im Jahr 2004 - Universität Hohenheim

March 24, 2018 | Author: Anonymous | Category: N/A
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Hohenheimer Arbeits- und Projektberichte zum Marketing

Nr. 14

Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber dem Sportgroßereignis „FIFA WM 2006“ im Jahr 2004 Ergebnisse einer empirischen Untersuchung Markus Voeth / Stefan Sandulescu

Herausgeber: Förderverein für Marketing e.V. an der Universität Hohenheim

Bisher erschienene Schriften in der Reihe

„Hohenheimer Arbeits- und Projektberichte zum Marketing“: Arbeitspapiere: Nr. 1: Voeth, M. (2000), Was ist neu in der New Economy? Anmerkungen aus der Marketing-Perspektive, Duisburg Dezember 2000 (erschienen als Duisburger Arbeitspapiere zum Marketing Nr. 1). Nr. 3: Voeth, M. (2001), Gruppengütermarketing: Einordnung und Konzeption, Duisburg November 2001 (erschienen als Duisburger Arbeitspapiere zum Marketing Nr. 3). Nr. 7: Voeth, M. (2003), Was kommt nach der Marktorientierung? Ein Standpunkt zur Entwicklung der deutschsprachigen Marketing-Forschung, Hohenheim April 2003. Nr. 12: Voeth, M./Gawantka, A./Rabe, C. (2004), Dienstleistungsmarketing – Entwicklung eines Phasenansatzes, Februar 2004.

Projektberichte: Nr. 2: Voeth, M./Klein, A./Liehr, M. (2001), Akzeptanz und Einstellungen gegenüber dem Sportgroßereignis WM 2006 – Ergebnisse einer empirischen Basisstudie, Duisburg August 2001 (erschienen als Duisburger Arbeitspapiere zum Marketing Nr. 2). Nr. 4: Voeth, M./Klein, A./Liehr, M. (2002), Online-Wahl „Marketingflops 2001 – Projektbericht, Duisburg April 2002 (erschienen als Duisburger Arbeitspapiere zum Marketing Nr. 4). Nr. 5: Voeth, M./Liehr, M. (2002), Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber dem Sportgroßereignis „WM 2006“: Die Situation 2002 – Zwischenergebnisse aus einer empirischen Langzeitstudie, Hohenheim/Duisburg Dezember 2002. Nr. 6: Voeth, M./Klein, A./Bosch, B. (2003), Zur Marktorientierung von Architekten - Ergebnisse einer empirischen Studie, Hohenheim/Duisburg Januar 2003. Nr. 8: Voeth, M./Liehr, M. (2003), Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber dem Sportgroßereignis „FIFA WM 2006“: Die Situation 2003, August 2003. Nr. 9: Voeth, M./Schumacher, A. (2003), Ticket-Pricing für die WM 2006 – Empfehlungen auf Basis von Informationen zur Zahlungsbereitschaft der deutschen Bevölkerung, August 2003. Nr. 10: Voeth, M./Schumacher, A./Spohrer, J. (2003), Stuttgarts gescheiterte OlympiaBewerbung: Ursachen und Auswirkungen, Oktober 2003. Nr. 11: Voeth, M./Gawantka, A. (2003), Wahl zum „Marketingflop 2002“ – Ergebnisse der Online-Wahl, Dezember 2003.

Nr. 13: Voeth, M./Wagemann, D./Rissom, N. (2004), Auswirkungen der Gesundheitsreform auf das Marketing von Apotheken – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, September 2004. Nr. 14: Voeth, M./Sandulescu, S. (2004), Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber dem Sportgroßereignis „FIFA WM 2006“ im Jahr 2004, Oktober 2004.

Kontakt: Förderverein für Marketing e.V. c/o Lehrstuhl für Marketing Universität Hohenheim (510D) Schloss Osthof Ost D-70599 Stuttgart Tel.: 0711/459-2925 Fax: 0711/459-3718 e-mail: [email protected]

3

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................................... 3

1.

Hintergrund und Durchführung der Studie........................................................................ 5

2.

Allgemeine Ergebnisse .................................................................................................... 10 2.1

Akzeptanz der WM-Ausrichtung in Deutschland .................................................. 10 2.1.1 Das Ausmaß der Zustimmung in der Bevölkerung .................................... 10 2.1.2 Akzeptanzwerte in Abhängigkeit verschiedener soziodemographischer und psychographischer Merkmale..................................................................... 13

2.2. Beurteilung der Organisation ................................................................................. 19 2.2.1 Beurteilung der Organisatoren.................................................................... 19 2.2.1.1

Arbeit des Organisationskomitees ...............................................19

2.2.1.2

Personelle Besetzung des Organisationskomitees....................... 24

2.2.2 Beurteilung der organisatorischen Rahmenbedingungen ...........................25 2.2.3 Beurteilung der finanziellen Rahmenbedingungen .................................... 27

2.3

2.2.3.1

Staatliche Förderung der „FIFA WM 2006“ ............................... 28

2.2.3.2

Sponsoring der „FIFA WM 2006“ .............................................. 29

Einstellungen zum eigentlichen Ereignis „FIFA WM 2006“................................. 33 2.3.1

Bereitschaft zur individuellen Teilnahme.................................................. 33 2.3.1.1

Aktives Miterleben der „FIFA WM 2006“ ................................ 33

2.3.1.2

Passives Miterleben der „FIFA WM 2006“ ............................... 40

2.3.2 Vorstellungen über das Ergebnis der „FIFA WM 2006“: Sportliche Erwartungen................................................................................................ 45 3.

Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“.................................47 3.1

Wahrnehmung von Sicherheitsbedrohungen und -risiken......................................47 3.1.1 Bedrohungspotenziale: Ursachen von Unsicherheitsempfinden ................ 47 3.1.2 Sicherheitsrisiken von WM-Städten........................................................... 49 3.1.3 Zur Beurteilung der Sicherheitsorgane.......................................................50

Inhaltsverzeichnis 3.2

4

Einschätzung von Sicherheitsmaßnahmen ............................................................. 54 3.2.1 Beurteilung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen....................................54 3.2.2 Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen.................................................. 56

4.

Zusammenfassende Thesen ............................................................................................. 59

Anhang: Der Fragebogen ......................................................................................................... 61

Literaturverzeichnis .................................................................................................................. 73

1. Hintergrund und Durchführung der Studie

1.

5

Hintergrund und Durchführung der Studie

Die Vorbereitungen zur FIFA WM 20061 in Deutschland standen in den vergangenen Monaten verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. Beispielsweise markiert die Premiere des FUßBALL GLOBUS FIFA WM 2006 im September 2003 in Berlin den Startschuss zu einem Rahmenprogramm, mit dem die Organisatoren die Bevölkerung auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam machen und Vorfreude wecken wollen. Zudem hat Bundesinnenminister Otto Schily mit der Vorlage des dritten Fortschrittsberichts des Stabes zur Vorbereitung auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am 7. Juli 2004 ein Zwischenfazit der Vorbereitungen auf dieses bevorstehende „überragende Fußballereignis“ gezogen. Die zentrale Botschaft lautete, dass die Vorbereitungen „bereits auf Hochtouren“ und die Umsetzung vorbereitender Maßnahmen „voll im Plan“ liegen.2 Die angeführten Ereignisse belegen, dass es für die Organisatoren zunehmend auch darum geht, die Bevölkerung über den Vorbereitungsfortschritt zu informieren. Nur wenn es gelingt, die Bevölkerung in Deutschland von diesem Ereignis zu begeistern, wird die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 (WM 2006) die hochgesteckten Erwartungen erfüllen. Hierzu ist es allerdings zwangsläufig erforderlich, die Vorbereitung der WM nicht nur an organisatorischen Notwendigkeiten, sondern auch an Bedürfnissen, Einstellungen und Präferenzen der Bevölkerung auszurichten. Hierfür sind allerdings Informationen über die Vorstellungen der Bevölkerung über die WM 2006 erforderlich. Akzeptanz und Einstellungen in der Bevölkerung Deutschlands bezüglich der FIFA WM 2006 stehen im Mittelpunkt der vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim im Jahr 2001 initiierten Langzeitstudie zu diesem Thema.3 Mit Hilfe von im jährlichen Turnus durchgeführten empirischen Untersuchungen werden im Rahmen der Studie zum einen Veränderungen von Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung im Zeitablauf abgebildet. Zum anderen sollen aber auch Ansatzpunkte für die Organisatoren identifiziert werden, wie die

1

2

3

Die offiziellen Titel der WM lauten „FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006“, „FIFA FussballWeltmeisterschaft 2006“ und „FIFA Fussball-Weltmeisterschaft“. In Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen zudem die Titel „FIFA WM Deutschland 2006“ und „FIFA WM 2006“ verwendet werden. Vgl. die Richtlinien zur Verwendung der FIFA WM 2006 Marken unter Http://us.ent4.yimg.com/fifaworldcup.yahoo.com/releases/2006fwc_media_mailer_de7.pdf (Abruf: 3. September 2004). Vgl. Pressemitteilung der Bundesregierung vom 7.7.2004 unter http://www.bundesregierung.de/Politikthemen/Innenpolitik-,11774/Fussball-WM-2006.htm (Abruf 3. September 2004). Vgl. hierzu Voeth/Klein/Liehr (2001), Voeth/Liehr (2002), Voeth/Schumacher (2003) und Voeth/Liehr (2003).

6

1. Hintergrund und Durchführung der Studie

Interessen und Vorstellungen der Bevölkerung innerhalb der Vorbereitung der FIFA WM 2006 berücksichtigt werden können. Um mögliche Veränderungen der Wahrnehmungen und Vorstellungen der Bevölkerung in Deutschland abbilden zu können, ist es erforderlich, dass die Stichprobe - im Jahr 2004 wurden im Mai und Juni 2004 insgesamt 2.381 persönliche Interviews im Rahmen der Studie (2003: 1.569 Interviews; 2002: 1.203 Interviews; 2001: 1.309 Interviews) geführt – stets hinsichtlich der gleichen soziodemografischen Merkmale gebildet wird. Im Rahmen der Langzeitstudie finden hierbei stets die Merkmale „Alter“ und „Geschlecht“ Verwendung: Diese wurden bereits in den Studien 2001, 2002 und 2003 der Stichprobenbildung zugrunde gelegt. Wie der in Abb. 1 dargestellte Vergleich zwischen der Stichprobenstruktur der Erhebung im Jahr 2004 und der Struktur der Grundgesamtheit Deutschlands4 hinsichtlich dieser beiden Kriterien zeigt, kann in diesem Sinne auch die Studie 2004 als repräsentativ eingestuft werden.

60%

[Anteil der Befragten]

50% 40% 30% 20%

[Anteil der Befragten]

10% 0%

50%

männlich

weiblich

[Geschlecht]

40% 30% 20% 10% 0% 24 Jahre 25-44 Jahre 45-65 Jahre älter als 66 und jünger Jahre

[Altersklassen] Gesamtbevölkerung (14 Jahre und älter)

Stichprobe

Abb. 1: Alter und Geschlecht der Befragten (im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Deutschlands)

4

Vgl. Angaben des Statistischen Bundesamtes unter http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab5.php (Abruf: 3. September 2004).

7

1. Hintergrund und Durchführung der Studie

Die in diesem Bericht dokumentierten Ergebnisse wären ohne die Mithilfe der Teilnehmer des im SS 2004 durchgeführten Marketing-Seminars an der Universität Hohenheim nicht möglich gewesen. Die Studierenden haben im Rahmen dieser Studie nicht nur die Durchführung der Interviews übernommen. Durch ihre konstruktiven Anmerkungen haben Sie zudem die in den Vorjahren entwickelte Konzeption der Langzeitstudie weiterentwickelt. Darüber hinaus haben Sie zudem einen wichtigen inhaltlichen Beitrag für diesen Ergebnisbericht geleistet, indem sie Teilbereiche vorausgewertet haben. Für ihre (arbeitsintensive) Mitarbeit im Projekt danken wir daher nochmals 1) 2) 3) 4) 5) 6) 7) 8) 9) 10) 11) 12) 13) 14) 15) 16) 17) 18) 19) 20) 21) 22) 23) 24) 25) 26) 27) 28) 29) 30) 31) 32) 33) 34)

Herrn Hannes Ackermann, Herrn Julian Auerbach, Herrn Saban Bala, Frau Pamela Bantle, Frau Sina Barisch, Herrn David von Baross, Herrn Florian Bauer, Herrn Justus Becker, Herrn Oliver Beer, Herrn Alexander Beil, Frau Meike Berner, Frau Isabel Bleicher, Frau Svenja Böhmermann, Frau Silvia Brinkmann, Frau Bianca Büchele, Herrn Yasan Budak, Herrn Felix Buß, Frau Ketty Casonato, Herrn Thomas Celig, Frau Stefanie Cramer, Herrn Marc Dathan, Frau Kerstin Depfenhart, Frau Alexa Doerr, Herrn Andreas Dölker, Frau Daniela Driessen, Frau Stefanie Eberhardt, Herrn Felix Endlich, Herrn Jan Endres, Herrn Oliver Exel, Frau Linda Fingerlin, Frau Birgit Flaig, Frau Sitta Franke, Herrn Jan Gaul, Herrn Marc-Oliver Griesshaber, 35) Herrn Imanuel Güldner,

36) Frau Wencke Gwozdz, 37) Herrn Bastian Hagenlocher, 38) Herrn David Hauptmann, 39) Herrn Matthias Heckenberger, 40) Herrn Heiko Hegele, 41) Herrn Heinzpeter Hermann, 42) Herrn Patrick Hertting, 43) Frau Carmen Höfle, 44) Herrn Michael Hörmann, 45) Herrn Andrea Iodice Valmarana, 46) Frau Katharina Janus, 47) Frau Lisa Just, 48) Herrn Phillip Kälber, 49) Herrn Jan Kanitz, 50) Herrn Achim Kaufmann, 51) Herrn Florian Kaufmann, 52) Frau Ngan Khong, 53) Frau Angela Kisch, 54) Frau Silke Knebl, 55) Herrn Ralf Knoll, 56) Herrn Ingo Köhle, 57) Herrn Jochen Kugler, 58) Frau Irina Kühn, 59) Frau Katja Kurth, 60) Frau Dorothee Lachmann, 61) Frau Nina Landmesser, 62) Frau Maike Langelüddecke, 63) Herrn Maximilian Lauerbach, 64) Frau Reka Mihalca, 65) Herrn Benjamin Moser,

66) 67) 68) 69) 70) 71) 72) 73) 74) 75) 76) 77) 78) 79) 80) 81) 82) 83) 84) 85) 86) 87) 88) 89) 90) 91) 92) 93) 94) 95)

Frau Cigdem Mutlu, Herrn Christoph Nun, Frau Katja Ostertag, Herrn Nikitas Petrakis, Herrn Sebastian Pielsch, Frau Ulrike Probst, Herrn Christof Rauscher, Herrn Oliver Rechtsteiner, Frau Claudia Reichl, Herrn Andreas Reiser, Frau Heike Reiß, Herrn Dominik Rösch, Herrn Mischa Sander, Herrn Christoph Sandstede, Herrn Marcus Schäfer, Herrn Sebastian Schäffler, Frau Sara Schaffroth, Herrn Patrick Schellhorn, Frau Katharina Schmid, Herrn Michael Schwarzwälder, Frau Tanja Seslija, Herrn Marc-Oliver Sommer, Herrn Tobias Sterr, Frau Inga Stübe, Frau Claudia Teltschik, Frau Katharina Varandi, Herrn Guido von Vacano, Herrn Thorsten Weber, Herrn Matthias Weiss, Frau Julia Witt.

