downloaden
March 5, 2018 | Author: Anonymous | Category: N/A
Short Description
Download downloaden...
Description
ZWST informiert Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.
Ausgabe 3 • September 2010
Liebe Leserinnen und Leser! Editorial
S
ehr schnell ist wieder ein Jahr herumgegangen unsere Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Wir und ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen möchten weiter mit Ihnen gemeinsam lernen mit ein gutes Neues Jahr, Gesundheit und Frieden zu Blick auf eine, auch zukünftig starke Gemeinschaft, wünschen! Schana towa, schnat bri’ut we schalom! in der Sie sich gut aufgehoben und integriert fühlen. Mögen alle Ihre Wünsche für das Jahr 5771 in Dies betone ich auch mit Blick auf den erfolgreiErfüllung gehen und Ihre Alltagssorgen unwichtig chen Abschluss eines seit Bestehen der ZWST in werden! dieser Form erstmaligen Fortbildungsprojektes „Jüdische Sozialarbeit“.Lesen Sie mehr darüber auf Nach 20 Jahren Zuwanderung und Integration ist den folgenden Seiten. In der vorliegenden Ausgabe es an der Zeit, Rückschau zu halten. Es war und ist kein einfacher Weg für uns alle und doch haben erhalten Sie außerdem einen bunten Eindruck wir eine gewaltige Leistung vollbracht: Die jüdische unserer Sommermachanot in Bad Sobernheim, Gemeinschaft in Deutschland hat sich mehr als Italien, Spanien und Israel. Auch informieren wir verdreifacht, neue Gemeinden wurden gegründet Sie über den Beginn des neuen Zertifikatskurses oder wieder aufgebaut. Das hätte man vor 20 Jah- „Gemeindesozialarbeit“(S.12-13),über Beratungsren noch nicht für möglich gehalten. Dazu gehört möglichkeiten für Angehörige von Menschen mit auch die niemals abgeschlossene Entwicklung Behinderung und den Treffpunkt für Holocaustüeiner starken, jüdischen Identität. Das bedeutet berlebende in der JKG Recklinghausen (S.14, 15). für jeden Einzelnen von Ihnen etwas anderes, aber Für ein gutes Jahr möget ihr in das Buch des Lebens allen gemeinsam ist die Teilhabe an einem vielfälti- eingeschrieben werden - LeSchana towa tikatewu gen Angebot in den Gemeinden und anderen jüdi- wetichatemu! schen Einrichtungen. In diesen 20 Jahren haben wir Ihr Beni Bloch, Direktor der ZWST
Die Ministerpräsidentin Thüringens, Christine Lieberknecht überreicht der Absolventin Natascha Vronska ihre Urkunde Fotos: Rafael Herlich
1
Impressum Hrsg.: Zentralwohlfahrtsstelle Hebelstr. 6 60318 Frankfurt Tel.: 069/94 43 71-0 Fax: 069/49 48 17 www.zwst.org Redaktion u. Satz: Heike von Bassewitz Tel.:069/94 43 71-21 bassewitz@zwst.org Satz & Druck: adc • Lindenfels Andrej Kulakowski
Feierliche Zeugnisübergabe im ErfurterRathaus
„Wer sich bildet - will bleiben“!
A
m 25. August 2010 konnte die ZWST im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Erfurter Rathaus 20 erfolgreichen Projektteilnehmern zu ihrem „Bachelor of Arts Soziale Arbeit“ gratulieren. Der Vorstandsvorsitzende der ZWST, Herr Ebi Lehrer, betonte in seiner Festrede: „Dass wir Ihnen heute diese akademische Urkunde überreichen können, ist ein Erfolg, der Gefühle wie Stolz und Dankbarkeit hervorruft!“ Ein besonderer Wert wurde der Abschlussveranstaltung durch die Anwesenheit der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und des Geschäftsführers des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer verliehen.
Durch die Förderung der Dorothea-Gould-Foundation hatte die ZWST erstmalig die Möglichkeit, in Kooperation mit der FH Erfurt, ein berufsbegleitendes Fortbildungsprojekt mit einem Universitätsabschluss durchzuführen. Die ZWST richtet daher ihren ausdrücklichen Dank an Frau Shira Herzog, die Vertreterin der Stiftung. Ein weiterer Dank geht an Prof. Dr. Heinrich Kill, Rektor der FH Erfurt und an alle Lehrkräfte und Referenten, die für die professionelle und zielgerechte Wissensvermittlung in einem auch für sie ungewohnten Lehrprojekt gesorgt haben. Dies gilt insbesondere 2
Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 1
Fortbildungsprojekt „Jüdische Sozialarbeit“ (BA) Eine ungewöhnliche Geste: Auch die Lehrkräfte bekommen Geschenkurkunden Absolventin Lea Floh mit....
...Prof.Dr. Doron Kiesel, FH Erfurt
... Prof. Dr. Heinrich Kill, Rektor der FH Erfurt
... Dr. Martin Geissler, FH Erfurt
Absolvent Boris Bujanov mit Prof.Dr. Esther Weitzel-Polzer
Fotos: Rafael Herlich ZWST
informiert • Seite 2
für Prof. Dr. Doron Kiesel und Prof. Dr. Esther Weitzel-Polzer, die darüber hinaus den Studenten als Berater und Betreuer zur Verfügung standen. Die Ministerpräsidentin ließ es sich trotz ihrer knappen Zeit nicht nehmen, den 20 Absolventen ihre Bachelor-Urkunden persönlich zu überreichen: „Es kommt in meinem Amt nicht so oft vor, dass ich Hochschulzeugnisse überreiche!“ Mit dieser Geste würdigte Frau Lieberknecht die überdurchschnittlichen Prüfungsergebnisse der Teilnehmer und überbrachte ihnen einen herzlichen Glückwunsch im Namen der Landesregierung. „Wer ein Haus baut, will bleiben.“ Diesen Leitsatz der überlebenden Juden, die nach dem 2. Weltkrieg die jüdischen Gemeinden in Deutschland wiederaufbauten, übertrug die Ministerpräsidentin in ihrer Rede auf die erfolgreichen Absolventen, die alle aus der ehemaligen SU zugewandert sind: „Wer sich bildet, entscheidet sich zu bleiben.“ Die Einsatzbereitschaft der Studenten sei eine Bereicherung für das jüdische Leben in Deutschland. Herr Lehrer würdigte in seiner Festrede die besondere Leistung der Teilnehmer: „Sie haben zielstrebig durchgehalten und sich starkgemacht, um das am Anfang noch ferne Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ihr Erfolg ist eine Bestätigung für die ZWST, dass wir mit unserem Engagement für die berufliche Integration von Zuwanderern auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig machen wir unsere Erfahrungen: Was könnte man besser oder anders machen. Darum ist uns auch die laufende Rücksprache mit den Projektteilnehmern sehr wichtig gewesen. Ihr Erfolg spornt die ZWST, ihre Mitarbeiter und Berater an, weitere Projekte dieser Art zu initiieren und alle Fördermöglichkeiten und Ressourcen auszuschöpfen!“ Prof. Kill, Rektor der FH Erfurt betonte, dass eine 80 %-Erfolgsquote wie in diesem Projekt auch der eigenen Hochschule als Ganzes zu wünschen wäre. Auch die Lehrenden konnten von ihren in der Mehrheit berufstätigen Studenten mehr darüber erfahren, was in der täglichen Praxis der interkulturellen und integrativen Sozialarbeit geschieht. Aus den Sprüchen der Väter lernen wir: „Ein Lehrer, der anderen etwas beibringt, macht nicht nur seine Schüler klüger, sondern auch sich selbst“. Orientierten sich auch die Lehrinhalte des Ausbildungsprojekts am Grundstudiengang Soziale Arbeit, so hatten doch die Inhalte jüdischer Sozialarbeit und jüdischer Ethik die Studenten begleitet. Nicht umsonst hat das ewige Lernen im Judentum eine hohe Bedeutung. Die Absolventen dieses Studienganges leisten ihren Beitrag als selbstbewusste und professionelle Sozialarbeiter zur Festigung einer jüdischen Identität und somit auch für eine starke jüdische Gemeinschaft. So wie dieses Projekt als Brücke zwischen Hochschulstudium und berufsbegleitender Weiterbil1
Vorstandsvorsitzender Ebi Lehrer, Leiterin des ZWST-Sozialreferates Paulette Weber, Direktor Beni Bloch mit den Absolventen (v.li.) Jana Stachevski, Larissa Karwin und Polina Flihler, die zum ZWSTMitarbeiterteam gehören
dung betrachtet werden kann, haben auch die Absolventen eine Brücke gebaut. Eine Brücke, deren Träger immer wieder neu stabilisiert und ausgerichtet werden mussten. In ihrer Rede betonte Frau Lea Floh, selbst erfolgreiche Absolventin und Vorsitzende der JG Mönchengladbach: „Nach der Ankunft in Deutschland, war es ein steiniger Weg der Identitätsfindung für uns alle, es war schwer eine berufliche Nische zu finden. Doch dieses Studienprojekt bedeutete für uns eine große Chance und in den dreieinhalb Jahren ist viel passiert: Viele von uns haben während des Studiums einen festen Job bekommen, es wurde geheiratet, Babys wurden geboren, wir sind umgezogen ...“ Mit einem Augenzwinkern drückte Frau Floh den Dank aller Teilnehmer aus, in dem sie an den ZWST-Direktor Beni Bloch appellierte: „Wir sind bereit und warten auf den Masterstudiengang. Bleiben Sie gesund und uns erhalten!“ Eine ganz besondere Geste sorgte bei allen Anwesenden im festlichen Rathaussaal für Aufmerksamkeit: Nicht nur die erfolgreichen Studenten bekamen ihre Urkunden. Die Absolventen selbst drückten ebenfalls ihren Dank aus, indem sie den Lehrkräften und Initiatoren des Studiums eine Geschenkmappe überreichten, die unter anderem eine Urkunde des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kayemeth Leisrael, KKL) für das Pflanzen eines Baumes in Israel enthielt (Fotos li.). Die ZWST wünscht den Absolventen und ihren Familien alles erdenklich Gute sowie die erforderliche Kraft und Zuversicht im Berufsalltag. Möge sich all das erfüllen, was Ihnen für ihre weiteren beruflichen Perspektiven wichtig ist! HvB, ZWST
Fortbildungsprojekt „Jüdische Sozialarbeit“ (BA) „Kein einfacher Spaziergang“: Vier Projektteilnehmer ziehen Bilanz Alex Kenigstein: 38, Pädagoge, verheiratet, aus der Ukraine, seit 1999 in D., lebt in Schwalbach a.Taunus und ist Erzieher im Grundschulbereich
wichtig: wir haben ein gutes „Zeitmanagement“ gelernt! Jetzt spüre ich, wie hilfreich die Studieninhalte für meine Arbeit sind, ich kann das Gelernte täglich anwenden.
