachter vorhanden ist: das tatsächliche Umwelt-Angebot, die «Realsituation». (Becker 1978: 111) Becker verweist darauf, dass Stadtgestalt in dieser Form eine Wirklichkeit für jedes Subjekt vorgibt und das daraus eine Wechselbeziehung zwischen dem Bürger als Beobachter und der Stadt als Beobachtungsgegenstand entstehen muss. Im Gegensatz zum Image einer Stadt definiert sich Stadtgestalt daher nicht in erster Linie durch das Fremdbild der Stadt, sondern vielmehr durch ihr Selbstbild, dass sich u. a. aus den individuellen mentalen Bildern der Bevölkerung zusammensetzt. Bei der Inszenierung und Vermarktung eines Images wird dies bisher selten berücksichtigt. Im Zusammenhang mit der Vermarktung von Orten ist darüber hinaus festzustellen, dass in den Fällen, in denen nicht versucht wird, das Image von Orten gänzlich neu zu schaffen, auf dem Image von einzelnen Orten oder Ensembles aufgebaut wird, auf die Identität der lokalen Bevölkerungsgruppen aber keine Rücksicht genommen wird. Stadtmarketing bewirbt oft Dinge, die von der Bevölkerung vor Ort nicht als wesentlich für ihre Umwelt angesehen werden. (Dittmar 2002: 12)

10

Aber gerade das individuelle Bild einer Stadt wird durch Interaktionen im urbanen Raum gezeichnet: Das Vorstellungsbild entsteht, indem das Subjekt „seine Stadt“ klassifiziert, bewertet, interpretiert, ordnet, sich mit ihr identifiziert, sie mit Symbolen besetzt. Das Vorstellungsbild ist Resultat einer handlungsintensiven Auseinandersetzung, Produkt von Erlebnissen und Erfahrungen. (Becker 1978: 111 f.) Um die Bildung des Vorstellungsbildes zu verstehen, müssen wir daher näher auf den Begriff Identität eingehen.

Identität The simplest form of sense is identity, in the narrow meaning of that common term: „a sense of place“. Identity is the extent to which a person can recognize or recall a place as being distinct from other places - as having a vivid, or unique, or at least a particular, character of its own. (Lynch 1981: 131) Ergänzend zu dieser Auffassung Lynchs, die Identität maßgeblich an einem individuellen Ortsgefühl festmacht, muss Identität aber auch als Prozess von Identifikation verstanden werden. Denn insbesondere durch diesen unterscheidet sich urbane Identität vom Stadt-Image. Es geht schließlich nicht nur darum, einen Ort zu identifizieren, sondern darum, sich mit ihm zu identifizieren. Identität [...] ist niemals Substanz, sondern stets Relation, nicht Totalität, sondern Selektion, weder Fatum noch Datum, sondern soziale Konstruktion, nicht Resultat der Realität des Geschehens, sondern jeweils neues Ereignis von Konsens und Konflikt, Erinnern und Vergessen, Behaupten und Bestreiten, Beschwören und Verdrängen, Reden und Schweigen. (Hahn 1999: 86 f.) Mit anderen Worten, Identität entsteht im Dialog zwischen Mensch und Umwelt. Daher ist es bedeutend zu erkennen, durch welchen Kontext ein Ort bestimmt ist, wenn man versuchen möchte, sein Identifikationspotential zu erfassen. Für das Wissen um die besondere Bedeutung eines Gebäudes oder eines Ortes ist es wichtig, die entsprechenden Zusammenhänge zu kennen, aus denen heraus die Besonderheit des Ortes argumentiert wird. (Dittmar 2002: 17) Nach Gernot Böhme entsteht das erlebte Gefüge eines Ortes durch dessen atmosphärisches Erscheinungsbild. Wobei Atmosphäre erzeugt wird durch Gerüche, Geräusche, Lichtverhältnisse und Lebensweisen, die die räumliche Situation zusätzlich prägen. Böhme geht dabei soweit, dass er das Leben, das sich in einer Stadt ereignet von dessen Atmosphäre abhängig macht: Die Atmosphäre einer Stadt ist eben die Art und Weise, wie sich das Leben in ihr vollzieht. (Böhme 1998: 55) Für Böhme ist die Gefühlswelt Stadt nicht nur für deren Image, sondern auch für deren Möglichkeiten zur Identifikation ausschlaggebend. Es geht ihm vor allem darum, wie man sich im Kontext Stadt fühlt. Und auch Kevin Lynch betont die Bedeutung von atmosphärischen Eindrücken für unser persönliches Stadtbild: Most people have had the experience of being in a very special place, and they 11

price it and lament its common lack. There is a sheer delight in sensing the world: the play of light, the feel and smell of the wind, touches, sounds, colors, forms. A good place is accessible to all the senses, makes visible the currents of the air, engages the perceptions of its inhabitants. (Lynch 1981: 132) Erst wenn atmosphärische Räume subjektiv erlebt werden, können die in ihnen empfundenen Gefühle kommuniziert und dadurch zu einem kollektiven Bild verankert und prägend für die Orientierung werden. „Gefühlte Architektur“ gehört mittlerweile sogar auch zu den Qualitäten der Baukultur. (BMVBW 2001: 41) Marc Augé hat für eine bessere Unterscheidung anonymer und Identität stiftender Orte zwischen Orten und Nicht-Orten unterschieden: Ein Ort ist ein Raum, in dem man die individuellen und kollektiven Identitäten, ihre Beziehungen und ihre Geschichte, ablesen kann. […] Ein Nicht-Ort definiert sich umgekehrt als ein Raum, in dem sich weder Identitäten noch Beziehungen, noch Geschichte ablesen lassen. ( Augé 2000: 179 f.) Hier klingen zwei weitere Aspekte an, die für die Entstehung von Identität bedeutend sind: einerseits wird die Geschichte eines Ortes genannt, die ihren Ausdruck in der Gestaltung findet und andererseits kommt den Beziehungen, also den emotionalen Bindungen, die zu Orten aufgebaut werden, Bedeutung zu. Die Gestaltung der Stadt ist nicht nur für das Erscheinungsbild und die Orientierung am Aussen-Image einer Stadt von Bedeutung, sondern auch für die Bereitschaft der Bevölkerung, sich mit der Stadt zu identifizieren. Die Identifikation mit einem Ort hängt sehr an dessen Nutzbarkeit und Aneignungspotential, an der Akzeptanz der jeweiligen örtlichen Situationen und deren Angeboten. In diesem Zusammenhang müssen wir auch die Sozialgestalt einer Stadt berücksichtigen, wenn wir später Aussagen über die Gestaltbarkeit von Identität machen wollen.

Sozialgestalt Die Identifikation der Bewohner mit dem Wohnumfeld äußert sich durch Nutzung, durch die Entwicklung von Zugehörigkeitsgefühlen und schließlich durch die Ausübung von Verantwortung für die Bereiche, mit denen die Bewohner sich besonders identifizieren. Diese Form der Identifikation entsteht anscheinend nur da, wo der Raum zunächst als für Nutzung verfügbar erlebt wird. […] Ein Raum wird nur dann als bedürfnisgerecht empfunden, wenn er sich für die Sozialbedürfnisse, die sich im Raum verorten, eignet. (Schmidt und Pfeiffer 1987: 23 f.) Dies gilt sowohl für die Nutzbarkeit, die durch Angebote in Form von Läden, Märkten, Gastronomie oder sozialen Einrichtungen entstehen, als auch für solche, die öffentliche Aktivitäten, wie Flanieren, Ausruhen, Spielen o. Ä. ermöglichen. Ebenso, wie uns die Architektur einen Rahmen zur Verfügung stellt, der vorgibt, wie ein Raum zu nutzen ist, ist hier auch die Platzierung und Auswahl von Stadtmobiliar für den Gebrauchswert der Stadt prägend. Während die Architektur der Städte den Raum definiert, in dem sich unser Leben abspielt, bezeichnen uns Ampelanlagen, Bushaltestellen, Absperrungen, Sitzgelegenheiten, Fahrrad12

ständer, Kioske etc., wie wir uns in der Stadt bewegen können und was wir an welchem Ort zu erwarten haben. Die Prägnanz von Stadtmobiliar wird so zur Gebrauchsanweisung der Stadt. Der Aufforderungscharakter des Raumes und die von ihm ausgehenden Handlungsanweisungen werden durch räumliche und soziale Wahrnehmung geprägt. […] im Stadtraum erfahren wir nicht nur, was und wie wir etwas tun können, sondern erfahren auch durch das, was wir tun, was und wer wir sind. (Schmidt und Pfeiffer 1987: 23) Daher identifizieren wir uns mehr mit den Räumen, die wir auf eine uns angenehme Art und Weise nutzen. Wir werden bei der Analyse der untersuchten StadtOrte noch darauf zu sprechen kommen.