Wie in den Studien aus den Jahren 2001, 2002 und 2003 umfasst das aktuelle Erhebungskonzept eine Vielzahl an Fragestellungen, die wiederum an den inzwischen fortgeschrittenen Organisationsstand angepasst wurden. Zudem wurde auch in diesem Jahr eine aktuelle Themenstellung berücksichtigt. In der diesjährigen Studie wurde so speziell das Thema „Sicherheit“ bearbeitet.

8

1. Hintergrund und Durchführung der Studie

Das Thema „Sicherheit“ rückt so aufgrund aktueller weltpolitischer Probleme insbesondere auch bei Sportgroßveranstaltungen zunehmend in den Vordergrund planerischer Aktivitäten. Etwa spielte dieses zunehmend bei der Fußball-Europameisterschaften in Portugal oder den 28. Olympischen Spielen in Griechenland im Jahr 2004 eine zentrale Rolle.5 Das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung ist neben objektiven Sachverhalten insbesondere jedoch auch von der Wahrnehmung von Sicherheitsmaßnahmen und -risiken abhängig. Aus diesem Grunde kommt der Abbildung des Sicherheitsempfindens der Bevölkerung eine wichtige Bedeutung für das Sicherheitskonzept zu. Selbstverständlich reicht diese nicht an die Vorbereitung geeigneter Sicherheitsmaßnahmen heran. Allerdings lässt sich ein entsprechendes Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung nur dann erreichen, wenn nicht nur Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, sondern wenn diese der Bevölkerung entsprechende vermittelt werden. Durch den gewählten Untersuchungsschwerpunkt der diesjährigen Studie wird der hohen Aktualität und Relevanz der Fragestellung „Sicherheit“ im Hinblick auf die FIFA WM 2006 Rechnung getragen.

Bewerbungsphase

Durchführungsphase

Vorbereitungsphase

Vergabe 6. Juli 2000

2004

Allgemeine Ergebnisse (Kap. 2)

WM-Eröffnung 9. Juni 2006

Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der WM 2006 (Kap. 3)

Akzeptanz der WM-Ausrichtung (2.1)

Beurteilung der Organisation (2.2)

Einstellungen zum Ereignis (2.3)

Wahrnehmung von Sicherheitsbedrohungen und -risiken (3.1)

Einschätzung von Sicherheitsmaßnahmen (3.2)

Abb. 2: Aufbau des Ergebnisberichtes bei den allgemeinen Ergebnissen Zusammengenommen lässt sich der Aufbau des vorliegenden Ergebnisberichts wie folgt charakterisieren: Insgesamt werden die Ergebnisse danach getrennt vorgestellt, ob sie allgemeiner

5

Vgl. o.V. (2004a); o.V. (2004b); o.V. (2004c); o.V. (2004d); o.V. (2004e), o.V. (2004f).

1. Hintergrund und Durchführung der Studie

9

Natur sind (Kap. 2) oder sich auf den in diesem Jahr im Vordergrund stehenden Sicherheitsaspekt beziehen (Kap. 3). Im Kapitel 2 wird als Systematisierungsmerkmal für die Vielzahl an Einzelfragen die Zeitdimension verwendet. Damit soll nicht nur der Langzeitcharakter der Studie herausgestellt, sondern insbesondere auch die Vergleichbarkeit mit den vorangegangenen Studien gewährleistet werden. Aus diesem Grunde werden im Folgenden die aufeinander aufbauenden Themenbereiche unterschieden (vgl. Abb. 2): ƒ

Der erste Themenbereich behandelt die Frage, wie die Bevölkerung dem Entschluss der FIFA zur Austragung der FIFA WM 2006 in Deutschland inzwischen gegenübersteht.

ƒ

Ansichten und Vorstellungen zum derzeitigen Organisationsstand dieses Ereignisses werden im zweiten Themenkomplex thematisiert.

ƒ

Die Absicht zur individuellen „Teilnahme“ an der FIFA WM 2006 sowie die Vorstellungen über deren Ergebnis sind schließlich Gegenstand des dritten Themenbereichs.

Darüber hinaus wurden im Kapitel 3 die Einstellungen und Erwartungen der Bevölkerung in Bezug auf Sicherheitsaspekte betrachtet, die mit dem Großereignis zusammenhängen. Das Ergebnisspektrum umfasst dabei Wahrnehmungen zu empfundenen Bedrohungen und Risiken sowie maßnahmenbezogene Einstellungen. Im Zuge der Fortführung der Langzeitstudie in den nächsten Jahren sind wir an Anregungen zur Verbesserung und Weiterentwicklungen der vorliegenden Konzeption sehr interessiert. Anmerkungen jeglicher Art, Ideen zur Verbesserung, aber auch Kritik können jederzeit an [email protected] gerichtet werden.

10

2. Allgemeine Ergebnisse

2.

Allgemeine Ergebnisse

2.1

Akzeptanz der WM-Ausrichtung in Deutschland

2.1.1

Das Ausmaß der Zustimmung in der Bevölkerung

Die Ausrichtung der FIFA WM 2006 in Deutschland erfährt von Seiten der Bevölkerung nach wie vor eine große Zustimmung. Wie in Abb. 3 erkennbar, bewegt sich die Akzeptanz zur Austragung weiterhin auf hohem Niveau und erreicht im Jahr 2004 einen Wrt von 81,7 %. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass der Anteil derjenigen, die sich noch keine abschließende Meinung diesbezüglich gebildet haben, unverändert zum Vorjahr 9,6 % der Befragten umfasst. Die „WM-Gegner“ machen mit nur 8,7 % weiterhin die kleinste Gruppe aus. Die beschriebenen Ergebnisse der Befragung aus dem Jahr 2004 deuten damit auf einen recht hohen Konsens hin, da sich sämtliche Werte annähernd auf dem Niveau des Vorjahres bewegen.

„Befürworten Sie, dass die WM 2006 in Deutschland ausgetragen wird?“ 100%

[Anteil der Befragten]

Befürwortung

Ablehnung

Keine Meinung

83% 76%

82%

75%

75%

50%

25%

17% 7%

16% 10%

8%

7%

2002

2003

9% 10%

0% 2001

2004

Abb. 3: Befürwortung zur Austragung der FIFA WM 2006 in Deutschland6

6

Eventuelle Abweichungen von 100 Prozent sind (wie auch bei späteren Ausführungen) die Folge durchgeführter Rundungen.

11

2. Allgemeine Ergebnisse

Bei der Betrachtung der Argumente, die nach Ansicht der Befragten für die Ausrichtung der FIFA WM 2006 in Deutschland sprechen, sticht unverändert insbesondere die gute Werbung für Deutschland hervor, die von 87,1 % der Befürworter angeführt wird (vgl. Abb. 4). Weitere Argumente werden in den Impulsen für den Tourismus (62,4 %) oder dem Beitrag zur Völkerverständigung (61,2 %) gesehen.

gute Werbung für Deutschland 100% sonstiges

75%

Stadion

50% 25% Völkerverständigung

0%

Ausbau der Stadien

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001 Infrastruktur*

Jugend

Tourismus

* modifizierte Fragestellung im Vergleich zur Studie 2001

Abb. 4: Argumente der „WM-Befürworter“

Die Analyse der Nennungen der restlichen Argumente liefert schließlich weitere Erkenntnisse: Es ist auffällig, dass der Ausbau der Stadien mit 46,6 % (Studie 2003: 54,2%) als Beweggrund inzwischen eine weniger wichtige Rolle spielt, ebenso wie das geweckte FußballInteresse der Jugend (44,4 % im Vergleich zu 50,6 % in 2003). Auch die Möglichkeit zum Partizipieren durch eigene Stadionbesuche wird nur noch von 28,7 % (Studie 2003: 33,4 %) der Interviewten angeführt. Auch wenn die abnehmende Bedeutung des Stadionausbaus (7,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr) vor dem Hintergrund der medienwirksamen Fertigstellung einiger Prestige-Projekte (z. B. des Berliner Olympia-Stadions)7 verwundert, deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass die Bevölkerung zunehmend den Image-Wert des Er-

7

Vgl. Manager-Magazin.de (2004), Ein grandioses architektonisches Werk, unter URL: http://managermagazin.de/life/freizeit/0,2828,druck-311239,00.html (Abruf: 5. September 2004).

12

2. Allgemeine Ergebnisse

eignisses erkennt. Auf der anderen Seite wird die Bedeutung des Ereignisses unter Infrastrukturgesichtspunkten inzwischen geringer eingeschätzt, was sicherlich auch damit zu tun haben dürfte, dass einige Infrastrukturprojekte bereits abgeschlossen oder erst gar nicht angefangen worden sind. Als Argumente gegen eine Ausrichtung werden vorrangig Kostenaspekte angeführt. 86,9 % der „WM-Gegner“ gaben so an, dass die WM zu teuer sei, was einer Steigerung um 4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr entspricht (vgl. Abb. 5). Die Argumente, die die Sicherheit betreffen, erfahren ebenfalls eine leichte Aufwertung. Die gestiegene Angst vor Kriminalität, die von 42,2 % der Befragten angeführt wird und damit einen Anstieg um 11,9 Prozentpunkte zum Vorjahr verzeichnet, oder die Gefahren durch Hooligans (57,8 %, im Vergleich zu 53,4 % in 2003) zeigen nicht nur die große Bedeutung der Sicherheitsargumente auf. Sie können auch als Indikator für die gestiegene Aufmerksamkeit der Bevölkerung in diesen Bereichen herangezogen werden.

Überfüllung 100% 75% sonstiges

50%

Hooligans

25% 0%

zu teuer

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001 Umweltbelastung

Abb. 5: Argumente der „WM-Gegner“

Kriminalität

2. Allgemeine Ergebnisse

13

Abschließend lässt sich festhalten, dass eine Akzeptanz zur Ausrichtung der FIFA WM 2006 in Deutschland bei der breiten Mehrheit der Bevölkerung weiterhin gegeben ist. Mit knapp 83 % aller Befragten zeigt sich eine große Zustimmungsquote für die Austragung des Turniers in Deutschland. Die Befürworter führen insbesondere die Möglichkeit zur guten Werbung für Deutschland an, während für WM-Gegner nach wie vor die erwarteten hohen Kosten („zu teuer“) und Sicherheitsbedenken als ausschlaggebende Ablehnungsargumente anführen.

2.1.2

Akzeptanzwerte in Abhängigkeit verschiedener soziodemographischer und psychographischer Merkmale

Im Folgenden soll die aufgezeigte hohe globale Akzeptanz in Abhängigkeit verschiedener Probanden-Merkmale untersucht werden. Hierbei wird nach ƒ

Alter,

ƒ

Geschlecht,

ƒ

Beruf,

ƒ

Interesse am Fußball und sportlicher Betätigung und

ƒ

Informationsstand über die WM-Vorbereitungen

differenziert.

Differenzierungsmerkmal „Alter“ Die Befürwortung der Austragung der FIFA WM 2006 in Deutschland ist alterstufenübergreifend auf hohem Niveau gegeben. Dieses zeigt sich an dem linearen Trend (durchgezogene schwarze Linie in Abb. 6), der mit steigendem Alter nur geringfügig abfällt. Darin zeigt sich die über alle Altersstufen hinweg weitgehend gleich bleibend hohe Zustimmung.

14

2. Allgemeine Ergebnisse

100

[Zustimmungsrate in %]

80

60

40

Studie 2004 20

Studie 2003 Linearer Trend (Studie 2004) Linear (Studie 2003)

0 15 18 21 24 27 30 33 36 39 42 45 48 51 54 57 60 63 66 69 72 75 78 81 84 87 90 93

[Alter]

Abb. 6: Zusammenhang zwischen „Alter“ und „Akzeptanz“ Die Schwankungen um diese Trendgerade, die durchweg Zustimmung von mindestens 80 % der jeweils betrachteten Altersstufe signalisiert, nehmen jedoch mit steigendem Alter ein höheres Ausmaß an. Auch der im Vorjahr aufgedeckte leichte negative Zusammenhang zwischen Alter und Zustimmungsrate8 konnte erneut bestätigt werden.

Differenzierungsmerkmal „Geschlecht“ Bei einem geschlechterspezifischen Vergleich der Zustimmungsquoten fällt auf, dass die Akzeptanz bei Männern mit 87 % weiterhin deutlich höher liegt als bei Frauen (77 %, vgl. Abb. 7). Da zudem der Anteil derjenigen, die sich noch keine Meinung gebildet haben, weiterhin sinkt, scheint der Meinungsbildungsprozess zur WM 2006 in der Bevölkerung weiter voranzuschreiten. Allerdings ist er bei Männern fortgeschrittener. So ist auch 2004 der verbliebene Anteil der Frauen, die keine Meinung zur Austragung der FIFA WM 2006 in Deutschland hatten, mit 13,1 % mehr als doppelt so groß wie der der Männer (5,9 %).

8

Vgl. Voeth/Liehr (2003), S. 13.

15

2. Allgemeine Ergebnisse

100%

[Anteil der Befragten] 6% 7%

6% 5%

8%

10%

9%

6%

13%

14%

10%

9%

24%

24%

8%

7%

68%

69%

75%

50% 87%

89%

83%

84%

77%

78%

25%

Befürwortung

Ablehnung

Keine Meinung

0% Männer Männer Männer Männer (2004) (2003) (2002) (2001)

Frauen (2004)

Frauen (2003)

Frauen (2002)

Frauen (2001)

Abb. 7: Zusammenhang zwischen „Geschlecht“ und „Akzeptanz“

Differenzierungskriterium „Beruf“ Die höchste Akzeptanz der Austragung der FIFA WM 2006 lässt sich in der Berufsgruppe der Schüler/Studenten

(91,6 %)

sowie

bei

denen,

die

sich

in

Ausbil-

dung/Lehre/Wehrdienst/Zivildienst befinden (90 %), feststellen (vgl. Tab. 1). Beide Personengruppen konnten zudem im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 bzw. 2 Prozentpunkte „zulegen“. Ganztägig Berufstätige (80,4 %), Teilzeitbeschäftigte (77,3 %), Arbeitslose (77,5 %) sowie Rentner/Pensionäre (79,1 %) weisen ebenfalls hohe Akzeptanzniveaus aus. Bei den Hausfrauen/Hausmänner ist mit 66 % hingegen die geringste Zustimmung zu beobachten. Bei einigen Berufsgruppen sind Abnahmen der Akzeptanzniveaus im Vergleich zum Vorjahr zu erkennen. Das Maximum des Akzeptanzschwunds markieren hierbei Hausfrauen/Hausmänner mit - 12,5 Prozentpunkten, wobei hierbei zu berücksichtigen ist, dass diese Berufsgruppen innerhalb der Stichprobe zahlenmäßig sehr schwach vertreten war.