Alex: Ich bin froh, dass ich mein angestrebtes Ziel, einen B.A.-Abschluss zu erwerben, erreicht habe 46, Dipl.-Biologin, Lehrerin für Biologie u. Che- und die Herausforderungen erfolgreich bewältigen mie, verheiratet, au s Czernowitz (Ukraine), lebt konnte. Auch empfinde ich eine „hoffnungsvolle seit 1999 in D. Weiterbildung zur „Kauffrau für Spannung“, denn jetzt sehe ich für mich neue beBürokommunikation“ (IHK), seit 2001 haupt- u. rufliche Perspektiven. ehrenamtl. aktiv in der JG Bielefeld. Seit 2010 tätig Max: Für mich war es sehr wichtig, diesen letzten im Sozialreferat der ZWST in Frankfurt. Schritt zu machen und dabei nicht zu stolpern. Natascha Vronska: Alle übereinstimmend: Wir sind auch traurig, dass 37, Dipl.-Biologin u. Ökologin, ledig, aus der Uk- es vorbei ist. Wir werden das Treffen und den raine, lebt seit 2000 in D. Besuch der Fachschule Austausch mit den Mitstudenten vermissen, die für Sozialpädagogik, seit 2007 Sozialarbeiterin sehr wertvollen Kontakte mit den Referenten und der JKG Heidelberg u. ehrenamtl. aktiv in der Professoren, das Lernen, was unseren Berufsalltag JG Frankfurt/M. (Gedächtnistraining im Alten- begleitet hat – und natürlich die besondere, speziell zentrum) jüdische Atmosphäre im Max-Willner-Heim während der Blockseminare! Max Chernenko: Larissa Karwin:
37, Sozialarbeiter, verheiratet, 2003 aus der Ukraine nach D. gekommen, arbeitet seit 2004 ehrenamtl. in der JG Emmendingen, ab 2007 hauptamtl.(Sozialabteilung)
In Bad Sobernheim trafen wir Teilnehmer anderer Seminare der ZWST, konnten sogar gemeinsam jüdische Feste feiern und hatten die Gelegenheit, die koschere Küche zu genießen. Wie habt ihr es geschafft, dieses Studium „berufsbegleitend“ zu organisieren?
Foto: 1. Reihe v.li: Bella Liebermann Tatjana Manastyrskaya Natascha Vronski Inna Chennakal Svetlana Kilimnik Lea Floh Irina Sheer 2.Reihe v.li.: Jana Stachevski Bella Slovak Marina Jurovetskaya Prof. Dr. Doron Kiesel Marina Gorbenko Larissa Karwin Alex Kenigstein Maya Bobylev 3. Reihe v.li.: Max Chernenko Boris Bujanov Marina Nikiforova Polina Flihler Valentina Shekun Alex Ovroutski (Aufnahme vom letzten Seminar in B.Sobernheim im April 2010)
Larissa: Natürlich blieb wenig Zeit übrig für Privates. Wenn am Wochenende Freunde anriefen, musste ich chaten oder ähnliches! Hier half mir auch eine gute, familiäre Aufgabenverteilung und das Verständnis von Familie und Freunden. Natascha: Wichtig war die Entwicklung einer gewissen Zielstrebigkeit. Mit dem Ziel im Blick war es machbar, auch wenn dieses Ziel am Anfang weit entfernt schien. In meiner Familie und meinem Freundeskreis habe ich unbedingte Unterstützung und Verständnis erfahren, man gab mir das Gefühl, es ist gut, was du machst. Wie geht es euch jetzt nach erfolgreichem Ab- Alex: Während der Studienzeit war ich 30-40 Std. schluss des Studiums? pro Woche berufstätig. Ohne die hervorragende Larissa: Ich empfinde vor allem Stolz, dass ich Unterstützung seitens der ZWST und einer uns es geschafft habe und große Dankbarkeit, dass weit entgegenkommenden Studienleitung wäre mir dieses Studium ermöglicht wurde. Meine Le- es für mich tatsächlich kaum möglich gewesen, bens- und Berufsperspektiven haben sich positiv das Studium erfolgreich zu absolvieren. Ebenso verändert, es war für mich ein Schritt in eine neue waren das Verständnis und die Unterstützung im Zukunft. Ich konnte endlich meinen Berufswunsch familiären Umfeld ausschlaggebend. nach einer zielorientierten Aufgabe im sozialen Max: Ich wurde vom Vorstand, der GeschäftsleiBereich verwirklichen. tung und der Sozialarbeiterin meiner Gemeinde sehr unterstützt. Ob es um die Freistellung für die Natascha: Auch ich empfinde Stolz, ich habe für Seminare, die korrekte Schreibweise in meinen mich einen Lebensabschnitt beendet. Wenn es auch Hausarbeiten oder die Klärung von Fachfragen sehr stressig war und ich mich am Anfang gefragt ging: Man hat mir immer geholfen. Natürlich habe, schaffe ich es überhaupt? Doch ich bin in den war das kein einfacher Spaziergang, der 3 Rhythmus dieses Studiums reingekommen. Ganz ½ Jahre dauerte. Auch unsere Referenten 4
Wissenschaftliche Projektleitung und Betreuung: Prof. Dr. Doron Kiesel Prof. Dr. Esther Weitzel-Polzer Dr. Martin Geissler (bis 2008 auch: Dr. Gudrun Maierhof)
Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 3
Fortbildungsprojekt „Jüdische Sozialarbeit“ (BA) und Betreuer haben ihr Bestes gegeben, wenn ich etwas zu klären hatte, bekam ich immer eine Rückmeldung. Ich kann mich nicht erinnern, mal keine Antwort erhalten zu haben. Was waren für euch die Schwerpunkte, worauf hättet ihr verzichten können, was hat gefehlt? Natascha: Sehr wichtig war die gute Vermittlung der rechtlichen Kenntnisse: Sozial-, Familien-, Jugendrecht u.a. Hier haben die Professoren ein großes Lob verdient. Auch der Bereich Psychologie war für mich sehr wichtig. Ich konnte mich aus dem Berufsalltag heraus direkt an die Professoren wenden, wenn ich Beratungsbedarf hatte.
ZWST
informiert • Seite 4
jüdischen Einrichtungen tätig zu sein. Denn hauptberuflich arbeite ich in einer nichtjüdischen Einrichtung. Max: Ich hätte in keinem Fall auf etwas verzichten wollen. Alles, was ich gelernt habe, finde ich wichtig und hoffe, dass so viel wie möglich hängenbleibt. Am Anfang habe ich z.B. die Chats skeptisch betrachtet, aber im Laufe des Studiums hat es mir nicht nur Wissen, sondern auch Spaß gebracht. In den Seminaren war es für mich natürlich einfacher, dort konnte ich unsere Dozenten „live“ ansprechen. Ob ich das Gelernte in meiner zukünftigen Arbeit anwenden kann, hängt von meiner beruflichen Weiterentwicklung ab. Das Wichtigste in meiner Arbeit werden die Menschen bleiben, die Gemeindemitglieder mit ihren Gefühlen und Sorgen. Für sie möchte ich nach Abschluss des Studiums arbeiten.