Identifikation und Aneignung Zwar hat Wolfgang Kil nicht zu unrecht gesagt, dass Identitätsbildung sehr viel mit Dauer (Gewöhnung durch Gebrauch) zu tun hat und recht wenig mit Ästhetik (Schönheit, Zeichenkraft, Einmaligkeit) (Kil 1995: 144), aber wir werden sehen, dass auch eine negative Ästhetik das Image eines Ortes prägen kann und damit durchaus die Identifizierung des Ortes ermöglicht, die Identifikation mit diesem jedoch (beinahe) ausschließt. Der Teil urbaner Identität, der durch das Image eines Ortes entsteht, wird offensichtlich sehr wohl auch durch ästhetische Merkmale, im positiven wie im negativen Sinne, geprägt. Die Aneignung eines Raumes bedarf dagegen der Identifikation mit diesem, weshalb ausschließlich eine positive Wahrnehmung der Umwelt die Identität einer Stadt aufwerten kann. Wo keine Möglichkeiten zur Aneignung gegeben werden, bleibt die individuelle Beobachtung eines Ortes bestenfalls neutral. In der Regel wird aber das Image dieses Ortes für die einzelne Person durch einen weiteren negativen Aspekt beschrieben. Imagebildung und Aneignungsprozesse stehen in einem engen Zusammenhang. Beide bauen auf ausdrucksstarken Merkmalen auf, die die Orientierung ermöglichen. Denn auch Orientierung ist ein sozialer Aneignungsprozeß, der genaue organisatorische und bauliche Voraussetzungen braucht. Wer Orientierung will, muß diese Voraussetzungen schaffen. Es sind die Voraussetzungen für das Wiederherstellen von Erinnerung, von haftungs- und generationsübergreifenden Weitergabemöglichkeiten - auf dem jeweils neuen Niveau. (Hoffmann-Axthelm 1995: 29). Schließlich bleibt noch anzumerken, dass wir in der Gestalt unserer Umwelt immer auch eine gewisse Ernsthaftigkeit und Konstanz erwarten, ohne die uns Identifikation mit dieser unmöglich würde. Die Verantwortung beim Design der Umwelt liegt daher vor allem auch darin, emotionalen Halt zu bieten. Schwierigkeiten tauchen dann auf, wenn das unkritisch übernommene Image, auf das hin man sich verhält, sich als trügerisch oder falsch erweist und damit Unsicherheiten im Verhalten auftreten. (Becker 1978: 112)

13

14

Methodischer Ansatz Ziel des Forschungsprojektes war die Analyse identitätsprägender Merkmale im urbanen Raum. Es sollten abstrakte Kriterien gefunden werden, die es erlauben, eine qualitative Bewertung der Identität eines StadtOrtes zu geben. Gestaltqualität und Lesbarkeit des Stadtraums sowie dessen alltägliche Erfahrung und Nutzung sind der wesentliche Untersuchungsgegenstand der Studie. Grundlage für die gesuchte Bewertung dieser Qualitäten waren fachspezifische Erkenntnisse aus Urbanistik und Raumplanung, Umweltpsychologie und Stadtsoziologie sowie aus der aktuellen Designtheorie. Des weiteren wurden Beobachtungen und Empfinden von Bürgern in die Untersuchung integriert. Wir berücksichtigten verschiedene Aspekte bewährter Verfahren der Stadtbildanalyse, beispielsweise die kartografische Darstellung von stadträumlichen Zuständen und die Befragung mit Hilfe von Bildmaterial (Lynch 1989) sowie die konnotative Beschreibung von Orten mittels semantischer Differentiale (Becker 1978). Durch diese Verfahren erhofften wir herauszufinden, wie das Image eines Ortes und die Identifikation mit diesem voneinander abhängen, welche Neigungen oder Abneigungen Bürger zu bestimmten StadtOrten entwickeln und wie sich dadurch mentale Stadtbilder formen. Schließlich sollten unsere Erkenntnisse dazu führen, die vorhandenen Qualitäten eines StadtOrtes in einer Karte visualisierbar zu machen, sodass ersichtlich wird ob und wo Handlungsbedarf zur Verbesserung der Identitätsfindung besteht. Die Analyse setzt sich aus folgenden Teilen zusammen: 1. Ortsauswahl und Fotodokumentation 2. Auswahl repräsentativer Motive für die beiden StadtOrte 3. Führen von standardisierten Interviews mit Bürgern in den StadtOrten 4. Auswertung der Interviews 5. Erstellen von Identitätskarten 6. Ableiten von Planungshinweisen

Ortsauswahl und Fotodokumentation Zunächst wurden zwei StadtOrte in Essen gesucht, deren Profil vergleichbar, aber doch deutlich unterschiedlich ist. Die Auswahl der StadtOrte in den Stadtteilen Altendorf und Rüttenscheid bot sich an, da beide StadtOrte als Wohngebiete ähnliche Anforderungen an die Infrastruktur und die räumlichen Qualtitäten stellen. An beiden Orten ist die Hauptachse räumlich und psychologisch dominierend für den StadtOrt und trägt in beiden Fällen den Namen des jeweiligen Stadtteils. Während aber Rüttenscheid zu den gehobensten Quartieren der Stadt Essen gehört, ist Altendorf ein Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf. Die Ortswahl wurde in der Hoffnung getroffen, durch die Analyse der gegensätzlichen Qualitätniveaus der StadtOrte allgemeingültige Aussagen treffen 15

zu können, woran sich die Akzeptanz und Reputation einzelner Stadtbereiche festmacht. Um die beiden StadtOrte in ihrer visuellen Prägung und soziokulturellen Eigenart besser verstehen zu können, wurden verschiedene Ortsbegehungen vorgenommen und ein Bildkatalog mit Motiven unterschiedlichster Stadtszenen angelegt. Die Fotos dokumentierten Stadtraumgefüge und Details in Architektur und Begrünung, Öffentliche Räume sowie deren Mikroarchitekturen (Kioske, Wartehäuschen o. ä.) und Stadtmobiliar, Ladenlokale, Schaufenster und das soziale Leben bzw. die Nutzung der öffentlichen Räume. Insgesamt wurden in den beiden StadtOrten 1650 Bilder dokumentiert.

Auswahl repräsentativer Motive für die beiden StadtOrte Damit die Motive der einzelnen StadtOrte auch für eine Befragung genutzt werden konnten, war es nötig, eine eingeschränkte Anzahl der Bilder auszuwählen. Für jeden StadtOrt wurden Motive mit folgenden Inhalten ausgewählt: - Merkzeichen im StadtOrt - Blick der Hauptachse des StadtOrtes folgend - Wohnstraßen - Mikroarchitekturen - Stadtmobiliar (im Straßenraum und im Detail) - Grünflächen - Verkehrsflächen - Fassaden und Fassadendetails - Schaufenster - Leben im öffentlichen Raum Auf diese Weise entstanden Bildpaare, die gewährleisten sollten, dass die Aussagen über die Untersuchungsorte vergleichbar bleiben. (Vgl. Abbildungen im Anhang R01-A01, R02-A02 etc.)

Motivdokumentation für Altendorf 16

Führen von standardisierten Interviews mit Bürgern in den StadtOrten Parallel zur Bildkatalogisierung wurden standardisierte Interviews für die StadtOrte vorbereitet, die Aufschluss über Image und Identifizierung mit StadtOrten und Kriterien für urbane Identitätsmerkmale geben sollten. Wesentlicher Bestandteil der Interviews war die Analyse der ausgewählten Bilder. Die Fragebögen bestanden jeweils aus vier Teilen (Vgl. Anhang): 1. Im ersten Teil wurden allgemeine, einleitende Fragen gestellt, indem der Proband gefragt wurde, woran er denkt, wenn von seinem Stadtteil die Rede ist, wie er seinen Stadtteil jemandem beschreiben würde, der noch nie dort war und was er besonders an seinem Stadtteil mag. 2. Der zweite Teil beinhaltete ästhetische Bewertungen durch semantische Differentiale. Die Versuchsperson sollte anhand einer Skala, eingeteilt in Fünferschritten, ästhetische Bewertungen mit Hilfe von vorgeschriebenen, beschreibenden Adjektiven (persönlich-anonym, belebt-öde, leise-laut etc.) abgeben. (Vgl. S. 27, 35, 40) 3. Mit den kognitiven Repräsentationen von Image, Identifikation und Identität, dem Hauptteil der Fragebögen, beschäftigte sich der dritte Teil. Die Interviewpartner sollten aus den selektierten Motiven die Bilder auswählen, die typisch für ihr Quartier sind und dies kurz erläutern. Parallel wurden sie gefragt, ob diese Abbildung ein positiver bzw. negativer Imageträger sei und ob ihnen die Örtlichkeit des Motivs bekannt sei. 4. Im letzten Teil des Fragebogens wurde mittels offener Fragen nach der Bedeutung des Stadtteils für die Stadt Essen gefragt und Anmerkungen für Veränderungen der Gestaltung des Stadtteils zugelassen.

Motivdokumentation für Rüttenscheid 17

Im Anhang zum Interview wurden noch allgemeine vertrauliche Fragen zur Person gestellt. Aufbau und Gestaltung des Fragebogens wurde mit dem Institut für Marketing und Handel des Fachbereiches Betriebswirtschaftslehre der Universität Duisburg-Essen diskutiert und optimiert.

Auswertung der Interviews und Planungshinweise An jedem Standort wurden 33 Interviews geführt. Die Auswertung konnte daher nur qualitative Ergebnisse liefern, die dennoch sehr aufschlussreich sind. Zunächst erfolgte die Auswertung und Beschreibung der Identitätskriterien für jeden einzelnen StadtOrt, anschließend wurden die beiden Ort miteinander verglichen. Dafür wurden insbesondere die semantischen Differentiale und die von den Bürgern als typisch ausgewählten Motive herangezogen (Vgl. S. 38-40). Die Auswertung der Interviews und die professionellen Beobachtungen vor Ort ermöglichten es, Identitätskarten für die beiden StadtOrte anzufertigen. Auf diesen Karten wurden (nach Lynch) einzelne Brennpunkte, markante Merkzeichen und Grenzen eingetragen. Außerdem wurde markiert, wo sich Einzelhandel und Gastronomie im StadtOrt befinden. Auf diese Weise wurde die visuelle Lesbarkeit im Untersuchungsort dargestellt. Zusätzlich definierten wir die Zonen, die qualitativ beurteilt wurden. Hierzu zählen die als hochwertig angesehenen Fassaden einzelner Straßenzüge, öffentliche Räume mit hoher Gestaltdichte sowie angenommene und abgelehnte Stadträume (Vgl. S. 29 und 37). Abschließend wurden, ausgehend von den Erkenntnissen, die aus dem Vergleich der analysierten StadtOrte gezogen wurden, Planungshinweise abgeleitet.