Befürwortung

Ablehnung

Keine Meinung

Ganztätig berufstätig

Studie 2004: 80,4 % Studie 2003: 82,6 % Studie 2002: 76,9 % Studie 2001: 76,5 %

Studie 2004: 9,9 % Studie 2003: 7,9 % Studie 2002: 7,9 % Studie 2001: 6,7 %

Studie 2004: 9,6 % Studie 2003: 9,5 % Studie 2002: 15,2 % Studie 2001: 16,9 %

Ausbildung/Lehre/ Wehrdienst/Zivildienst

Studie 2004: 90% Studie 2003: 88,0 % Studie 2002: 72,7 % Studie 2001: 66,7 %

Studie 2004: 6,6 % Studie 2003: 6,0 % Studie 2002: 5,5 % Studie 2001: 6,3 %

Studie 2004: 3,3 % Studie 2003: 6,0 % Studie 2002: 21,8 % Studie 2001: 27,1 %

16

2. Allgemeine Ergebnisse

Schüler/Student

Studie 2004: 91,6 % Studie 2003: 86,7 % Studie 2002: 78,6 % Studie 2001: 79,4 %

Studie 2004: 3,3 % Studie 2003: 4,8 % Studie 2002: 6,7 % Studie 2001: 6,5 %

Studie 2004: 4,9 % Studie 2003: 8,4 % Studie 2002: 14,7 % Studie 2001: 14,1 %

Zurzeit keine Beschäftigung

Studie 2004: 77,5 % Studie 2003: 85,7 % Studie 2002: 72,4 % Studie 2001: 71,9 %

Studie 2004: 12,5 % Studie 2003: 3,6 % Studie 2002: 10,3 % Studie 2001: 6,3 %

Studie 2004: 10 % Studie 2003: 10,7 % Studie 2002: 17,2 % Studie 2001: 21,9 %

Teilzeitbeschäftigt

Studie 2004: 77,3 % Studie 2003: 76,9 % Studie 2002: 68,9 % Studie 2001: 75,4 %

Studie 2004: 9,3 % Studie 2003: 10,1 % Studie 2002: 9,0 % Studie 2001: 4,5 %

Studie 2004: 13,4 % Studie 2003: 13,0 % Studie 2002: 22,1 % Studie 2001: 20,1 %

Rentner/Pensionär

Studie 2004: 79,1 % Studie 2003: 83,2 % Studie 2002: 75,4 % Studie 2001: 76,0 %

Studie 2004: 9,9 % Studie 2003: 4,6 % Studie 2002: 10,4 % Studie 2001: 5,8 %

Studie 2004: 10,9 % Studie 2003: 12,3 % Studie 2002: 14,2 % Studie 2001: 18,2 %

Hausfrau/Hausmann

Studie 2004: 66 % Studie 2003: 78,5 % Studie 2002: 67,2 % Studie 2001: 71,6 %

Studie 2004: 14,9 % Studie 2003: 13,1 % Studie 2002: 8,8 % Studie 2001: 8,8 %

Studie 2004: 19 % Studie 2003: 8,5 % Studie 2002: 24,1 % Studie 2001: 19,6 %

Tab. 1: Zustimmungsgrad in verschiedenen Berufsgruppen Allerdings drückt sich im feststellbaren Akzeptanzschwund in bestimmten Berufsgruppen sicherlich auch der durch gesamtwirtschaftliche Schwierigkeiten in der Bundesrepublik Deutschland ausgelöste Stimmungsumschwung in Teilen der Bevölkerung aus. Da nicht Wenige zurzeit mit massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, werden Großereignisse, deren wirtschaftlicher Nutzen nur mittelbar einsichtig ist, mitunter in Zweifel gezogen.

Differenzierungsmerkmal „Interesse am Fußball“ und „sportliche Betätigung“ Die Analyse des Zusammenhangs zwischen der Akzeptanz der Austragung der FIFA WM 2006 und dem Fußballinteresse der Befragten (nach eigener Einschätzung) bestätigt eine positive Verknüpfung dieser beiden Variablen. Wie in Abb. 8 erkennbar, ist die Zustimmung mit abnehmendem Interesse an der Sportart stark rückläufig. Die Austragung der FIFA WM 2006 in Deutschland wird allerdings selbst von jedem Zweiten Fußball-Uninteressierten befürwortet (Akzeptanzniveau von 53 % in dieser Gruppe). Bei einer dynamischen Betrachtung über die vergangenen vier Erhebungen ist eine insgesamt ansteigende Zustimmung zu diesem Ereignis feststellbar: die durchschnittliche Wachstumsrate der Zustimmungsquoten über alle Segmente und Erhebungen beträgt so seit 2001 im Durchschnitt 2,8 Prozentpunkte.

17

2. Allgemeine Ergebnisse [Zustimmungsquote] 100%

98% 97% 93% 94%

95%96% 92% 90%

90% 92%

90% 86% 83% 83%

81%

75%

75%

76%

78% 68% 55%

Studie Studie Studie Studie 53%

2004 2003 2002 2001

56%

50% 41% 38%

25%

0% sehr groß

sehr gering

[Interesse an Fußball]

Abb. 8: Zusammenhang zwischen „Fußball-Interesse“ und „Akzeptanz“ Weiterhin kann die Akzeptanz nach der sportlichen Betätigung der Befragten differenziert werden. Die Akzeptanz auf Seiten der aktiven Fußballer ist mit 98,9 % nahezu vollständig gegeben (vgl. Abb. 9). Gleichzeitig bleibt hervorzuheben, dass selbst 77,9 % der sportlich inaktiven Befragten die Ausrichtung der FIFA WM 2006 in Deutschland befürworten. Ein leicht höheres Akzeptanzniveau lässt sich mit 87 % zudem bei den Befragten feststellen, die sich als aktive Sportler zu erkennen gaben. Diese Personengruppe machte absolut betrachtet 43,6 % der Befragten aus.

100% 99%

87%

Befürwortung Keine Meinung

Ablehnung

80% 78% 60%

40%

20%

10% 12%

7% 7% 1% 0% 0% Aktiver Sportler

Fußballer

Kein Sportler

Abb. 9: Zustimmungsgrad in Abhängigkeit von der sportlichen Betätigung

18

2. Allgemeine Ergebnisse Differenzierungsmerkmal „Informationsstand WM-Vorbereitungen“

Wird die Zustimmungsrate nach dem Informationsstand hinsichtlich der WM-Vorbereitungen differenziert, so ist zu erkennen, dass die Zustimmung bei den Befragten, denen bereits Informationen über die WM-Vorbereitungen vorliegen, erheblich höher ist als bei denen, die über keine Informationen verfügen (vgl. Abb. 10). Der Akzeptanz-Unterschied fällt mit 22 Prozentpunkten (91 % vs. 69 %) deutlich aus. Gleichzeitig ist der Anteil der Befragten, der über die WM-Vorbereitungen nicht im Bilde ist und gleichzeitig die Austragung ablehnt, mit 14 % annähernd drei mal so groß wie bei den informierten Befragten (5 %). Hier ist zu vermuten, dass originäre Standpunkte (z. B. Ablehnung) aufgrund fehlender Informationen zu den WM-Vorbereitungen nicht hinterfragt werden. Gleichzeitig ist der Anteil der Personengruppe ohne Meinung unter den Probanden, die bereits etwas von der Vorbereitung mitbekommen haben, mit 4 % deutlich kleiner als bei denjenigen, die noch nichts von der Vorbereitungen erfahren haben (16 %).

100%

4% 5%

80%

17% 14%

60% 40%

keine Meinung Ablehnung Befürwortung

91% 69%

20% 0% Probanden, die schon etwas von der WMVorbereitung mitbekommen haben

Probanden, die noch nichts von der WMVorbereitung mitbekommen haben

Abb. 10: Zustimmungsgrad in Abhängigkeit von dem Informationsstand Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Akzeptanz mit zunehmendem Alter leicht abfällt, aber mit annähernd 80 % auf hohem Niveau gegeben ist. Zudem ist sie bei Männern größer als bei Frauen, hängt weiterhin vom Fußballinteresse ab und nimmt mit zunehmendem Informationsstand über die Vorbereitungen zu. Dieser Zusammenhang verdeutlicht, dass die Kommunikation WM-spezifischer Informationen das Interesse und die Zustimmung zur Austragung fördert.

19

2. Allgemeine Ergebnisse 2.2.

Beurteilung der Organisation

Die erfolgreiche Organisation der WM 2006 ist das Ergebnis des Zusammenspiels der Potenzialfaktoren Personal-, Sach- und Finanzmittel. Dementsprechend ist bei der Untersuchung der Einschätzung der Bevölkerung zu der Organisation zwischen dem Subjekt der Organisation, d. h. dem Organisationskomitee, dem Objekt der Organisation (Infrastruktur) sowie der finanziellen Rahmenbedingungen der WM 2006 zu unterscheiden (vgl. Abb. 11). Bei den Finanzierungsquellen werden neben der staatlichen Förderung der WM dabei auch Fragen zum Sponsoring thematisiert.

Beurteilung der Organisation

Subjekt der Organisation: Beurteilung der Organisatoren

Beurteilung der organisatorischen Rahmenbedingungen

Beurteilung der finanziellen Rahmenbedingungen

Abb. 11: Analysebereiche im Hinblick auf die Beurteilung der Organisation der WM 2006 2.2.1

Beurteilung der Organisatoren

2.2.1.1

Arbeit des Organisationskomitees

Im Rahmen der Beurteilung der Arbeit des Organisationskomitees (OK) soll zunächst untersucht werden, inwieweit sich die Befragten ausreichend über die WM bzw. deren Vorbereitungen informiert fühlen. Dieser Aspekt kann als erster Anhaltspunkt für die geleistete Arbeit angesehen werden, weil es – wie Kap. 2.1.2. zeigte – Potenziale zur Akzeptanzsteigerung bei der Bevölkerung birgt. Dabei ist festzustellen, dass sich mit 30,7 % der Interviewten weniger als ein Drittel ausreichend informiert fühlt (vgl. Abb. 12). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dieses ein Absinken um 4 Prozentpunkte. Der Anteil derjenigen, die sich über die WM 2006 nicht ausreichend über die WM informiert fühlt, blieb bei einer Veränderung um nur 1,2 Prozentpunkte relativ konstant. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil derer, die zu dieser Frage keine Meinung hatten, auf 42,3 %.

20

2. Allgemeine Ergebnisse „Fühlen Sie sich ausreichend über die WM 2006 bzw. deren Vorbereitungen informiert?“ 100%

[Anteil der Befragten] Ja

75%

42%

50%

37%

36%

28%

35%

27%

Nein

Keine Meinung 39%

42%

25% 35%

31%

29% 20%

0% Studie 2004

Studie 2003

Studie 2002

Studie 2001

Abb. 12: Individueller Informationsstand zur FIFA WM 2006 Ein weiterer Indikator zur Beurteilung des Informationsstands der Befragten ist darin zu sehen, in welchem Ausmaß die Befragten von den WM-Vorbereitungen bereits Kenntnis genommen haben (vgl. Abb. 13). Die Mehrheit der Interviewten gab an, bereits vorbereitende Maßnahmen mitbekommen zu haben. Der Anteil dieser Gruppe hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 55,1 % auf 57,1 % allerdings nur leicht erhöht.

„Haben Sie bislang etwas von den Vorbereitungen zur WM 2006 mitbekommen?“ 100%

[Anteil der Befragten] Ja

75%

43%

45%

Nein

41% 59%

50%

25%

57%

55%

60% 41%

0% Studie 2004

Studie 2003

Studie 2002

Studie 2001

Abb. 13: Genereller Kenntnisstand zu den Vorbereitungen der FIFA WM 2006

21

2. Allgemeine Ergebnisse

Dieser erhöhte Informationsstand kann in einem nächsten Schritt im Hinblick auf konkrete Organisationsbereiche analysiert werden. Die Untersuchung bekannter Organisationsbereiche zeigt ein im Vergleich zu den Vorjahren relativ stabiles Bild. Leichte Veränderungen aufgrund wahrgenommener Vorbereitungsaktivitäten sind demnach vor allem in den Bereichen „Stadion“ und „Infrastruktur“ erkennbar. Der Anteil der Befragten, der auf Umbau- und Neubaumaßnahmen im Vorfeld der FIFA WM 2006 aufmerksam wurde, hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozentpunkte auf 47,7 % erhöht (vgl. Abb. 14). Dieser Organisationsbereich wird damit am häufigsten genannt und spiegelt die öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie z. B. die Einweihung des Berliner Olympia-Stadions wider.9

„In welchen Bereichen haben Sie bislang etwas von den Vorbereitungen zur WM 2006 in Deutschland mitbekommen?“ 45% 46%

Standort Stadien 25%

Umbau Stadien 32%

54%

48% 44% 44%

24%

17% 20% 8% 11% 16%

Infrastruktur Logo/Maskottchen* Sicherheitsvorkehrungen Tickets Fanartikel

2% 0% 4% 6% 4%

Studie 2004

7% 5% 1% 2% 3% 2% 2% 1%

0%

Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001 25%

50%

75%

100%

[Anteil der Befragten] * In der Studie 2001 noch nicht berücksichtigt

Abb. 14: Der Bevölkerung bekannte Organisationsbereiche Die Berücksichtigung des Faktors „Zeit“ bei der Einschätzung vorbereitender Maßnahmen des OK stellt eine weitere Informationsquelle für die Beurteilung des Organisationsgremiums durch die Bevölkerung dar. Auf die Frage, ob der DFB bzw. das OK mit den eingeleiteten Maßnahmen im Zeitplan liegt, zeigen sich 49,6 % der Befragten zuversichtlich (vgl. Abb. 15). Gleichzeitig befindet sich der Anteil derjenigen, die sich zu einer Einschätzung diesbezüglich außerstande sehen, mit 46,3 % jedoch weiterhin auf einem relativ hohen Niveau.

9

Vgl. Aussagen des regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, in seiner festlichen Ansprache zur Einweihung am 1.08.2004, URL: http://www.manager-magazin.de/life/freizeit/0,2828,311239,00.html (Abruf: 5. September 2004).

22

2. Allgemeine Ergebnisse

„Liegt der DFB Ihrer Meinung nach mit der Vorbereitung der WM im Zeitplan?“ 100%

[Anteil der Befragten] Ja

80%

46%

48%

4%

4%

Nein

Keine Meinung

51%

49%

6%

5%

60%

40% 50%

48%

44%

46%

Studie 2004

Studie 2003

Studie 2002

Studie 2001

20%

0%

Abb. 15: Beurteilung des zeitlichen Vorbereitungsstandes des DFB Trotz des relativ großen Anteils derjenigen, die keine Meinung zum Zeitmanagement des OK aufwiesen, ist das den Verantwortlichen entgegengebrachte Vertrauen nach wie vor auf hohem Niveau gegeben (vgl. Abb. 16). Mit 81,3 % bringen unverändert viele Interviewte dem DFB bzw. dem OK Vertrauen im Hinblick auf eine erfolgreich organisierte WM entgegen.