Auch Bereiche wie Qualitätsmanagement und Beantragung von Projektgeldern waren sehr wichtig. Bezogen auf die Bereiche Therapie, Beratung, Gesprächsführung hätten wir eventuell mehr prakUnd eure Bilanz: Was hat es euch für eure beruflitische Übungen benötigt – aber im Vergleich zum che und persönliche Zukunft gebracht? normalen Uni-Studium war unser Studium immer noch wesentlich praxisbezogener. Alex: Das Studium hat mir geholfen, mich in meinem Beruf als Erzieher weiter zu entwickeln und Larissa: Von großem Vorteil war die Form der eine Anstellung zu erreichen. Ich bin mir nicht Blockseminare im Unterschied zu einer normalen sicher, ob ich das ohne das Studium geschafft hätte. Univorlesung: In den meist 4-tägigen Seminaren Ich habe bestimmte Fähigkeiten entwickelt und gab es genug Zeit für Fragen und Diskussionen. Kenntnisse erhalten, die mir in meinem BerufsIm Bereich Recht war es für uns sehr vorteilhaft, leben und bei meiner weiteren Integration sehr dass die Professoren auch Soziologen sind und hilfreich sein werden, meine Perspektiven haben über den rein „juristischen Horizont“ schauen sich maßgeblich verbessert. Dieses Studium war für konnten. Wir haben das wissenschaftliche Arbeiten mich die einzige Möglichkeit, einen Hochschulabgelernt, die Erstellung von Hausarbeiten, ohne den schluss in Deutschland zu erwerben. Ich betrachte „roten Faden“ zu verlieren, sowie die Präsentation es als Glücksfall und bin den Unterstützern und vor einem Publikum. Das kannten wir anders von Organisatoren dieses Studienganges sehr dankbar. unserem Studium in der Ukraine, deshalb war das sehr wichtig. Natascha: Mir hat das Studium mehr Sicherheit für meine Arbeit gegeben, ein Fundament, auf Aber auch die Chats und Diskussionsforen waren dem ich aufbauen kann. Wir schließen ein rundum nach anfänglichen technischen Problemen eine gelungenes Projekt ab und ich denke, dass wir alle sehr gute Lernform. Wir haben die Quintessenz davon profitieren. dessen, was wir benötigen erhalten. Es gab nicht viel, worauf wir verzichten könnten. Wenn über- Larissa: Ich habe das Gefühl, mich aus einer haupt etwas in Frage kam: vielleicht die „Gender- gewissen „Abhängigkeit“ gelöst zu haben und Problematik“. Theoretisch sicher interessant, doch meine Arbeit durch Systematisierung und Zielowir haben uns gefragt, inwiefern das für unsere rientierung besser bestimmen zu können. Meine Arbeit wichtig ist. Arbeit in der Bielefelder Gemeinde habe ich eher mit einem „Bauchgefühl“ als mit der für mich jetzt Alex: Das Wichtigste, was ich aus diesem Studierkennbaren beruflichen Qualifikation erledigen um mitgenommen habe, ist die Fähigkeit, online können. Insofern habe ich mit diesem Studium notwendige Kenntnisse zu beschaffen und zu ein „Glückslos“ gezogen. Auch die Verlagerung systematisieren. Außerdem wurde im Laufe des meines Lebensmittelpunktes von Bielefeld nach Studiums meine Bindung zum Judentum gestärkt. Frankfurt/M. empfinde ich als durchweg positiv. Im wissenschaftlichen Bereich haben sich für mich Schwerpunkte im Bereich der interkulturellen Max: Die Kenntnisse die ich während des Studiums Arbeit und in der Theater-, Spiel- und Medienpäd- erworben habe, können mir nicht mehr verloren agogik entwickelt. Für mich waren die Seminare in gehen – und das ist schon eine große Veränderung. Bad Sobernheim besonders interessant. Ich konnte Natürlich würde ich nicht gerne umziehen wollen, die dort erworbenen Kenntnisse bei meiner Arbeit ich habe mir in der Gemeinde einiges aufgebaut. im sozialen Bereich gleich praktisch umsetzen. Aber ich habe auch gelernt, dass man heutzutage Auch meine Deutschkenntnisse und mein Wissen flexibel und mobil sein muss. über das deutsche Gesellschaftssystem haben sich Herzlichen Dank! HvB, ZWST verbessert. Ich hätte mir im Rahmen des Studiums gewünscht, etwas intensiver bei unterschiedlichen
One machane can change everything: Bad Sobernheim „I Care“, das Motto des ersten Sommermachane im Max-Willner-Heim
B
eim diesjährigen ersten Turnus der Sommermachanot in Bad Sobernheim meinte es das Wetter ganz besonders gut mit den rund 90 Teilnehmern im Alter von 8 bis 11 Jahren. Bei teilweise ungewohnt hohen Temperaturen bot das Max-Willner-Heim im idyllischen grünen Nahetal einen wohltuenden Kontrast für die Kinder aus Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Hannover und anderen Regionen Deutschlands. In einer Atmosphäre von familiärer und liebevoller Betreuung, einem abwechslungsreichen Freizeit-
programm und Projektgruppen, die den Kindern altersgerecht jüdische Inhalte vermittelten, fühlten sich nicht nur die Chanichim (Teilnehmer), die das erste Mal dabei waren, gut aufgehoben. Ca. die Hälfte waren diesmal Neulinge in Bad Sobernheim und vielleicht auch erstmals länger vom Elternhaus weg. Doch man trifft auch „alte Bekannte“, wie die Brüder Erik und Leo aus Frankfurt/M., die schon vor einem Jahr dabei waren und in der MachaneAusgabe von 2009 einen „journalistischen Beitrag“ geleistet haben. Xenia Fuchs, Jugendzentrumsleiterin der jüdischen Gemeinde zu Berlin und Rosch („Kopf“), d.h. Leiterin des Machanes , erzählt: „Natürlich gibt es auch Kinder, die am Anfang Heimweh haben, das ist ganz normal, das ist dann unsere Aufgabe, für sie da zu sein und mögliche Probleme zu lösen, wichtig ist unsere ständige Präsenz und Aufmerksamkeit. Die Kinder müssen wissen, das sie mit allem immer zu uns kommen können, wir schauen dann gemeinsam, was wir tun können.“ Und sie betont: „Wir beobachten auch, das sich die Kinder umeinander kümmern! Das ist ganz fantastisch: sie spüren, das es vielleicht jemanden nicht gut geht, gehen auf ihn oder sie zu und fragen liebevoll nach, was denn los ist. Da reicht oft eine Kleinigkeit und alles ist wieder im Lot. Doch zuerst müssen wir als Vorbilder agieren, das ist mein Job und natürlich auch die Aufgabe der Madrichim.“ Dazu passend trägt Xenia ein T-Shirt mit dem Slogan „I care“ – „Ich kümmere mich“.Der Satz ist das Thema dieser zwei Wochen in Bad Sobernheim und gehört zum Motto aller Sommermachanot im Jahr
2010: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“,jede einzelne Freizeit hat ihren eigenen Slogan. Entsprechend ist auch das Programm organisiert: Es gibt Projektgruppen zu unterschiedlichen Themen wie Liebe, Freundschaft, soziales Engagement und der biblische Hintergrund. Entsprechend ist jeder einzelne Tag des Machanes zu diesem Themenbereich kindgerecht organisiert, sei es das Freizeitprogramm, eine Peulah (die von den Madrichim geleiteten Aktivitäten der Projektgruppen), die Chugim (AG`s) und das jeweilige Abendprogramm. Eine Momentaufnahme: Der Tag beginnt mit Frühsport, gemeinsam mit Ariel, der die AG Sport leitet. „Heute waren es 4 Kinder, gestern dagegen 20. Das ist verständlich, gestern hatten wir ein spannendes Freizeit-Programm im Holiday Park, aber eben auch anstrengend bei großer Hitze. Viele wollen dann lieber länger schlafen, es soll ja auch eine Erholung sein!“ Nach dem Frühstück geht es dann im Rahmen einer Aktivität mit der bekannten Comicfigur Nemo auf Schmugglerpfaden weiter. Danach geht es in die „Werkstätten“, die ähnlich wie die AG’s ablaufen. Hier können die Kinder während der gesamten Machanezeit etwas bauen, basteln oder gestalten, was sie mit nach Hause nehmen können. Dazu gehört z.B. eine Zedaka-Box (Spendenbox), ein Kuscheltier oder eine Machanezeitung. Anschließend werden die AG´s wieder aktiv: Ariel bietet Kampfsport an, dann wird mit Tirza Hodes getanzt (Fotos S.6) und mit Elik Reutstein gesungen. Dies sind Proben für das bevorstehende Tanzfest am Abend mit dem Motto „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, für das die Madrichim David und Dani zuständig sind. Es ist heute nicht ganz so heiß wie die vergangenen Tage, wo dann als Alternative zum vorgesehenen Programm das Schwimmbad angesagt war. Doch nach der Motivation durch Tirza, die es immer noch schafft, die Leute auf die Beine zu bekommen, und dem gesamten Team sind trotzdem alle ins Schwitzen gekommen und freuen sich auf den Abend. Xenia (27), leitet zum 4. Mal eine Ferienfreizeit der ZWST, gemeinsam mit Shelly (Co-Rosch), 8 Madrichim (Jugendbetreuer) und 5 AG-Leitern (Chugisten), die eine breite Auswahl an Sport-, Bastel-, Tanz-, Singen-, und Hebräisch-AG`s organisieren. Sie skizziert das Konzept der Vermittlung jüdischer Inhalte: „Es geht nicht darum, den Kindern theoretisch viel zu erklären. Natürlich gibt es in den Projekten auch kurze, einleitende Shiurim (Vorträge), aber die Hauptsache ist: Wir werden aktiv im Sinne ´learning by doing`. Zum Beispiel unser Programm ´Hebräisch-Memory`, ein ´Ulpan` der besonderen Art. Hier werden bestimmte Gegenstände mit hebräischen Begriffen bezeichnet. Die Kinder finden in ihren Zimmern Karten auf den Möbelstücken, und auch im gesamten Haus hängen die Namen von bestimmten Räumlichkeiten wie z.B. Spei6
1. Turnus vom 06. bis 19. Juli 2010
Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 5
