Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen Studiengang Soziale
March 15, 2018 | Author: Anonymous | Category: N/A
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Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen Studiengang Soziale Arbeit Hauptstudium
Referat im Fach Pädagogik bei
Dipl. Pädagoge Wolfgang Krieger
5. Semester Sozialpädagogik
Thema:
Das Problem der Macht in sozialen Beziehungen
Inhalt
1. Einleitung .............................................................................................................................. 4 2. Definition von Macht ............................................................................................................ 4 2.1 Weitere theoretische Positionen.......................................................................................... 5 3. Die Unmöglichkeit instruktiver Interaktion......................................................................... 6 4. Persönlichkeit und Macht ..................................................................................................... 8 5. Macht im materiellen und im kognitiven Bereich ............................................................... 9 5.1 Instruktive Macht vs. Destruktive Macht ......................................................................... 10 6. Der Konstruktivismus.......................................................................................................... 10 6.1 Macht aus der Sicht des Radikalen Konstruktivismus..................................................... 10 6.2 Das radikalkonstruktivistische Machtverständnis und die Folgen für die sozialpädagogische Interaktion .............................................................................................. 11 8. Requisiten der Macht .......................................................................................................... 13 9. Zusammenfassung- Anforderungen an die Soziale Arbeit............................................... 13 10. Literatur ............................................................................................................................. 15
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1. Einleitung Dieses Referat befasst sich mit dem komplexen Problem der Macht in sozialen Beziehungen. Dabei soll vor allem unterschiedlichen Definitionen und Machtverständnissen Rechnung getragen werden. Des weiteren soll ein Bezug zwischen Macht und der Sozialen Arbeit hergestellt werden. Für diese Ausarbeitung werde ich mich im Besonderen auf die Zeitschrift für systemische Therapie und das Buch von BJÖRN KRAUS „Lebensweltliche Orientierung statt instruktive Interaktion“ beziehen.
2. Definition von Macht Eine Definition von Macht aus dem Harenberg Kompaktlexikon lautet folgendermaßen. „Macht ist die Fähigkeit, den eigenen Willen gegenüber anderen durchzusetzen. Macht ist unabhängig von der Anerkennung durch die Betroffenen (anders z.B. als Autorität). Individuell körperliche oder geistige Überlegenheit, Wissen, Organisationsgabe oder Charisma; gesellschaftlich die Entstehung von MachtStrukturen, z.B. das gesetzlich geregelte Verhältnis von Regierung und Opposition. Im Rechtsstaat ist die Verteilung von Macht (Pluralismus) eine zentrale politische Aufgabe.1 Spricht man von Macht ist somit eine asymmetrischen Beziehungen gemeint, d.h. es besteht mindestens eine zweiseitige Beziehung, in der zu einer mächtigen Person eine weniger mächtige Person gehört. Es wäre daher nicht sinnvoll von der Macht einer Person zu sprechen. Ein Machtgefälle spielt dabei eine entscheidende Rolle, da viele Beziehungen in unserem alltäglichen Leben in Abhängigkeit zueinander stehen. Als Beispiel wäre hier zu nennen, das Verhältnis Lehrer- Schüler oder ChefUntergebener. Da sich diese Arbeit vorrangig mit dem Problem der sozialen Macht beschäftigt, soll an dieser Stelle geklärt werden, was dies explizit zu bedeuten hat. Soziale Macht zu besitzen bedeutet Macht über andere Menschen zu haben. Demzufolge ist soziales Handeln auf das Handeln von anderen Menschen bezogen. Soziale Macht bedeutet demnach nicht die Macht über Dinge zu haben, wobei anzumerken ist, dass mit Macht im materiellen Bereich ein Zusammenhang besteht.(näheres siehe S. 8) Macht kann für die Betroffenen (Mächtige / Ohnmächtige) sehr ambivalent sein und verschiedene Blickwinkel aufweisen. So kann die Macht etwas sehr angenehmes sein, für denjenigen der sie besitzt und gleichzeitig kann sie auch abstoßend und unangenehm sein. Für den Mindermächtigen bedeutet dies, dass der Mächtige eine Bedrohung darstellt (die er dem Mächtigen möglicherweise freiwillig überlassen hat) und gleichzeitig kann die Macht des anderen die Konsequenz der Entlastung haben, da der andere die Verantwortung trägt und der Mindermächtige die Passivrolle übernimmt. Die wohl bekannteste Definition von Macht dürfte von MAX WEBER stammen, der „Macht (als die) Chance (sieht), innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen 1
Vgl. Harenberg Kompaktlexikon in fünf Bänden, Band 3, Stichwort Macht
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Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“2 Nach WEBER besteht Macht bereits dann, sobald eine Chance zur Machtausübung vorhanden ist. Chancen können vielfältige Gegebenheiten und Potentiale innerhalb sozialer Beziehungen sein. Macht ist in diesem Zusammenhang als soziales Phänomen und nicht als ontologische Gegebenheit anzusehen.3 Der Erkenntnistheoretiker GREGORY BATESON wiederum bezeichnet Macht als Mythos, „ der zur Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen nicht nur unangemessen, sondern sogar gefährlich ist.“4 „ BATESON bezeichnet „ Macht“ als eine Metapher, die der klassischen Physik entstamme und die, wenn sie auf den Menschen und seine Umwelt angewandt wird, zu (epistemo-) logischen Irrtümern führt.“5 „ Der Mythos der Macht ist natürlich ein sehr mächtiger Mythos, und wahrscheinlich glauben die meisten Menschen in dieser Welt mehr oder weniger daran. Es ist ein Mythos, der sich, wenn jeder daran glaubt, in diesem Maße selbst bestätigt. Dennoch handelt es sich aber um einen erkenntnistheoretischen Schwachsinn und führt unausweichlich zu verschiedenen Arten von Katastrophen.“6 BATESON beschreibt Macht als ein gesellschaftliches Konstrukt, welches von den Perspektiven des Mächtigen und Ohnmächtigen jeweils durch den Glauben an die Macht erst ihre Existenz erhält. Problematisch bleibt allerdings die scheinbare Eigenverantwortung des Ohnmächtigen.