„Trauen Sie dem DFB zu, die WM erfolgreich zu organisieren?“

100% 80%

[Anteil der Befragten] 17%

16%

2%

3%

20%

20%

6%

6%

74%

74%

60% 40%

81%

81%

20% Ja

Nein

Keine Meinung

Studie 2002

Studie 2001

0% Studie 2004

Studie 2003

Abb. 16: Vertrauen in die erfolgreiche WM-Organisation

23

2. Allgemeine Ergebnisse

Das Vertrauen in die WM-Organisation unterscheidet sich allerdings recht deutlich, wenn man anhand des Merkmals „Fußballinteresse“ differenziert (vgl. Abb. 17). Mit 69,4 % aller Nicht-Fußballinteressierten10 äußerte sich auch hier die Mehrheit der Befragten zuversichtlich. In dieser Personengruppe lässt sich gleichzeitig ein hoher Anteil an Probanden identifizieren, die sich noch keine Meinung diesbezüglich gebildet haben. Mit 27,5 % war ihr Anteil annähernd vier Mal so hoch ist wie unter den Fußballinteressierten.

„Trauen Sie dem DFB zu, die WM erfolgreich zu organisieren?“ 100%

[Anteil der Befragten] 91%

80%

70%

Ja Nein Keine Meinung

60%

40% 28% 20% 8% 1%

3%

Fußballinteressierte

Nicht-Fußballinteressierte

0%

Abb. 17: Vertrauen in die WM-Organisation in Abhängigkeit vom Fußballinteresse

Im Hinblick auf das „Organisationssubjekt“ zeigt sich, dass der generelle Kenntnisstand der Bevölkerung zu den Vorbereitungen dieses Ereignisses zugenommen hat, sich die Befragten jedoch weiterhin als nicht ausreichend genug informiert fühlen. Die Mehrheit sieht das OK im Zeitplan und hat auch die Zuversicht, dass es die WM 2006 erfolgreich vorbereiten werde – und zwar unabhängig vom Interesse an der Sportart Fußball.

10

Im Rahmen des Fragebogens wurde von den Interviewten auch eine Selbsteinschätzung zum Fußballinteresse abgefragt. Diese auf einer Ratingskala von 1 („sehr gering“) bis 6 („sehr groß“) abgefragte Variable wurde hierbei zugrunde gelegt. Befragte, die Werte kleiner bzw. gleich 3 angaben, werden im Folgenden der Gruppe „Nicht-Fußballinteressierte“ zugewiesen.

24

2. Allgemeine Ergebnisse 2.2.1.2

Personelle Besetzung des Organisationskomitees

Wie in den vorherigen Basisstudien fällt auf, dass die meisten Mitglieder des OK der Bevölkerung weitgehend unbekannt sind. Franz Beckenbauer, der als Präsident des OK für die Repräsentation verantwortlich ist, stellt hierbei eine Ausnahme dar. Er wird von annähernd der Hälfte der Befragten mit der Organisation des Ereignisses in Verbindung gebracht und nimmt damit eine Ausnahmeposition ein (vgl. Tab. 2). Die restlichen Mitglieder, die ebenfalls die Vorbereitung, Organisation und Durchführung aller die WM 2006 betreffenden Aufgabenbereiche mittragen, weisen so eine deutlich geringere Bekanntheit auf. Wolfgang Niersbach, der für Marketing, PR, Medien & Kommunikation, IT, Telekommunikation, Statistik, Presse & Medieneinrichtungen sowie Akkreditierungen zuständig ist, wird nur von 2,3 % der Interviewten genannt. Seinen „Präsidiums“-Kollegen Horst R. Schmidt, 1. Vizepräsident und stellvertretender Präsident des OK, bringen nur 1 % der Befragten mit der Organisation der WM 2006 in Verbindung.

Rang

Name

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001

1

Franz Beckenbauer

45,7%

52,0%

52,9%

53,7%

2

Gerhard Mayer-Vorfelder

7,9%

16,1%

17,4%

20,7%

3

Joseph S. Blatter

6,2%

10,5%

< 0,5%

< 0,5%

4

Wolfgang Niersbach

2,3%

3,0%

2,2%

4,7%

5

Günter Netzer

< 0,5%

3,1%

3,0%

2,3%

…7

Fedor H. Radmann

< 1%

1,6%

0,8%

0,2%

… 11

Horst R. Schmidt

< 1%

0,8%

0,5%

0,4%

Tab. 2: Bekanntheit tatsächlicher und von der Bevölkerung genannter Mitglieder des WM-Organisationskomitees Am zweithäufigsten wird hingegen (fälschlicherweise) Gerhard Meyer-Vorfelder, der Präsident des DFB und Aufsichtsrat des OK FIFA WM 2006 genannt. Mit 7,9 % der Nennungen liegt er noch vor Joseph S. Blatter, dem FIFA-Präsidenten, der 6,2 % erreicht. Es ist auffällig, dass die Bekanntheit der Organisatoren im Langzeitvergleich nach wie vor sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Vor allem bei den geschäftsführenden Verantwortlichen

2. Allgemeine Ergebnisse

25

ist selbst mit Näherrücken der WM keine spürbare Zunahme der Bekanntheit in der Bevölkerung zu beobachten.

2.2.2

Beurteilung der organisatorischen Rahmenbedingungen

Im Folgenden sollen Einschätzungen der Befragten zu den Rahmenbedingungen der Organisation untersucht werden. Dabei werden infrastrukturelle Rahmenbedingungen bezüglich ihres derzeitigen Stands sowie im Hinblick auf die durch das Großereignis zu erwartenden Auswirkungen analysiert.

Aktueller Stand infrastruktureller Rahmenbedingungen Nach Ansicht der Befragten ist Deutschland im Hinblick auf infrastrukturelle Anforderungen an das Großereignis FIFA WM 2006 grundsätzlich gut gerüstet (vgl. Abb. 18). Bei der Beurteilung der derzeitigen Infrastruktur lässt sich zunächst die durchschnittliche Einschätzung aller Befragten ermitteln. Dieser Wert liegt mit durchschnittlich 3,91 (auf einer Skala von „1 = sehr schlecht“ bis „6 = sehr gut“) im Jahr 2004 im Jahresvergleich auf einem relativ konstanten Niveau (Jahr 2003: durchschnittlich 4,06; Jahr 2002: durchschnittlich 3,91). Jedoch ist feststellbar, dass das Urteil diesbezüglich negativer ausfällt als noch in 2001 (durchschnittlich 4,46), dem Folgejahr der Vergabe der FIFA WM 2006 an Deutschland. Dieses kann auch darauf zurückgeführt werden, dass einige beabsichtigte Verkehrsprojekte aufgrund der schwierigen Haushaltslage der öffentlichen Hand nach dem Jahr 2001 aufgegeben worden sind.

26

2. Allgemeine Ergebnisse „Wie beurteilen Sie die Infrastruktur Deutschlands im Hinblick auf ein solches Großereignis?“ 40%

[Anteil der Befragten]

40% 36% 36% 35%

Studie 2004 Studie 2003

32% 30%

27% 26% 23%

Studie 2002 Studie 2001

26% 25% 24%

20% 13% 10% 10% 5%

6% 6%

7%

8%

6% 7% 3%

2% 1% 2%

0% sehr gut

sehr schlecht

Abb. 18: Urteil zu der Infrastruktur Deutschlands im Vorfeld der WM 2006 Bei einer geschlechterspezifischen Untersuchung fällt zudem auf, dass Männer mit durchschnittlich 4,1 ein positiveres Bild von der derzeitigen Infrastruktur haben als Frauen (durchschnittlich 3,7).

Erwartete Auswirkungen auf verschiedene infrastrukturelle Bereiche Neben der Beurteilung der derzeitigen Infrastruktur wurde auch erfragt, wie die Auswirkungen der FIFA WM 2006 auf verschiedene infrastrukturelle Bereiche eingeschätzt werden. Hierbei fällt zunächst auf, dass die Befragten die positivsten Auswirkungen im Bereich der WM-Stadien und Sportstätten sehen (vgl. Abb. 19). Mit einem Durchschnittswert von 4,61 (auf einer Skala von „1 = sehr schlecht“ bis „6 = sehr gut“) zeigt sich dieser Bereich nicht nur mit deutlichem Abstand vor Straßen (3,69) und dem Schienennetz (3,41). Während die Erwartungen der Befragten im Jahr 2001 hinsichtlich Straßen und Sportstätten relativ nah beieinander lagen – damals betrug die Abweichung 0,3 –, lässt sich im Zeitablauf eine pessimistischere Erwartungshaltung hinsichtlich der Entwicklung der Infrastruktur im Bereich der Straßen konstatieren. Der Unterschied beträgt im Jahr 2004 mit ∆ 0,92 annähernd eine Skalenstufe.

27

2. Allgemeine Ergebnisse „Wie schätzen Sie die Auswirkungen der WM 2006 auf die Situation Deutschlands in den folgenden Bereichen ein?“ 4,6

Infrastruktur Sportstätten*

4,7 4,6

3,7

Infrastruktur Straße

3,7 3,9 4,3 3,4

Infrastruktur Schiene

3,4 3,4 3,7

1 sehr negativ

2

3

4

Studie Studie Studie Studie 5

2004 2003 2002 2001 6 sehr positiv

* in der Studie 2001 noch nicht berücksichtigt

Abb. 19: Erwartete Auswirkungen der WM 2006 auf die Infrastruktur Deutschlands

2.2.3 Beurteilung der finanziellen Rahmenbedingungen Der Gesamtetat für die Organisation der FIFA WM 2006 wird von den Organisatoren mit ca. 430 Mio. € angegeben. Die Haupteinnahmequelle stellt dabei der Ticketverkauf mit geschätzten 200 Mio. € dar. Weitere 170 Mio. € werde von Seiten der FIFA als „Zuschuss“ zur Verfügung gestellt. Der Restbetrag soll aus Sponsoring-Einnahmen der sechs sog. „nationalen Förderer“ (ca. 60 Mio. €) gedeckt werden. Insider sehen nicht zuletzt aufgrund der Restriktionen, nationale Partner für dieses Ereignis zu akquirieren,11 nicht unwesentliche Gefahren für den Organisationsetat.12 Die Aussagen des OK, wonach das vorrangige Ziel „die schwarze Null“ 13 sei, unterstreichen die Relevanz der Untersuchungsfrage nach der Akzeptanz verschiedener Finanzierungsarten. So stellt sich vor allem die Frage, inwieweit die öffentliche Hand, Veranstalter und Ausrichter entgegen kommen sollte und mögliche Finanzierungslü-

11

12 13

Die Exklusivitätsrechte zum Schutz der 15 offiziellen FIFA-Sponsoren sehen vor, dass als nationale Förderer nur Unternehmen in Frage kommen, die keine Konkurrenzprodukte zu diesen Firmen anbieten. Die offiziellen FIFA-Sponsoren, deren Gelder exklusiv dem Sportverband zustehen, leisten indirekt einen Beitrag zur Organisation der FIFA WM 2006 in Deutschland, da sie die Zahlung des Zuschusses von Seiten der FIFA an das OK ermöglichen. Zu Regelungen bezüglich der Exklusivitätsrechte der FIFA-Partner vgl. W&V (2004a) und W&V (2004b). Vgl. o.V. (2003). Vgl. o.V. (2004g).

28

2. Allgemeine Ergebnisse

cken auffüllen sollte. Im Folgenden werden Einstellungen der Befragten zur staatlichen Förderung und zum Sponsoring angeführt.

2.2.3.1

Staatliche Förderung der „FIFA WM 2006“

Von den Befragten wird mehrheitlich angenommen, dass die WM 2006 nicht ohne staatliche Förderung auskommen wird. Dieses wurde von 93,1 % der Befragten angegeben, was gleichzeitig einen Anstieg um 6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr darstellt (vgl. Abb. 20). Mit Näherrücken des Ereignisses verbreitet sich ganz offenbar die Ansicht, dass staatliche Mittel zur Finanzierung der WM mit großer Wahrscheinlichkeit notwendig werden.

„Glauben Sie, dass die WM 2006 ohne staatliche Förderung auskommen wird?“ 100%

[Anteil der Befragten] Ja

Nein

75%

50%

93%

87%

88%

86%

13%

13%

14%

Studie 2003

Studie 2002

Studie 2001

25%

0%

7% Studie 2004

Abb. 20: Notwendigkeit staatlicher Förderung bei der WM 2006 Der staatlichen Förderung steht gleichzeitig ein immer größerer Anteil der Befragten ablehnend gegenüber. Diese Ansicht vertraten 71,4 % der Interviewten, womit sich im Vergleich zu den Studien 2001 (61,8 %), 2002 (68,1 %) und 2003 (60,5 %) die höchste Ablehnungsquote feststellen lässt. Auffällig hierbei ist, dass in der Personengruppe mit ablehnender Haltung Frauen mit einem Anteil von 54,8 % häufiger vertreten sind als mit 40,9 % in der Gruppe der Befürworter staatlicher Förderung. Unterschiede lassen sich auch bei einer Differenzierung nach dem Interesse an der Sportart und an dem Ereignis an sich identifizieren. So zeigen die Befürworter mit einem Durchschnittswert von 4,8 (auf einer Skala von „1 = sehr gering“ bis

2. Allgemeine Ergebnisse

29

„6 = sehr hoch“) ein signifikant höheres Fußballinteresse als die Ablehner mit 4,07. Gleichzeitig ist ihr Interesse an dem WM-Turnier an sich mit 3,81 höher als das der Ablehner mit 3,17.

2.2.3.2

Sponsoring der „FIFA WM 2006“

Dem Sponsoring kommt eine zentrale Bedeutung für die Finanzierung der WM 2006 zu. Wie bereits in den einleitenden Ausführungen zu diesem Kapitel dargelegt, wird mehr als die Hälfte des Organisationsetats durch Einnahmen aus Sponsorengeldern und Lizenzgebühren getragen. Beim Sponsoring muss grundsätzlich zwischen den offiziellen Sponsoren, deren Gelder exklusiv dem Weltfußballverband zustehen und nur indirekt den Organisatoren zugute kommen, und den nationalen Förderern unterschieden werden. Angesichts der Tatsache, dass das Engagement in beiden Bereichen ein nicht unbedeutendes finanzielles Engagement voraussetzt,14 ist die Untersuchung des Kenntnisstands und der Vorstellungen der Befragten in diesen Bereichen von großem Interesse. Auffällig ist, dass die fünf15 aktuell feststehenden nationalen Förderer den Befragten mehrheitlich nicht bekannt waren. Auf die (gestützte) Frage, ob diese als nationale Förderer bekannt seien, erreichte mit OBI lediglich ein Unternehmen einen Bekanntheitsgrad von 35 % (vgl. Abb. 21). Oddset, Postbank und das Energieunternehmen EnBW waren einem Fünftel und die Versicherungsgruppe HamburgMannheimer nur knapp jedem Zehnten der Interviewten als nationale Förderer bekannt. Die Sportwette Oddset, mit der die Gesellschaften des deutschen Lotto- und Toto-Blocks in den Kreis der nationalen Förderer dazu gestoßen sind, erreicht damit auf Anhieb einen im Vergleich zu den bereits früher feststehenden Förderer respektablen Bekanntheitsgrad. Der Vereinbarung, die mit dem OK am 3. August 2004 unterzeichnet wurde und mit Wirkung zum 1. Juli 2004 gilt, waren langwierige Verhandlungen vorausgegangen, die auch in den Medien diskutiert worden sind. Auf diesen Umstand kann der vergleichsweise hohe Kenntnisstand vermutlich zurückgeführt werden.