One machane can change everything: Bad Sobernheim sesaal, Toilette, Bibliothek etc. Jeden Tag kommen neue Karten dazu und die Kinder bekommen so in ihrem Alltag einen Zugang zum Hebräischen. Bei einem Memory-Abendprogramm wird dann das Gelernte überprüft.“ Wie kommt man selber dahin, dass man als Leiter und Betreuer kompetent, mit dem nötigen Gespür für Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der jeweiligen Altersgruppen und natürlich der erforderlichen „sanften Autorität“ eine richtig gute Ferienfreizeit organisiert und leitet? „Der Weg ist ja bei vielen so, dass man selber die Machanot mitgemacht und dann an den Praktikantenseminaren der ZWST teilgenommen hat. Wer dann die nötige Motivation, Engagement und Spaß an der Sache entwickelt, kann als Madrich im Jugendzentrum der Gemeinde und eben auch Doch sie bekommt ein Lob von Samuel (9), aus bei den Machanot ehrenamtlich aktiv werden. In Klein-Machnow bei Berlin, von Megi (9) aus Fulda diesem Machane sind 3 Madrichim erstmalig dabei und von dem fast 8jährigen Joel aus Berlin, der und machen mit Herz und Seele ihre Sache richtig das erste Mal dabei ist. Sie zählen auf, was ihnen gut. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten für ´Sei- bisher am besten gefallen hat: Natürlich sind es teneinsteiger`, wie Ariel, der bei anderen jüdischen bei Temperaturen über 30 Grad die Wasserrutsche, Organisationen in der Jugendarbeit aktiv war und der „Pool“ des Max-Willner-Heims, aber auch die jetzt mit den Kindern im Max-Willner-Heim als einfallsreichen Abendprogramme, wie z.B. DiscoChugist Fußball spielt, sie zum Frühsport animiert Pogo oder Gameshow-Marathon und die Auftritte oder ihnen Kampfsport beibringt.“ der Madrichim, die sich dafür immer wieder einDas ist eines der wichtigen Ziele der ZWSTMachanot: jüdische Identitäten zu stärken und die Kinder und Jugendlichen zu motivieren, sich für die jüdische Jugendarbeit in ihrer Gemeinde zu interessieren und sich später auch selber stark zu machen für ein funktionierendes Jugendzentrum. Für die kreative Ideenfindung sind, neben den Fortbildungen, auch die in den letzten Jahren wieder häufiger stattfindenden Treffen der Jugendzentrumsleiter sehr wichtig. Diese Treffen fördern neben einer dringend notwendigen, stärkeren Vernetzung (Bsp.: Madrichimtausch, soll auch noch ausgeweitet werden) auch das große Thema der Motivation von Kindern und Jugendlichen und helfen den JZ-Leitern, ihrer Aufgabe als Roschim auf den Machanot gerecht zu werden. fallsreich und originell verkleiden. Erwähnt werden Xenia betont: „Nach meinem 1. Job als Leiterin ei- auch die Ausflüge wie z.B. zum Holiday-Park, der nes Machane habe ich sehr viel gelernt, obwohl ich Sport mit Ariel und das Hebräisch-Memory. Auf schon vorher als JZ-Leiterin in Berlin gearbeitet die Frage, was ihnen eventuell nicht so gut gefallen habe. Ich lerne bei jedem Machane neu dazu, es hat, kommt einmütig die Antwort: „Das war am geht immer wieder um die richtige Kommunikation Anfang, da hatten wir etwas Heimweh. Außerdem mit den Kindern!“ war die Xenia streng, weil sie uns die Regeln erklären musste. Aber das muss sie doch sein, wir sind 90 Kinder, sonst funktioniert das doch nicht. Wir finden das okay!“ Die Tatsache, dass diese Kinder dem unbeteiligten Beobachter aus kindlicher Perspektive die Notwendigkeit einer „sanften Autorität“ der Machane-Leiter erklären, spricht dafür, dass eine gewisse Autorität bei den Kindern gut ankommt und verstanden wird. HvB, ZWST 5
Fotos: Rafael Herlich
ZWST
informiert • Seite 6
One machane can change everything: Marbella und Gatteo „Diesen Sommer ändern wir die Welt“
„L
iebe deinen Nächsten wie dich selbst. Diesen star“. Außerdem gab es die Möglichkeit, Spanisch Sommer ändern wir die Welt. Wir kümmern zu lernen, hinter die Geheimnisse der Börse zu uns, gemeinsam gehen wir’s an. Echpat li we echpat schauen und vieles mehr. gam le kulam.“ Diese Strophe aus der Machane- Am Abend schlüpften dann alle in verschiedene hymne fasst das diesjährige Machanethema „Liebe Rollen: vom FBI-Agenten über den Fußballfan deinen Nächsten wie dich selbst“ („We ahawta lereacha Kamocha“) am besten in Worte. In vielen Aktivitäten und im Machane-Alltag wurde das Gebot der Nächstenliebe gelebt und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Sei es die Liebe zur Umwelt, die man schützt, die Freunde, für die man da ist, die bedingungslose Liebe zur Familie oder auch die Liebe zu sich selbst. So sollte den Teilnehmern der Machanot die Umsetzung dieses Gebotes nach eigenem Ermessen im Alltag näher gebracht werden. bis hin zu den Figuren aus „Alice im Wunderland“. Kein Aufwand war zu hoch, um die Abendprogramme so spannend wie möglich zu gestalten. Auch bei den Ausflügen wurden vom Team keine Mühen gescheut. Wir besuchten mehrere Male den schönen Strand von Marbella, den Freizeitpark Tivoli, einen Aquapark, Marbella City und als Höhepunkt die Stadt Cordoba, in der wir unter anderem durch das historische jüdische Viertel geführt wurden. In den folgenden Machanot im Juli und August wurden die Städte Granada und Sevilla besichtigt. Als Besonderheit hatten die Chanichim die Möglichkeit, an einem weltweit stattfindenden Projekt teilzunehmen: Jüdische Kinder und Jugendliche schreiben 2010 den Tanach. (s. S.10) Zum ersten Turnus vom 6. bis 19. Juli kamen Die zwei Wochen in Marbella vergingen in der 12-15jährige Jugendliche aus ganz Deutschland besonderen Atmosphäre wie im Flug. Die zwei in Marbella, an der spanischen Costa del Sol in wunderschönen Shabbatot unter spanischem HimAndalusien, zusammen und weihten die Anlage mel mit stimmungsvollem Gesang hinterlassen eine des Jugenddorfes „Fuerte de Nagueles“ für das bleibende Erinnerung. erste jüdische Feriencamp dort ein. Ein besonderes Highlight waren die grenzenlosen Freizeitmöglichkeiten auf dem Gelände: Fußball, Basketball, Beachvolleyball, eine Minigolf-Anlage, Darts, Pfeil und Bogen, eine Kletterwand, Ponyreiten, ein Kiosk, eine Disko, eine Lounge zum Ausspannen, ein Internet Café und ein Swimmingpool, der dauerhaft der Abkühlung diente. Der 2. Turnus in Marbella vom 21.07. – 03.08. wurde in Zusammenarbeit mit Makkabi Deutschland durchgeführt. Hier konnten die Teilnehmer mit Betreuern von Makkabi Fußball, Basketball, Tennis, Tischtennis, Tanzen und anderes trainieren. Das gigantische Freizeitangebot wurde von den Jugendlichen begeistert und dankbar angenommen. Sie nutzten es in jeder freien Minute zwischen den Für die 16-18jährigen organisierte die ZWST diesen spannenden Programmen, die von den Madrichim Sommer 3 Turnusse im bekannten und geliebten für sie vorbereitet wurden. So hatten die Teilneh- italienischen Gatteo a Mare an der Adriaküste. mer eine breite Auswahl an Chugim: Angeboten Schnell wuchsen auch hier die Jugendlichen zu eiwurde z.B. „Action Painting“ oder Design für ner großen Familie zusammen. Bei Ausflügen nach die Kreativen, eine Sport-AG sowie Frühsport Venedig (Foto), Rimini oder Milano Marittima, ei(Schwimmen oder Fussball) und eine Gesangs- und nem Hochseilgarten oder dem Freizeitpark Show-AG wie bei „Deutschland sucht den Super- Mirabillandia nutzten die Chanichim jede 8
Machane „Echpat Li“ - „I care“ Sommer 2010 in Marbella (3 Turnusse) und Gatteo (3 Turnusse) mit 383 Teilnehmern
Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 7
One machane can change everything: Marbella und Gatteo Minute, um sich besser kennenzulernen und gemeinsam die gute Zeit auszukosten. Jeden Abend lernte man ein neues Lied aus den israelischen Charts sowie „jüdische Klassiker“, die von einigen Teilnehmern am Abschlussabend als spezielles Dankeschön für das Madrichim-Team vorgetragen wurden. Sowohl in Marbella als auch in Gatteo sind die Jugendlichen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands am Ende Freunde geworden. Der Trennungsschmerz am letzten Abend war zwar groß, doch man verabredete gegenseitige Besuche und ein Wiedersehen spätestens auf den Wintermachanot der ZWST. 7
Wir möchten uns bei den Madrichim und Chugisten (AG-Leiter) sowie bei allen Helfern bedanken für die Mühe, Zeit und Kreativität, die sie in die Machanot gesteckt haben. Ein besonderer Dank gebührt Nachumi Rosenblatt, stellvertretend für das gesamte Team des Jugendreferats. All die Anstrengung hat sich gelohnt, wenn man von den Chanichim am Ende zu hören bekommt: „Vielen Dank! Es war eine unvergessliche Zeit!“ Marat Schlafstein, Rosch 1. Turnus Marbella, CoRosch 2.Turnus Gatteo Fotos S. 7, 8: David Flek (Marbella), Yifat Baruchi (Gatteo)
Die „Dream-Teams“ in Marbella (li.) und Gatteo
Ein großes Lob: „So muss das sein!“ Romy Markovich, 15: „Das Alice im Wunderl and Programm werde ich noch lange in Erinnerung behalten! Die Aufregung und die Kostüme waren toll! Es war auch schön, so viel Auswahl auf dem Gelände zu haben! Besonders der Pool war cool! Am meisten werde ich die Zewet (das Team), die Leute und mein Zimmer vermissen!!!“ Jonathan Botman, 15: „Mir hat besonders das Gelände gefallen! Ich habe fast alles ausprobiert und konnte zwischen den Programmen immer eine Aktivität auf dem Gelände nutzen! Auch die Programme und Ausflüge fand ich toll, besonders der in den Aquapark. Klasse fand ich auch, dass wir jeden Tag entweder am Strand oder am Pool waren! So muss das sein!“
Pasha Tyulnev, 15: „Ich finde es schön, dass es von Anfang an bis zum Ende Höhepunkte auf Machane gab! “ Rena Pisareva, 16: „... ich persönlich fand diese zwei Wochen unvergesslich. Jeden Tag gab es irgendwas besonders, wie z.B. unsere Ausflüge nach Rimini, zum Hochseilgarten oder natürlich nach Venedig. Aber auch über Kleinigkeiten wie Pizza zum Mittagessen haben wir uns immer gefreut. Die Madrichim und die Zewet waren alle toll und ich hab mich sehr wohl gefühlt, was ich auf einem Machane für etwas sehr Wichtiges halte. Ihr habt uns allen zwei tolle Wochen bereitet und ich würde mich sehr freuen, alle beim Nachtreffen wiederzusehen. Liebe Grüße!“
Entdecken und Lernen in Israel: Rundreise und Ulpan
I
m Sommer 2010 erkundeten 74 Kinder und Jugendliche auf die einmalige „Abenteuer-RundJugendliche das Land Israel aus ganz unter- reise“ durch Israel, 11-14jährige Jugendliche waren schiedlichen Perspektiven. Gemeinsam mit ihrem mit ihrem Leiter Benni Barth im Rahmen einer Rosch Benni Pollack begaben sich 15-19jährige „Ulpan-Lernreise“ unterwegs.