2.1 Weitere theoretische Positionen Die Konstruktivistin MARIANNE KRÜLL befasst sich vorwiegend mit der Macht im Geschlechterverhältnis. Dabei entscheidet sie abhängig vom jeweiligen Kontext, ob sie die Machtmetapher überhaupt benutzt. KRÜLL hält die Machtmetapher für erforderlich, um Benachteiligung, Unterdrückung, Vergewaltigung von Frauen beschreiben und anprangern zu können. Auch andere Formen von Unterdrückung rassischer, ethnischer und anderer Gruppen können nicht ohne die Verwendung der Machtmetapher beschrieben und angeprangert werden. Dadurch können Machthaber entlarvt, Machtstrukturen aufgedeckt und Missstände beseitigt werden. In der Beziehung zum Partner, Freunden und Kollegen lehnt KRÜLL den Machtbegriff allerdings ab, denn „ dann ist die Machtmetapher lästig, wenn sie nicht gar das Erreichen dieser Ziele unmöglich macht.“7 Würde man seine Beziehung zum Partner als Machtverhältnis bezeichnen, würde man selbst zum Unterdrückten und der Partner zum Herrschenden. Man wäre nicht mehr in der Lage eigene Ressourcen zu entwickeln. 2
B. Kraus, „Lebensweltliche Orientierung“ statt „instruktive Interaktion“, VWB Verlag, Berlin 2000, S.129 Vgl. Referat zum Thema Macht in sozialen Beziehungen von Sandra Messer, WS 01/02, S.4 4 B. Kraus, S. 1284 5 R. Böse, G. Schiepek, Systemische Theorie und Therapie, Ein Handwörterbuch, 2. Aufl., Asanger Verlag, 1994, S. 107 6 B. Kraus, S. 128 7 Marianne Krüll: Ist die „Macht“ der Männer im Patriarchat nur eine Metapher? In Z.system.Ther. 4/1986, S.228 3
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„ Ich selbst baue mir mit dieser Definition einen Käfig, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt.“ 8 MARIANNE KRÜLL fordert deshalb: „ Wir sollten uns die Freiheit bewahren, den Machtbegriff manchmal als Werkzeug, manchmal als Spielzeug, manchmal als Stütze und manchmal als Waffe flexibel einzusetzen und auch, wenn es irgendeinem Kontext angebracht erscheint, ihn gänzlich fallenzulassen.“ 9 Vertreter des Strukturdeterminismus10 wie DELL und KEENEY lehnen die Verwendung des Machtbegriffs zur Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen als unangemessen ab. Aus ihrer Sicht gibt es weder Macht noch Kontrolle. „ DELL relativiert den Begriff der Macht aus der Sicht der Theorie autopoietischer Systeme (MATURANA, 1982): Da jede Interaktion, die ein Individuum durchlaufen kann, ausschließlich durch seine eigene Struktur determiniert ist, lässt sich das Verhalten eines Organismus nicht als von außen verursacht verstehen. Umwelteinflüsse wirken lediglich als Anregungen, die spezifische Reaktionen des Individuums wird allein von dessen vorherigem Systemzustand bestimmt.“ 11 „ DELL schlägt stattdessen vor, die Interaktion von Systemen unter den Gesichtspunkten der strukturellen Koppelung bzw. der Kohärenz zu beschreiben.“ 12 Demnach sind zwischenmenschliche Systeme als organisierte Ganzheiten zu betrachten. Die einzelnen Mitglieder verhalten sich zueinander komplementär. Dabei kann keine Komponente eines Systems eine andere Komponente verändern, ohne dabei selbst beeinflusst zu werden. „ Einseitige Kontrolle kann nicht stattfinden, weil der Therapeut selbst Teil des sozialen Gesamtsystems werden muss, will er überhaupt etwas erreichen.“ 13
3. Die Unmöglichkeit instruktiver Interaktion „ Lebende Systeme sind strukturdeterminierte Systeme. Als solche lassen sie keine instruktive Interaktion zu, und alles, was in ihnen geschieht, geschieht als eine strukturelle Veränderung, die in jedem Augenblick in ihrer Struktur begründet ist, sei es im Rahmen ihrer eigenen inneren Dynamik, sei es ausgelöst, aber nicht spezifiziert, durch die Umstände ihrer Interaktionen. Mit anderen Worten: Nichts, was außerhalb eines lebenden Systems liegt, kann innerhalb dieses Systems 8
Marianne Krüll: Ist die „ Macht“ der Männer im Patriarchat nur eine Metapher? In Z.system.Ther. 4/1986, S.229 9 Marianne Krüll: Ist die „ Macht“ der Männer im Patriarchat nur eine Metapher? In Z.system.Ther. 4/1986, S.231 10 Strukturdeterminismus bedeutet, dass die Struktur eines Systems sein Verhalten determiniert, nicht die Umwelt. Umweltreize können ein System nur zum Operieren seiner eigenen Prinzipien anregen, pertubieren. [...] strukturdeterminiert über die Art und Bedeutung der Anregung entscheiden zu können.; aus: www.kerstingverlag.de/linke-kapitel12.htm(Jürgen Linke, Supervision und Beratung, Systemische Grundlagen und Praxis) 11 R. Böse, G. Schiepek, Systemische Theorie und Therapie, Ein Handwörterbuch, 2. Aufl., Asanger Verlag, 1994, S. 108 12 R. Böse, G. Schiepek, Systemische Theorie und Therapie, Ein Handwörterbuch, 2. Aufl., Asanger Verlag, 1994, S. 108 13 R. Böse, G. Schiepek, Systemische Theorie und Therapie, Ein Handwörterbuch, 2. Aufl., Asanger Verlag, 1994, S. 108