14

15

Vgl. o.V. (2004h): Während der Status des offiziellen FIFA Sponsors mit der Zahlung eines Betrages von 40 Mio. € verbunden ist, haben der Großteil der nationalen Förderer ca. 12,9 Mio. € gezahlt. Experten rechnen damit, dass auf einen Sponsor-Euro meist nochmals rund zwei Werbe-Euro für begleitende Maßnahmen hinzukommen. Stand: 15. Oktober 2004.

30

2. Allgemeine Ergebnisse „Von welchen der folgenden Unternehmen ist Ihnen bekannt, dass sie zu den nationalen Förderern der WM 2006 gehören?“ OBI

57%

35%

8%

Ja Nein k.A.

Oddset

21%

69%

10%

Postbank

21%

70%

9%

72%

9%

EnBW

HamburgMannheimer

19%

9%

0%

10%

81%

25%

50%

75%

100%

125%

[Anteil der Befragten]

Abb. 21: Kenntnisstand über nationale Förderer

Hinsichtlich des Sponsorings der FIFA WM 2006 zeigt sich, dass Mercedes-Benz (bzw. Daimler-Chrysler) und Adidas, die bereits in den letzten drei Studien am häufigsten genannt wurden, weiterhin mit deutlichem Abstand vor anderen Unternehmen bei dieser Frage als „Wunschsponsoren“ genannt werden (vgl. Abb. 22). Der meistgenannte Sponsor MercedesBenz kann allerdings aufgrund der Sponsoring-Bestimmungen der FIFA nicht als Sponsor der WM 2006 tätig werden, da einer der Konkurrenten des Unternehmens zu den FIFA-Förderern zählt.

31

2. Allgemeine Ergebnisse

15%

Mercedes Benz/Daim erChrys ler Adidas

12%

13%

17% 16% 18%

6% Deuts che Telekom

5% 8% 5% 5%

Coca-Cola Pum a

1%

4% 4% 4% 4% 5% 5% 4% 3% 5% 3% 3% 4%

Siem ens BMW Nike Volks wagen Pors che

1%

0%

3%

9%

5%

Studie 2004 Studie 2003

2% 3%

Studie 2002 5%

10%

15%

20%

25%

[Anteil der Nennungen]

Abb. 22: Wunschsponsoren für die FIFA WM 200616

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der (ungestützten) Frage nach den Unternehmen, die mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht werden (vgl. Abb. 23). Auch hier werden Adidas mit 24 % und Mercedes-Benz (bzw. Daimler-Chrysler) mit 23 % am häufigsten genannt.

16

Diese Fragestellung ist im Jahr 2002 erstmalig in die Langzeitstudie integriert worden.

32

2. Allgemeine Ergebnisse

24% 23% 24% 23% 23%

Mercedes -Benz/Daim lerChrys ler*

17% adidas *

7% 5% 8% 6% 5% 5% 3% 3% 5% 3% 3% 1% 3% 3% 3% 2% 3% 4%

Bitburger* Deuts che Telekom Coca-Cola* Pum a Obi Krom bacher E-Plus * Nike

* Partner des DFB

2% 0% 2% 3%

Wars teiner

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002

2% 2%

0%

10%

20%

30%

[Anteil der Nennungen]

Abb. 23: Mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft assoziierte Unternehmen

Damit werden von den Befragten zwei Unternehmen genannt, die tatsächlich auch als offizielle Partner des DFB agieren. Mercedes-Benz als Generalsponsor und Adidas als Ausrüster werden somit richtigerweise mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Auch die offiziellen Premium-Partner Bitburger (7 %) und Coca-Cola (3 %) werden von den Befragten vereinzelt mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Sie erfahren allerdings eine nur geringfügig häufige Nennung wie dies bei der Brauerei Krombacher (2 %) oder beim Sportartikelhersteller Puma (3 %) der Fall ist.

In Bezug auf die finanziellen Rahmenbedingungen lässt sich konstatieren, dass die Befragten stärker als in den Vorjahren davon ausgehen, dass die WM 2006 nicht ohne staatliche Mittel auskommen wird. Der staatlichen Förderung steht jedoch zugleich ein immer größerer Anteil der Bevölkerung ablehnend gegenüber. Die nationalen Förderer sind der Bevölkerung als solche bislang weitgehend unbekannt. Beim Sponsoring der FIFA WM 2006 werden vor allem Mercedes-Benz bzw. DaimlerChrysler und Adidas genannt. Die zwei Firmen werden auch am häufigsten mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht.

33

2. Allgemeine Ergebnisse 2.3

Einstellungen zum eigentlichen Ereignis „FIFA WM 2006“

2.3.1

Bereitschaft zur individuellen Teilnahme

2.3.1.1

Aktives Miterleben der „FIFA WM 2006“

Ein zentrales Argument bei der erfolgreichen Bewerbung Deutschlands um die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war die breite Zustimmung der Bevölkerung in Deutschland während des Bewerbungsprozesses. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich dieser Aspekt auch in der geäußerten Stadionbesuchsabsicht bestätigt findet. Wie Abb. 24 und 25 verdeutlichen, zeigen mehrheitlich die Fußballinteressierten Besuchsabsichten. Ihr Anteil ist bedeutend größer als bei den Nicht-Fußballinteressierten. Darüber hinaus zeigen sich aber auch Unterschiede in Abhängigkeit der betrachteten Spielrunde. So sind mit Voranschreiten des WM-Turniers immer mehr Befragte mit geringem Fußballinteresse bereit, zu WM-Spielen ins Stadion zu gehen. Zudem stellt die deutsche Fußballnationalmannschaft einen Zuschauermagneten dar, weil durch ihr Mitwirken mehr Befragte mit geringerem Fußballinteresse ins Stadion gelockt werden. Das Interesse an einer aktiven Teilnahme an der WM kann dabei insgesamt als hoch bezeichnet werden.

75%

Fussballinteresse hoch Fussballinteresse gering 60% 50%

50%

44%

40% 34% 23%

25% 13%

11% 5%

8%

0% Eröffnung

Vorrunde

Achtel/ViertelFinale

Halbfinale

Finale

[Spielrunde]

Abb. 24: Interesse am Besuch eines WM-Fußballspiels mit Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft in Abhängigkeit des Fußballinteresses

34

2. Allgemeine Ergebnisse

75%

Fussballinteresse hoch Fussballinteresse gering

50% 38% 29% 25%

19%

19%

16% 9% 3%

2%

Eröffnung

Vorrunde

5%

3%

0% Achtel/ViertelFinale

Halbfinale

Finale

[Spielrunde]

Abb. 25: Interesse am Besuch eines WM-Fußballspiels ohne Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft in Abhängigkeit des Fußballinteresses

Dieser Effekt lässt sich auch an dem normalen Besuchsverhalten von Fußballspielen in Stadien aufzeigen. Die Absicht, sich WM-Spiele im Stadion anschauen zu wollen, ist zwar bei Befragten, die normalerweise praktisch jede Woche ein Fußballspiel im Stadion verfolgen, deutlich stärker ausgeprägt als bei denen, die dieses nur selten oder nie tun (vgl. Abb. 26). So ist der Anteil der regelmäßigen Stadiongänger, die das Eröffnungsspiel besuchen würden, mit 68 % annähernd drei Mal so hoch wie der Anteil der Nicht-Stadiongänger, von denen nur jeder fünfte hierzu bereit wäre (23 %). Es ist aber auch feststellbar, dass in der zuletzt angeführten Personengruppe die Absicht zur aktiven Teilnahme an der WM 2006 klar erkennbar ist und dies mit voranschreitendem Turnier sogar noch ansteigt. Damit lässt sich abermals der Event-Charakter der FIFA WM 2006 aufzeigen, die ganz offenbar auch Personen anspricht, die normalerweise kein Interesse an Fußballspielen haben.

35

2. Allgemeine Ergebnisse „Welche Spiele der WM 2006 würden Sie sich gerne im Stadion anschauen?“

68%

Eröffnungsspiel

23% 57%

Vorrundenspiel

15% 58%

Viertelfinal/Achtelfinal-Spiel

regelmäßiger Stadionbesuch seltener/kein Stadionbesuch

20% 69%

Halbfinal-Spiel

28% 80%

Finale

37% 0%

50%

100%

Abb. 26: Besuchsabsichten für Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006 in Abhängigkeit zum normalen Besuchsverhalten

Im Jahresvergleich fällt auf, dass die Absicht, die WM 2006 im Stadion zu verfolgen, insgesamt als hoch, wenn aber auch als im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig einzustufen ist (vgl. Abb. 27).

Mittlere Besuchsabsicht der Befragten [Durchschnitt über alle Spielrunden] ohne deutsche Nationalmannschaft mit deutscher Nationalmannschaft

40%

33% 30%

29%

30%

27%

20%

16%

18% 14%

12% 10%

0%

Studie 2001 Studie 2002 Studie 2003 Studie 2004

Abb. 27: Mittlere Besuchsabsicht eines WM-Fußballspiels in Abhängigkeit der Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft

Neben der Frage des Zuschauerinteresses an der WM 2006 sind auch Anforderungen an die Rahmenbedingungen eines Stadionbesuchs untersucht worden. Wie Abb. 28 zeigt, werden insbesondere hohe infrastrukturelle Anforderungen an die Stadien gestellt. So spielt neben der

36

2. Allgemeine Ergebnisse

Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (4,8) auch ein ausreichendes Angebot an Parkplätzen in unmittelbarer Nähe eine große Rolle (4,4). Das Angebot eines Rahmenprogramms im Stadion (3,1) oder Cheerleader (2,2) sind hingegen von untergeordneter Wichtigkeit für die Befragten.

Erreichbarkeit des Stadions mit öffentlichen Verkehrsmitteln

4,8

Stadion sauber und gepflegt

4,7

Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Stadions

4,4

Vielfältiges Angebot an Speisen und Getränken

3,3

Angebot eines Rahmenprogramms

3,1

Cheerleader

2,2 1

2

3

4

5

unwichtig

6

sehr wichtig

Abb. 28: Bedeutung Rahmenbedingungen eines Fußballspiels

Die hohe Bedeutung verkehrtechnischer Aspekte spiegelt sich auch in den angezeigten Präferenzen bezüglich der präferierten Fortbewegungsmittel zu den WM-Stadien wider. Hierbei zeigt sich, dass das Auto die am häufigsten geplante Anreiseart ist (vgl. Abb. 29). 63 % der Befragten würden dieses Verkehrsmittel wählen, während nur für knapp 50 % Züge und nur für ein Viertel der Öffentliche Personennahverkehr in Frage käme, um zum WM-Stadion zu gelangen.

37

2. Allgemeine Ergebnisse

80%

[Anteil der Befragten]

63% 60% 49% 40% 25% 20% 11% 0% Auto

Zug

ÖPNV

Reisebus

Abb. 29: Anreiseart zu WM-Spielen

Das mit Fortschreiten des Turniers zunehmende Interesse an WM-Spielen erklärt auch die veränderten Entfernungen, die die Befragten maximal zurückzulegen bereit sind (vgl. Abb. 30). Hierbei zeigt sich erneut die Sonderstellung des Eröffnungsspiels, für welches die Befragten mit durchschnittlich 183 km eine deutlich größere Anreiseentfernung in Kauf nehmen würden als z. B für Vorrundenspiele oder das Achtelfinal-Spiel (durchschnittlich 167 km). Die Anziehungskraft des Finals spiegelt sich schließlich auch in den durchschnittlich 376 km wider, die für den Besuch des Spiels zurückgelegt würden.

„Wie viele Kilometer würden Sie maximal für den Besuch von WM-Spielen bei der WM 2006 zurücklegen?“ 183 201

Eröffnungsspiel

Studie 2004 Studie 2003

133

Vorrundenspiel

183 167

Achtelfinal-Spiel

209 196

Viertelfinal-Spiel

243 281

Halbfinal-Spiel

308 376 386

Finale 0

50

100

150

200

250

300

350

400

[km]

Abb. 30: Maximale Anreiseentfernung zu WM-Spielen

450

38

2. Allgemeine Ergebnisse Kauf von Merchandising-Produkten

Die potenzielle Bedeutung des Merchandisings für die FIFA WM 2006 zeigt sich u. a. darin, dass der „Licensing Representative“ des Fußballverbandes FIFA, die EM.TV & Merchandising AG, bislang für 13 Unternehmen Lizenzverträge vermittelt hat.17 631 Tage vor dem Anpfiff des Turniers hat der Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt-Quelle, der exklusiver Vertriebspartner der FIFA WM 2006, den ersten von zunächst zwölf offiziellen Shops für die FIFA WM 2006 in Berlin eröffnet.18 Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden untersucht werden, welche Kaufbereitschaften bei den Probanden für Fanartikel bestehen. Insgesamt lässt sich hierbei feststellen, dass zwei Jahre vor Beginn der FIFA WM 2006 das Interesse an Merchandising-Produkten weiterhin relativ gering ist (vgl. Abb. 31). Unter den verschiedenen Artikeln lassen sich die Warengruppen „Kleidung“, „Fanartikel“ und „Druckerzeugnisse“ herausgreifen, bei denen sich annähernd 20 % der Befragten einen Kauf vorstellen könnten. Schmuck, Kosmetika und Haushaltsartikel hingegen zählen mit nur knapp 5 % zu den Artikeln, die die geringste Kaufbereitschaft wecken.

30% 25%

[Anteil der Befragten] 25%

24% 21%

20%

19%

19% 16% 16%

15%

13% 11%

10%

8%

7%

7%

6%

5%

5%

4%

4%

3% Schmuck deutsche Mannschaft

Kosmetika deutsche Mannschaft

Schmuck WM

Haushaltsartikel deutsche Mannschaft

Kosmetika WM

Haushaltsartikel WM

Wäsche deutsche Mannschaft

Wäsche WM

Musikartikel deutsche Mannschaft

Musikartikel WM

Lebensmittel deutsche Mannschaft

Lebensmittel WM

Druckerzeugnisse WM

Fanartikel WM

Druckerzeugnisse deutsche Mannschaft

Fanartikel deutsche Mannschaft

Kleidung WM

Kleidung deutsche Mannschaft

0%

4%

Abb. 31: Kaufbereitschaft für verschiedene Merchandising-Produkte im Überblick

17 18

Vgl. EM.TV (2004) in einer Pressemitteilung vom 10.09.2004 (URL: http://www.brandora.de/NewsPage.aspx?IzmLang=7&DCT=1&DID=1109&, Abruf (23. September 2004)). Vgl. OK FIFA WM 2006 (2004), Erster offizieller Shop der FIFA WM 2006 eröffnet, URL: http://fifaworldcup.yahoo.com/06/de/040916/1/18ep_pf.html, (Abruf 23. September 2004). Andere Quellen kündigen bis zum Auftakt der WM 2006 bundesweit mehr als 300 WM-Shops an, vgl. o.V. (2004i).