Rückblick Rückblickend lässt sich sagen, dass die Methode sich bewährt hat, um eine Spezifizierung identitätsbildender Merkmale vorzunehmen. Aus unseren Beobachtungen lässt sich erkennen, welche Qualitäten die beiden untersuchten StadtOrte aufweisen und an welchen Defiziten noch zu arbeiten ist. Insbesondere scheint die Analyse der Orte mit Hilfe der Bilddokumentation in Ergänzung der semantischen Differentiale ein ausbaubarer methodischer Ansatz zu sein. Allerdings muss gesagt werden, dass der Aufwand dieser Vorgehensweise uns zu groß erscheint, um aussagekräftige quantitative Analysen durchführen zu können.

18

Auswertung Identifikationsmerkmale von Altendorf Die charakteristischsten Informationen für den Essener Stadtteil Altendorf scheinen zu sein: Die Linienfahrpläne nach Altendorf, Dioxin-Analysen für das Gebiet, werbende Pizza-Bringdienste, Ergebnisse eines Stadtteiltreffens über die beabsichtigte Schliessung der Stadtteilbibliothek und der Bäderschliessung vom Februar 2001, den Altendorfer Posaunenchor, viele Internetseiten von Kirchengemeinden und auch die Internetseite www.diealtendorfer.de, die ansatzweise über ihren Stadtteil informiert, wenn man mit einer Suchmaschine im Internet nach dem Stadtteil Altendorf in Essen forscht. Altendorf, einst „Altes Dorf“, wurde 966 erstmalig urkundlich erwähnt und gehört seit 1901 zu Essen. Historisch ist der Stadtteil eng verbunden mit der Entwicklungsgeschichte der Essener Firma Krupp (heute Thyssen-Krupp), die u. a. im benachbarten Westviertel und Nordviertel ihre großen Fabrikationsanlagen errichtete. Der Stadtteil ist im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs gut erschlossen. Die Altendorfer Straße (B 231) durchquert Altendorf in Ost-West-Richtung, die Hauptverkehrsstraße Haus-BergeStraße/Helenenstraße/Oberdorfstraße in Nord-Süd-Richtung. Diese Straßen übernehmen auch die Hauptverkehrslasten für den überörtlichen Verkehr von und zur City von Westen. StadtOrt von Altendorf (Lageplan)

19

Architektonisch bedeutsame Gebäude sind die katholische St.Anna-Kirche, der Altendorfer Dom an der Helenenstraße und die evangelische Christus-Kirche an der Kopernikusstraße. Erwähnenswert ist auch noch die Hirtsieferkolonie (Baujahr ab 1918). An öffentlichen Kulturstätten gibt es nur die Stadtbücherei, die oben genannten Kirchen und die kirchlichen Büchereien sowie das städtische Gebäude „Treffpunkt Altendorf“. Der Wohnungsbestand ist zu 54% mit öffentlichen Mitteln gefördert. Die Eigentümerquote an Wohnungseigentum ist eher niedrig. Die erreichbaren Mieten liegen durchweg unterhalb der Schwellen, die der Mietspiegel nennt. Altendorf ist vornehmlich ein Arbeiterwohnviertel mit hohem Ausländeranteil. Laut statistischen Angaben hat dieser Ort einen Ausländeranteil von 18%, im Vergleich hierzu hat Rüttenscheid einen Ausländeranteil von nur 7%, für Gesamt Essen beträgt der Anteil über 9%. Seit Jahren ist Altendorf ein „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“. Das Förderprogramm hat zwar den fortschreitenden baulichen Verfall des Stadtteils verlangsamt, im Vergleich zu den übrigen Stadtteilen Essens hat Altendorf aber noch immer nicht die Qualität, die man in anderen Stadtteilen Essens findet. Altendorf ist nach Meinung von Experten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung eines jener Viertel, in denen sich in den kommenden Jahrzehnten die sozialen Probleme im Ruhrgebiet verschärfen werden. Die Makler sehen für diese Entwicklung einen Teil der Verantwortung bei den Hausbesitzern, die Ihre Häuser verkommen lassen und keine Investitionen in Fassaden und Bädern tätigen.

Image von Altendorf Bei der Frage, woran die Altendorfer bei Ihrem Stadtteil denken, erwähnten jeweils 40% der Befragten spontan das Einkaufszentrum Real und mit gleichem Atemzug den hohen Ausländeranteil. Bei einem Viertel der Befragten standen Armut, Sozialhilfe, hohes Verkehrsaufkommen, Trostlosigkeit und Ungepflegtheit im Vordergrund. Sollten die Interviewteilnehmer ihren Stadtteil jemandem schildern, der noch nie dort war, so beschrieben diese ihn als öde, heruntergekommen (53%) und als ungepflegt (43%). Auch hier war bei einem Drittel der Befragten der hohe Ausländeranteil erwähnenswert und fast ein Viertel der Befragten bemängelte den fehlenden Freizeitwert (23%) und das hohe Verkehrsaufkommen (20%). Fragte man die Betroffenen, was Sie an Altendorf besonders mögen, so gab es keine klaren Aussagen zu IdentitätsOrten in Ihrem Stadtteil. Wie wir noch aufzeigen werden, finden sich in Altendorf nur sehr wenige Orte, die zur Identitätsbildung beitragen können. Ein Viertel der Befragten fand gar keine Antworten auf diese Frage. Ein weiteres Viertel der Interviewteilnehmer gaben den Supermarkt Real und seinen Parkplatz an, den Flohmarkt auf 20

dem Marktplatz, die Titanhallen (Trödelmarkt am Samstag) und die Kirche Maria Himmelfahrt an der Helenenstraße. Diese vorgenannten Ankerpunkte sind Orte der temporären öffentlichen Ansammlungen von Menschen und Treffpunkte, in denen sog. Eventveranstaltungen stattfinden und in der Regel nur an einem Tag der Woche aufgesucht werden. Für den Stadtteil Altendorf wird sehr deutlich, dass kulturelle Einrichtungen und überregional wichtige Anziehungspunkte komplett fehlen. A0054

Aus dem Bildkatalog ihres Stadtteils wählten mehr als zweidrittel der Befragten (70%) den zentralen Verkehrskotenpunkt der Altendorfer Straße (A0054) aus, wobei zwei Drittel der Befragten bei der Beschreibung des Motives diesen Ort als einen negativen Imageträger bewerteten. Alle Befragten wussten genau, wo sich dieser Ort befindet. In den Anmerkungen wurde dieses Foto mit folgenden Begriffen belegt: Verkehrsknotenpunkt, Hauptverkehrsstraße, die typische Altendorfer Straße, man sollte hier besser nicht anhalten, unfreundlich, unsicher und laut, Unfallgefahr.

A0077

60% wählten einen weiteren zentralen Verkehrsknotenpunkt (A0077) aus. Das Bild zeigt eine zentrale S-Bahn-Haltestelle an der Altendorfer Straße. Auch bei diesem Foto konnten alle Befragten die Örtlichkeit bestimmen. Dieser StadtOrt wurde mit Durchfahrtsort betitelt; entweder wird dieser Ort auf dem Weg zur Arbeit bzw. zurück durchfahren oder wenn die Ziele Stadtmitte bzw. CentrO Oberhausen seien. Erwähnenswert bei dieser Bildabfrage ist noch, dass auch hier wieder der hohe Ausländeranteil an der Haltestelle kommentiert wird. Auch der stetig zunehmende Verlust an Kaufkraft für die umgebenden Geschäfte wird geäußert.

A0016

Fast die Hälfte der Befragten (40%) suchten ein drittes typisches Motiv der Altendorfer Straße (A0016) aus. Auch hier wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine lärmintensive Durchgangsstraße mit Geschäften handelt, wo man nicht anhält. Es wurde noch erwähnt, dass der Stadtteil Altendorf eigentlich ein Schlauch sei. Dieser unattraktive Schlauch sei der Imageträger für den Stadtteil.

Als prägnantes Bild für den Stadtort wählten etwa die Hälfte der Befragten ein Motiv mit einer Reihung von überquellenden Entsorgungscontainern (A0221), vor denen sich der Müll stapelte. Die Hälfte der Befragten wusste, wo dieses Foto gemacht wurde. Schmutz wurde als Sinnbild/Image für Altendorf gesehen. Es stehe auch für sozialen Abstieg und Verwahrlosung.

A0221 21

Folgende Abbildungen wurden von etwa 40% der Befragten ausgewählt: Die Auswahl traf auf eine typischen Wohnstraße von Altendorf (A0211). Obwohl auf dieser Abbildung eine geplante, grüne Baumreihe existiert und der Wohnstraße durch diese Maßnahme eine Aufwertung zukommt, wurde diese Tatsache von den Befragten nicht beachtet. Eine Abbildung zeigt einen Kiosk in einem Wohngebäude der 60iger Jahre (A0323). Es wurde angemerkt, dass diese Trinkhallen in Altendorf häufiger auftreten als in anderen Stadtteilen und einfach zum Stadtbild gehörten. Die Trinkhallen sind eine der wenigen öffentlichen Institutionen und Treffpunkte innerhalb dieses StadtOrtes. Außerdem wurde ein weiteres Motiv häufig ausgewählt, dass das soziale Umfeld beschreibt. Das Foto zeigt einen öffentlichen Platz (A0482), auf dem sich eine Gruppe von „sozial Schwächeren“ versammelt hat. Das sei ein soziales Problem von Altendorf, das sehe man aber auch überall. Der öffentliche Raum wird hier negativer Imageträger.

A0211 22

A0323

A0482

A0368

Von einem Drittel der Interviewpartner (37%) wurde die Abbildung mit der Kirche Maria Himmelfahrt (A0368) ausgewählt, die als Wahrzeichen des Stadtteils begriffen wird, aber auch für einige Interviewpartner nicht ins Gesamtbild passe. Zu dieser Abbildung wurden Anmerkungen zur schönen Wohngegend um die Kirche gemacht. Die gute Kirchenarbeit in dem Stadtteil wurde positiv hervorgehoben.