Die Rundreise
J ZWST
informiert • Seite 8
onathan Brief (15) aus Frankfurt/Main war zwar Rundreise besser als die Machanot, wo man die nicht das erste Mal in Israel, hat aber erstmalig ganze Zeit an einem Ort ist, dort an einem festen das ganze Land bereist. „Das Gefühl, ich habe Programm teilnimmt, zwar auch Ausflüge macht, ganz Israel gesehen – das ist das Schöne und Auf- – aber ich sehe doch längst nicht so viel!“ Daher regende daran!“ Er war mit 9 Jahren auf Machane hatte Jonathan auch die Möglichkeit, sich von dem in Bad Sobernheim und hat zweimal an einem umfangreichen „Sommerangebot“ der ZWST sich Ulpan in Israel teilgenommen. „Mir gefällt so eine die, für ihn passende Reise auszuwählen und hat
One machane can change everything: Israel sich mit anderen Jugendlichen vom 14. Juli bis 3. Programm, am besten hat mir Eilat am Roten August auf den Weg gemacht. Meer gefallen mit dem Unterwasser-ObservatoriAuf einen Weg, der Israel von Galiläa im Norden umspark, einer Schifffahrt… Auch die Zeltnächte über Zofar und Eilat im Süden, dann wieder bei den Beduinen in Zofar, das Kamelreiten in der nordwärts über Kfar Hayarok bei Tel Aviv bis hin Wüste und die Jeeptouren waren beeindruckend.“ zum nördlichen Armeestützpunkt Gadna Zalmon Er erinnert sich weiterhin an Erlebnisse wie das durchquerte. Die Reise endete mit dem Shabbat- Paintball spielen im nördlich gelegenen Kibbuz wochenende und dem Besuch von Yad Vashem in Ayelet Hashachar. „Natürlich auch Jerusalem und Jerusalem und 2 Tagen in Tel Aviv, wo Aktivitäten Tel Aviv, das gehört ja dazu, aber die beiden Städte wie der Besuch des Palmach-Museums und ein habe ich schon mit meinen Eltern besucht und es letzter Einkaufsbummel auf dem Carmel-Markt war nicht mehr so neu.“ in Tel Aviv dazugehörten. Als ein zwiespältiges Erlebnis beschreibt Jonathan Was hat bei Jonathan den stärksten Eindruck die 4 Tage bei der „Gadna“. Die Gadna ist eine hinterlassen? „Das war das Gruppenerlebnis, die speziell für junge Besuchergruppen organisierte gute Gemeinschaft, am Anfang waren wir noch Einheit der israelischen Armee im Norden Israels. ´Frankfurter`, ´Berliner`, zuerst fanden sich natürlich Dieser Aufenthalt soll jungen Besuchergruppen die zusammen, die sich schon vorher kannten bzw. den Alltag in der israelischen Armee vorstellbar aus einem Ort kamen. Das spielte aber dann keine und verständlicher machen. Zumal es mehr war als Rolle mehr. Wir sind schnell zusammengewachsen, nur ein kurzer Besuch: „Na ja, es war recht anstrenman kannte von jedem den Namen. Ich erinnere gend, nicht sehr komfortabel, wir haben mit 8 Leumich, dass ich mich in Bad Sobernheim teilweise ten in einem kleinen Zimmer ohne Klimaanlage recht allein gefühlt habe, ich kannte niemanden, das geschlafen und haben die Stunden gezählt… aber ist auch der Altersunterschied. Jetzt bin ich froh, im Nachhinein war das total interessant und hat auch mal ohne die Eltern unterwegs zu sein und bei mir schon einen starken Eindruck hinterlassen, andere Jugendliche kennenzulernen. Wir haben eine wichtige und gute Erfahrung!“ private Besuche in Berlin verabredet und hoffen Ein dickes Lob bekommt das Team: „Wir waren auf ein Nachtreffen! Natürlich bleiben wir auch alle auf einer Ebene, es hieß immer, wir sind 49 online in Kontakt, die Möglichkeiten hatte ich mit Chanichim, 49 Madrichim und 49 Roschim! Natür9 Jahren noch nicht!“ lich haben Benni und die Madrichim für die nötige Und das Reiseprogramm? „Ein absolut cooles Ordnung gesorgt, das hat alles supergut geklappt!“
Die Teilnehmer des Ulpan in Jerusalem
Ruhepause nach einer Wanderung im Golan
Der Ulpan
V
om 15. Juli bis 02. August 2010 hatten 11-14jährige Jugendliche die Möglichkeit, zu lernen und gleichzeitig Ferien zu machen. Fernab vom Schulalltag waren die Teilnehmer in dem religiösen Jugenddorf im Moshav Kfar Chassidim im Norden Israels bereit, früh aufzustehen und im Ulpan Hebräisch zu lernen. Wie die Erfahrung lehrt, motiviert die besondere Atmosphäre die Kinder, sich auch in ihren Sommerferien auf eine besondere „Lernreise“ zu begeben. Zumal auch die Nachmittage für ein umfassendes und spannendes Freizeit- und Aus-
flugsprogramm reserviert waren. Das reichte von Strandbesuchen und Schwimmen über Jeeptouren und Kajak auf dem Jordan bis hin zu Wanderungen in den Canyons des Golan. Auch für die Abende war ein besonderes Programm vorgesehen, abgestimmt auf die Unternehmungen am Nachmittag: Schlagzeugspielen, Bowling, Nachtschwimmen, Canyonbesuche und spezifische Aktivitäten mit den Madrichim. Natürlich gehörte auch ein Wochenende in Jerusalem dazu, 10
Fotos: Rafael Herlich
Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 9
One machane can change everything
wo man den zweiten Shabbat der Ulpan- mal wieder vorkommen, das ist normal. Der Ulpan reise feierte. hat den Kindern einen guten Einstieg in Ivrith gegeben und es bleibt zu hoffen, dass die Chanichim „Das Machane war hervorragend, die Kinder waren ganz ganz toll, sehr wissbegierig und haben in den kommenden Jahren immer wieder nach super mitgemacht. Für mich war es besonders Israel fahren, um weiter zu lernen.“ (Benni Barth, beeindruckend, dass alles so gut geklappt hat, und Rosch) dass es keine Komplikationen gab, die sonst immer HvB, ZWST, Fotos: Rafael Herlich 9
ARD Fernsehlotterie fördert Ferienfreizeiten der ZWST
Die ARD Fernsehlotterie bietet Hilfe in ganz Deutschland
Kontakt: Mario Czipull, Leitung Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel.: 040 / 414104-38 mario.czipull@ ard-fernsehlotterie.de
ZWST
informiert • Seite 10
In den letzten drei Jahren förderte die ARD Fernsehlotterie 19 Projekte der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) in Deutschland. Allein in diesem Jahr ermöglichten umfangreiche Förderungen die Durchführung der Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche. So konnte die ARD Fernsehlotterie vielen Jugendlichen zu Erholung, spannenden Erlebnissen und ihrem ganz persönlichen Platz an der Sonne verhelfen. Auch die Seniorenerholungen der ZWST werden regelmässig unterstützt. Die älteste Soziallotterie Deutschlands ermöglicht mit den Einnahmen aus dem Losverkauf eine Vielfalt von jüdischen Aktivitäten und Einrichtungen: Für die fast 1.200 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Bochum ist ihr Gemeindezentrum der kulturelle und soziale Mittelpunkt. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche zum Lernen und Tanzen, eine Sozialbetreuung kümmert sich um jüdische und nichtjüdische Migranten aller Altersgruppen. Ein gemütliches Café sowie sportliche und kulturelle Veranstaltungen runden das Angebot ab. Ein Gemeindezentrum als Mittelpunkt einer jüdischen Gemeinde – das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dennoch scheitern solche Projekte häufig an ihrer Finanzierung. Den Bau des Bochumer Gemeindezentrums unterstützte die ARD Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ mit 500.000 Euro. Die Bandbreite der Förderungen durch die ARD Fernsehlotterie ist riesig und reicht von der Sa-
nierung eines Seniorenheims über Computer für eine Online-Suchtberatung bis zu Ferienplätzen in Mutter-Kind-Kurheimen. „Helfen und Gewinnen“ ist das Motto der Soziallotterie. „Jeder Mitspieler hilft, Menschen zu helfen, denn über 40 Prozent der jährlichen Einnahmen aus dem Losverkauf fließen direkt an soziale Einrichtungen. Rund ein Drittel wird als Gewinn ausgeschüttet“, erklärt Christian Kipper, Geschäftsführer der ARD Fernsehlotterie. Pro Jahr profitieren rund 400 Einrichtungen in ganz Deutschland zugunsten von Kindern, Senioren sowie kranken und behinderten Menschen von der finanziellen Unterstützung. Seit ihrer Gründung erspielte die Soziallotterie rund 1,4 Mrd. Euro für über 5.900 Hilfsprojekte. Die Stiftung Deutsches Hilfswerk (DHW) sorgt dafür, dass die Loseinnahmen nach festen Förderrichtlinien bedarfsgerecht verteilt werden. Zu den sogenannten Destinatären gehören neben der ZWST auch die Wohlfahrtsverbände der Caritas, der Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt, des Paritätischen und des Deutschen Roten Kreuzes. Damit das so bleibt, benötigt die ARD Fernsehlotterie viele Mitspieler. Die können sich nicht nur auf attraktive Sachpreise und Gewinne von bis zu einer Million Euro freuen. Sie können sich auch sicher sein, dass ihre Losgelder da ankommen, wo sie benötigt werden: bei Menschen in Deutschland wie den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde in Bochum. Eine detaillierte Übersicht über die geförderten Projekte bietet die ARD Fernsehlotterie auch auf ihrer Internetseite www. einplatzandersonne.de. Mario Czipull, Leitung Kommunikation, Presseund Öffentlichkeitsarbeit
Pädagogisches Zentrum (PZ) Das ZWST-Informationsportal „Hadracha“ gewinnt zunehmend an Beliebtheit
M
it einer Vielfalt an Themen liefert das Por- ten, um sich deutschsprachige Materialien für die tal Ideen für mögliche Aktivitäten in den jüdische Jugendarbeit herunterzuladen, so zählten Jugendzentren. Unter anderem findet sich dort wir Anfang 2009 schon 5.539 Besucher und Anfang Hintergrundwissen zum Judentum, den jüdischen 2010 sogar 7.648 Besucher im Monat. Feiertagen, Israel, dem Zionismus und der Shoa. Die Seite wird ständig aktualisiert und erweitert Dazu kommen zahlreiche Vorschläge für Peulot und zu den Hohen Feiertagen 5771 gibt es einzigund Projekte und nützliche Tipps für die Hadracha. artig auf www.zwst-hadracha.de ein besonderes Neben Liedertexten mit Noten, Gedichten und Highlight: Die schönsten Geschichten der Thora Geschichten aus der jüdischen Tradition, findet als Comic zum Download. Lesen, lernen, lachen man Kurzbiographien jüdischer Persönlichkeiten und genießen! - Mehrmals im Jahr informiert ein sowie ausgesuchte Links zu den Themen Judentum, spezieller Newsletter über neues Material im Portal. Israel und Antisemitismus. Wer unser Portal mit eigenen Beiträgen bereichern Das Internet-Portal gewinnt zunehmend an Be- kann, bitte melden bei: Iris Elkabets-Rosen. (Konliebtheit: Waren es Anfang 2008 im Durchschnitt taktdaten siehe rechts) 2.194 Besucher monatlich, die die Seite konsultier-
Ansprechpartner und Info für alle Projekte: Iris Elkabets-Rosen Tel.: 069/94 43 71-24 (täglich 9-13 Uhr) Fax: 069/94 43 71-45 elkabets@zwst.org
www.zwst-mibereshit.de www.zwst-hadracha.de
„Mibereshit“: ZWST geht mit einer überarbeiteten Ausgabe in das 5. Jahr
M
ittlerweile hat die ZWST mit über 2.000 Lesern der Mibereshit-Hefte zum wöchentlichen Thora-Abschnitt erfolgreich ihr viertes Jahr abgeschlossen. Im nächsten jüdischen Jahr geht es am 2. Oktober 2010 mit einer überarbeiteten Ausgabe von Mibereshit für die 5-12jährigen weiter. Die neuen Hefte enthalten viele interessante und lehrreiche Rubriken: Neben einer Schabbatgeschichte „auf den Spuren des Wochenabschnitts“ und der Parascha als lustigen Comic, lesen die Kinder aus den Sprüchen der Väter, basteln, erraten jüdisches Wissen und lernen von der Moral einer chassidischen Geschichte. Zusätzlich zu den wöchentlichen Heften gibt es passend zum jeweiligen
Wochenabschnitt Arbeitsblätter für die Kinder und Tipps für die Erzieher, die wir den Abonnenten rechtzeitig und gratis mailen werden. Der Preis bleibt mit 50 Cent pro Heft (19,50 Euro für ein Jahresabo) unverändert. Die Hefte werden den Abonnenten in monatlichem Rhythmus auf dem Postweg zugesandt. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass sich die Abonnements des Jahres 2009/2010 nicht automatisch verlängern. Wenn Sie die Hefte weiterhin beziehen möchten, ist eine neue Anmeldung unbedingt erforderlich! Weitere Infos, Beispielhefte und Anmeldung auf www.zwstmibereshit.de oder bei Iris Elkabets-Rosen.