39

2. Allgemeine Ergebnisse

Unterscheidet man bei der Betrachtung zwischen Produkten der deutschen Nationalmannschaft und solchen mit dem WM-Logo, so lassen sich keine großen Unterschiede feststellen (vgl. Abb. 32). Lediglich bei klassischen Fanartikeln wie z. B. Fahnen, Aufnähern, Anstecknadeln, Mützen, Schals oder Aufklebern ist die Kaufbereitschaft für Artikel mit dem WMLogo geringer als für die der deutschen Nationalmannschaft, was aber vor dem Hintergrund der Begeisterungsfähigkeit für die Heimmannschaft nachvollziehbar ist. Kaufbereitschaft für Produkte von der deutschen Nationalmannschaft 40%

[Anteil der Befragten] Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001

30%

27% 25%

25% 23% 25%

21%

20%21% 19%

19%

20%

18%

15% 10% 5%

3% 2% 3%

4% 2%

4%5% 4%

3%

7% 7% 4%

5%

7%8% 7%

Fanartikel deutsche Mannschaft

Wäsche deutsche Mannschaft

Druckerzeugnisse deutsche Mannschaft

Haushaltsartikel deutsche Mannschaft

Kleidung deutsche Mannschaft

Lebensmittel deutsche Mannschaft

Kosmetika deutsche Mannschaft

Schmuck deutsche Mannschaft

Musikartikel deutsche Mannschaft

0%

13% 11% 9% 8%

13% 11% 8%

Kaufbereitschaft für Produkte mit dem WM-Logo 25%

[Anteil der Befragten] 24%

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001

20%

19% 18% 16%

15%

10%

13% 11%10% 9%

10%

4%

5%

3%

14%

13% 11%

9% 8% 6%

6% 5% 5%

6%

14% 12%

9% 8%

7% 6%

7% 7% 6% 6%

4%

3%

Abb. 32: Kaufbereitschaft für Merchandising-Produkte bei der WM 2006

Fanartikel WM

Wäsche WM

Druckerzeugnisse WM

Haushaltsartikel WM

Kleidung WM

Lebensmittel WM

Kosmetika WM

Schmuck WM

Musikartikel WM

0%

16% 14% 12%

40

2. Allgemeine Ergebnisse

Jedoch ist die Nachfrage in dieser Artikelgruppe besonders stark von 27 % im Jahr 2001 auf 18 % im Jahr 2004 zurückgegangen. Das gleiche Phänomen ist auch bei den Musikartikeln der deutschen Nationalmannschaft feststellbar. Die Kaufabsichten hinsichtlich der Merchandising-Artikel mit einem WM-Logo sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls durchweg abgefallen. Bei den Artikelgruppen Kleidung und Musik beträgt der Rückgang sogar annähernd 50 %. Als ursächlich hierfür kann u. a. die schwierige wirtschaftliche Situation angeführt werden, in der sich Teile der Bevölkerung inzwischen befinden. Abschließend lässt sich festhalten, dass die Kaufbereitschaft für Merchandisingprodukte im Vergleich zum Vorjahr nicht zugenommen hat. Mit Näherrücken der WM scheint die Kaufbereitschaft sogar geringer zu werden. Begründen lässt sich diese Beobachtung u. a. mit der negativen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Gleichwohl wecken einzelne Artikelgruppen wie z. B. Kleidung und Fanartikel der deutschen Nationalmannschaft Kaufbereitschaften bei knapp 20 % der Befragten.

2.3.1.2

Passives Miterleben der „FIFA WM 2006“

Im Rahmen des passiven Miterlebens steht das Interesse im Mittelpunkt, ob und ggf. wie häufig Befragte beabsichtigen, sich die WM-Spiele im Fernsehen anzuschauen. Aus Vergleichsgründen soll zunächst aufgezeigt werden, wie häufig die Befragten normalerweise FußballBerichte im Fernsehen verfolgen. Während die Hälfte mindestens einmal pro Woche Fußball im Fernsehen verfolgt, gaben 25 % an, dieses eigentlich nie zu tun (vgl. Abb. 33). 40%

30%

[Anteil der Befragten]

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002

35% 29%

27% 25% 26%

25%

26%

25%

22%

20%

17% 17%

18%

10% 1%

3% 4%

0% täglich

2-3x pro W oche

ca. 1x pro W oche

ca. 1x pro eigentlich nie Monat oder weniger

Abb. 33: Häufigkeit des Verfolgens von Fußballspielen im Fernsehen außerhalb der WM

41

2. Allgemeine Ergebnisse

Das Interesse an der Verfolgung der WM 2006 im Fernsehen hängt dabei stark von der Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft ab (vgl. Abb. 34 und 35). Ähnlich wie bei der Stadionbesuchsabsicht (vgl. Kap. 2.3.1.1) steigt auch hier das Interesse am Verfolgen der WMSpiele im Fernsehen mit der Beteiligung der Nationalmannschaft.

63% 68% 66% 65% Studie 2004

Eröffnungsspiel

Studie 2003

57% 59% 57% 58%

Vorrunde

Studie 2002 Studie 2001

64% 69% 63%

Achtel- und Viertelfinale*

71% 76% 72% 73%

Halbfinale

77% 83% 81% 84%

Finale

0%

25%

50%

75%

100%

[Anteil der Befragten] * modifizierte Fragestellung im Vergleich zur Studie 2001

Abb. 34: Interesse am Verfolgen eines WM-Fußballspiels mit deutscher Beteiligung im Fernsehen

Darüber hinaus steigt das Interesse im Verlauf des WM-Turniers strukturell an. So ist mit 23 % bei einem Vorrundenspiel ohne deutsche Beteiligung das geringste Interesse zu beobachten. Im Gegensatz dazu ist dies bei einem Finale mit der deutschen Mannschaft mit 77 % am größten. Das Eröffnungsspiel nimmt auch beim passiven Miterleben eine Sonderrolle ein. Dieses stößt bei 63 % bzw. 33 % der Befragten auf Interesse.

42

2. Allgemeine Ergebnisse

33% Eröffnungsspiel

35% 34%

Studie 2004

44%

Studie 2003 Studie 2002

23%

Studie 2001

31% 27% 26%

Vorrunde

33%

Achtel- und Viertelfinale*

34%

42%

47% Halbfinale

49% 49%

56%

58%

67% 63% 61%

Finale

0%

25%

50%

75%

[Anteil der Befragten] * modifizierte Fragestellung im Vergleich zur Studie 2001

Abb. 35: Interesse am Verfolgen eines WM-Fußballspiels ohne deutscher Beteiligung im Fernsehen

In einem thematischen Zusammenhang hierzu steht auch die Frage nach der Einstellung der Befragten zu einer ausschließlichen Übertragung im Pay-TV. Hierbei fällt auf, dass die Akzeptanz diesbezüglich weiterhin auf einem sehr geringen Niveau liegt. Lediglich 7 % halten dieses für akzeptabel, während annähernd drei Viertel der ausschließlichen Übertragung im Pay-TV ablehnend gegenüber stehen (vgl. Abb. 36). Die durchschnittliche Einschätzung bei allen Befragten beträgt 1,77 (auf einer Skala

mit

„1 = nicht

akzeptabel“

und

„6 = akzeptabel“). Interessanterweise scheint damit die exklusive Übertragung von Sportereignissen im Pay-TV im Zeitablauf nicht deutlich an Akzeptanz gewonnen zu haben.

43

2. Allgemeine Ergebnisse „Was halten Sie davon, wenn wesentliche Teile der WM 2006 nur im Pay-TV ausgestrahlt würden?“ 100%

75%

[Anteil der Befragten]

71

75

78

Studie 2004 Studie 2003 Studie 2002 Studie 2001

82

50%

25% 11

8 10 8

5 6 5 3

4 4 2 3

3 2 2 1

7 5 4 3

0% nicht akzeptabel

akzeptabel

[Angaben in %]

Abb. 36: Akzeptanz einer ausschließlichen Übertragung wesentlicher Spiele im Pay-TV

Schließlich lässt sich auch untersuchen, welche TV-Sender nach Ansicht der Befragten die WM-Spiele übertragen sollten. Im Langzeitvergleich fällt dabei auf, dass bei den Vorstellungen der Befragten gegenüber dem Jahr 2001 z. T. deutliche Änderungen zu verzeichnen sind (vgl. Abb. 37). Während im Jahr 2001 noch starke Präferenzen für eine Übertragung durch ausschließlich öffentlich-rechtliche Sender feststellbar war – mit 47 % äußerten annähernd die Hälfte aller Befragten diesen Wunsch – wird im Jahr 2004 eine Kooperation der öffentlichen Anstalten mit Privatsendern von der Mehrheit präferiert. Es lässt sich dabei konstatieren, dass diese Einstellungen mit den im Mai und Juni 2004 bekannt gegebenen Vereinbarungen decken, wonach sich ARD/ZDF und der Privatsender RTL mit der Sportrechteagentur Infront getrennt voneinander auf die Übertragung verschiedener WM-Spiele verständigt haben.19

19

Vgl. N24 (2004), RTL zeigt Fußball-WM-Spiele sonntags live, 8.06.2004, URL: http://www.n24.de/ticker/?p2004060814115800002 (Abruf 24. September 2004). Hiernach haben sich ARD/ZDF die Exklusivrechte zur Live-Übertragung von 48 der insgesamt 64 WM-Spiele gesichert. Hingegen hat der Privatsender RTL die Übertragungsrechte an 8 Spielen erworben.

44

2. Allgemeine Ergebnisse

35% 36%

Nur öffentlich-rechtlich

43%

Öffentlich-rechtlich und privat

47% 48%

52%

42% 40% 2% 2% 1% 2% 1% 1% 1% 1%

Nur Pay-TV

Nur privat

Studie 2004 9%

Indifferent

Studie 2003

14%

Studie 2002

12% 10%

0%

10%

Studie 2001

20%

30%

40%

50%

60%

[Anteil der Befragten]

Abb. 37: Gewünschte TV-Sender bei der WM 2006

Vor dem Hintergrund der für diese Rechtepakete zu zahlenden Beträge stellt sich für die Fernsehsender u. a. die Frage, wie sie die Übertragung finanzieren sollten. Als eine der zentralen Finanzierungsmöglichkeiten ist dabei Werbung anzusehen, die jedoch in unterschiedlichen Formen vorstellbar ist. Wie Abb. 38 zeigt, werden von den Befragten besonders die Werbeformen bevorzugt, die die Berichterstattung möglichst wenig beeinträchtigen. Mehrmalige Unterbrechungen der Übertragung erfahren so eine durchschnittliche Akzeptanzbeurteilung von 1,9 (auf einer Skala von „1 = nicht akzeptabel“ bis „6 = akzeptabel“) und werden damit weitestgehend abgelehnt. Das Einblenden eines Logos in einer Bildschirmecke während der Spielzeit erreicht hingegen eine durchschnittliche Beurteilung von 3,8. Die favorisierte Werbeform ist allerdings auch weiterhin die Benennung eines Sponsors der Übertragung des Spiels und erreicht einen Durchschnittswert von 4,7. Im Zeitablauf lassen sich hierbei kaum Unterschiede erkennen.

45

2. Allgemeine Ergebnisse

[akzeptabel]

6 5

4,7 4,7 4,7 4,6

Studie Studie Studie Studie

2004 2003 2002 2001

3,8 3,7 3,8 3,7

4 3 2

1,9

1,6 1,8 1,7

[nicht akzeptabel] 1

W erbeunterbrechung

Sponsorenbenennung

Logo in Bildschirmecke

Abb. 38: Akzeptanz von Werbeformen bei Fußballübertragungen

Im Hinblick auf die Teilnahme an der FIFA WM 2006 ist festzuhalten, dass ein hohes Interesse sowohl hinsichtlich des Besuchs von WM-Spielen im Stadion wie auch im Fernsehen zu konstatieren ist. Nach wie vor ist in der Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft eine entscheidende Einflussvariable zu sehen. Die Akzeptanz ist bei einer gemeinschaftlichen Übertragung von Spielen der WM 2006 im Fernsehen durch die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender am größten. Für die Finanzierung bevorzugen die Befragten Werbeformen, die die Berichterstattung möglichst wenig beeinträchtigen. Das Interesse an MerchandisingProdukten ist nach wie vor nicht besonders ausgeprägt.

2.3.2

Vorstellungen über das Ergebnis der „FIFA WM 2006“: Sportliche Erwartungen

Die Bedeutung des Abschneidens der deutschen Fußballnationalmannschaft hatte, wie bereits in Kap. 2.3.1 gezeigt, u. a. Auswirkungen auf die Bereitschaft zum Stadionbesuch oder das Verfolgen der WM-Spiele im Fernsehen. Bei der Untersuchung der sportlichen Erwartungen fällt auf, dass die Erwartungen an die deutsche Mannschaft im Vergleich zu den Vorjahren weiter abgenommen haben (vgl. Abb. 39). Etwa ein Drittel glaubt inzwischen, dass die deutsche Mannschaft im Viertelfinale ausscheiden wird. Ein weiteres Drittel ist der Ansicht, dass die Mannschaft das Turnier im Halbfinale verlassen muss. Schließlich glaubt nur noch ein Drittel der Befragten an das Erreichen des Finals.

46

2. Allgemeine Ergebnisse

40% Studie Studie Studie Studie

30%

2004 2003 2002 2001

34%

33% 31%

29% 27%

25% 22% 17% 14% 10%

10% 3%

2%

20%

19%

18% 19%

20%

18%

18%

15%

10% 6% 5%

3% 3%

0% Aus in der Vorrunde

Aus im Achtelfinale

Aus im Viertelfinale

Aus im Halbfinale

Vizeweltmeister

W eltmeister

Abb. 39: Erwartetes Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der FIFA WM 2006 Die Erwartungshaltung im Hinblick auf das Abschneiden bei der WM 2006 kann auch aus der Einschätzung des momentanen Leistungsstandes der deutschen Nationalmannschaft im internationalen Vergleich abgeleitet werden. Dabei zeigt sich, dass mit 64 % die Mehrzahl der Probanden die Nationalmannschaft auf den Plätzen 4-10 sieht (vgl. Abb. 40).

3%

Studie Studie Studie Studie

9%

Plätze 1-3

4% 9%

2004 2003 2002 2001

64% 77%

Plätze 4-10

68% 77% 30% 13%

Plätze 11-25

25% 13%

schlechter

3% 1% 3% 2%

0%

25%

50%

75%

100%

[Anteil der Befragten]

Abb. 40: Beurteilung des momentanen Leistungsstandes der deutschen Nationalmannschaft im internationalen Vergleich Im Vergleich zu den Vorjahren ist somit eine leichte Verschlechterung der Einschätzungen erkennbar, weil eine Häufung der Nennungen nun auch in der Kategorie „Plätze 11-25“ feststellbar ist.

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

3.