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bestimmen, was darin geschieht, und da der Beobachter ein lebendes System ist, kann nichts, was außerhalb des Beobachters liegt, in ihm oder ihr bestimmen, was in ihm oder ihr geschieht. Daraus folgt, dass der Beobachter als lebendes System von seiner Anlage her keine Erklärungen oder Behauptungen aufstellen kann, die irgend etwas enthüllen oder konnotieren, das von den Vorgängen unabhängig ist, durch die er oder sie seine /ihre Erklärungen und Behauptungen hervorbringt.“ (Maturana 1991,169)14 Instruktive Interaktion als solche ist von daher nicht möglich, da sich der gegenüber von außen weder programmieren noch kontrollieren lässt. Allerdings kann jede Veränderung der Lebenslage, jeder Versuch einer Einflussnahme eine Pertubation darstellen, die entweder als solche vom System wahr- und aufgenommen werden kann oder nicht. Lebende Systeme können nicht unabhängig von ihrer Umwelt existieren. Deshalb müssen lebende Systeme trotz operationaler Geschlossenheit energetisch geöffnet sein. Das heißt, es ist die kognitive Ebene, die operational geschlossen ist, von der körperlichen Ebene, die energetisch geöffnet ist, zu trennen. Beide Ebenen unterliegen unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten. Dennoch sind beide Ebenen zwingend miteinander verbunden. Auf Grund der Strukturellen Koppelung lebender Systeme an ihre Umwelt, können diese von ihr beeinflusst werden. Davon ausgehend stellt sich die Frage, ob ein kognitiv autonomer Mensch als unbegrenzt eigenverantwortlich zu betrachten ist. Durch die strukturelle Koppelung ist die Systemumwelt nicht unbedeutend für die Lebenswelt des Menschen. Das heißt in wie weit ist ein Mensch in seiner Lebenswelt der Macht oder Ohnmacht ausgeliefert. Auch BJÖRN KRAUS beschreibt in seinem Buch „ Lebensweltliche Orientierung statt „ instruktiver Interaktion“ “ die Notwendigkeit sich von dem Mythos der instruktiven Interaktion zu lösen. Diesbezüglich orientiert er sich an dem klinischen Psychologen und Familientherapeuten PAUL F. DELL, „ der bezüglich des therapeutischen Umgangs mit dem Klienten einige Missverständnisse aufgezeigt hat.“ 15 Diese Missverständnisse betreffen unter anderem die folgenden Aspekte: die Annahme einer erkennbaren „ objektiven Realität“ und in Verbindung damit die Annahme, dass subjektive Informationen kommunizierbar sind, da sie objektiv existieren; die Effektivität von Verstärkung im behavioristischen Sinne; die Wahrnehmbarkeit „ paradoxer Reaktionen“ als Basis paradoxer Interventionen; die Feststellbarkeit von (psychischem) Widerstand beim Klienten; Homöostase als therapeutische Zielsetzung; Die Kriteriendefinition des „ Pathologischen“ . BJÖRN KRAUS beschreibt im Rahmen seines Buches nur einige der hier genannten Aspekte, die im Folgenden kurz zusammen gefasst sind. „ Die Annahme einer erkennbaren „ objektiven Realität“ und in Verbindung damit, die Annahme, dass subjektive Informationen kommunizierbar sind, da sie objektiv 14
H.-U. Pfeifer- Schaupp, Jenseits der Familientherapie Systemische Konzepte in der Sozialen Arbeit, Lambertus, Freiburg 1995, S.83 15 Kraus, S. 111
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existieren, führt im pädagogischen Bereich u.a. zu der Unterstellung, dass der SA/SP die einzig existierende Realität erfasst hat, welche dem Klienten jetzt vermittelt werden muss.“ 16 Die Realität des SA/SP ist lediglich seine subjektiv konstruierte Wirklichkeit, so zu sagen eine mögliche Konstruktion, die der Realität nicht widerspricht. „ Deshalb muss jeder SA/SP bemüht sein, sich auf die „ Wirklichkeit“ seines Klienten einzulassen und sie seiner eigenen als grundsätzlich gleichwertig gegenüber zu stellen.“ 17 Die Effektivität von Verstärkung im behavioristischen Sinne geht von der Annahme aus, dass negative Sanktionen eine „ belehrende Funktion“ hätten. Strafende oder belohnungsentziehende Maßnahmen können durchaus eine Verhaltensänderung, im Sinne einer Pertubation, darstellen. Doch bleibt ungewiss, ob die Verhaltensänderung eintritt, um sich der sanktionierenden Situation zu entziehen oder aber die jeweilige Intention des Betroffenen verändert werden kann. Der eigentliche Lerneffekt ist weder vorhersehbar noch berechenbar. „ Die Feststellbarkeit von (psychischen) „ Widerstand“ beim Klienten zeigt sich darin, dass „ Verweigerungshaltungen“ und „ Trotz“ beim Klientel unterstellt wird.“ 18 Ausgehend von einer linearen instruktiven Interaktion, wäre für pädagogisches Versagen nicht die mangelnde pädagogische Kompetenz des SA/SP sondern der Widerstand des Klienten verantwortlich.(...)