Von Kontinent zu Kontinent: Bar/Bat-Mitzwa Kinder schreiben den Tanach
V
on Bogotá bis Bangkok, von Washington bis Warschau, von Nairobi bis Nürnberg: In über 38 Ländern der Welt schreiben Bar- und Bat-MizwaKinder die Verse der Bibel ab. Sie schreiben den ihnen zugeteilten Vers auf eine spezielle Vorlage, und die handgeschriebenen Seiten werden von der ZWST an die Projektzentrale „Biblevalley“ in Israel geleitet. Dort werden sie gebunden und für die kommenden Generationen im Museum Arzot HaMikra und später im Bejt HaTanach aufbewahrt. Nachfolgende Generationen werden bei ihrem Besuch in Israel den handgeschriebenen Vers ihrer Eltern oder Großeltern im Tanach finden. Zum Abschluss erhalten die Kinder eine Urkunde, die außer der Unterschrift des israelischen Botschafters noch weitere Unterschriften hochrangiger Persönlichkeiten enthält. Auf Wunsch werden ihre
Namen im Zusammenhang mit ihrem Vers auf der Website von www.biblevalley.org, Seite an Seite mit allen anderen „Schriftführern“ veröffentlicht. Bundesweit haben jüdische Schulen und Eltern diese einmalige Gelegenheit zur Stärkung der jüdischen Identität und des Zusammengehörigkeitsgefühls wahrgenommen und die Bar- u. Bat-Mizwa-Feiernden für das Projekt bei der ZWST angemeldet. Auch auf den Sommermachanot in Marbella wurde das Schreiben der Bibel erfolgreich durchgeführt, wobei alle 280 Kinder zwischen 12 und 15 Jahren die Gelegenheit hatten, Teil des internationalen Projekts zu sein. Das Projekt läuft noch bis Ende 2010 und der Unkostenbeitrag beträgt 10.- Euro. Für weitere Fragen steht Ihnen Iris Elkabets-Rosen zur Verfügung, Anmeldung auf www.zwst-hadracha.de
Alle Texte: Iris Elkabets-Rosen, Fotos: Sharon Faradjew (aufgenommen i.Marbella) Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 11
Fortbildungsprojekt „Professionalität und Innovation“ Auftaktseminar des Zertifikatskurses „Gemeindesozialarbeit“ vom 28.-30. Juni 2010
Prof. Dr. K.-H. Stange
gefördert von:
Rahmenbedingungen der sozialen Arbeit
I
m Juni 2010 startete der Zertifikats- Ich habe sehr engagierte, kluge und wissbegierige kurs „Gemeindesozialarbeit“ mit dem Mitarbeiter der jüdischen Gemeinden kennen ersten Seminar zum Thema „Rahmenbe- gelernt, die sich qualifiziert für ihre Klienten einsetdingungen der Sozialen Arbeit“.Der Seminarleiter, zen. Besonders imponiert hat mir ihre Neugierde Prof. Dr. Karl-Heinz Stange von der FH Erfurt, hinsichtlich der Hilfen und des Umgangs mit der Fakultät Sozialwesen, berichtet: stark zunehmenden Zahl psychisch beeinträchtig„Das System der Sozialen Hilfen und das Gesund- ter Menschen, die ihren Rat suchen. Diese Fragen heitswesen in Deutschland werden auch als ´ge- werden in Zukunft noch weiter an Bedeutung gliedertes System` bezeichnet. Diese Gliederung ist gewinnen und eine entsprechende Beratungskomdurch gesetzlich bestimmte Aufgabenver-teilungen, petenz erfordern. wonach die jeweiligen Träger spezifische Zuständigkeiten haben, gekennzeichnet. Die verschiedenen Zuständigkeiten führen in der Praxis nicht selten zu isolierten Betrachtungen von Teilproblemen und Teillösungen sowie Zeitverzögerungen bei der Bereitstellung benötigter Hilfen. Außerdem wird durch diese Strukturen eine ganzheitlichere Betrachtung und Bearbeitung der Probleme mitunter eher behindert als gefördert. Selbst für langjährig erfahrene Beratungsfachkräfte und Wissenschaftler ist es oft nicht einfach, die Fragen nach ´Wer ist wann bei welchem Problem zuständig` zu beantworten. Umso mehr gilt dies für Betroffene, die mit dem Versorgungssystem in Deutschland nicht vertraut sind. Sie brauchen eine besondere Unterstützung, die sie qualifiziert informiert und ihnen ziel- und passgenau die notwendigen Hilfen vermittelt. In der Startveranstaltung des Zertifi- Ich wünsche den 20 Kursteilnehmern weiterhin katskurses ´Gemeindesozialarbeit` ging es daher viel Erfolg bei ihrer Arbeit und im Zertifikatskurs um die Vermittlung entsprechender Kenntnisse. Gemeindesozialarbeit und natürlich auch viel Spaß Themen waren ´Träger und Finanzierungsstruktu- beim Lernen!“ ren des Sozialeistungssystems`, ´Hilfemöglichkei- Prof. Dr. Karl-Heinz Stange ten bei Krankheit und Behinderung` und ´Umgang mit Multiproblem-Situationen`.
Was sagen die Teilnehmer?
in Kooperation mit:
ZWST
informiert • Seite 12
Was motiviert euch, ein akademisches Zertifikat für die „Gemeindesozialarbeit“ zu erlangen? Sergej: Ich hoffe, professionellere Kenntnisse in der jüdischen Sozialarbeit helfen mir bei meiner zukünftigen Arbeit. Vladislav: Seit 2006 arbeite ich mit Freiwilligen im Projekt „Telefonseelsorge“ der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen als Supervisor und Berater. Die Sozialarbeit in Deutschland unterscheidet sich von der sozialen Arbeit in der Ukraine. Ich hoffe, dass diese Weiterbildung meine Kenntnisse der sozialen Arbeit in Deutschland vertiefen und die Qualität meiner Arbeit erhöhen wird. Ich bekomme mehr Verständnis für die Wechselwirkung zwischen sozialer Institution und staatlicher Einrichtung. Auch werden meine Möglichkeiten verbessert, Kollegen aus anderen Städten kennen zu lernen und mehr über die positive Erfahrungen der Sozialarbeiter in anderen Gemeinden zu erfahren. Julia: Unsere soziale Arbeit in der Gemeinde hat sich in den letzten 5 Jahren verändert. Die Ein-
wanderung hat stark nachgelassen und die Zeit der einfachen Begleitung von Neuzuwanderern ist vorbei. Die Anforderungen, die unsere Mitglieder an uns als Sozialarbeiter stellen, sind mittlerweile sehr hoch. Sie erwarten von uns qualifizierte Hilfe, Beratung und Betreuung sowie die Durchführung sozialer Projekte. Genau hier fehlen mir teilweise die Professionalität und die Qualifikation. Diese Defizite und Lücken möchte ich gerne mit der angebotenen Weiterbildung ausfüllen, besonders da der Inhalt der Module sehr der aktuellen Problematik der Gemeindesozialarbeit entspricht. Dazu kommt: Ich arbeite sehr gerne mit Menschen. Da ich den Weg Migration und Integration aus eigener Erfahrung kenne, möchte ich unsere Mitglieder mit einer persönlichen und qualifizierten Beratung unterstützen. Ich bitte euch um eine kritische Bewertung! Sergej: Für mich war alles interessant, doch wenn ich Schwerpunkte setzten wollte: Mir hat vor allem die vergleichende Analyse der Sozialstruktur Deutschlands mit anderen Ländern gefallen.
Fortbildungsprojekt „Professionalität und Innovation“ Auch der psychologische Anteil des Seminars war für mich sehr wichtig, wie z.B. die Klassifikation psychischer Befindlichkeitsstörungen. Mir hat nur etwas der Praxisbezug gefehlt. Vladislav: Ich möchte das Seminar mit „sehr gut“ bewerten, das Programm war optimal. Zuerst die qualitative Arbeit des Dozenten, Herrn Prof. Dr. Karl-Heinz Stange, die Materialvergabe, die Vermittlung aktueller Informationen, die Flexibilität. Das Programm des Seminars war insgesamt informativ und interessant. Ich bin den Organisatoren und den Teilnehmern des Seminars aufrichtig dankbar für die gute, produktive Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis. Mein Vorschlag wäre, das Seminar mit mehreren praktischen Beispielen aus der sozialen Arbeit in Deutschland zu ergänzen. Allerdings sind Fragen, mit denen sich die Sozialbüros der jüdischen Gemeinden beschäftigen ähnlich. Es gab Zeit für den Kontakt mit den Kollegen und Austausch von Informationen. Leider war keine Zeit für eine individuelle Beratung vorgesehen. Julia: Wir hatten richtig Glück mit dem Dozenten Prof. Dr. Karl-Heinz Stange. Das Thema „Sozialsystem in Deutschland“ ist nicht gerade das unterhaltsamste. Aber mit zahlreichen Beispielen, mit abwechslungsreichen Arbeitsmethoden wie Lehrfilmen und Gruppenarbeit, hat das Lernen Spaß gemacht. Der Erfahrungsaustausch, der in Bad Sobernheim schon ein Muss ist, hat unsere Abende sehr angenehm gemacht. Die Gastfreundlichkeit des Personals ist schon längst ein Markenzeichen von Bad Sobernheim geworden.