47

Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

Die zunehmend angespannte internationale Sicherheitslage wirft praktisch bei jedem internationalen Großereignis die Frage nach der Sicherheit der Veranstaltung auf. So ist diese Frage auch im Hinblick auf die WM 2006 relevant. Neben den unstrittig zentralen Fragen nach der objektiven Sicherheitssituation ist dabei auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung von Bedeutung, da dieses direkten Einfluss auf die Akzeptanz des Ereignisses und die Begeisterung der Bevölkerung im Zusammenhang der WM hat.

3.1

Wahrnehmung von Sicherheitsbedrohungen und -risiken

3.1.1

Bedrohungspotenziale: Ursachen von Unsicherheitsempfinden

Bei der Entwicklung eines Sicherheitskonzeptes ist die Erfassung der Ursachen für Unsicherheitsempfinden von Bedeutung. Auch wenn diese Faktoren nach objektivem Kenntnisstand kein realistisches Gefahrenpotenzial darstellen, beeinflussen sie möglicherweise das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung. Diese Größen stellen daher aus Sicht der Organisatoren einen entscheidenden Hebel zur Beeinflussung der Wahrnehmung und damit des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung dar. Hierbei ist zunächst die Frage von Interesse, inwiefern verschiedene Umstände, Situationen und Begebenheiten als Bedrohung empfunden werden. Hierbei ist festzustellen, dass die größte Bedrohung in politisch motivierten Tätern (z. B. religiöse Fundamentalisten) gesehen wird, die durch Anschläge Aufmerksamkeit erregen wollen (vgl. Abb. 41). Mit einem Mittelwert von 3,8 (auf einer Skala von „1 = trifft nicht zu“ bis „6 = trifft voll und ganz zu“) zeigt sich die Angst vor Terroranschlägen als größter „Angstmacher“. An zweiter Stelle sind Befürchtungen vor Ausschreitungen zu sehen, die in erster Linie auf überhöhten Alkoholkonsum zurückgeführt werden. Mit einem Mittelwert von 3,6 wird diese Quelle für das Unsicherheitsempfinden ähnlich relevant angesehen wie die Gefahr, die von gewaltbereiten Personen/Hooligans ausgeht (3,6). Kriminalität in Folge großer Menschenansammlungen oder die Vernachlässigung normaler Aufgaben durch die verstärkte Aufmerksamkeit der Behörden auf das Ereignis „WM 2006“ verursachen bei den Befragten hingegen weniger Unsicherheit. Die hohe Besucherdichte samt des erhöhten Verkehrsaufkommens stellen schließlich die Gegebenheiten mit dem geringsten Bedrohungspotenzial für die Befragten dar.

48

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“ „Inwieweit tragen folgende Aspekte („Angstmacher“) dazu bei, dass Sie sich im Hinblick auf die WM 2006 unsicher bzw. bedroht fühlen?“ … politisch motivierte Täter (z.B. religiöse Fundamentalisten) den Symbolgehalt der Veranstaltung ausnutzen könnten, um durch Anschläge Aufmerksamkeit zu erregen

3,8

… im Verlauf des Turniers von Zuschauern verhältnismäßig viel Alkohol konsumiert wird und es daher zu Ausschreitungen kommen könnte

3,6

… Fußballveranstaltungen tendenziell gewaltbereite Personen anziehen

3,4

… Menschenansammlungen dieser Größenordnung Kriminalität (z.B. Diebstahl, Einbruch etc.) hervorrufen

3,1

… durch die erhöhte Aufmerksamkeit der Behörden „normale“ Aufgaben vernachlässigt werden könnten

2,7

… eine hohe Besucherdichte und damit ein hohes Verkehrsaufkommen entsteht

2,6 1

2

3

4

5

trifft nicht zu

6 trifft voll und ganz zu

Abb. 41: Beurteilung verschiedener Bedrohungspotenziale

Bei den Einschätzungen verschiedenartiger Bedrohungspotenziale lassen sich wiederum Unterschiede bei der Differenzierung nach den Merkmalen „Alter“ und „Geschlecht“ identifizieren (vgl. Abb. 42). Frauen fühlen sich demnach stärker bedroht als Männer. Dies lässt sich insbesondere im Hinblick auf den Faktor „Alkoholkonsum“ konstatieren. Zudem zeigen ältere Befragte i. d. R. größere Ängste als jüngere Befragte. Dies ist insbesondere in Bezug auf den Faktor „Kriminalität“ zu erkennen. „Inwieweit tragen folgende Aspekte („Angstmacher“) dazu bei, dass Sie sich im Hinblick auf die WM 2006 unsicher bzw. bedroht fühlen?“ Kriminalität

Alkoholkonsum

Gewaltbereite Personen

6

6

6

5

5

5

4

4

Frauen 3

3

Männer

Frauen Männer

4

3

2

2

2

1

1

1

15-24 J. 25-44 J. 45-65 J. über 66 J.

15-24 J. 25-44 J. 45-65 J. über 66 J.

Frauen Männer

15-24 J. 25-44 J. 45-65 J. über 66 J.

Abb. 42: Bedrohungspotenziale in einer geschlechterspezifischen Betrachtung

49

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“ 3.1.2

Sicherheitsrisiken von WM-Städten

Die von den Ausrichterstädten vielfach angeführten wirtschaftlichen Impulse des Großereignisses Fußball WM setzen mittelbar oder unmittelbar am zu erwartendem WM-Tourismus an. Die Einschätzung der Bevölkerung im Hinblick auf die Sicherheit bei der FIFA WM 2006 kann und sollte daher auch im Hinblick auf die 12 WM-Spielorte untersucht werden. Der über alle 12 WM-Spielorte gebildete Durchschnittswert beträgt 3,8 (auf einer Skala von „1 = sehr gering“ bis „6 = sehr hoch“) und bestätigt damit zunächst das bisherige Bild von den Einstellungen und Ängsten vor Ausschreitungen. Bei den von den Befragten wahrgenommenen Sicherheitsrisiken einzelner WM-Städte fällt zunächst die Hauptstadt Berlin auf, die mit einem Mittelwert von 4,9 (auf einer Skala von „1 = sehr gering“ bis „6 = sehr hoch“) eine extreme Position im Wahrnehmungsraum der Befragten einnimmt (vgl. Abb. 43). Die Millionenstädte Frankfurt (4,1), Hamburg (4,0) und München (3,9) liegen in der Einschätzung der Befragten nah beieinander und weisen allesamt überdurchschnittliche Urteile auf. Leipzig, Köln, Dortmund, Hannover und Gelsenkirchen liegen im Mittelfeld. Für Nürnberg und Kaiserslautern, die bezogen auf die Einwohnerzahl kleinsten WM-Städte, sehen die Befragten hingegen kaum Sicherheitsrisiken.

„Wie groß ist Ihrer Ansicht nach das Sicherheitsrisiko (Ausschreitungen, Gewaltakte wie Terroranschläge …etc.) in den einzelnen WM-Städten?“ Berlin

4,9

Frankfurt

4,1

Hamburg

4,0

München

3,9

Leipzig

3,5

Köln

3,4

Dortmund

3,4

Hannover

3,1

Gelsenkirchen

3,1

Stuttgart

2,9

Kaiserslautern

2,8

Nürnberg 1 sehr gering

2,7 2

3 Ø 3,4

4

5

6 sehr hoch

Abb. 43: Sicherheitsrisiken von WM-Städten in der Wahrnehmung der Befragten

Der vermutete positive Zusammenhang zwischen der Einschätzung des Sicherheitsrisikos und der Einwohnerzahl der betrachteten Stadt lässt sich auch anhand des Korrelationskoeffizien-

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

50

ten bestätigen. Es beträgt 0,83. Dieses kann als Indikator dafür gesehen werden, dass die Wahrnehmung in diesem Zusammenhang nicht ausschließlich auf WM-spezifische Faktoren bzw. Sportereignis bezogene Überlegungen zurückzuführen ist. Gleichwohl sollten die Großstädte diese subjektiven Eindrücke nicht ignorieren. Im Hinblick auf die Wahrnehmung von Sicherheitsrisiken sehen die Befragten in erster Linie die Hauptstadt Berlin gefährdet. Weitere Millionengroßstädte wie Frankfurt, Hamburg oder München folgen (mit deutlichem Abstand). Insbesondere bei weniger exponierten Städten wie Nürnberg oder Kaiserslautern sehen die Interviewten weniger Sicherheitsrisiken.

3.1.3

Zur Beurteilung der Sicherheitsorgane

3.1.3.1 Einschätzung deutscher Sicherheitsinstitutionen Im Hinblick auf die Einschätzungen der Bevölkerung in Bezug auf die deutschen Sicherheitsinstitutionen kann zunächst auf übergeordneter Ebene die generelle Vorbereitung der Sicherheitsorgane in der Wahrnehmung der Befragung abgebildet werden. In einem weitergehenden Untersuchungsschritt lassen sich dann weitere Detailaspekte zu einzelnen Sicherheitsinstitutionen aufgreifen.

Grundlegendes Bild Die deutschen Sicherheitsorgane werden im Vorfeld der Fußball WM insgesamt als gut gerüstet gesehen. So schätzen knapp 80 % der Probanden deren Ausgangssituation als überdurchschnittlich ein (vgl. Abb. 44). Dabei lässt sich allerdings feststellen, dass Personen, die häufiger ins Stadion gehen, ein signifikant besseres Bild von dem Stand der Sicherheitsorgane haben als Nicht-Stadiongänger. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sie durch den häufigen Kontakt mit den Sicherheitsorganen im Umfeld der besuchten Veranstaltungen Vertrauen gefasst haben.

51

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“ „Wie gut gerüstet sind Ihrer Meinung nach die deutschen Sicherheitsorgane grundsätzlich für das Großereignis WM 2006?“

6,5%

sehr gut

34,2%

5

78,9 %

38,2%

4

16,7%

3

3,6%

2

21,2 %

0,9%

sehr schlecht 0%

10%

20%

30%

40%

50%

Prozent

Abb. 44: Grundsätzliche Einschätzung deutscher Sicherheitsorgane

Einschätzungen im Detail Werden einzelne Sicherheitsinstitutionen betrachtet, dann fallen zunächst die Rettungsdienste auf, die mit einem Durchschnittswert von 4,8 am besten abschneiden (vgl. Abb. 45). Mit der Feuerwehr (4,6), der Polizei (4,5) oder dem Bundesgrenzschutz (4,4) werden Institutionen, die im Stadtbild bzw. direkten Umfeld von Sportveranstaltungen mehr oder minder häufig präsent sind, ebenfalls gut eingeschätzt. Krankenhäuser, das involvierte OK oder die FIFA schneiden ebenfalls ähnlich ab. Auffällig ist weiterhin, dass Institutionen wie beispielsweise das Bundesinnenministerium oder Interpol, die eher im Hintergrund agieren, im Vergleich zu den anderen Institutionen schlechter abschneiden. Die Bundeswehr wird im Hinblick auf die FIFA WM 2006 mit einem Wert von 3,2 als eher schlecht gerüstet eingeschätzt, was aber vor dem Hintergrund der ihr zugedachten Rolle verständlich ist.

52

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“ „Wie gut gerüstet sind Ihrer Meinung nach die nachfolgend genannten Institutionen für das Großereignis WM 2006?“ 4,8

Rettungsdienste (DRK, Johanniter etc.)

4,6 4,5 4,5 4,5 4,4 4,4 4,3 4,3 4,1 4,1

Feuerwehr Polizei DFB/OK 2006 Technisches Hilfswerk Bundesgrenzschutz Krankenhäuser FIFA Bundeskriminalamt Deutsche Geheimdienste Bundesinnenministerium Interpol

3,8 3,2

Bundeswehr 1 sehr schlecht

2

3

4 Ø 4,24

5

6 sehr gut

Abb. 45: Einschätzung einzelner Sicherheitsinstitutionen

In Bezug auf die deutschen Sicherheitsinstitutionen zeigt die Erhebung, dass der Großteil der Befragten davon ausgeht, dass diese grundsätzlich gut gerüstet sind. Es lässt sich feststellen, dass Institutionen, die im Alltag präsenter sind, bessere Einschätzungen erfahren als solche, die eher im „Verborgenen“ agieren.

3.1.3.2

Sicherheitsrisiken und -behörden im internationalen Vergleich

Die Vorstellungen der Bevölkerung zum Thema Sicherheit bei der FIFA WM 2006 lassen sich auch beschreiben, indem das in Deutschland bei einem solchen Ereignis bestehende Risiko mit den in anderen Ländern bei einem solchen Ereignis bestehenden Risiken verglichen wird. Hier lässt sich zeigen, dass die Wahl Deutschlands als Ausrichtungsland der WM 2006 auch vor dem Hintergrund der Sicherheitsinstitutionen und -risiken nach Ansicht der Befragten eine geeignete Wahl darstellt (vgl. Abb. 46). In einem Portfolio, das Einschätzungen zu empfundenen Sicherheitsrisiken und beteiligten Sicherheitsorganen abbildet, lassen sich drei Gruppen von Austragungsländern ausmachen. ƒ

Die erste Gruppe ist durch gut gerüstete Sicherheitsorgane bei gleichzeitig hohen wahrgenommenen Risiken im Hinblick auf die Sicherheit gekennzeichnet. Zu diesen Ländern zählen die Befragten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Israel. Die-

53

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

se Länder rechtfertigen eine mögliche Austragung (wenn überhaupt) nur durch ihre Sicherheitsbehörden. ƒ

Die zweite Gruppe ist durch unterdurchschnittliche Risiken, gleichzeitig aber auch durch unterdurchschnittlich gerüstete Sicherheitsbehörden charakterisiert. Zu dieser Gruppe zählt neben Griechenland, Brasilien und Portugal auch Südafrika, der am 15.05.2004 bestimmte Gastgeber der übernächsten FIFA WM im Jahr 2010. Diese Länder profitieren insbesondere von einer dort weniger angespannten Sicherheitslage.

ƒ

Die dritte Gruppe von Ländern zeichnet sich schließlich nach Ansicht der Befragten durch überdurchschnittliche Sicherheitsbehörden bei unterdurchschnittlichen Sicherheitsrisiken aus. Dieser Gruppe wird das Gastgeberland der WM 2006 gewählt.

überdurchschnittl. 2,00 Sicherheitsrisiko

… hohes Risiko bei überdurchschnittlich gerüsteten Sicherheitsbehörden

Israel 1,50

USA 1,00

… gut, dass die Risiken hier unterdurchschnittlich sind! UnterdurchSüdafrika schnittl. Sicherheits-1,20 -1,00 -0,80 behörden

Griechenland

-0,60

-0,40

Großbritannien 0,50

0,00 -0,20 0,00

0,20

0,40

0,60

0,80

Überdurchschnittl. Sicherheits1,00 behörden

Frankreich

Brasilien -0,50

China

Portugal -1,00

Deutschland Japan

… ideale Ausgangssituation!

unterdurchschnittl. Sicherheitsrisiko

Abb. 46: Sicherheitsbehörden im internationalen Vergleich

Vor diesem Hintergrund ist die von der FIFA gefällte Entscheidung zur Vergabe der WM 2006 an Deutschland unter Sicherheitsaspekten als sehr positiv einzuschätzen.