A0037

Die Altendorfer Straße ist das Identitätsmerkmal für Altendorf. Die Motive der Altendorfer Straße wurden auf allen Abbildungen erkannt. Nicht nur ist die Trasse durch ihren Namen maßgeblich mit dem Stadtteil verbunden, auch definiert sie die prägnanteste Linie des Ortes. Durch die Altendorfer Straße wird das Quartier zerschnitten, durch sie werden der nördliche und der südliche Bereich voneinander isoliert. Die Altendorfer Straße ist gleichzeitig Grenze (A0016, A0037, A0053, A0104, A0107, A0125). Zum einen liegt es darin begründet, dass Merkzeichen, überregionale Besonderheiten und Aktionen in Altendorf nicht existieren. Die Merkzeichen von Altendorf, wenn man sie denn als solche bezeichnen mag, befinden sich an oder in der nahen Umgebung der Altendorfer Straße.

A0053

A0104

A0107

A0125

A0215

A0490

A0106 23

A0143

A0369

A0455

Es gibt die Aral-Tankstelle (A0215), wichtige Haltestellen und Kreuzungen (A0077, A0104, A0125), das Einkaufszentrum Real (A0490) und die Kirchtürme (A0106, A0143, A0368, A0369, A0455, A0464), die man von der Altendorfer Straße erblicken kann. Merkzeichen erleichtern die Orientierung, prägen aber eher das Image als lesbares bzw. wieder erkennbares Bild und sind nicht so sehr für die Identifikation notwendig. Orte, an denen „besondere Aktionen“ stattfinden, erleichtern den Aneignungsprozess sehr und sind daher bedeutend für die Identifikation mit dem StadtOrt. Die Altendorfer Straße ist eine Durchfahrtsstraße, auf der man nicht anhält. Der Altendorfer Straße fehlen städtisches Raumgefüge und atmosphärische Details. Die Bürgersteige sind zu schmal, es gibt kein Grün, die sich stetig verschlechternde Geschäftsstruktur lädt kaum zum Flanieren ein und das hohe Verkehrsaufkommen verhindert jegliche Bildung von Atmosphäre. Nach den Kriterien von Lynch ist sie für das Stadtbild sowohl Grenze als auch Weg. Die Struktur der Geschäfte an der Altendorfer Straße korrespondiert mit der aktuellen Sozialstruktur des Stadtteils.

A0464

In Altendorf gibt es im Vergleich zu Rüttenscheid keinen Gestaltungswillen. Eine für das Image des Stadtteils relevante und prägende Gestaltung des öffentlichen Raumes fehlt vollständig. Oft werden neutrale Motive bei der Untersuchung in Altendorf mit negativen Images ergänzt.

A0356

So wurde bei der Abbildung A0356, auf der eine Gaststätte abgebildet ist, der hohe Alkoholismus im Stadtteil bemängelt. Mit diesem Foto wollten wir Aussagen zum Design (Straßenleuchten, Fassadendetails etc.) des öffentlichen Raumes hervorrufen, doch wurde hierauf nicht Bezug genommen.

Identifikation mit Altendorf Auffallend ist, dass positive Motive und deren Details (geplantes Grün, verkehrsberuhigte Zonen, gestaltete Fassaden etc.) gar nicht beachtet wurden. Die Gespräche drehen sich vornehmlich um die sozialen Missstände. Wir wählten eine Aufnahme von einer idyllischen verkehrsberuhigten Seitenstraße mit pastellfarbiger Reihenhausbebauung der Jahrhundertwende und geordneter Straßenraum- und Fassadenbegrünung aus. Von den 30%, die 24

A0136

A0008

A0193

A0058

diese Aufnahme als positives Image auswählten, wurden auch die im Vorwege erkannten Merkmale genannt, es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass dieses Foto keine typische Abbildung von Altendorf ist. Obwohl in Altendorf in den versteckteren Randbereichen ansprechende Örtlichkeiten existieren, identifizieren sich die Bewohner nicht mit diesen Motiven. Erwähnung finden die Graffities (A0136) und immer wieder die Begriffe Unsauberkeit und Verwahrlosung, die in viele Abbildungen hinein interpretiert werden. Auch attraktive Wohnstraßen und grüne atmosphärische Bereiche (A0008, A0058, A0176, A0286, A0287), die in Altendorf tatsächlich existieren, werden nicht bewusst wahrgenommen und finden somit keine Erwähnung in den Gesprächen, da die negativen Wohn-

A0197

A0176

A0286

A0287 25

bereiche und Unorte in den frequentierten Bereichen dominieren. Eine Aneignung von Räumen passiert ausschließlich provisorisch (A0197, A0193) und nur von einzelnen Gruppen der Bewohnerstruktur (A0287, A0482, A0198, A0476). Die Bewohner berichten über das gute historische Image von Altendorf. Es gab eine gute Arbeiterwohnsiedlungsstruktur; um die Ecke war Krupp. Die alte Schornsteinruine auf dem ehemaligen Kruppgelände wird als Wahrzeichen von einst betrachtet, ist Imageträger der "alten guten Zeit".

A0198

Heute findet Identifikation mit dem Stadtteil Altendorf kaum statt. Das negative Image dominiert.

A0482

A0476

26

Semantisches Differential Altendorf Die graphische Darstellung des semantischen Differentials beschreibt die Wahrnehmung des untersuchten StadtOrtes Altendorf. Hieraus geht hervor, dass Altendorf vor allem als "laut", "verwahrlost", "anonym", "langweilig" und "gefährlich" bezeichnet wird. Die Gestaltqualität von Architektur und Design wird als ziemlich negativ empfunden. Das mag daran liegen, dass ein Gestaltungswille für öffentliche Räume gänzlich fehlt. Die (Wohn-)Gebäude sind in sehr maroden optischen Zuständen, die mit ein wenig Fassadenfarbe aufgewertet werden könnten. Doch die Hausbesitzer lassen die Häuser verkommen und scheuen Instandhaltungsinvestitionen aufgrund der rückläufigen Mietprognosen für Altendorf.

Semantisches Differential Altendorf

27

Identitätskarte von Altendorf In den Befragungen wurde unterschieden nach Bewohnern und Auswärtigen, die in Altendorf arbeiten bzw. aus anderen Gründen dort sind. Die Bewohner des Stadtteils urteilen bis auf eine Ausnahme nicht positiver über ihren Stadtteil als die Auswärtigen. Auffällig ist, daß bei Bewohnern die fortschreitende Negativentwicklung ihres Stadtteils und die Sozialstruktur im Vordergrund stehen. Der stetig zunehmende Ausländeranteil wird von ihnen als großer Nachteil empfunden. Eine Renovierung der Wohngebäude wird gefordert und das Abwandern der ausgewogenen Geschäftsstruktur soll verhindert werden. Orte des Konsums beschränken sich auf Sonnenstudios, Spielhallen, eine Reihe von Pizzerien, Dönerbuden und libanesische Schnellimbisse und der Megastruktur, dem Einkaufszentrum Real. Die prägnantesten Bereiche von Altendorf werden negativ belegt. In dieser Darstellung wird sehr deutlich, dass die Altendorfer Straße, der der Imageträger für den Stadtteil ist, ein ausschließlich negativer Gestaltungsraum ist. Diese Feststellung korrespondiert mit der Auswahl der Bildmotive. Die uns genannten Motive wurden als typisch für Altendorf bezeichnet. Dieser Raum wird von den Altendorfern nicht angenommen, ist somit kein identitätsstiftendes Merkmal. Im öffentlichen Raum gibt es Defizite in den Aufenthaltsqualitäten (z. T. durch mangelhafte Gestaltung und fehlende Durchgrünung, z. T. durch konfliktbeladene Nutzungen). Die vorhandene Drogenszene, Vandalismus, Schmutz im öffentlichen Raum, fehlende Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche und Konflikte im Wohnbereich zwischen Deutschen und Nichtdeutschen belasten das Klima in Teilen Altendorfs. Positiv angenommene, gestaltete Räume und ansprechende Wohnbereiche existieren, wenn auch nur partiell. Diese befinden sich ausschließlich in den Randzonen, wo die Frequenz und somit ebenso die Wahrnehmung gering ist, und in der Nähe von den wenigen Merkzeichen, die Altendorf aufweist. Bereiche, die Identifikation ermöglichen (Grünbereiche, Quartiersplätze, „schöner“ Wohnen etc.) und in denen es zur Aneignung kommt, befinden sich abseits in den weniger dominanten Zonen des StadtOrtes. Zudem bilden die Bereiche, mit denen die Menschen sich identifizieren, kein zusammenhängendes Ganzes, sondern erscheinen isoliert von einander. Image und Identifikation kommen in Altendorf nicht zueinander, da keine Mischung prägnanter, belebter und außerdem positiv besetzter Räume existieren. Aufgrund der bereits begonnenen Sanierungsmaßnahmen, u. a. durch das Handlungskonzept Essen - Altendorf, Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf, in den peripheren Wohngegenden von Altendorf, ist es zu einer Aufwertung von einzelnen Wohnstraßen gekommen. Dieser Umstand wird in den Köpfen der Imageträger nicht bewusst wahr genommen, da die Frequenz in 28

Identitätskarte Altendorf

diesen Bereichen nicht hoch ist. In dem hauptsächlichen frequentierten Bereich haben bisher keine Veränderungen stattgefunden. Das negative Image bleibt. Das Image von Altendorf prägen ein hohes Verkehrsaufkommen, Gestaltlosigkeit, Schmutz und Unrat sowie eine negative Sozialstruktur. Hieraus geht hervor, dass aufgrund der negativen Dominanz des imageprägenden Bereiches positive Örtlichkeiten das negative Image von Altendorf nicht mehr umkehren können. Kulturelle Chancen für Altendorf wurden nicht genutzt. Deutlich wird dieser Umstand an Beispielen wie der Hirtsiefersiedlung und dem Stammhaus der Firma Krupp, die nicht kulturell angekündigt bzw. ausgeschöpft werden. Für Altendorf ist ein ganzheitliches positives Stadtmarketing erforderlich. Es sind unbedingt Leitfäden für den Aufbau von Regelwerken für die Stadtbildgestaltung zu entwickeln.