4. Persönlichkeit und Macht Persönlichkeit ist gleichbedeutend mit einem Menschen mit stark ausgeprägter Individualität, der eine leitende Position in der Gesellschaft einnimmt.19 Es lässt sich also annehmen, dass Zuschreibungen von Macht festgemacht werden können zum einen an der Persönlichkeit, an Äußerlichkeiten (Körpergröße etc.), als auch an der Überzeugungskraft des jeweiligen Menschen. „ So verdanken viele Führerpersönlichkeiten aus der Geschichte (Charles de Gaulle, Peter der Große) ihrer Körpergröße oder- Stärke ihre Macht. Auch heute noch ist die Tendenz festzustellen, körperlich großen und / oder starken (oder auf andere Weise physisch eindrucksvollen) Menschen nachzugeben; meist erhalten sie auch einen Sympathiebonus.“ 20 Besitz und Eigentum können ebenfalls als Quelle von Macht angesehen werden. Jemand der viel besitzt kann durch Geld den Willen des anderen kaufen oder durch seine Macht (als Beispiel der Arbeitgeber) über das Sein des anderen (Arbeitnehmer) bestimmen und diesen beeinflussen. „ Die dahinterstehende Logik ist einfach: Besitz und Eigentum bestätigen die Richtigkeit der Aussagen und Meinungen der Reichen.“ 21 Ein guter Ruf und ein gewisses Ansehen kann in unserer Gesellschaft als Machtbesitz angesehen werden.
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Kraus, S.112 Kraus, S.113 18 Kraus, S.113 19 Vgl. Karl- Dieter Bünting u.a., Deutsches Wörterbuch, Isis Verlag, Chur/Schweiz, 1996 =>Persönlichkeit 20 Rudy Thomas,(1994) Macht und ihre Bedeutung in der helfenden Beziehung, (Diplomarbeit Ev. FH LU) 21 Rudy Thomas,(1994) Macht und ihre Bedeutung in der helfenden Beziehung, (Diplomarbeit Ev. FH LU) 17
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5. Macht im materiellen und im kognitiven Bereich Macht im materiellen Bereich (energetisch geöffnet) bedeutet gleichviel Reduktion von Möglichkeiten. Die strukturelle Koppelung des Systems an ihre Systemumwelt kann beeinflusst werden (d.h. es kann Macht ausgeübt werden), indem Möglichkeiten reduziert werden. Dies ist u.a. sowohl direkt möglich, d.h. durch Ausüben von Gewalt, oder indirekt, z.B. durch Vorenthalten oder Wegnahme materieller Güter, die zum Überleben des Organismus (z.B. Lebensmittel) notwendig sind. Dies setzt eine bestehende Verfügungsgewalt voraus. Es handelt „ sich bei der Chance zur Reduktion von Möglichkeiten um Macht im ontologischen Sinne, da hier der Wille des Mächtigen „ auch gegen Widerstreben“ des Ohnmächtigen durchgesetzt werden kann.“ 22 Diese Form der Macht ermöglicht es, jemanden an Handlungen zu hindern bzw. jemanden zu Handlungen zu zwingen. Auf Grund der Autonomie ist es aber nicht möglich jemanden dahingehend zu instruieren, dass er Handlungen ausführt, die er absolut nicht ausführen möchte. „ Und jeder Mensch entscheidet auf Grund seiner operationalen Geschlossenheit autonom, wie er auf eine Pertubation reagiert, die sich für ihn auf Grund seiner energetischen Offenheit und seiner strukturellen Koppelung an seine Umwelt ergeben.“ 23 An einem Beispiel verdeutlicht: Bedroht eine Person A mit einer Pistole eine Person B, die unbewaffnet ist, um von ihr eine Handlung etc. zu verlangen, liegt die Verfügungsgewalt bei Person A. Person A ist somit im Besitz materieller Größe (die Pistole) und im Besitz der Macht über Person B. Der Handlungsspielraum von Person B ist drastisch reduziert, d.h. es bleibt Person B nur das verlangte herauszugeben um zu überleben. Da in diesem Fall die Möglichkeiten von Person B erheblich reduziert sind, hat dies die Qualität einer Pertubation. Die Entscheidung, wie Person B nunmehr mit dieser Pertubation umgeht liegt ausschließlich bei ihr alleine. (selbst mit der Gefahr des Erschossen werdens) „ Person A kann Person B trotz aller materieller Macht nicht unmittelbar instruieren.“ 24 Hierfür wäre die Bereitschaft zur Unterwerfung notwendig. Macht im kognitiven Bereich (operational geschlossen) basiert ebenfalls auf der Reduktion von Möglichkeiten. Das Vorenthalten von Wissen und Informationen („ Dummhalten des Volkes“ ) stellt ebenfalls eine Art Macht dar. „ Dem Mächtigen mag es möglich sein, den „ Ohnmächtigen“ an bestimmten Überlegungen oder Handlungen zu hindern, indem er ihm das hierzu notwendige Wissen vorenthält, aber auch damit kann er keinesfalls bestimmte Handlungen oder gar Denkweisen determinieren.“ 25 Auf Grund der kognitiven Autonomie ist der Betroffene selbst für die Bewertung der Pertubationen verantwortlich, aber wegen der strukturellen Koppelung an die Umwelt ist er nicht unabhängig von diesen Pertubationen. In diesem Rahmen können diesen Pertubationen eine Form von Macht zugesprochen werden und die als solche von den Machtausübenden zu verantworten sind.