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

54

Im internationalen Vergleich schneidet das Austragungsland Deutschland in der Wahrnehmung der Befragten im Hinblick auf die Dimensionen „Sicherheitsrisiko“ und „Sicherheitsbehörden“ überdurchschnittlich gut ab.

3.2

Einschätzung von Sicherheitsmaßnahmen

Die Frage, welche Sicherheitsmaßnahmen aus Sicht der Bevölkerung bei der WM 2006 ergriffen werden sollten, wird im Folgenden anhand verschiedener Aspekte untersucht: ƒ

Zunächst wird gezeigt, welche Einzelmaßnahmen von der Bevölkerung als sinnvoll eingestuft werden. Zudem wird der Frage nachgegangen, wo diese Maßnahmen ergriffen werden sollten.

ƒ

Schließlich wird in einem zweiten Schritt gezeigt, wer nach Auffassung der Bevölkerung die bei der WM 2006 anfallenden Sicherheitskosten tragen sollte.

3.2.1

Beurteilung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen

Hinsichtlich der Geeignetheit verschiedener Sicherheitsmaßnahmen lässt sich feststellen, dass nicht alle generell denkbaren Maßnahmen gleich beurteilt werden. Die Bewertung zeigt so erwartungsgemäß zunächst einmal, dass Maßnahmen zum Schutz vor Hooligans die größte Eignung zur Erhöhung der Sicherheit bei der WM 2006 zugesprochen wird (vgl. Abb. 47). Die Einschätzung der Stadionverbote mit durchschnittlich 5,4 (auf einer Skala von „1 = ungeeignet“ bis „6 = sehr geeignet“), Einreiseverbote mit 5,2 sowie Sicherheitsverwahrungen für Hooligans mit 5,1 bestätigen in der Summe das Bedrohungspotenzial dieser Personen. Weiterhin ist festzustellen, dass die Präsenz von ausreichend Rettungskräften (5,1) und Sicherheitsorganen (5,1) nach Ansicht der Befragten die Sicherheit gewährleisten und damit das Sicherheitsempfinden erhöhen würden. Personenkontrollen bei Zugangspunkten, sowohl an der Grenze wie auch bei Verkehrsknotenpunkten, und Maßnahmen mit Fokus auf den Stadionbesuch (Ticketing, Sektoreneinteilung) werden ebenfalls auf hohem Niveau als geeignet angesehen. Vorschläge mit Fokus auf den Alkoholausschank werden hingegen differenziert beurteilt. Ein Verbot des Alkoholausschanks im Stadion wird als wirkungsvoll angesehen und mit einem Wert von 4,3 bewertet, die Ausdehnung auf das gesamte Stadtgebiet der Austragungsorte wird jedoch als weniger sinnvoll eingeschätzt (2,6).

55

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

„Wie geeignet erscheinen Ihnen folgende Maßnahmen, um die Sicherheit während der WM 2006 zu gewährleisten bzw. zu erhöhen?“ 5,4

Stadionverbote für Hooligans

5,3

Einreiseverbote für ausländische Hooligans Bereitschaft von ausreichend Rettungskräften (z. B. Feuerwehr, Rotes Kreuz, Johanniter etc.)

5,1

Verstärkte Kontrollen beim Betreten des Stadions

5,1

Erhöhte Präsenz der Polizei und Sicherheitsorgane in den WM-Städten

5,1

Sicherheitsverwahrung von Hooligans

5,1

Einsatz von Sicherheitskräften in zivil

4,7

Einteilung des Stadions in Sektoren, um Zuschauergruppen zu trennen Verstärkte Durchführung von Personenkontrollen an stark frequentierten Plätzen (Flughäfen, Bahnhöfen etc.) Verstärkter Einsatz von Videoüberwachungssystemen (generell)

4,7 4,6 4,6 4,3

Alkoholverbot in den 12 WM-Stadien Verstärkung der Sicherheitskräfte durch zusätzliche Beamte aus anderen europäischen Ländern

3,9

Verstärkte Kontrollen sämtlicher öffentlicher Plätze

3,8

Einsatz von Reiterstaffeln der Polizei

3,8

Weiträumige Absperrungen der Stadien

3,8

Zeitweilige Wiedereinführung von Grenzkontrollen zu allen Nachbarsstaaten Verstärkte, präventive Kontrollen beim Ticketverkauf (umfassende Datenerhebung)

3,6 3,3 3,2

Versetzung der Bundeswehr in Alarmbereitschaft

2,6

Verbot von Alkoholausschank in den WM-Städten

1

2

3

4 Ø 4,3

völlig ungeeignet

5

6 sehr geeignet

Abb. 47: Beurteilung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen Wie bei den Sicherheitsmaßnahmen selbst fällt auch bei der Einschätzung der Orte, an denen diese ansetzen sollen, zunächst auf, dass diesbezüglich unterschiedliche Erwartungshaltungen vorherrschen. Nach Ansicht der Befragten sollen die Sicherheitsvorkehrung schwerpunktmäßig innerhalb und im unmittelbaren Umfeld der WM-Stadien getroffen werden (vgl. Abb. 48). Diese Meinung zeigt sich in den Bewertungen, die mit durchschnittlich 5,2 (auf einer Skala von „1 = keine Priorität“ bis „6 = hohe Priorität“) bzw. 5,0 für das Umfeld verhältnismäßig

56

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

deutlich ausfallen. Sicherheitsvorkehrungen bei Regierungsgebäuden und kulturhistorischen Baudenkmäler werden hingegen als weniger bedeutsam angesehen.

„Wo sollten während der WM 2006 schwerpunktmäßig Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden?“ 5,2

… innerhalb der 12 WM-Stadien … in unmittelbarem Umfeld der Stadien (z. B. Zufahrtswege zu den Spielstätten, Parkplätze am Stadion etc.)

5

… in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die zu den Stadien führen

4,7

… in den WM-Städten allgemein (z. B. auf öffentlichen Plätzen, Gastronomie etc.)

4,1

… in Wohngebieten innerhalb der Austragungsorte

3,4

… bundesweit auf allen öffentlichen Plätzen, die stark frequentiert sind

3,2

… bei Regierungsgebäuden und kulturhistorischen Bauwerken (z. B. Brandenburger Tor etc.)

3,1 1 keine Priorität

2

3

4Ø 4,1

5

6

höchste Priorität

Abb. 48: Räumliche Anforderungen an Sicherheitsmaßnahmen

Zusammenfassend lässt sich folglich konstatieren, dass die zuständigen Behörden nach Ansicht der Befragten u. a. Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit typischen Fußballbedingten Risiken ergreifen sollten. Diese sollten auf das mittelbare und unmittelbare Umfeld der WM-Stadien fokussiert werden.

3.2.2

Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen

Wie die Ausführungen im Kapitel 2.2.3.1 gezeigt haben, stehen die Befragten einer staatlichen Förderung zur Finanzierung der FIFA WM 2006 mehrheitlich ablehnend gegenüber. Vor diesem Hintergrund ist zu untersuchen, ob diese Einstellung ebenfalls in Bezug auf die zusätzlichen Sicherheitskosten vorzufinden ist. Auf die Frage, welcher Träger in welchem Maße für zusätzliche Sicherheitskosten aufkommen sollte, sahen die Befragten in der FIFA die Institution, die am stärksten in die Pflicht zu nehmen sei. Auf einer Konstantsummenskala mit einem Basiswert von 100 wurden der FIFA im Durchschnitt über alle Befragte ein Wert von 22,1 % zugeordnet, womit sie nach Ansicht der Interviewten rund ein Fünftel der zusätzlichen Sicherheitskosten tragen sollte. Zudem sollten die an diesem Ereignis aktiv partizipierenden

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“

57

Stadionbesucher mit 18,5 % neben den offiziellen WM-Sponsoren mit 16,2 % und dem DFB mit 15,9 % anteilig die größten Beiträge leisten. Die öffentliche Hand wurde hingegen weniger in der Rolle des Financiers gesehen. Bund Länder und Austragungsstädte sollten im Idealbild der Befragten in der Summe nur knapp ein Fünftel der zusätzlichen Sicherheitskosten übernehmen. Demgegenüber zeigte sich bei den Befragten ein konträres Bild hinsichtlich der erwarteten Träger der zusätzlichen Kosten für Sicherheitsvorkehrungen. Mit einem Anteil von durchschnittlich 22,9 % wird der Bund als Hauptzahler solcher Kosten bei der FIFA WM 2006 angesehen. Die Interviewten erwarten, dass die öffentliche Hand insgesamt die Hälfte der zusätzlichen Sicherheitskosten tragen wird. Damit lassen sich bereits deutliche Unterschiede erkennen. Bei einer Klassifizierung anhand der bestimmbaren Abweichungen lassen sich so drei Arten von Beteiligten ausmachen (vgl. Abb. 49): ƒ

Die erste Gruppe ist dadurch gekennzeichnet, dass sie in den Augen der Bevölkerung den ihr zugewiesenen Beitrag wahrscheinlich auch leisten wird. Hier sind neben der EU insbesondere die Stadionbesucher zu nennen, die anteilsmäßig überdurchschnittlich viel zahlen sollten und tatsächlich auch werden.

ƒ

Daneben lassen sich mit der FIFA, den offiziellen Sponsoren und dem DFB drei Anspruchsgruppen identifizieren, die in den Augen der Befragten überdurchschnittlich viel zahlen sollten, aber erwartungsgemäß wohl unterdurchschnittlich stark herangezogen werden.

ƒ

Die öffentliche Hand markiert schließlich die Gruppe derer, die nach Ansicht der Probanden den Großteil der zusätzlichen Kosten für Sicherheit tragen wird, obwohl sie das eigentlich nicht sollte.

58

3. Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit der „FIFA WM 2006“ „Wer sollte zusätzliche Kosten für Sicherheit tragen?“ (Anteil in %) 25,00

„Die Profiteure“ FIFA Stadionbesucher

Überdurchschnittlicher Anteil

Offizielle Sponsoren

DFB

„Die Leidtragenden“

Ø 12,50 Ausrichterstädte

Bund (Steuern) Europäische Union

0,00 0,00

Bundesländer mit WM-Stadion

Ø 12,50

überdurchschnittlicher Anteil

25,00

„Wer wird zusätzliche Kosten für Sicherheit tragen?“ (Anteil in %)

Abb. 49: Erwartete Träger zusätzlicher Sicherheitskosten

Im Hinblick auf die Finanzierung der zusätzlichen Kosten der Sicherheitsmaßnahmen zeigt sich die Erwartung der Befragten, dass vor allem die öffentliche Hand die finanziellen Lasten zu tragen hat. Gerecht würde es den Interviewten hingegen erscheinen, wenn insbesondere die FIFA, die beteiligten Sponsoren sowie DFB/OK stärker in die Pflicht genommen würden.

4. Zusammenfassende Thesen

4.

59

Zusammenfassende Thesen

Angesichts der zahlreichen Detailergebnisse, die im Rahmen der Erhebung „Akzeptanz und Einstellungen der Bevölkerung gegenüber dem Sportgroßereignis FIFA WM 2006“ im Rahmen der Erhebung im Jahr 2004 generiert worden sind, sollen auch in diesem Jahr zentrale Ergebnisse in einem letzten Kapitel in Kurzform wiedergegeben werden: 1) Dass die FIFA WM 2006 in Deutschland stattfindet, stößt weiterhin bei 80 % der Deutschen auf Akzeptanz. Allerdings fühlen sich nur rund 30 % ausreichend über die WM 2006 informiert. 2) Weiterhin ist ein hohes Interesse an der FIFA WM 2006 im Allgemeinen und am Verfolgen von WM-Spielen im Stadion bzw. vor dem Fernseher festzustellen. 3) Mit 80 % der Befragten erwartet die Mehrheit positive Auswirkungen aufgrund der Austragung für den Standort Deutschland. 4) Der staatlichen Förderung der FIFA WM 2006 steht ein größerer Anteil der Befragten ablehnend gegenüber. Gleichwohl gehen die Befragten davon aus, dass die WM 2006 ohne diese Mittel nicht auskommen wird. 5) Die Beurteilung des Leistungsstandes der deutschen Nationalmannschaft hat sich im Vergleich zur Studie 2003 verschlechtert. 6) Terroranschläge stellen zurzeit in der Wahrnehmung der Befragten die größte Bedrohung dar. Dieser externen, mit dem eigentlichen Sportereignis zunächst nicht unmittelbar zusammenhängenden Gefahr folgen die klassischen (Fußball-)Bedrohungspotenziale „Alkohol“ und „Hooligans“. 7) In einigen WM-Städten werden überdurchschnittliche Sicherheitsrisiken wahrgenommen. Hierbei lässt sich festhalten, dass das empfundene Sicherheitsrisiko positiv mit der Einwohnerzahl zusammenhängt („je größer, desto gefährlicher“). Das größte Risiko wird von den Befragten dabei Berlin zugeordnet. 8) Die Mehrheit der Befragten stuft die deutschen Sicherheitsorgane als gut gerüstet ein. Dabei fällt auf, dass häufige Stadionbesucher (somit Personen, die die Sicherheitsmaßnahmen in Stadien bereits erlebt haben) eine signifikant bessere Einschätzung äußerten als Befragte, die seltener ins Stadion gehen. 9) Die Mehrzahl der Institutionen wird als gut gerüstet für die WM 2006 angesehen. Hierbei ist zudem festzuhalten, dass Institutionen, die tendenziell offen in Erscheinung treten

4. Zusammenfassende Thesen

60

(z. B. Rettungskräfte, BGS etc.) als besser gerüstet beurteilt werden als solche, die eher im Hintergrund agieren (Bundesinnenministerium, Interpol etc.). 10) Im internationalen Vergleich erscheint Deutschland sowohl beim Sicherheitsrisiko wie auch bei der Vorbereitung der Sicherheitsbehörden im Hinblick auf die Ausrichtung eines Sportgroßereignisses wie die WM 2006 in einer guten Ausgangsposition. 11) Im Hinblick auf konkrete Sicherheitsmaßnahmen lässt sich festhalten, dass der Schutz vor Hooligans eine große Akzeptanz aufweist. Maßnahmen, die Öffentlichkeitswirkung entfalten, werden neben der generellen Präsenz und dem Wissen um den Einsatz ausreichender Rettungs- und Sicherheitskräfte als geeignet angesehen. 12) Sicherheitsvorkehrungen sollten schwerpunktmäßig innerhalb und im unmittelbaren Umfeld der WM-Stadien getroffen werden. 13) Im Hinblick auf die Finanzierung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen ist festzustellen, dass eine starke Diskrepanz zwischen der gewünschten Idealverteilung und der erwarteten Kostenverteilung besteht. Während die Befragten vornehmlich die Veranstalter sowie die Sponsoren in der Pflicht sehen, den Großteil der Kosten zu übernehmen, gehen sie gleichzeitig davon aus, dass die öffentliche Hand (Bund, Länder und Ausrichterstädte) diese Kosten tatsächlich wird großteils tragen müssen.

Anhang: Der Fragebogen

Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

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Anhang: Der Fragebogen

70

Anhang: Der Fragebogen

71

Anhang: Der Fragebogen

72

73

Literaturverzeichnis

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Literaturverzeichnis

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