29

Identitätsmerkmale von Rüttenscheid Rüttenscheid ist – neben dem Weltkulturerbe Zollverein – das Aushängeschild der Stadt Essen und wird häufig als das eigentliche Zentrum der Stadt bezeichnet. Rüttenscheid ist ein lebendiges Mischgebiet von Wohnen, Geschäften, Gastronomie, Freizeit sowie Gewerbe und dies traditionell seit über Hundert Jahren. Neben Boutiquen und individuellen Fachgeschäften sowie dem überregional bekannten Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag bietet Rüttenscheid ein breites Angebot an Galerien und Antiquitätengeschäften. Am Rande des Essener Kulturpfads profitiert der untersuchte StadtOrt im kollektiven Gedächtnis von der Nähe des Folkwang Museums, des Aalto Theaters, der Messe und dem Grugapark. Mit diesen Einrichtungen befinden sich im unmittelbaren Umfeld des Quartiers einige der wenigen überregional beachteten Essener Attraktionen. Von der Stadt Essen wird Rüttenscheid insbesondere fürs Shopping und die dort angesiedelte Gastronomie beworben (www.essen.de). Die Kneipen- und Restaurantszene in Rüttenscheid wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Die Rüttenscheider Straße ist mit Abstand die attraktivste Einkaufsstraße der Stadt. In Anlehnung an die Abkürzung „Kö“, der international bekannten Königsallee in Düsseldorf, bezeichnen die Essener ihre Einkaufsstraße mit „Rü“. Die Wertigkeit, die die Straße in ihrem Stadtteil symbolisiert lässt sich erahnen, wenngleich sie es nicht mit ihrem „Vorbild“ „Kö“ aufnehmen kann. Der untersuchte StadtOrt im Stadtteil Rüttenscheid zeichnet sich durch einen hohen Detaillierungsgrad der gebauten Umwelt aus. Städtebaulich und architektonisch sowie in den kleinsten Details lässt sich in Rüttenscheid ein einheitlicher Gestaltungswille deutlich erkennen.

Image von Rüttenscheid Das Image des StadtOrtes ist vor allem geprägt von der dichten Ansiedlung kleiner Läden und verschiedenster gastronomischer Einrichtungen. Im Gegensatz zur Essener Innenstadt, endet das öffentliche Leben in Rüttenscheid nicht nach Ladenschluss, sondern erwacht am Abend aufs Neue. Das Angebot an Restaurants, Bars und Kneipen ist nirgends in der Stadt so dicht, wie in Rüttenscheid. Zur Belebung des Quartiers tragen zu Messezeiten insbesondere die zahlreichen Hotels bei. Auch in den Interviews hat sich diese Beobachtung bestätigt. Zu unserer Frage, „Woran denken Sie beim Stadtteil Rüttenscheid?“ nannten 60% der Befragten die Einkaufsmeile „Rü“. Immerhin knapp über 50% nannten die gute Gastronomie und die Kneipenszene des Quartiers. Alle diese Punkte wurden auch von jedem Zweiten auf die Frage genannt, wie Rüttenscheid jemandem beschrieben werden könne, der dort noch nie war. Das Bild des Cafés Mondrian (R0214) wurde von 26 der 30 Befragten als besonders typisch geschildert. Es spiegelt die 30

StadtOrt von Rüttenscheid (Lageplan)

31

urbane Atmosphäre und die soziale Struktur des Ortes wieder. Das Café war 24 Befragten bekannt (ohne das der Name auf dem Bild erkennbar war) und wurde häufig als „elitärer Ort“ für ein „Schicki-Micki“ Publikum bezeichnet, das dort hingeht, um „zu sehen und gesehen zu werden“. Diese Beschreibung trifft sicherlich nicht auf alle Rüttenscheider Cafés zu, trotzdem wird das Image – insbesondere des untersuchten StadtOrtes – durch die wenigen nobleren Lokale stark geprägt. Sicherlich auch, da solche im übrigen Teil der Stadt Essen selten zu finden sind. Auch ohne den gehobenen Standard wird die Außengastronomie als besonderes Merkmal für den StadtOrt empfunden.

R0214

Die Geschlossenheit Rüttenscheids wurde von vierzehn Befragten hervorgehoben. So wurde bemerkt, dass einem Fremden Rüttenscheid als „eigenständiger Stadtteil“ beschrieben werden sollte. Dieses geschlossene Bild von Rüttenscheid entsteht vor allem durch die belebte und gut erschlossene Rüttenscheider Straße. Mit der verkehrsberuhigten Einkaufsstraße (R0306) besitzt der StadtOrt eine prägnante Achse, die ihn positiv aufwertet. Dass der Name dieses so bedeutenden Straßenteils mit dem des Stadtteils gleich klingt, trägt außerdem zum positiven Image des gesamten Quartiers bei. Zur Kirschblüte wirkt die Rüttenscheider Straße besonders geschlossen und überdies auch „fröhlich“. Neben dem Einkaufs- und AusgehOrt ist auch der Wohnort Rüttenscheid bestimmend für die Wahrnehmung des QuartierImages. Ausgeprägte Infrastruktur, bauliche Substanz und die Begrünung stehen für einen hohen Wohnstandard, 30% unserer Interviewpartner verbinden mit Rüttenscheid eine „gute Wohngegend“. Eines der prägnantesten Merkmale für das Quartier Rüttenscheid sind dessen kleine Seitenstraßen mit alter Bausubstanz. Die Häuser mit Erkern und Vorgärten betonen den privaten und wohnlichen Charakter der Straße. Charakteristisch für diesen

R0214 32

R0306

R0267

Straßentypus ist, dass er deutlich schmaler ist, als die meisten Straßen in Essen. Obwohl die Bürgersteige fast gänzlich fehlen, deutet der Wohngebietscharakter darauf hin, dass auch die Fahrbahn gefahrlos beschritten werden kann. Architektonisch ist das Quartier geprägt von einer Mischung aus detailgeschmückten Altbauten (R0071) und unsensiblen Nachkriegsbauten (R0029). R0071

R0029

Trotzdem setzte sich das kollektive Bild vom gehobenen Wohnort Rüttenscheid bei der Befragung sogar dann durch, wenn nur wenige deutliche Aspekte dieser Qualität das gezeigte Bild illustrierten. Diese anonyme, breite Straße (R0116) ohne Begrünung mit weit gehend gesichtloser Nachkriegsarchitektur erhält nur durch ihre wenigen Altbauten etwas Kontur. Farbigkeit und Dominanz des Altbaus lassen Gestaltungswillen erkennen und die Szenerie im ersten Augenblick positiver erscheinen, als sie ist. Die Bürgersteige sind zu schmal, als dass ein eigenständiger Raum vor den Häusern entstehen kann. Die wenigen Details, wie Straßenleuchten oder Bodenbelag sind billigste Standardware. Hier wird nur wenig Leben zu erwarten sein. Aber die 20% der Befragten, die dieses Motiv als typisch für den StadtOrt angaben, nannten vor allem die Altbauten und die renovierten Fassaden und schlossen von diesen auf die anderen „schönen“ Viertel.

R0116

Die Details im Quartier lassen sich an öffentlichen Gestaltungsmaßnahmen, wie z.B. der individuellen Stadtmöblierung (R0174, R0173), die besonders auf der Rüttenscheider Straße sehr auffällig ist, wie aber auch an hochwertigen Ladendekorationen (R 0096, R0305) oder Fassaden von Privathäusern ablesen (R0089, R0072, R0260). Auch wenn die gestalterische Qualität im einzelnen sehr unterschiedlich ist, spürt man doch, wie das Erscheinungsbild des Quartiers durch sein Design geprägt wird. (Wenn auch gesagt werden muss, dass die wenig konsequente Linie der Details einen gesamtheitlichen Ausdruck teilweise

R0174

R0201

R0260 33

R0096 R0173 verhindert.) Anders allerdings, als vor der Untersuchung erwartet, wurde der Detailreichtum des StadtOrts kaum als besonders typisch genannt. Nur vereinzelt wurden Pflasterung, Straßenlaternen und Sitzgelgenheiten erwähnt. Nur der Gesamtkontext der in Bild R0173 sichtbaren Details wirkte auf die Befragten „repräsentativ“, „vertraut“ und „gemütlich“. Hier kommen atmosphärische Details zum Tragen, auf die wir im Folgenden noch eingehen werden.

R0305

Dass auch künstlerische Interventionen in Rüttenscheid ihren Platz gefunden haben und zu wichtigen Merkzeichen im kollektiven Bewußtsein wurden, zeigt der Pavillon am Rüttenscheider Markt (R0061, R0065). Der Kiosk mit seinem Umfeld „Markt“ wurde von über 40% der Interviewpartner als besonders typisch für Rüttenscheid angegeben. Der Ort ist allerdings sehr ambivalent: Einerseits steht das Bild des Kiosk für den Wochenmarkt und somit für ein sehr angenommenes Angebot im Stadtteil. Auch für andere Stadtteile Essens ist der Rüttenscheider Markt eine beliebte Anlaufstelle. Andererseits wird die räumliche Situation außerhalb der Marktzeiten eher negativ wahrgenommen. Wenn der Markt zum „voll geparkten Parkplatz“ wird und die Trinkhalle als „Säufertreff“ gesehen wird, empfinden die Betrachter das Szenario „fies“, „sehr schmuddelig“ und „verkommen“. Diese verschiedenen Gesichter des Platzes machen den Markt aber auch zu einem wirklich urbanen Ort, an dem sich die verschiedensten Menschen begegnen können.