Ethik zu berücksichtigen. Außerdem möchte ich gern die Module „Migration und Integration“ und „Konzepte von Interkulturalität und Transkulturalität“ mitmachen. Da wir in einer Einwanderungsgesellschaft leben, sind beide Themen hoch aktuell. Was wünscht ihr euch für eure berufliche Zukunft? Sergej: Wenn es möglich ist, möchte ich das Projekt „Russischsprachige Telefonseelsorge“ in der JG Recklinghausen weiter leiten. Ich plane, dieses Projekt im Rahmen einer „Jüdischen Hotline“ in
ganz Deutschland zu vernetzen. Vladislav: Ich glaube, dass mir dieser Kurs das notwendige Wissen für neue Ideen geben wird. Ich hoffe, wir können die Tätigkeit der Gemeindemitglieder aktivieren und zusätzliche Ressourcen für unsere aktuellen Aufgaben und die Verwirklichung Für welches Modul habt ihr euch außerdem ange- neuer Projekte heranziehen. Auch hoffe ich, dass meldet und warum? diese Fortbildung für mich ein gutes Sprungbrett Sergej: Für das Modul „Migration und Integra- in das erfolgreiche Erwerbsleben in Deutschland tion“. Dieses Thema ist für meine Arbeit in der sein wird. Telefonseelsorge relevant. Es ist das Hauptziel Julia: Am wichtigsten ist mir, die neu erlernten unseres Gemeindeprojektes, psychologische Kenntnisse in die Praxis umsetzen zu können. DaHilfen für russischsprachige Migranten durch rüber hinaus möchte ich auch eigene Projekte für unseren Telefonseelsorgedienst zu schaffen, um unsere Gemeinde entwickeln oder mich an Projekihnen die Integration in die deutsche Gesellschaft ten anderer Gemeinden oder Verbände beteiligen. zu erleichtern. Außerdem habe ich mich für das Die ZWST hat sich mit weiteren Teilnehmern Modul „Jüdische Geschichte und Gegenwart“ anunterhalten: Elena Soskina, 34, Sozialbüro JG Giegemeldet. Im Zusammenhang mit meiner Arbeit im ssen, Max Solomonik, 46, Integrationszentrum JG Bereich Migrationspsychologie ist das Thema für Cottbus und Bella Furmann, 42, ZWST-Zweigstelle mich interessant, um die Entwicklung und jüngere Wismar: Geschichte des Judentums in Deutschland richtig Auch hier waren sich die Seminarteilnehmer einig, zu verstehen. dass ihnen die Teilnahme am Zertifikatskurs „GeVladislav: Alle von den Organisatoren angebotemeindesozialarbeit“ folgendes ermöglichen wird: nen Themen sind von Interesse und werden in der Verbesserung fachlicher Kompetenzen, Vertiefung Arbeit nützlich sein. Ich möchte alle angebotenen der erforderlichen Kenntnisse und Erhöhung der Module besuchen, nicht nur aus dem Kurs „GeProfessionalität, um zukünftigen Herausforderunmeindesozialarbeit“. Ich verstehe, dass es leider gen gewachsen zu sein. unrealistisch ist... Deshalb kann ich leider noch Die ZWST bedankt sich bei allen Teilnehmern für nicht auf diese Frage antworten. die Teilnahme am Interview und wünscht ihnen Julia: Ich werde mich für alle Module „Orientieweiterhin alles Gute und viel Erfolg! HvB, ZWST rungswissen Judentum“ anmelden. Als Sozialarbeiterin einer jüdischen Gemeinde finde ich es sehr Fotos: Irina Rosensaft, Vladislav Zaslavskiy, privat wichtig, bei der Arbeit mit Menschen die Tradition und Geschichte des Judentums und die jüdische
Sergej Stachevski (51) Lehrer im Behindertenbereich, tätig i. d. psycholog. Forschung. Seit 1991 in Deutschland, seitdem aktiv in der Jüd. Gemeinde Reckling-hausen. Leitet dort seit 5 Jahren das Projekt „Russischsprachige Telefonseelsorge“
Julia Rappoport (35) In Kaliningrad Studium der Pädagogik u. Psychologie, tätig als Grundschullehrerin. Seit 2002 in Deutschl., seit 2005 hauptamtl. in der Sozialabteilung der jüd. Gemeinde Duisburg tätig
Vladislav Zaslavskiy (39) In Kiew tätig als Physiklehrer (Dipl.) u.i. vielfältigen Bereichen d. Sozialpädagogik. In D. Ausbildung für Telefon-seelsorge, Beratung u. pädagog.sprachl. Fortbildung für zugewanderte Lehrer. Seit 2007 tätig bei der Telefonseelsorge in der JG Recklinghausen. Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 13
Behindertenprojekt Beratung für Angehörige von Menschen mit Behinderung
D Kontakt Kompetenzzentrum: Marina Chekalina Tel.: 069 / 944371-19 (Di.-Do.,10-17 Uhr) chekalina@zwst.org
as von der Aktion Mensch geförderte „Mobile Schulung bei der ZWST in Frankfurt eingeladen. Kompetenzzentrum“ bietet Angehörigen von Themen dieser Fortbildung waren GesprächsfühMenschen mit Behinderung die Möglichkeit, sich rung, Konfliktbewältigung in Beratungssituationen, mit einem spezifischen Problem oder Anliegen Rollenspiele, rechtliche Fragen und Falldiskussioan die ZWST zu wenden. Von hier aus werden die nen mit den Referentinnen Sabena Donath (Dipl. Klienten an den regional zuständigen Mitarbeiter Päd.) und Sandra Scheffler (Lebenshilfe e.V.). weitergeleitet. Das Team des Kompetenzzentrums Neben einem professionellen Theorieinput hatte ist unterteilt in eine übergreifende Leitung sowie man die Möglichkeit, sich auszutauschen, Probleme die Mitarbeiter, die entweder eine „Lotsenfunkti- und Erfahrungen aus der Praxis zu diskutieren und on“ übernehmen oder, wenn erforderlich, in spezi- Fragen zu klären. Regelmässige Schulungen sind fischen Fällen Einzelfallhilfe leisten. - Vom 16. bis ein wichtiger Bestandteil des Projektes, um eine 17. August 2010 hatten Paulette Weber, Leiterin des kompetente Beratung zu gewährleisten. ZWST-Sozialreferates und Projektleiterin Dinah HvB, ZWST Kohan das Team des Kompetenzzentrums zu einer
Projektleiterin Dinah Kohan stellt sich und das Mobile Kompetenzzentrum vor
I
Kontakt Dinah Kohan Tel.: 0163 / 63 25 819 kohan@zwst.org
ZWST
informiert • Seite 14
ch bin 1960 in Berlin geboren und aufgewachsen, sektor (z.B. Selbsthilfegruppen, Kunstkurse usw.) verheiratet und habe 2 Töchter. Nachdem ich aufzubauen. mehrere Jahre als Krankenschwester gearbeitet Infoveranstaltungen in den Gemeinden habe, absolvierte ich zunächst ein Soziologie- und Meine Hauptaufgabe liegt vor allem darin, das anschließend ein Gerontologiestudium und arbeiKompetenzzentrum gemeinsam mit Günther Jek, tete in verschiedenen wissenschaftlichen Projekten. dem Leiter der Sozialabteilung der jüdischen Da mich neben dieser wissenschaftlichen Tätigkeit Gemeinde Düsseldorf, zu organisieren. Dabei ist immer auch der konkrete Umgang mit dem einzeles uns wichtig, das Projekt insbesondere auch in nen Menschen interessierte, wandte ich mich 2004 den kleineren Gemeinden bekannt zu machen. an die ZWST, weil ich weitere Tätigkeitsfelder Gerade diese wollen wir ermuntern, sich regional kennenlernen wollte. Hier hatte ich die Möglichmit anderen Gemeinden zu vernetzen, um machkeit, nebenberuflich 5 Jahre in dem ZWST-Projekt bare Angebote für Betroffene zu entwickeln. Ab zur Unterstützung von jüdischen Menschen mit Herbst 2010 werden wir verschiedene kleinere einer Behinderung mitzuarbeiten. Hauptberuflich Gemeinden besuchen und dort Informationsverwar ich während dieser Zeit an der Frankfurter anstaltungen durchführen. - Eine übergreifende Universität als wissenschaftliche Mitarbeiterin Aufgabe von mir ist die allgemeine Unterstützung beschäftigt und konnte mich dort auch im Rahmen des Sozialreferates der ZWST im Bereich der einer Doktorarbeit mit der Thematik des Projektes Behindertenarbeit, um weitere Projekte im Behinauseinandersetzen. Seit dem 1. Juli 2010 arbeite ich dertensektor umzusetzen zu können. Dabei halte hauptberuflich für die ZWST. ich drei Schwerpunkte zukünftig für besonders Aufgaben des Komptenzzentrums wichtig: a) verstärkt auch Familien mit jüngeren Die Arbeit in dem nun gut fünf Jahre andauern- Kindern und jüdische Einrichtungen der Kinder den Projekt zeigt immer wieder, dass es in vielen und Jugendarbeit anzusprechen, b) ein deutschaus der Sowjetunion stammenden Familien mit russischsprachiges Informationsportal zum Beeinem behinderten Angehörigen sowohl einen hindertensektor zu entwickeln, c) das Ehrenamt großen Informationsbedarf gibt als auch ein großes in diesem Bericht stärker zu etablieren. Dinah Interesse, an der jüdischen Gemeinschaft stärker Kohan, ZWST teilzuhaben. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass viele Familien sehr zurückgezogen leben, was nicht Das Team des Kompetenzzentrums zuletzt vor dem Hintergrund ihrer biografischen Wissenschaftliche Leitung und Beratung: Erfahrungen in der ehemaligen Sowjetunion zu • Paulette Weber, Leiterin ZWST-Sozialreferat, sehen ist. Mit dem Mobilen Kompetenzzentrum möchte die ZWST daher sowohl eine Anlaufstelle Tel.: 069 / 944371-31, weber@zwst.org
für betroffene Familien bieten, als auch Ansprechpartner für die jüdischen Gemeinden im Bereich der Behindertenarbeit sein. Das heißt konkret: - bei Anliegen verschiedenster Art betroffene Familien in Absprache mit ihrer zuständigen jüdischen Gemeinde zu beraten, - ehrenamtliche Initiativen im Bereich der Behindertenarbeit zu unterstützen, und insbesondere kleineren jüdischen Gemeinden dabei behilflich zu sein, geeignete Aktivitäten im Behinderten-
• Dr. Dinah Kohan
• Dr. Michael Bader
Mitarbeiter: • Anna Pimstein • Natalja Poltawez • Jana Stachevski • Marina Poleva • Marina Chekalina
Treffpunkt Recklinghausen 1 Jahr Treffpunkt für Holocaustüberlebende in der JKG Recklinghausen
S
eit Juli 2009 existiert in der Jüdischen Kultusgemeinde (JKG) Kreis Recklinghausen eine Beratungs- und Betreuungsstruktur für Holocaustüberlebende, die von der ZWST, dem Frankfurter Treffpunkt und der Claims Conference gefördert und unterstützt wird. In Form eines wöchentlichen, gemütlichen Zusammenseins haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich auszutauschen, Kontakte zu pflegen und so der Einsamkeit im Alter entgegenzusteuern. Dazu gehören außerdem verschiedene Interessengruppen (Chor, Computerkurs, Sportgruppe) und besondere Veranstaltungen wie Ausflüge, Konzerte, Feste, Vorträge u.a. Leiterin des Treffpunktes ist Jana Stachevski, Sozialarbeiterin der JKG Recklinghausen, die den Treffpunkt mit breiter ehrenamtlicher Unterstützung organisiert. Die ehrenamtlichen Helfer und die professionell mit Überlebenden arbeitenden Fachkräfte nehmen an verschiedenen Fortbildungsseminaren der ZWST teil.