22 23 24 25
Kraus, S.136 Kraus, S.136 Kraus, S.136 Kraus, S.138
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5.1 Instruktive Macht vs. Destruktive Macht Der Autor des Buches „ Lebensweltliche Orientierung statt instruktive Interaktion“ , BJÖRN KRAUS, unterscheidet nicht nur zwischen dem kognitiven und dem materiellen Bereich, sondern er definiert den Begriff Macht und unterscheidet zwischen instruktiver und destruktiver Macht. Hierzu wird dem Begriff instruktive Interaktion den Begriff der destruktiven Interaktion gegenübergestellt und dementsprechend wird das Phänomen Macht in instruktive Macht bzw. destruktive Macht unterschieden. „ Mit der Kategorie der instruktiven Interaktion sollen Interaktionen bezeichnet werden, die das Verhalten oder Denken des gegenüber determinieren. Im Unterschied dazu soll die Kategorie der destruktiven Interaktion ein Interagieren bezeichnen, das die Möglichkeiten des Gegenübers reduziert.“ 26 Für den materiellen Bereich gilt, dass destruktiver Macht (als Chance zur Reduktion des Möglichen) ontologische Qualität zukommt, da diese auch gegen Widerstreben möglich ist. Hierzu bedarf es keiner Unterwerfung. Destruktive Macht ermöglicht allerdings keine instruktive Interaktion. Instruktive Macht bezeichnet die Möglichkeit zur instruktiven Interaktion. Als solches ist sie nur als soziales Konstrukt denkbar, weshalb ihr somit keine ontologische Qualität zukommen kann. Gerade die Macht in Form der instruktiven Interaktion ist von wesentlicher Bedeutung für das Verhältnis zwischen SA/SP und dem Klienten.
6. Der Konstruktivismus Der Radikale Konstruktivismus (Erkenntnistheorie) geht von der Grundannahme aus, dass kognitive Systeme aufgrund ihrer operationalen Geschlossenheit nicht in der Lage sind, die physikalische „ Realität“ durch ihre Wahrnehmung zu erfassen und in ihrem Bewusstsein abzubilden.27 Die von den Sinnesorganen übertragenen Impulse aus der Außenwelt, werden von dem kognitiven System permanent interpretiert. Wir konstruieren uns unsere Wirklichkeit, ohne zu wissen, wie sie wirklich ist. Was wir wahrnehmen sind immer unsere Erfahrungen von den Dingen, nicht die Dinge selbst. Etwas verstehen heißt in diesem Sinne, eine Interpretation aufzubauen. „ Als „ Erzeuger seiner Wirklichkeiten“ kann der Mensch seine Kognitionen zunächst nur im eigenen Erfahrungsbereich vergleichen und bewerten. Erst über die Sprache ist er in der Lage, mit anderen eine gemeinsame sprachliche Wirklichkeit zu gestalten.“ 28
6.1 Macht aus der Sicht des Radikalen Konstruktivismus „ Das Phänomen der Macht gilt als selbstverständlicher Bestandteil der Beschreibung unserer gesellschaftlichen wie privaten Realität. In so unterschiedlichen Bereichen
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Kraus, S.137 Kraus, S.14 28 Vgl. Referat zum Thema Macht in sozialen Beziehungen von Sylvia Schönherr, WS 01/02, S.8 27
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menschlicher Beziehungen wie z.B. in der Familie, Arbeit, Politik oder Therapie nimmt die Wahrnehmung von Machtverhältnissen einen wichtigen Platz ein.“ 29 Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass es wichtig ist das Phänomen der Macht differenziert zu betrachten. Aus systemischer und konstruktivistischer Sicht wird die Verwendung des Machtbegriffs zur Beschreibung menschlicher Beziehungen von vielen Autoren als unangemessen abgelehnt. Konstruktivistische Autoren lehnen die Machtmetapher ab, da diese nur in der Wirklichkeit des Beobachters, der einem anderen oder einer Institution Macht zuschreibt, existieren könne. Die Machtmetapher im ontologischen Sprachgebrauch, kann der Konstruktivismus nicht beantworten, da es auch konstruktivistischer Sicht keine objektiven Antworten gibt. Somit kann und darf der Konstruktivismus nicht behaupten, dass Macht nicht existieren würde. KLAUS G. DEISSLER schreibt in seinem Nachwort in der Zeitschrift für Systemische Therapie: „ Ich sehe es jedoch als erkenntnis- und handlungstheoretischen Fehler an, mit der Machtmetapher so umzugehen, als sei sie eine „ objektive, vom Beobachter unabhängige Gegebenheit“ , der wir nicht ausweichen können, deren Opfer wir seien und zu deren Konstruktion wir nicht selbst beitragen würden.“ 30