R0089

R0072

Identifikation mit Rüttenscheid Die schon angesprochene Szenerie (R0173) mit dem typischen Ausschnitt der Rüttenscheider Straße zeigt einen der Identifikationsräume des Quartiers. Die ausgiebige und inszenierte Begrünung betont den privaten Charakter der Straße. Die markante Straßenleuchte und die weiteren Details der Stadtmöblierung lassen darauf schließen, dass dem Ort gestalterisch viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Wenn auch vornehmlich unbewusst, so wird die Besonderheit des Pflasters doch wahrgenommen. Auch die Fahrradständer und Laternen wurden von den Menschen genannt, die das Motiv als charakteristisch für den StadtOrt ausgewählt hatten. Hervorgehoben wurde, dass Rüttenscheid mehr Bäume als andere Stadtteile habe. Sicherlich ist diese Aussage bezogen auf die gesamte Stadt nicht grundsätzlich richtig, auffallend ist dabei 34

R0061

R0065

aber, wie das positive Image des Kernbereiches auf das mentale Bild des gesamten Stadtteils ausstrahlt. Den vielfältig instrumentierten Raum (R0173), der auf dem Motiv zu sehen ist, verstehen die Befragten als Ausdruck für „Lebensqualität“. Hier zeichnet sich ab, womit sich die Menschen identifizieren. Die vielen Orte im Quartier, die eine Möglichkeit zur Aneignung geben, sorgen für ein starkes Identifikationspotential. Denn, wie schon gezeigt wurde, wird nicht nur der öffentliche Raum angenommen, besonders die vielen Bars beleben das Viertel. Vor allem dann, wenn sich deren Raum bis auf die Straße

Semantisches Differential Rüttenscheid 35

erstreckt und somit die Nutzung der Innenräume nach außen abstrahlen kann. Die Identifikation mit Rüttenscheid erfolgt über dessen positiv erfahrene öffentlichen Räume, dessen Gestaltqualität in Bausubstanz und den kleinen Details. Die Menschen schätzen den untersuchten StadtOrt, egal, ob sie in ihm wohnen oder ihn nur zur Arbeit aufsuchen. Auffallend für Rüttenscheid ist, dass es im StadtOrt scheinbar keine negativ konnotierten Räume gibt, die den Gesamteindruck stark beeinflussen. Die Auswertung des semantischen Differentials zeigt, wie positiv Rüttenscheid in der Wahrnehmung seiner Bewohner und Besucher etabliert ist. Der StadtOrt wird vor allem als „vertraut“ und „freundlich“, „belebt“ und „reizvoll“ sowie „gepflegt“ und „sicher“ empfunden. Dennoch wird die Gestaltqualität von Architektur und Design in seiner Gesamtheit – zu recht – als nicht besonders prägnant eingeschätzt. Dies ist bemerkenswert, da Rüttenscheid, in vielen Bereichen eine hohe Gestaltungsdichte vorzuweisen hat, die auch von den meisten wahrgenommen wird. Unbewusst kommt nun zum Ausdruck, dass die wechselnde Qualität der gebauten Umwelt durchaus gespürt wird, sobald eine erkennbare Linie fehlt – auch, wenn dies nicht immer klar artikuliert werden kann.

Identitätskarte von Rüttenscheid Die Identitätskarte von Rüttenscheid zeigt deutlich, wie Nutzungsangebote und angenommener Raum räumlich miteinander verknüpft sind und sich ergänzen. Offensichtlich wird, wie ausgeprägt der Gestaltungswille in diesen identifikationsstarken Bereichen zum Tragen kommt. Sowohl die Fassadengestaltung als auch der öffentliche Raum weisen darauf hin, dass dem Stadtteil bildprägende Planungen zu Grunde liegen. Die für die Stadt Essen außergewöhnliche Gestaltungsdichte erhöht die Prägnanz des StadtOrtes, wobei die (meist) hohe Gestaltqualität außerdem für eine positive Konnotation des Umfeldes sorgt. Die Grenzlinien, die den StadtOrt durchlaufen, zerteilen den Ort nicht in auseinanderfallende Bereiche, sondern fassen diesen sogar noch ein. Auch wenn die Alfredstraße Rüttenscheid von den Institutionen Gruga und Folkwangmuseum räumlich trennt, so strahlen diese Attraktoren doch ausreichend Identifikationspotential aus, um auch über die Grenze hinweg mit Rüttenscheid verbunden zu werden. 36

Identitätskarte Rüttenscheid

37

StadtOrte im Vergleich Bei einem Vergleich der untersuchten StadtOrte Altendorf und Rüttenscheid werden identitätsstiftende Faktoren für urbane Identität deutlich. Vielleicht scheint es auf den ersten Blick zu banal zu sein, den „Vorzeige-Stadtteil“ Rüttenscheid mit dem „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“, Altendorf, zu vergleichen. Die strukturellen Unterschiede, die in der Untersuchung offensichtlich wurden, bieten aber die Möglichkeit, Aussagen zu formulieren, die zu identitätsstiftenden Planungsaktivitäten anregen können. Zunächst einmal fällt auf, dass sich die Interviewpartner in Rüttenscheid aktiver an der Auswahl typischer Motive „ihres“ StadtOrtes beteiligt haben, als die Befragten in Altendorf. In Rüttenscheid wählten die Befragten durchschnittlich elf Bilder aus, in Altendorf dagegen durchschnittlich nur acht Images. Wir erklären dies damit, dass die typischen Bilder von Altendorf häufig negative Imageträger sind und dass die meisten Motive aus Altendorf die gleichen Konnotationen haben, wie diejenigen Bilder, die ohnehin am häufigsten genannt wurden (A0054, A0077, A0016, A0221). Weitere Nennungen wären also nur redundant gewesen, da sie nicht über die Kernaussagen „unfreundlich“, „unsicher“,

Bildauswahl von Altendorf im proportionalen Vergleich

38

„laut“, „sozial schwach“ etc. hinausgegangen wären. Die Motive, die im StadtOrt Rüttenscheid aufgenommen wurden, konnten hingegen über eine vielfältigere Nutzung des Ortes berichten und wurden herangezogen, um auf öffentliches Leben, Repräsentation, Gestaltqualität, soziale Struktur und die damit verbundene gute Reputation des Viertels hinzuweisen. Eine andere Erklärung für die weniger engagierte Bildauswahl in Altendorf scheint uns der Vorbehalt zu sein, wenig ansprechende Bilder auszuwählen. Zudem zeigen die Abbildungen von Rüttenscheid häufig Details, die auch als Ausschnitt aus einem komplexen Kontext immer noch prägnant sind, wie z.B. der Kiosk am Rüttenscheider Markt (R0061) oder das Schaufenster in einer Seitenstraße der Rüttenscheider Straße (R0305). Gegenüber dem Stadtteil Altendorf wird deutlich, dass Rüttenscheid über eine klarer ausdifferenzierte Formensprache verfügt und der Gesamteindruck seltener in Beliebigkeit abgleitet. In vielen Details im öffentlichen Raum, sowie in den Fassaden und den Ladendekorationen wird ein Gestaltungswille sichtbar, der zu erkennen gibt, dass die Bürger ihren Ort anerkennend nutzen und verändern. Die wenigen Motive, die auch Altendorf von einer solchen Seite zeigten, wurden nur sehr selten erwähnt und häufig von Kommentaren begleitet, dass sie nicht typisch für den StadtOrt seien.

Bildauswahl von Rüttenscheid im proportionalen Vergleich

39

Im Vergleich der beiden semantischen Differentiale (s. u. Abbildung) kommt ebenso zum Ausdruck, wie wenig Aufmerksamkeit der Gestaltung und Pflege Altendorfs zuteil wird. In keinem anderen Punkt differieren die Bewertungen der StadtOrte so stark, wie in diesem. Auch wird Altendorf – sicherlich aufgrund seiner unattraktiven Gleichförmigkeit – als verhältnismäßig langweilig empfunden, während Rüttenscheid eher reizvoll erscheint. Nur in einem Antonym werden die beiden Stadtteile annährend gleich als „städtisch“ eingestuft. Die Ursachen für diese Einschätzung dürften zwar sehr unterschiedlich sein, werden allerdings aus dem semantischen Differential nicht ersichtlich und können hier nur aus den Erkenntnissen der gesamten Untersuchung abgeleitet werden. In Altendorf scheint in erster Linie das hohe Verkehrsaufkommen die städtische Atmosphäre anzuzeigen. In Rüttenscheid dagegen spricht vieles dafür, dass die Qualität der Gastronomie und der Einkaufsmöglichkeiten sowie die nahe gelegene Messe und die durch sie bedingte Ansiedlung von Hotels zu der Wahrnehmung des Quartiers als städtisch beitragen. Dennoch wird der StadtOrt, im Gegensatz zu Altendorf, als vertraut erlebt, was eher für einen dörflichen Charakter sprechen würde. Erstaunlich ist, dass auch Rüttenscheid trotz der vielfach hervorgehobenen Vorzüge nur als Ort mittelmäßiger Gestaltgüte wahrgenommen wird. Wenn Rüttenscheid auch im Vergleich zu anderen Stadtteilen Essens eine hohe Gestaltdichte aufweisen kann und über viele angenommene und geschätzte Bereiche verfügt, so

Vergleich 40

zeigt die Beobachtung doch, dass die Gestaltqualität unabhängig davon bewertet wird; zu Recht, denn die verschiedenen Gestaltungsansätze ergänzen sich nur selten. Es gibt dort keine klare Linie oder Durchgängigkeit der Gestaltungsprinzipien. Außerdem zeugen sowohl die architektonische Sprache als auch die urbanen Details in der Gestaltung des öffentlichen Raumes von besonderer Mittelmäßigkeit ohne jeglichen überregional ausstrahlenden Qualitätsanspruch. Die Identitätskarten der beiden StadtOrte machen auf folgende Zusammenhänge urbaner Identität aufmerksam: Zum einen wird ersichtlich, wie sehr sich im StadtOrt Rüttenscheid alle identitätsstiftenden Merkmale um die Rüttenscheider Straße herum konzentrieren, wohingegen in Altendorf Image prägende Bereiche und solche, die eine Identifikation mit dem StadtOrt ermöglichen voneinander getrennt liegen. Zum anderen wird deutlich, dass das Image maßgeblich durch die Hauptachsen der StadtOrte, die gleichzeitig Namensgeber für den Stadtteil sind, geprägt wird. Die Stadträume, die einen Ort erschließen, zeichnen sich für dessen Außenwirkung am stärksten verantwortlich. Im Falle von Altendorf ist dies besonders tragisch, da durch die fehlenden Identifikationspunkte auf der Altendorfer Straße auch das Image nur von den zwar prägnanten, aber nicht angenommenen Merkmalen dominiert wird.