organisiert einen Lesekreis. Jana Stachevski bietet darüber hinaus alle 2 Monate eine soziale Beratung an und führt bei Bedarf Hausbesuche durch. Diese Zweigstelle wird von 10 bis 22 Betroffenen besucht. Der Treffpunkt der JKG Recklinghausen bietet ein abwechslungsreiches Programm für ältere Menschen, die ihr Leben aktiv und kreativ gestalten möchten. Es besteht die Möglichkeit, den Treffpunkt zu unterschiedlichen Anlässen zu besuchen, in einer freundlichen und entspannten Atmosphäre zu diskutieren und zu plaudern, gemeinsam jüdische Feste zu feiern oder auch an Theater- und Konzertbesuchen teilzunehmen. Außerdem werden regelmäßig Vorträge in Recklinghausen, Marl und Dorsten zu den Themen „Aktuelle Lage in Israel“, „Jüdisches Leben in Deutschland“, „Soziale Fragen“ u.a. angeboten. Die russischsprachigen Rabbiner Michael Kogan und David Vinitz halten regelmäßig Vorträge oder leiten Gesprächsrunden zur jüdischen Tradition und Kultur. Über alle Termine und Veranstaltungen wird im monatlichen Gemeinderundschreiben informiert.
Ein Netzwerk im Kreis Recklinghausen urzeit sind in der Gemeinde 235 Holocaustüberlebende registriert, die aus der ehemaligen SU zugewandert sind. Nicht alle Überlebenden können an den Aktivitäten des Treffpunktes teilnehmen, da das Einzugsgebiet der Gemeinde 10 Städte umfasst. Daher hat die Gemeinde neben Recklinghausen Zweigstellen in den Städten Marl und Dorsten eingerichtet. Das Zentrum des Treffpunktes ist in Recklinghausen, wo gute Möglichkeiten für eine Vielfalt von Aktivitäten geschaffen wurden: In einem von der Stadt gemieteten Raum nah bei der Gemeinde treffen sich jeden Sonntag rund 70 Überlebende zum lockeren Austausch. Hier finden auch die Chorproben (2x wöchentlich) mit 20 Teilnehmern statt. Der Chor tritt mehrmals im Jahr in anderen jüdischen Gemeinden auf und ist im Rahmen verschiedener Veranstaltungen in der Gemeinde präsent. Jeden Sonntag trifft sich die Gruppe „Gesund im Alter“ in einem Stadtteil in Recklinghausen, wo die aktivste und zahlreichste Gruppe der Betroffenen lebt. Zu dieser Gruppe gehören durchschnittlich 14 Teilnehmer. Zweimal monatlich kommen ca. 7 Überlebende in dem von Raisa Kuznetsova ehrenamtlich geleiteten Computerkurs zusammen. Alle 2 Monate mietet die Gemeinde einen Raum in Dorsten, um dort ein Treffen und, je nach Bedarf, eine Sprechstunde für Überlebende und deren Familienmitglieder anzubieten. Diese Treffen werden von 8 bis 16 Überlebenden besucht. Der Treffpunkt in Marl ist einmal wöchentlich mit ehrenamtlicher Begleitung in Form eines Cafés geöffnet. Man trifft sich zum Kaffeetrinken, schaut sich Filme an oder
Russischsprachige Telefonseelsorge ie Möglichkeiten der Überlebenden, das Angebot des Treffpunktes wahrzunehmen, werden durch gesundheitliche Belastungen zunehmend eingeschränkt. Dieser Personenkreis ist häufig von chronischen Krankheiten, Stress aufgrund mangelnder deutscher Sprachkenntnisse und zunehmender Vereinsamung durch Verlust von Freunden und Verwandten betroffen. Daher legt die Gemeinde einen Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung der schon bestehenden sozialpsychologischen Betreuung in Form einer russischsprachigen Telefonseelsorge. Dieses Projekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert. Aktuell führen 16 ausgebildete Projektteilnehmer die Beratung durch. Die Mitarbeiter des Projektes gehören selbst zur 2. Generation der Holocaustüberlebenden, sind sehr motiviert und fühlen sich zu dieser Tätigkeit verpflichtet. Die erforderliche Weiterbildung und Supervision wurde bisher in Form eines Selbststudiums durchgeführt, daher ist eine begleitende professionelle Unterstützung sehr wichtig. Die JKG und alle Mitarbeiter der Telefonseelsorge halten eine überregional vernetzte, bundesweite jüdische Telefonseelsorge für dringend notwendig und wären bereit, ihre Erfahrungen hier einzubringen. Die JKG Recklinghausen dankt allen Förderern und ehrenamtlichen Helfern für ihr Engagement und lädt alle betroffenen, älteren Gemeindemitglieder ein, an dem vielfältigen Angebot teilzuhaben! Wir sind für Sie da! Jana Stachevski, JKG Recklinghausen
Z
Jüdische Kultusgemeinde (JKG) Kreis Recklinghausen Am Polizeipräsidium 3 45657 Recklinghausen Tel.: 02361 / 1 51 31 jkg_re@gmx.de
Gruppe „Gesund im Alter“
D
Telefonseelsorge JKG Recklinghausen: Montag: 16.00 - 18.00 Uhr Dienstag: 14.00 - 16.00 Uhr Donnerstag: 10.00 - 12.00 Uhr
Ausgabe 3 Sept. 2010 • Seite 15
Termine Oktober-Dezember 2010 Sozialreferat Paulette Weber, Leiterin 069 / 944371-31
Fortbildungen
Regionale Integrationseminare
Ehrenamtliche der Bikkur Cholim II 11.10. - 14.10. 2010 P. Weber, 069/944371-31 Betreuer u. Leiter der Seniorenfreizeiten II 21.10. - 24.10. 2010 G. Gubinsky, 069/944371-14
Für alle Termine gilt : Änderungen vorbehalten Seminarort: B. Sobernheim, falls keine andere Angabe Anmeldungen über die zuständige Gemeinde
Jugendreferat Nachumi Rosenblatt 069 / 944371-14 Inka Margulies 069 / 944371-17
Förderer der Tagung
Jüdische Gemeinde Düsseldorf für Teilnehmer aus NRW 18.10. - 21.10. 2010
Ehrenamtliche der Chewra Kadischa II 08.11. - 11.11.2010 P. Weber, 069/944371-31
Behindertenprojekt
Fortbildung Sozialarbeiter: Fortgeschrittene II 22.11. - 25.11. 2010 I. Rivin, 069/944371-34 A.Purnik, 069/944371-23
Bildungsfreizeit für Menschen mit Behinderung in Bad Sobernheim 28.10. - 02.11. 2010 P. Weber, 069/944371-31
Fortbildungen
Machanot Winter
Fortbildung Jugendarbeit Anfänger V 15.10. - 17.10. 2010 Vorbereitungsseminar für Madrichim der WinterMachanot 05.11. - 07.11. 2010 Treffen der Jugendzentrumsleiter 07.10. - 10.10. 2010 Lehrer und Erzieher 12.11. - 14.11. 2010 Vorbeter 12.11. - 14.11. 2010 Treffen Kindergartenleiter 12.11. - 14.11. 2010
Kurhotel “Eden-Park” in B. Kissingen, Larissa Karwin, 069-944371-22
Jüdische Gemeinde Leipzig für Teilnehmer aus Sachsen 07.12. - 09.12. 2010 Info Integrationsseminare: A.Purnik, 069/944371-23 purnik@zwst.org
Tanzseminar für Fortgeschrittene II 25.10. - 28.10. 2010 P. Weber, 069/944371-31
Seniorenfreizeiten
18. Turnus Mi., 06.10. - Mi., 20.10. 2010 19. Turnus (Frauenbund) Mi., 20.10. - Mi., 03.11. 2010 20. Turnus (Belegung von Gemeinden) Mi., 03.11. - Mi., 17.11. 2010 21. Turnus (Belegung von Gemeinden) Mi., 17.11. - Mi., 01.12. 2010 22. Turnus (Belegung von Gemeinden) Mi., 01.12. - Mi., 15.12. 2010
“Brückenschlag” Weiterbildung für 18-35jährige 7. Gruppe: Gedenkstättenfahrt nach Buchenwald/Seminar 04.11. - 07.11.2010
Winter-Machanot 2010/11 23.12. 2010 - 02.01.2011 Bad Sobernheim (10-13 Jahre) Natz/Südtirol (14-18 Jahre)
Studienreise nach Israel 21.12. 2010 - 05.01.2011 Auswertung (B.Sobernheim) 10.02. - 13.02. 2011
“Auseinandersetzung mit historischen u. gegenwärtigen Aspekten jüdischen Lebens in Deutschland” www.zwst-brückenschlag.de
Fachtagung 2010 vom 25. - 27. 10. 2010 in Weimar „Das Dilemma der Differenz“ Zum pädagogischen Umgang mit Unterschieden und Ausgrenzung Informationen und Anmeldung: www.zwst-perspektivwechsel.de Tel.: 0361/7891277, zwst-thüringen@web.de ZWST
informiert • Seite 16
Besuchen Sie unsere website: Infos, Termine und noch viel mehr unter: www.zwst.org
View more...
Comments