6.2 Das radikalkonstruktivistische Machtverständnis und die Folgen für die sozialpädagogische Interaktion Das radikal konstruktivistische Menschenbild prägt das Verhältnis zwischen Edukant und Pädagoge oder zwischen Klient und Therapeut entscheidend. Von der Grundannahme ausgehend, dass lebende Systeme materiell und energetisch offen und kognitiv geschlossen sind, wird dem Edukanten bzw. dem Klienten ein hohes Maß an Autonomie zugeschrieben. Aus konstruktivistischer Sicht kann Erziehung nur in dem Maße statt finden, in dem das autopoietische System des zu Erziehenden bzw. des Klienten pertubiert wird. Der Pädagoge bzw. der Therapeut kann im Rahmen seiner Arbeit lediglich einen Prozess der stimulierenden Einflussnahme in Gang bringen. Diese Art Stimulation könnte sich als Pertubation auf die Konstruktion der Wirklichkeit des Betroffenen auswirken. Es kommt zu einem ständigen Überprüfen der Wirklichkeitskonstruktionen durch äußere Reize, die überprüft, verworfen oder als „ Verstörung“ aufgenommen werden können. An dieser Stelle wäre wichtig zu erwähnen, dass die „ Verstörung“ wechselseitig statt findet, d.h. der Klient und der Therapeut pertubieren sich gegenseitig. Diese interaktive Wechselseitigkeit bedeutet für die sozialpädagogische Interaktion, dass eine planbare Wirkung pädagogischer Interventionen nicht möglich ist. Wie oben bereits beschrieben, wird dem Klienten ein hohes Maß an Autonomie zugeschrieben. Das Verhalten des Klienten wird ganzheitlich betrachtet. Lebende Systeme sind keine triviale Maschinen (Heinz von Förster), so dass keine gesicherten, stets gleiche und fehlerfreie Handlungen (outputs) erzeugt werden können. 29
R. Böse, G. Schiepek, Systemische Theorie und Therapie, Ein Handwörterbuch, 2. Aufl., Asanger Verlag, 1994, S. 107 30 Klaus G. Deissler: Brauchen wir die Machtmetapher, um unsere zwischenmenschliche Wirklichkeit zu konstruieren? In Z.system.Ther. 1986, S.258
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Für den Pädagogen bzw. den Therapeuten bedeutet diese Erkenntnis, dass kein direkter Einfluss ausgeübt werden kann. „ Das zentrale erkenntnistheoretische Konstruktionsprinzip von Therapeuten sollte also die Autonomie lebendiger Prozesse sein- bzw. der Respekt vor der Autonomie der Klienten. Dieser Respekt vor dem Leben der anderen kommt- rekursiv- dem Respekt vor dem eigenen Leben gleich. Therapeuten sind demgemäß Mitkonstrukteure oder Miterzeuger der zwischenmenschlichen Wirklichkeit. Es sollte ihr Ziel sein, möglichst den lebendigen Prozessen angemessene Wirklichkeiten zusammen mit den Klienten zu erzeugen. Daher ist die Machtmetapher unangebracht- sie sollte reserviert bleiben für die Konstruktion der Wirklichkeit im Rahmen des Härtegrades der klassischen Physik[...].“ 31 „ Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass auch, wenn im ontologischen Sinne keine instruktive Interaktionen möglich sind, diese innerhalb sozialer Beziehungen eben durch Zuschreibungen (also durch Unterwerfung) doch möglich sein können.“ 32 Im Rahmen eines professionellen Verhältnisses, muss sich der SA/SP dieser Ambivalenz bewusst sein und mit seinen Möglichkeiten verantwortungsvoll umgehen. „ Andererseits muss er sich wohl der Verantwortung bewusst sein, die aus seinen Chancen zum Reduzieren oder Schaffen von Möglichkeiten resultiert, als auch der Verantwortung, die aus seinen Möglichkeiten zu instruktiver Macht resultiert, wenn ihm diese vom Edukanten zugeschrieben wird.“ 33
7. Macht in der Sozialpädagogischen Interaktion