Wirksamkeit der Bedeutungsträger Eine Stadt braucht positive Bedeutungsträger in ihren Quartieren. Dabei ist es ausschlaggebend, dass gerade die hoch frequentierten Bereiche (kleine Zentren oder StadtOrte) ein positives Image vermitteln, damit dieses sich leichter im kollektiven Bewusstsein verankern kann. In Altendorf ist der am stärksten frequentierte Bereich ein negativer Bedeutungsträger, gegen den sich periphere positivere Randzonen nicht mehr behaupten können, und erst recht nicht das negative Image, das von der Durchgangsachse dominiert wird, umkehren können. Identifikation mit dem Quartier entsteht im gering beachteten Stadtteil nur partiell. Die Reputation des Quartiers ist auf dem Nullpunkt. In Rüttenscheid dagegen sieht es ganz anders aus: Es gibt die attraktive Rüttenscheider Straße, deren Image für die Aneignung des öffentlichen Raumes steht. Die nicht so attraktiven Bereiche des Quartiers werden weniger bewusst wahrgenommen. Grundsätzlich werden die Fassadengestaltungen und die räumliche Struktur des StadtOrtes als ansprechend empfunden. Außerdem gibt es in der nächsten Umgebung überregional anerkannte Institutionen (Gruga, Saalbau, Aalto Theater), die dem Stadtteil eine überregionale Bedeutung zuweisen und mit denen man sich gerne identifiziert. Der Stadtteil ist prominent und genießt eine – für Essen beachtliche – Reputation.

41

Schlussfolgerungen Altendorf und Rüttenscheid Aus der Untersuchung wird einmal mehr deutlich, dass sich der Stadtteil Altendorf zu recht besonderem Erneuerungsbedarf anmelden darf. Die öffentlichen Räume weisen sowohl starke Defizite in den Nutzungs-, wie auch Aufenthaltsqualitäten auf. Selbst den stärker frequentierten Bereichen im Quartier wurde nicht ausreichende Beachtung bei der Planung zuerkannt. Die Möglichkeit, wenigstens diese Teilbereiche zu nutzen, um der urbanen Qualität positive Impulse zu geben, wurde nicht erkannt. Die wenigen positiv besetzten Orte werden außerdem kaum als Teile des Quartiers wahrgenommen und beeinflussen den negativen Eindruck nur für „Insider“, eine Aufwertung des Images der kollektiven Wahrnehmung findet nicht statt. Studien unterschiedlicher urbaner Szenarien für den StadtOrt Altendorf sollten unternommen werden, um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich der Stadtteil im Gefüge der Stadt ein eigenständiges Profil verschaffen kann. In Rüttenscheid sind es eher die kleinen Details und deren konsequente Umsetzung, die dem Stadtteil noch weitere Prägnanz geben könnten. Im Gesamtkontext der Stadt Essen hat sich Rüttenscheid schon lange etabliert und gilt trotz seiner kleinen Mängel als Vorbild für Essen.

Initiierung urbaner Identität The relationship between physical space, social category and cultural identity is consequently becoming more complex and less obvious. (Mommaas 2002: 36) Nicht zuletzt, um den komplexen Systemen sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Art mehr Klarheit im urbanen Kontext geben zu können, bedarf es neuer Strategien. Stadtmarketing muss sich hier mehr einfallen lassen, als bloß die Vermarktung bestehender Attraktionen. Unter dem Titel City Branding werden daher Konzepte diskutiert, die neben ökonomischen auch sozio-kulturelle Entwicklungen voranbringen sollen. City branding […] is a strategy to provide cities with an image, a cultural significance, which will, ideally, function as a source of added symbolic and thus economic value. The city`s brand serves largely to increase its status or prestige as a tourist destination or as a residential or business location. […] brands are not purely a source of differentiation, but also of identification, recognition, continuity and collectivity. It is in the first instance by means of this double cultural sociological effect of differentiation and collectivity, competition and certainty, that brands are able to be successful in an economic sense. Auch für die Entwicklung der erneuerungsbedürftigen Orte im 42

Ruhrgebiet scheinen uns Strategien nützlich zu sein, die aus dem Potential einer Situation Qualitäten ableiten, die sich ausbauen lassen. U. E. kommt den öffentlichen Räumen dabei eine besondere Rolle zu, da sie einerseits die Stadt durchziehen und damit alle Bereiche unmittelbar miteinander vernetzen, andererseits, weil sie die größte Chance bieten ohne Einschränkungen von Investoren durchgängig die Interessen der Stadt umzusetzen. So kann es gelingen, Plätze, Straßen, StadtOrte, Quartiere und ganze Städte ausgehend von einer zentralen Idee zu planen. Allerdings muss beachtet werden, dass neben der öffentlichkeitswirksamen Implementierung von besonderen Merkzeichen auch eine Basisinfrastruktur bereitgestellt werden muss, die die Entfaltung urbaner Identität ermöglicht. Wenn öffentliche Räume nicht die Möglichkeit zur Begegnung bieten, kann in ihnen auch kein Austausch, keine Kommunikation erfolgen. Am Beispiel Altendorf haben wir gesehen, wie stark die Akzeptanz eines StadtOrtes von dessen Qualität der Infrastruktur beeinflusst wird. Fehlen die Orte zum Verweilen, die Straßencafés, die zu Fuß angenehm erschließbaren Straßen oder Plätze, mangelt es an attraktiven Einkaufsmöglichkeiten, dann wird ein ganzer Stadtteil negativ wahrgenommen. Ziel einer jeden Erneuerung muss es daher sein, Orte zu erhalten, auszubauen oder zu schaffen, die den Aufenthalt im öffentlichen Raum fördern. Das heißt vor allem, das öffentliche Räume in erster Linie als Orte für Menschen, nicht als Orte für Verkehr verstanden werden. Es müssen Szenarien erprobt werden, die Aufenthaltsqualität im Rahmen bestehender Situationen generieren. Dabei sollten überregional wirksame Merkzeichen entstehen, die den Bürgern einzelner StadtOrte eine gemeinsame Stütze zur Identifikation bieten. Kulturelle Einrichtungen und bedeutende Anziehungspunkte, wie diese in Rüttenscheid (Gruga, Saalbau, Aalto Theater) zu finden sind, sind Beispiele hierfür. Prägnanz und Lesbarkeit (Ordnung, Hierarchisierung) eines StadtOrtes sowie deren Prominenz sind weitere wesentliche Kriterien für das wahrgenommene Stadtbild. Aus solchen Imagekriterien, sofern diese denn positive Imageträger sind, ergeben sich die Identifikationskriterien Gestaltqualität, soziale Integration bzw. Aneignung und die Reputation des StadtOrtes, die Selbstachtung und Wertschätzung im kollektiven Gedächtnis.

Leitbilder und Visionen Urbane Identität ist ein „weicher“ Standortfaktor. Mangelnde Identität führt in lokalen Krisensituationen (Stadtflucht, fehlende Erneuerung) vermehrt zu Orientierungslosigkeit. Während die Kommunalpolitik händeringend nach finanzierbaren Konzepten integraler Stadtplanung sucht, durchkreuzen projektfixierte Investoren die ambitionierten Ansätze der Urbanisten, die sich um ganzheitliche Konzepte bemühen. Wenn es gelingen soll, Stadtteile in neue Pläne zu integrieren, muss deren innere Struktur verstanden werden. Visionen und Leitbilder sind zu entwickeln und mit langem Atem über die Jahre hinaus konsequent umzusetzen. Zentrale Fragen wären: „Wo möchte dieser StadtOrt hin?“ oder „Wie sollte 43

der StadtOrt aussehen, damit man sich darin wohlfühlt“. Identitäten könnten geplant, bewusst gesteuert und ausgebaut werden, wenn Strategien zur Planung von Corporate Identity überarbeitet und auf die Notwendigkeiten urbaner Identität angepasst würden. Studien hierzu stehen allerdings noch aus. Gerade auch im Hinblick auf die aktuellen Schrumpfungstendenzen, besonders für StadtOrte mit mangelnder Identifikation, sollten langfristige Strategien und Stadtort-aufwertende Maßnahmen entwickelt werden, die das negative Image vermindern und die leerstehenden Wohnungen wieder füllen. Für Altendorf könnte eine Studie entstehen, in der zu überprüfen wäre, wie eine erhöhte Gestaltdichte im StadtOrt dazu führen könnte, dessen Image aufzubessern. Im Zusammenspiel von Oberflächen- und Fassadengestaltung, der aufmerksamen und ortsspezifischen Gestaltung von Mikroarchitekturen und Stadtmobiliar, dem Ausarbeiten von besonderen Merkzeichen und Brennpunkten sowie der Hervorhebung vereinzelter Grünflächen könnten öffentliche Räume entstehen, die neue Nutzungsstrukturen und verbesserte emotionale Konnotationen zulassen. Für die Stadt Essen wäre dies ein Schritt, der aufzeigen würde, wie sie daran arbeitet, sich von innen heraus zu erneuern.

44

Literatur Augé, Marc. Orte und Nicht-Orte: Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit. Frankfurt am Main, Fischer Verlag: (1994) Augé, Marc. Orte und Nicht-Orte der Stadt. Stadt und Kommunikation im digitalen Zeitalter. Helmut Bott, Christoph Hubig, Franz Pesch und Gerhart Schröder. Frankfurt/New York, Campus Verlag: (2000), 177-187 Becker, Heidede. Wahrnehmung in der städtischen Umwelt Möglicher Impuls für kollektives Handeln. Berlin, Kipert KG: (1978) BMVBW, Bundesministerium für Verkehr Bau- und Wohnungswesen (2001). Baukultur in Deutschland - Kongress vom 3. bis 5. Dezember in Köln - Dokumentation. Baukultur in Deutschland Kongress vom 3. bis 5. Dezember in Köln, Köln. BMVBW, Bundesministerium für Verkehr Bau- und Wohnungswesen (BMVBW), bearbeitet von Gert Kähler, Ed. Statusbericht Baukultur in Deutschland: Ausgangslage und Empfehlungen. Baukultur in Deutschland Kongress vom 3. bis 5. Dezember in Köln. Berlin, Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW): (2001) Böhme, Gernot. Anmutungen: über das Atmosphärische. Stuttgart, Edition Tertium: (1998) Bruder, Ralph. "Zur Verbindung von Design und Baukultur." kulturpolitische mitteilungen 96: (2002), 46-48 Dittmar, Jakob. Inszenierte Industrie in der postindustriellen Stadt: Vom Umgang mit stillgelegten Industrieanlagen. Universität Essen: (2002) Glock, Birgit, Schrumpfende Städte, in: Berliner Debatte Initial 2, Berliner Debatte Wissenschaftsverlag, Berlin: (2002) Hahn, Alois. Eigenes durch Fremdes. Warum wir anderen unsere Identität verdanken. Konstruktionen Sichtbarkeiten. Interventionen 8. Jörg Huber und Martin Heller. Zürich, Wien, New York, Springer: (1999), 61-87 Hoffmann-Axthelm, Dieter. Benutzeroberflächen und Stadtwahrnehmung. Design Gespräche Stadtgestaltung, Schwäbisch Gmünd. (1995) Kähler, Gert. Empfehlungen und Maßnahmen aus dem Statusbericht - Eine unvollständige Liste. Baukultur in Deutschland Kongress vom 3. bis 5. Dezember in Köln. Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) Bundesministerium für Verkehr. Berlin, Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW): (2001), 57-59 Kil, Wofgang. Risiko Stadt - Perspektiven des Urbanismus. Identität entsteht durch Aneignung. Hamburg, Junius: (1995), 141-145 45

Lynch, Kevin. A theory of good city form. Cambridge, Massachusetts and London, England, MIT Press: (1981) Lynch, Kevin. Das Bild der Stadt. Wiesbaden, Braunschweig, Vieweg: (1989) Mommaas, H. City Branding: the necessity of socio-cultural goals. City Branding - Image Building & Building Images. Urban-Affairs and V. Patteeuw. Rotterdam, Simon Franke NAi Publishers: (2002) 34-46 Oswald, Edward. Informationen der Initiative Architektur und Baukultur, Oktober 2001. Berlin, BMBW: (2001), 1 Schmidt, Kurt und Pfeiffer, Toni Sachs. "Stadt und Sozialgestalt." ILS Schriften 6 Die Gestalt der Stadt: (1987), 22-25 Zukin, Sharon. Politics and aesthetics of public space: the «Amerikan» model. Ciutat real, ciutat ideal. Barcelona, Angle Editorial: (1998), 37-42

46

Dank Bedanken möchten wir uns besonders bei unseren studentischen Stadtforschern cand. Ing. Susanne Berz, Antje Gröning und Peter Reuter. Außerdem möchten wir unseren Professoren Ralph Bruder und Alexander Schmidt danken, die uns den entsprechenden Freiraum für die Forschungsarbeit bereitstellten.

47

48

Interview Stadtidentität – Altendorf/Rüttenscheid

Einleitung Guten Tag, ich bin von der Universität Essen und möchte Ihnen gerne im Rahmen eines Forschungsprojektes ein paar Fragen zum Stadtteil Altendorf/Rüttenscheid stellen. Wir suchen nach Hinweisen für eine gelungene Gestaltung in einem Stadtteil. Uns interessiert, woran Sie Ihren Stadtteil erkennen und was Ihnen an einem Stadtteil gefällt oder nicht. Die Studie soll helfen, allgemeine Planungsgrundlagen zu schaffen. Mit diesen Grundlagen soll die Gestaltung öffentlicher Straßenräume, Parks und Plätze verbessert werden. Ihre Daten werden selbstverständlich anonym behandelt und dienen ausschließlich der Auswertung dieser Untersuchung.

TEIL A Allgemeine Fragen 1. Woran denken Sie beim Stadtteil Altendorf/Rüttenscheid? 2. Wie würden Sie Altendorf/Rüttenscheid jemandem beschreiben, der dort noch nie war? 3. Was mögen Sie besonders an Altendorf/Rüttenscheid? Welche Orte in diesem Stadtteil würden Sie Besuchern zeigen? Denken Sie an besondere Ereignisse, Tage, (z.B. Märkte), Details in Architektur, Design, etc.

49

TEIL B Semantisches Differenzial Bitte kreuzen Sie an, welcher der Begriffe eher auf Ihren Stadtteil zutrifft. Anmerkung: Dem Befragten wird eine Auswahlschiene vorgelegt. 1 sehr

2 etwas

3 weder noch

4 etwas

5 sehr

persönlich

anonym

belebt

öde

leise

laut

freundlich

aggressiv

geordnet

chaotisch

städtisch

dörflich

reizvoll

langweilig

vertraut

fremd

gepflegt

verwahrlost

sicher

gefährlich

gute Gestaltung/

schlechte Gestaltung/

Architektur

Architektur

TEIL C Bildanalysen 1. Wir geben Ihnen jetzt einige Fotos, die wir in Altendorf/Rüttenscheid aufgenommen haben. Bitte wählen Sie aus diesen 33 Bildern höchstens 15 aus, die Ihrer Meinung nach typisch für den Stadtteil Altendorf/Rüttenscheid sind. Sagen Sie uns bitte außerdem, ob Sie dieses Motiv als positiv oder negativ für den Stadtteil empfinden. Können Sie uns angeben, wo in Altendorf/Rüttenscheid dieses Motiv aufgenommen wurde?

50

TEIL D Abschließende Fragen 1. Welche Bedeutung hat Altendorf/Rüttenscheid Ihrer Meinung nach für die Stadt Essen? 2. Haben Sie noch weitere Anmerkungen zu Altendorf/Rüttenscheid oder Vorschläge für Änderungen der Gestaltung des Stadtteils?

TEIL E Fragen zur Person 1. Aus welchem Grund halten Sie sich in Altendorf/Rüttenscheid auf?

>>(Zutreffendes bitte mit x markieren, Mehrfachnennung ist möglich.) Wohnen Sie hier?

Arbeiten Sie hier?

Sind Sie nur zufällig hier?

2. Geschlecht (Diese Frage wird nicht gestellt, nur zutreffendes bitte ankreuzen.) männlich

weiblich

3. Darf ich Sie bitte fragen, wie alt Sie sind? 15-25

26-35

36-45

46-55

56-65

über 66

4. Was ist Ihr Beruf?

>>( Berufe wie Design, Stadtplanung und Architektur unter j) Sonstiges gesondert kennzeichen.) a) Arbeiter/in b) Angestellter/ Angestellte c) Beamter/ Beamtin d) Selbständig e) Schüler/ Student f) Hausfrau g) Rentner h) Derzeit ohne Arbeit i) Sonstiges

51

Auswahlbilder Rüttenscheid

Rüttenscheid 01

Rüttenscheid 02

Rüttenscheid 03

Rüttenscheid 04

Rüttenscheid 05

Rüttenscheid 06

Rüttenscheid 07

Rüttenscheid 08

Rüttenscheid 09

52

Rüttenscheid 10

Rüttenscheid 11

Rüttenscheid 12

Rüttenscheid 13

Rüttenscheid 14

Rüttenscheid 15

Rüttenscheid 16

Rüttenscheid 17

Rüttenscheid 18

Rüttenscheid 19

Rüttenscheid 20

Rüttenscheid 21 53

Rüttenscheid 22

Rüttenscheid 23

Rüttenscheid 24

Rüttenscheid 25

Rüttenscheid 26

Rüttenscheid 27

Rüttenscheid 28

Rüttenscheid 29

Rüttenscheid 30

Rüttenscheid 31

Rüttenscheid 32

Rüttenscheid 33

54

Auswahlbilder Altendorf

Altendorf 01

Altendorf 02

Altendorf 03

Altendorf 04

Altendorf 05

Altendorf 06

Altendorf 07

Altendorf 08

Altendorf 09 55

Altendorf 10

Altendorf 11

Altendorf 12

Altendorf 13

Altendorf 14

Altendorf 15

Altendorf 16

Altendorf 17

Altendorf 18

Altendorf 19

Altendorf 20

Altendorf 21

56

Altendorf 22

Altendorf 23

Altendorf 24

Altendorf 25

Altendorf 26

Altendorf 27

Altendorf 28

Altendorf 29

Altendorf 30

Altendorf 31

Altendorf 32

Altendorf 33 57

View more...

Comments

Copyright © 2020 DOCSPIKE Inc.