In einer sozialpädagogischen Interaktion gibt es in der Regel zwei Akteure. Der Helfer und sein Klient. Solch eine sozialpädagogische Beziehung oder Interaktion ist gekennzeichnet durch einen gewissen Ungleichheitsaspekt. Deutlich wird dies bereits durch den Begriff des „ Klienten“ . Die etymologische Herleitung besagt, dass der Begriff Klient aus dem lateinischen „ cliens“ stammt. Wörtlich übersetzt meint der Begriff „ der Halbfreie“ . Als Klienten bezeichnet man in der Regel Hilfesuchende, zu Erziehende, sogenannte Fehlgeleitete und zu schützende Menschen. Der zweite Akteur in einer sozialpädagogischen Interaktion ist der Helfer (Jugendamtmitarbeiter, Bewährungshelfer etc.). Der SA/SP34 ist Repräsentant für Normen und Werte der Gesellschaft und seiner jeweiligen Einrichtung. (von der der Klient Gebrauch macht). Somit wird dem SA/SP Macht zugeschrieben, da er im Rahmen seiner Arbeit gewährend, bewilligend, kontrollierend, vermittelnd und erziehend auftritt. Beide Interagierende entstammen meist aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, mit unterschiedlicher Sprache, unterschiedlichen Gepflogenheiten, unterschiedlichen Riten und Kulturen. Diese Hürden gilt es bereits zu Beginn der Interaktion zu beseitigen, so dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist. Das Zusammentreffen zwischen Helfer und Klient besteht häufig aus einer Notlage heraus, die zunächst eine Art „ Zwangsbeziehung“ darstellt. 31
Klaus G. Deissler: Brauchen wir die Machtmetapher, um unsere zwischenmenschliche Wirklichkeit zu konstruieren? In Z.system.Ther. 1986, S.267 32 Kraus, S.152 33 Kraus, S.152 34 SA/SP steht in diesem Zusammenhang für die Abkürzung von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen
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8. Requisiten der Macht „ Unter Requisiten ist annähernd das zu verstehen, was sie auch im Theater bedeuten, nämlich die sichtbaren Hilfsmittel zur Gestaltung und Durchführung von Rollen.“ 35 Demnach spielt die Raumgestaltung – die Farbe der Wände, die Möbel und ihre Anordnung, die Sitzordnung zwischen den Raumbenutzern (distanziert, machtbetont oder näher, eher gleichrangig) die Akten, Kalender, der Wandschmuck oder das Vorhandensein von Blumen usw.- eine wesentliche Rolle. Ein SA/SP kann somit als „ Regisseur“ seiner Arbeit verstanden werden. Er bestimmt die Atmosphäre und seine Rollenauffassung und die des Klienten. Da Sprache auch ein Mittel der Macht sein kann, ist es wichtig zu prüfen, welche Redeweise benutzt wird. Werden eher Fachbegriffe benutzt oder wird eher umgangssprachlich miteinander umgegangen. Der Einsatz von sogenannten Requisiten kann dem SA/SP eine gewisse Macht zuschreiben und seiner Macht in der Amtsrolle dienen. Gleichzeitig können die Requisiten der Macht (gefüllte Terminkalender, dringende Telefonanrufe, sichtbare Aktenstapel etc.), die Anzeichen von Geschäftigkeit und Bedeutsamkeit der Verrichtung, den SA/SP äußerlich als Experten ausweisen.
9. Zusammenfassung- Anforderungen an die Soziale Arbeit „ Die Verfügungsgewalt, der doppelte Auftrag von Hilfe und Kontrolle sowie die häufig zugeschriebene Macht erfordern einen besonders sensiblen und reflektierten Umgang mit dieser Macht.“ 36 Erst der Mensch im Besitz der Macht kann aus ihr etwas Schädigendes oder etwas Förderliches machen. Macht ist sehr ambivalent. Aus diesem Grunde muss sich insbesondere der Professionelle mit den positiven als auch negativen Seiten dieses Phänomens auseinander setzen. Alleine die potentielle Möglichkeit des Machtmissbrauchs sollte jeden SA/SP veranlassen, die Macht seiner Handlungen immer wieder reflektierend zu betrachten. BJÖRN KRAUS formuliert in seinem Buch drei wichtige Maximen, die für den Umgang mit Macht in der Sozialen Arbeit eine wesentliche Rolle spielen. • „Sei um Wissen bemüht (Erweiterung der eigenen Möglichkeiten)!“ • „Sei um das Vermitteln von Wissen bemüht (Erweiterung der Möglichkeiten anderer)!“ • „Sei darum bemüht, die Reduktion von Möglichkeiten zu verhindern!“ Diese Postulate entsprechen der Forderung, sich mit dem Begriff der Macht auseinander zu setzen und sich seiner eigenen Macht-(Stellung) bewusst zu sein. (Insbesondere im Bezug auf den SA/SP im Rahmen seiner Arbeit)Außerdem soll damit Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden, so dass bei dem Klienten bzw. dem Edukanten im Rahmen seines eigenen Handelns Vertrauen und Zuversicht gefördert werden soll. Problematisch gestalten sich diese Forderungen im Rahmen der Sozialen Arbeit, da SA/SP teilweise mit Aufträgen konfrontiert werden, die eindeutig auf die Reduktion von Möglichkeiten abzielen. „ So ist die stationäre Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie sicherlich eine Reduktion der 35
R. Wurr, Macht in der Sozialpädagogischen Interaktion, Arbeitshefte für Sozialpädagogik, Klett, Stuttgart, 1981, S.17 36 Vgl. Referat zum Thema Macht in sozialen Beziehungen von Sandra Messer, WS 01/02, S.17
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Möglichkeiten des untergebrachten Jugendlichen, was somit als destruktive Macht bewertbar wäre. Wenn der betroffenen Jugendliche dort untergebracht ist, da er ansonsten z.B. auf Grund seiner Gewalttätigkeit andere gefährdet, so ist die hiermit verbundene Reduktion seiner Möglichkeiten innerhalb der hier aufgeführten Systematik dadurch zu legitimieren, dass man verhindern möchte, dass der Jugendliche andere in ihren Möglichkeiten einschränkt[...]“ 37 Die Vermeidung der Reduktion von Möglichkeiten ist nicht immer beabsichtigt und dient teilweise dem Schutz der Gesellschaft (z. B. bei Straftätern). Allerdings soll auch in diesen Fällen das Ziel der Erweiterung von Möglichkeiten sein, beispielsweise durch eine Berufsausbildung, oder eine Therapie (Resozialisierung). Die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Macht in sozialen Beziehungen im Rahmen dieser Arbeit soll nachhaltig darauf hinweisen, dass die Machtmetapher nicht gänzlich ausgeklammert werden darf. „ Der einzige, nicht zu rechtfertigende Fehler ist das Ausklammern der Machtproblematik, egal, ob dies aus dem Nichterkennen oder aber dem Ausweichen vor der Auseinandersetzung resultiert. Denn das wäre nicht zu vereinbaren mit der Verantwortung eines professionellen Helfers.“ 38 Abschließend kann ich mich der Forderung MARIANNE KRÜLL anschließen: „ Wir sollten uns die Freiheit bewahren, den Machtbegriff manchmal als Werkzeug, manchmal als Spielzeug, manchmal als Stütze und manchmal als Waffe flexibel einzusetzen und auch, wenn es irgendeinem Kontext angebracht erscheint, ihn gänzlich fallenzulassen.“
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Kraus, S.148 Vgl. Referat zum Thema Macht in sozialen Beziehungen von Sylvia Schönherr, WS 01/02, S.19
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10. Literatur Harenberg Kompaktlexikon in 5 Bänden, Harenberg Lexikon Verlag in der Harenberg Kommunikation Verlags- und Mediengesellschaft mbh & Co. KG, Dortmund 1994 Karl- Dieter Bünting, Deutsches Wörterbuch Mit der neuen Rechtschreibung, Isis Verlag AG, Chur/Schweiz, 1996 H.-U. Pfeiffer- Schaupp, Jenseits der Familientherapie, Systemische Konzepte in der Sozialen Arbeit, Lambertus, Freiburg, 1995 Raimund Böse, Günter Schiepek, Systemische Theorie und Therapie, Ein Handwörterbuch, 2. Aufl. Asanger Verlag, 1994 Jürgen Hargens, Zeitschrift für Systemische Therapie, Verlag modernes lernen Borgmann KG, Dortmund, 4. Jahrgang, Heft 4, Oktober 1986 „ Zur Frage der Machtmetapher“ daraus: Marianne Krüll: Ist die „ Macht“ der Männer im Patriarchat nur eine Metapher? Gedanken einer ketzerischen Feministin und provokativen Feministin Klaus G. Deissler: Brauchen wir die Machtmetapher, um unsere zwischenmenschliche Wirklichkeit zu konstruieren? Björn Kraus, „ Lebensweltliche Orientierung“ statt „ instruktive Interaktion“ , Eine Einführung in den Radikalen Konstruktivismus in seiner Bedeutung für die Soziale Arbeit und Pädagogik, Reihe Forschung & Lernen Forschungsprojekt an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen Ludwigshafen am Rhein, VWB- Verlag, Berlin, 2000 Rüdiger Wurr, Macht in der Sozialpädagogischen Interaktion, Arbeitshefte für Sozialpädagogik, Klett, Stuttgart, 1981 Sandra Messer, Referat zum Thema Macht in sozialen Beziehungen, an der Ev. FH Ludwigshafen, Pädagogik bei Dipl. Päd. Wolfgang Krieger, WS 01/02 Sylvia Schönherr, Referat zum Thema Macht in sozialen Beziehungen, an der Ev. FH Ludwigshafen, Pädagogik bei Dipl. Päd. Wolfgang Krieger, WS 01/02 Thomas Rudy, Diplom Arbeit im Fachbereich Soziale Arbeit zum Thema Macht und ihre Bedeutung in der helfenden Beziehung, EFH Ludwigshafen, 1994 Jürgen Linke, Supervision und Beratung Systemische Grundlagen und Praxis, unter: www.kersting- verlag.de/linke-kapitel12.htm
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